Delticom - Wachstumsaktie zu Ramschpreisen?

29. November 2012 -  ,  -  Stefan Mohr

Der Online-Reifenhändler Delticom hat mir schon immer gut gefallen. Solide Bilanz, sehr fokussiertes Geschäftsmodell, Marktführerschaft, astronomische Eigenkapitalrenditen und riesige Wachstumsraten.

Das einzige was mich von einem Kauf abgehalten hat, war die sehr teure Bewertung. Manchmal kann eine hohe Bewertung im Verhältnis zum Jahresüberschuss durchaus gerechtfertigt sein, wenn in Zukunft von einer starken Steigerung ohne dass dafür viel investiert werden muss ausgegangen werden kann. Aber ich zahle ungern zu viel für erhofftes Wachstum, denn so etwas zu prognostizieren ist schwer. Und wenn die hohen Erwartungen dann nicht erfüllt werden, fällt der Kurs meist ins Bodenlose.

sterbender Schwan oder Champion in einer kurzzeitigen Schwächephase?

Und genau das ist bei Delticom nun passiert. Von seinem Hoch Anfang 2012 ist der Kurs der Aktie um über 50% abgestürzt. Das hat auch seine Gründe, denn 2012 lief bisher weniger gut. In den ersten 9 Monaten gingen die Umsätze im Vergleich zum Vorjahreszeitraum leicht zurück und die Gewinne sanken auf 11,7 Mio. € nach 19 Mio. € in der Vorjahresperiode.

Derzeit wird die Aktie auf Basis des Gewinns 2011 für ein KGV von rund 11 gehandelt. Das ist verdammt billig für den extrem profitablen Wachstumsstar Delticom – wenn das Wachstum und die Margen hoch bleiben. Wenn Delticom ein sterbender Schwan ist, dann ist auch ein KGV von 11 noch teuer. Was ist Delticom denn nun, sterbender Schwan oder Champion in einer kurzzeitigen Schwächephase?

Wo steht Delticom in 10 Jahren?

Ich möchte euch jetzt nicht mit einer Analyse der Quartalszahlen langweilen. Die sahen eben nicht ganz so gut aus, wer mehr Details wissen will, sollte im letzten Quartalsbericht nachlesen. Was sagt uns der Quartalsbericht über den Wert der Delticom-Aktie? Nichts, außer dass es bei Delticom nicht immer bergauf geht. Aber das hätte man auch vor den letzten schlechteren Quartalen wissen sollen, leider vergisst man das bei einem profitablen Wachstumsunternehmen leicht mal und schreibt die letzten Jahre gedanklich bis in die Unendlichkeit fort.

Viel wichtiger als die Analyse der letzten Quartalszahlen finde ich die Frage: wo steht Delticom in 10 Jahren? Wenn man darüber eine ungefähre Aussage machen könnte, kann man den Wert der Delticom-Aktie zumindest ganz grob abschätzen.

Einflussfaktoren auf den zukünftigen Gewinn von Delticom

Wie hoch wird der Jahresüberschuss von Delticom in 10 Jahren sein? Um der Antwort darauf näher zu kommen, sollte man sich fragen, welche Faktoren einen Einfluss auf den Gewinn von Delticom haben.

1. Anzahl der gefahrenen Autokilometer

Ja, einen großen Einfluss auf den Gewinn von Delticom hat erstmal der Gesamtumsatz der mit Reifen gemacht wird. Und dieser korreliert langfristig vor allem mit der Zahl der gefahrenen Autokilometer. Geht man davon aus, dass Europa weiterhin der Hauptmarkt von Delticom bleibt, stellt sich also die Frage, wie viel die Europäer in Zukunft Auto fahren.

Die Anzahl der gefahrenen Autokilometer in Deutschland war in den letzten 10 Jahren weitestgehend konstant. Wenn die Spritpreise weiter steigen, würde ich ein Sinken in Zukunft nicht ausschließen. Dass dieser Effekt übermäßig stark sein wird, kann ich mir allerdings kaum vorstellen. Ich denke schon, dass das Auto in Europa auch in den nächsten Jahrzehnten das dominierende Verkehrsmittel sein wird. Ob mit Verbrennungsmotor- oder Elektroantrieb spielt für Delticom keine Rolle.

2. Anteil der Online-Reifenkäufer

Wie viele der Reifen die von Autofahrern ersetzt werden müssen (im Markt für Erstbereifung von Neufahrzeugen ist Delticom nicht aktiv) werden denn in Zukunft online gekauft werden?

Noch ist dieser Anteil recht gering, laut Schätzungen von Delticom wurden 2011 europaweit ca. 6% der Reifen an Endverbraucher online verkauft.
Laut einer ADAC-Studie denken 19% darüber nach, ihre Reifen online zu kaufen.

