Chinesische Unternehmen gelistet an ausländischen Börsen: gehasst & unterbewertet?

3. September 2012 -   -  Stefan Mohr

China-Aktien

Es gibt eine Reihe von chinesischen Unternehmen, die sich entschlossen haben im Ausland an die Börse zu gehen. Viele haben zu diesem Zweck im entsprechenden Land eine Holdingsgesellschaft gegründet, die das operativ tätige chinesische Unternehmen hält.

Anfangs waren Investoren begeistert, boten doch chinesische Unternehmen die an ausländischen Börsen notiert waren eine einfache Möglichkeit, im Wachstumsland China zu investieren. Doch diese Begeisterung hat sich weitestgehend gelegt und ist eher ins Gegenteil umgeschlagen. Mittlerweile wurden einige Betrugsfälle in diesem Bereich aufgedeckt. Einige von diesem Gesellschaften wurden offensichtlich nur gegründet, um westlichen Investoren das Geld aus der Tasche zu ziehen. Bilanzen wurden gefälscht, das Geld der Investoren abgezweigt. Die Kurse der betroffenen Unternehmen fielen verständlicherweise ins Bodenlose. Aber auch die Kurse anderer chinesischer Unternehmen die an ausländischen Börsen notiert sind wurden kollektiv mit abgestraft.

Chinesische Unternehmen die an ausländischen Börsen gelistet sind gelten nun bestenfalls als Zockerei, wenn nicht gar als sicherer Betrug. Als Value Investor sollte man auf so etwas nicht hereinfallen.

Aber denken wir uns in die Sache mal etwas anders hinein. Wo kann man an der Börse stark unterbewertete Aktien finden? In Bereichen die jeder liebt? Die weithin als sichere und profitable Investments akzeptiert sind? Oder in Bereichen, in denen man für völlig verrückt erklärt wird, wenn man dort investiert?

Die Antwort sollte klar sein… Zwar ist es nicht unbedingt empfehlenswert, einfach dort zu investieren, wo sonst keiner es tut. Immerhin hat das oft auch seine Gründe. Es gab tatsächlich Betrugsfälle bei Chinaaktien. Und sicher gibt es auch noch einige Betrugsfälle, die noch nicht aufgedeckt wurden. Aber möglicherweise wird diese Gruppe von Unternehmen einfach kollektiv abgestraft, obwohl nur einige schwarze Schafe darunter sind.

Wie die Spreu vom Weizen trennen?

Ich bin mir ziemlich sicher, dass nicht alle chinesischen Unternehmen die an ausländischen Börsen gehandelt sind Betrüger sind. Daher könnte es gut sein, dass einige von ihnen derzeit stark unterbewertet sind. Denn die Bewertungskennzahlen solcher Aktien scheinen extrem verlockend. KGVs im unteren einstelligen Bereich und KBVs weit unter 1. Das alles hat natürlich nur eine Bedeutung, wenn die Bilanzen nicht gefäscht sind und die Zukunftsaussichten nicht deutlich schlechter sind als die Gegenwart.

Grundsätzlich müssten wir also aus der Gruppe der an ausländischen Börsen notierten chinesischen Unternehmen diejenigen herausfiltern, auf die folgendes zutrifft:

  • die Bewertung gemessen an den offiziellen Zahlen ist sehr günstig
  • die offiziellen Zahlen entsprechen (weitestgehend) der Realität
  • die wirtschaftliche Lage des Unternehmens wird sich langfristig nicht deutlich verschlechtern
  • wir trauen dem Management zu, dass es das Geld der Aktionäre sinnvoll einsetzt

Wer über diese Punkte mal nachdenkt, der wird sich vermutlich fragen, was diese speziell mit Chinaaktien zu tun haben. Und richtig, das sind allgemeine Kriterien, die man bei allen Unternehmen betrachten sollte, egal ob aus China oder nicht. Aber chinesische Unternehmen machen die Einschätzung der genannten Punkte leider relativ schwer, bis auf den ersten Punkt, die optisch günstige Bewertung. Folgende Punkte machen unsere Arbeit schwierig:

  • China ist weit weg, das führt z.B. dazu, dass wir nur schwer überprüfen können, wie gut die Produkte ankommen
  • viele der betrachteten Unternehmen existieren erst seit wenigen Jahren. Die Einschätzung, ob ein langfristiger Erfolg möglich ist, ist daher stark erschwert
  • Gesetze und staatliche Regulierungen, die einen starken Einfluss auf den Wert von Unternehmen haben können, lassen sich als Nicht-Chinese sehr schwer einschätzen

Wenn man sich relativ unsicher bezüglich einzelner Aktien ist könnte man natürlich auch folgendes tun. Man kauft eine kleine Position von vielen chinesischen Unternehmen, die an ausländischen Börsen notiert sind. Diejenigen bei denen Bilanzfälschungen bekannt geworden sind oder die einem sehr dubios vorkommen, könnte man dabei ja ausklammern. Sinn macht das dann, wenn man der Meinung ist, dass diese Gruppe von Aktien in ihrer Gesamtheit unterbewertet sind.

Suche nach Kandidaten in Deutschland

Ich bin mir noch nicht sicher, ob sich mit dieser Idee tatsächlich profitable Investments finden lassen. Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, werde ich mir chinesische Unternehmen die an deutschen Börsen notiert sind einmal genauer ansehen. Bisher habe ich folgende Kandidaten gefunden:

Kennt ihr noch mehr chinesische Unternehmen die an einer deutschen Börse notiert sind?

Demnächst werde ich dann einen Artikel schreiben, in dem ich jedes dieser chinesischen Unternehmen kurz unter die Lupe nehme und versuche einzuschätzen, ob sich eine detailliertere Analyse lohnen könnte.

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Kommentare [11]

  1. — Martin · 3. September 2012, 09:28 · #

    Da bin ich mal gespannt. Ansonsten fallen mir noch ein:
    http://www.fast-casualwear.com/investor-relations.html
    Ming Le Sports
    Haikui Seafood Group

    Selbst habe ich nur in Joyou investiert.

  2. — Alex · 3. September 2012, 10:14 · #

    Die Frage ist, was nützt es Zeit zu investieren um möglicherweise gefälschte Zahlen zu analysieren?

    Vielleicht ist in diesem Fall ja einfach ein Korb von Aktien die bessere Wahl, falls man überhaupt solche Aktien braucht?!

  3. — Martin · 3. September 2012, 11:47 · #

    Wenn jemand sich auskennt und gut fälschen kann, ist das auch bei anderen Firmen möglich (siehe Scheinrechnungen/schwarze Kassen oder einfach kreative Buchführung :-).
    Ich habe auch nur einen geringen Teil investiert, da wie bei jeder Aktie ein Totalausfall droht.
    Selbst wenn die Zahlen stimmen, ist das rechtliche Risiko in China hoch. Was passiert denn wenn sich die Beziehungen der chinesischen Eigentümer zur Verwaltung verschlechtern? Zudem hat die Besteuerung auch noch Nachholpotenzial im Vergleich zu den westlichen Steuersätzen.

  4. memyselfandi007 · 3. September 2012, 15:17 · #

    Hallo Stephan,

    Du könntest Deinen Blog langsam mal in “schmerzfrei” Value Investing umbennen ;-)

    Mir fällt als weitere Perle noch “powerland AG” ein. Angeblich irre Margen mit Handtaschen.

    Was ich bei der ganzen Diskussion nciht ganz verstehe: Es gibt jede Menge schweine billige Hongkong Aktien mit Mainland exposure die einen langen Trackrecord haben, z.T. 10% dividende und mehr zahlen und niedrige einstellige P/Es haben.

    Wenn schon, dann die.

    Wobei ich China gegenüber ohnehin extrem kritisch bin.

  5. — Micha · 3. September 2012, 19:59 · #

    Hallo Stefan,

    Bei diesem Thema gehen die Meinungen sehr weit auseinander.
    “Ich bin mir ziemlich sicher, dass nicht alle chinesischen Unternehmen die an ausländischen Börsen gehandelt sind Betrüger sind.”
    …und…
    KGVs im unteren einstelligen Bereich und KBVs weit unter 1.”

    sind typische Argument für ein Investment in Chinaaktien.

    Auf valueandopportunity.com (auch ein sehr guter Blog) werden sehr viele Argumente, die gegen Investments in China sprechen, angebracht. Insbesondere die Artikel zu Asian Bamboo sind sehr lesenswert.

    Ich kann beide Standpunkte sehr gut verstehen und man kann wohl auch nicht pauschal sagen “Chinaaktien sollte man kaufen weil sie so billig sind” oder “Chinaaktien braucht man sich nicht anschauen, weil man einen Betrug nicht ausschließen kann”. Genau das ist der Punkt den am Ende jeder mit sich selber ausmachen muss.

    Dennoch … über die Chancen und Risiken kann man sich informieren. Gucken kostet nichts (außer Zeit ;).

    “wir trauen dem Management zu, dass es das Geld der Aktionäre sinnvoll einsetzt”

    Dieser ohnehin schon wichtige Punkt ist hier besonders wichtig. Hält die Geschäftsführung viele eigene Anteile? Kauft sie womöglich noch hinzu wenn die Aktien günstig sind?