Welche Vorteile hat es überhaupt, Reifen online zu kaufen? Natürlich werden von den Onlinehändlern günstigere Preise versprochen und meistens stimmt das auch. Ich würde das aber garnicht als einzigen Vorteil sehen. Fast genauso wichtig ist vermutlich die Möglichkeit, sich in Ruhe umzuschauen, sich zu informieren und aus einem großen Angebot wählen zu können. Genau das kann der stationäre Reifenfachhandel oder Werkstätten nur bedingt bieten. Den Nachteil des Onlinehandels, dass die meisten Kunden ihre Reifen nicht selbst montieren möchten, wird dadurch gelöst, dass mit Werkstätten kooperiert wird, zu denen die Reifen direkt geschickt werden und die diese dann montieren.

Eines glaube ich allerdings bei Reifen nicht: dass der Onlinehandel den stationären Handel nahezu komplett verdrängen wird, wie das z.B. bei Büchern der Fall ist. Ich könnte mir langfristig durchaus einen Onlineanteil von 20 oder 30% vorstellen. Aber zu optimistisch dass der Anteil deutlich höhere Werte erreichen könnte wäre ich nicht. Aber immerhin: das wäre bei gleichbleibendem Gesamtreifenabsatz eine Steigerung um das 3 bis 5-fache!
Der Online-Reifenmarkt wächst definitiv rasant und ich denke man kann mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass er in 10 Jahren ein mehrfaches der aktuellen Größe erreicht haben wird.

3. Anteil Delticoms am Online-Reifenmarkt

Derzeit ist Delticom mit einem Marktanteil von 80% im Online-Reifenhandel in Europa mit Abstand der größte Anbieter.
Wird das in Zukunft so bleiben? Ich denke die Chancen stehen nicht schlecht, dass Delticom auch weiterhin einen großen Marktanteil haben wird. Es hat sich oft gezeigt, dass der größte Anbieter in einem Markt ohne großartige Markendifferenzierung auch in Zukunft seine Marktstellung behaupten kann. Ich traue Delticom zu, dass sie das auch schaffen können. Das Management kommuniziert sehr klare Ziele, was Grundvorraussetzung für den Erfolg ist. Mir ist kein Unternehmen bekannt, welches ohne einfache, klare Ziele erfolgreich geworden ist.

Eines sollte allerdings auch klar sein: Delticom hat durchaus auch Konkurrenten. Und auch wenn Delticom eine dominierende Marktstellung innehat, werden diese ihr Stück vom Kuchen abhaben wollen. Ob der Marktanteil von Delticom bei 80% bleibt, steht in den Sternen. Mit der Prognose, dass der Marktanteil von Delticom am Online-Reifenmarkt in Europa auch in den nächsten Jahren über 50% bleibt, fühle ich mich relativ sicher. Weiter würde ich mich aber nicht aus dem Fenster lehnen wollen. Ich würde sogar soweit gehen zu sagen, dass es unwahrscheinlich ist, dass der Marktanteil von Delticom auf dem aktuellen Niveau bleibt.

Selbst wenn der Marktanteil sinkt, sollten die Umsätze von Delticom durch den rasant wachsenden Online-Reifenmarkt aber deutlich steigen. Das Umsatzwachstum der letzten Jahre (s.u.) könnte also durchaus weitergehen, wenn auch sicher prozentual schwächer.

Delticom AG Umsatz

4. Umsatzrendite

Bisher sieht also alles relativ positiv aus. Gleichbleibender bis leicht sinkender Reifenabsatz, vermutlich rasant wachsender Anteil des Onlinegeschäftes und vermutlich etwas sinkender Marktanteil von Delticomm am Onlinemarkt. Alles zusammengenommen bin ich mir ziemlich sicher, dass da auch noch in Zukunft ein stetiges Umsatzwachstum für Delticom drin ist.

Aber was bringen einem Umsätze? Gewinne sind leider das was zählt. Wichtig ist also auch noch, wie viel Gewinn pro Euro Umsatz für Delticom übrigbleibt.

Hier sehen wir mal die EBIT-Marge von Delticom 2005 – 2011 und der ersten 9 Monate 2012.

Delticom AG EBIT-Marge

Welche EBIT-Margen wird Delticom in Zukunft erzielen? Keine Ahnung. Aber ich grenze mal ein, welche Margen ich mir ziemlich sicher vorstellen könnte.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass Delticom in Zukunft – nicht zwangsläufig jedes Jahr aber im Mittel über mehrere Jahre – eine positive EBIT-Marge erzielen wird. Solange Delticom es schafft die Kosten gering zu halten und durch Skaleneffekte wenige Prozent geringere Einkaufskosten erreichen kann als Konkurrenten, werden sie es auch schaffen Gewinne zu erzielen.

Und wie hoch werden die Margen nun sein? Vielleicht kann Delticom mit steigender Größe seine Kosten noch stärker senken und seine EBIT-Margen noch weiter steigern? Nun, das halte ich für extrem unwahrscheinlich. Ich halte es sogar für sehr unwahrscheinlich, dass Delticom EBIT-Margen von 10% oder darüber in Zukunft noch allzu oft erzielen kann.
Man sollte nicht vergessen, dass zunehmend immer mehr Konkurrenten auf den Markt drängen. Auch wenn Delticom weiterhin mit Abstand der größte Anbieter ist und die Konkurrenz vermutlich deutlich weniger profitabel ist: das verstärkt auf alle Fälle den Druck auf die Preise. Ich glaube zwar nicht, dass alle Kunden grundsätzlich beim billigsten Anbieter kaufen, aber sehr preissensibel sollte die Kundschaft schon sein. Ich kaufe z.B. alles mögliche bei Amazon: nicht weil sie immer das günstigste Angebot haben, aber weil ich weiß dass meist alles reibungslos funktioniert, ich es gewohnt bin dort zu kaufen und weil Amazon meist einer der günstigsten Anbieter ist. Insofern glaube ich nicht, dass Delticom immer das günstigste Angebot haben muss um erfolgreich zu sein, aber sehr günstig sein müssen sie schon. Und ob EBIT-Margen von 10% da machbar sind wenn die Konkurrenz immer stärker wird, wage ich zu bezweifeln. Eine zukünftige EBIT-Marge von 6 oder 7% anzunehmen halte ich schon für relativ optimistisch.

Wie viel ist Delticom nun wert?

Jetzt die große Frage, wie viel ist die Delticom-Aktie wert und ist sie zum aktuellen Preis als günstig einzustufen?
Um diese Frage zu beantworten müsste man eine Prognose für europaweiten Reifenabsatz, Anteil des Onlinegeschäftes, Delticoms Marktanteil daran und die Margen von Delticom abgeben. Je nachdem was man da annimmt, kann man sich Delticom billig oder teuer rechnen.

Ich habe dazu mal eine kleine Excel-Tabelle entworfen in die man seine Prognosen für Delticom in 10 Jahren eingeben kann. Damit wird dann der Jahresüberschuss in 10 Jahren ausgerechnet, die Dividenden abgeschätzt sowie der Verkaufserlös der Aktien in 10 Jahren. Beide Werte werden dann addiert und daraus eine Rendite p.a. bei einer 10-jährigen Investition berechnet.

Dieser einfache Überschlag ist zwar nicht so genau wie eine DCF-Rechnung, aber das Problem dürfte wohl eher die Ungenauigkeit der Schätzungen sein. Da jetzt mit dem DCF-Verfahren ranzugehen bringt denke ich keinen großen Mehrwert.

Excel-Tool Delticom zum Download: delticom-prognose.xls

Delticom AG Schätzung des Unternehmenswertes

Ich habe in die Tabelle schonmal zwei mögliche Szenarien eingetragen. Die erste würde ich als relativ pessimistisch bezeichnen, keinesfalls jedoch als Worst-Case-Szenario. Mit dieser kommt man auf eine Rendite von -3,3% p.a. für die nächsten 10 Jahre. Insgesamt also auf einen Verlust von fast 30%.

Das zweite Szenario würde ich als vorsichtig optimistisch bezeichnen. Dieses Szenario ergibt eine Rendite von 20,8% p.a.

Welches Szenario ist das wahrscheinlichste? Ich habe leider keine Ahnung. Und solange das so ist, gehe ich lieber davon aus, dass das pessimistische Szenario das wahrscheinlichste ist.

Man könnte übrigens auch mal den aktuellen Aktienkurs in der Tabelle so weit nach unten anpassen, dass auch für das pessimistische Szenario eine passable Rendite herauskommt.
Um dann eine Rendite von mindestens 7% p.a. zu erreichen, dürfte man für Delticom höchstens 12€ zahlen. Das ist noch sehr weit weg vom aktuellen Kurs… (34€)

Fazit

Dass eine Aktie stark gefallen ist, heißt leider nicht, dass sie nicht noch weiter fallen kann. Delticom ist mit 34€ nicht günstig, nur weil sie mal bei 80€ standen.

Damit will ich nicht sagen, dass Delticom aktuell zu teuer ist. Aber ich sehe für mich erstmal keine Fakten die es mir sehr sicher erscheinen lassen, dass Delticom zum aktuellen Kurs wirklich günstig ist.