    Diese Fragen können einen Hinweis (nicht mehr und nicht weniger) darauf geben, ob ein Betrug unwahrscheinlich ist.

    Dazu passt übrigens diese Meldung:
    http://www.ir-de.vtion.de/ad-hoc-news.html?newsID=19

    Es würde mich sehr freuen wenn du Vtion mal auf den Zahn fühlst.

  6. Stefan Mohr · 5. September 2012, 07:00 · #

    An dieser Stelle schonmal vielen Dank für die Ergänzungen! Ich hab die Liste mal vervollständigt.

    @MMI: Ja, ich bin relativ schmerzfrei was Investments angeht. Im Gegenteil, ich schaue sogar gern in Bereichen, die andere mit Schmerzen verbinden ;)
    Keine Ahnung ob Hongkong-Aktien vielversprechender sind. Aber die deutschen Kandidaten haben mich irgendwie interessiert, und da ich mir kaum eine davon bisher angeschaut habe, tue ichs eben einfach mal…

    @Micha:
    Klar, es gibt durchaus Argumente die gegen Chinaaktien sprechen. Aber ich glaube diese Argumente prüft man am besten, indem man sich einzelne Aktien genauer anschaut.
    Vielleicht ist meine Feststellung zum Schluss, dass ich in keine dieser China-Aktien investieren würde…

  7. memyselfandi007 · 5. September 2012, 11:28 · #

    #Stephan

    ich bin durchaus auch der Meinugn, dass ein gute Investment immer erstmal “weh tun” muss.

    Feeldgood Value Investing gibt es m.E. nicht wirklich.

    Allerdings ist Corporate Governance eines der Hautpthemen wenn man “value Traps” vermeiden möchte.

    MMI

  8. — Mr. Value · 12. September 2012, 12:41 · #

    Hallo,

    ich bin vor kurzem auf ein chinesisches Unternehemen gestoßen dass auf den ersten blick sehr günstig aussieht.

    Und zwar die CHINA SPECIALTY GLASS AG, ein hersteller von sicherheits- und panzerglas in china. Hat ein KGV von 3-4 wird weit unter Buchwert gehandelt und zahlt leider keine Dividenden aus.

    Mr. Value

  9. — sebastian · 24. November 2012, 13:14 · #

    Wenn man den gebotenen Zahlen nicht trauen kann, aber dennoch investieren will, weil sie einfach unglaublich günstig sind und nicht alle Betrüger sein können, bietet sich Grahams net-net Ansatz an, den auch Schloss (und Sohn) meine ich über Jahrzehnte bis heute erfolgreich praktiziert hat. Mit Diversifikation in cigar butts gehen und breit streuen. Ein paar Gewinner werden schon dabei sein und die hoffentlich wenigen aber unvermeidlichen Betrugsfälle/Enttäuschungen überkompensieren.

  10. — Karsten · 9. Januar 2013, 20:42 · #

    Hallo!

    Finde echt mutig, dass du dich mit solch schwiergien Investments befasst!

    Natürlich sind gerade die sehr lukrativen Investments schwer zu finden.
    Und genau deshalb habe ich eine Frage.
    In einem Artikel(“4 Möglichkeiten unterbewertete Aktien zu finden”) beschreibst du vier Methoden, wie du versuchst unterbewertete Aktien zu finden.

    Kannst du jetzt mal ganz konkret hier an dem Beispiel zeigen, wie du das gemacht hast?

    Wenn ich nämlich jetzt zum Beispiel den Stock Screener von Finanzen100 oder Financial Times nehme, dann bekomme ich nur chinesische Aktien angezeigt, die in China gehandelt werden. Um Goldrooster angezeigt zu bekommen muss ich in Deutschland suchen…
    Wollte ich so die chinesischen Kandidaten auswählen, müsste ich ja jede Aktie, die in Deutschland gehandelt wird, anschauen.

    —> Woher hast du die Liste chinesicher Aktien, die an deutschen Wertpapierbörsen gehandelt werden???

    Respekt vor deinem Wissen und Können.

    MfG

  11. Stefan Mohr · 11. April 2013, 11:38 · #

    Hallo Karsten,

    die Antwort kommt zugegebenermaßen etwas verspätet, aber vielleicht hilft sie ja noch:

    Also herauszufinden, welche chinesischen Aktien an einer deutschen Börse notiert sind, ist zugegebenermaßen nicht ganz einfach möglich. Ich habe einfach Google bemüht und viele Artikel und Forenbeiträge zu dem Thema gelesen. Irgendwann hatte ich alle zusammen (zumindest denke ich, dass ich nichts mehr übersehen habe). Irgendeine Suchfunktion die einem eine solche Liste einfach ausspuckt gibt es glaube ich nicht…

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