Ich würde Delticom sehr gerne kaufen. Vor dem Schreiben dieses Artikels war ich tatsächlich kurz davor. Aber so wie ich es jetzt sehe, brauche ich vor einem Einstieg entweder eine bessere Prognose (und ich bin nicht sehr optimistisch dass ich dazu in der Lage sein werde) oder niedrigere Kurse. Warten wir mal ab was passiert…

Anzeige:
Value investing made easy





Kommentare [21]

  1. — Martin · 29. November 2012, 18:51 · #

    Die zunehmende Konkurrenz führt bei Delticom zu geringeren Margen im Sinne von Mean Reversion. Die Konkurrenz ist leider finanzstark. Die Ebitmarge ist imho nicht zu halten. Dennoch könnte man hier kurzfristig auf eine Erholungsreaktion spekulieren. Für mich keine Position. Onlinehandel hat einfach zu wenig Moat.

    Mich würde deine Meinung zur getgoods interessieren. Die Margen sind da bereits trotz niedriger Kosten gering und sollten zu halten sein. Ist keine Qualitätsaktie aber bei dem aktuellen Preis habe ich eine 2% Position aufgebaut.

    Auch Amazon ist für mich eher ein Short und Zalando sowieso, wenn man das könnte. Im Microcapbereich würde ich aber immer mal wieder fündig.

  2. — losemoremoney · 30. November 2012, 17:17 · #

    http://www.wertpapier-forum.de/topic/10768-delticom-ag/page__st__120

    Ich würde den fairen Wert 2012 irgendwo zwischen 14 und 20 ansiedeln.
    Kaufen also erst bei Kursen unterhalb von 7€.

    Wenn nächstes Jahr die Inflation kräftig anzieht(Rohstoffe haben ihre Korrektur beendet), gibts nen Desaster an den Aktienmärkten, weil die Investoren höhere Renditen fordern(das gilt natürlich auch für Anleihen) und die gibts nur wenn der Preis runter kommt.

    Gruß auch an Tony, vielleicht kann er mal ne TA zur Dow Theory also den Dow Jones + Dow Transportindex reinstellen.

  3. — David · 1. Dezember 2012, 14:21 · #

    “Onlinehandel hat einfach zu wenig Moat” Ich würde sagen da gibts es leider überhaupt keine Wettbewerbsvorteile für Delticom, höchtens ein kleinen Wettbewerbsvorsprung.

    Und die Frage ist nicht, wie stark sich eine Branche entwickeln wird, sondern wie hoch die Markteintrittsbedingungen für neue Wettbewerber sind. Und die sind bei Onlineshops leider äußerst gering. Werf mal z.B. einen Blick auf den Versandhandel von Schuhen. Der Markt ist bereits ein paar Jahre weiter und es herrscht ein erbitterter Verdrängungskampf mit astronomischen Werbeausgaben (Zalando = ca. 1 Mio. pro Monat) und unschönen Cashburnrates.

    Und auch für Delticom gibts es immer mehr Konkurrenz. Zur Zeit läuft doch überall die Werbung mit Vettel von Tirendo. Ich war vor ein paar Wochen bei einer Analystenkonferenz von Delticom. Dort wurde ganz stolz die neue Plakatwerbung präsentiert und zugegeben, dass demnächst mehr für Werbung ausgegeben wird.

    Da Delticom also ohne echte Wettbewerbsvorteile ist, sollte man auch nicht mehr als den Buchwert für die Aktie bezahlen. Wie die jüngste Geschichte bei Onlineshops zeigt, würde ich sogar auf eine Zeit unterdurchschnittlicher Margen setzen un deshalb nur weniger als den Buchwert bezahlen.

    @losemoremoney: Ich würd dir bei 7 Euro vielleicht folgen ;-)

  4. — ein Gast · 1. Dezember 2012, 21:52 · #

    Also ich sehe das ähnlich wie David. Ein Moat kann nur zustandekommen, wenn es Delticom schafft, seine Webportale zu starken Markennamen auszubauen, wie es Am*zon und eb*y getan haben. Davon sind wir wahrscheinlich noch ein Stück entfernt.

    Bis dahin würde ich in etwa folgende (einfache und vorsichtige) Schätzung heranziehen: Umsatz langfristig 500 Mio. EUR pro Jahr, EBIT-Marge 5-6%, also ein EBIT von 25-30 Mio. EUR und bei 32% Steuerquote 17-20 Mio. EUR Nettogewinn pro Jahr.

    Für ein Unternehmen mit knapp 20 Mio. EUR Nettogewinn pro Jahr sind mir persönlich die knapp 400 Mio EUR Marktkapitalisierung einfach zuviel.

    Sollte das Unternehmen aber billig genug werden, so spricht meiner Ansicht nach nichts gegen einen Kauf.

  5. — krankenhaus · 1. Dezember 2012, 22:12 · #

    Sehr guter Artikel. Das gibt auch mir noch einmal Denkanstöße, wie eine Firma zu betrachten ist.

    Das Thema Wettbewerbsvorteil bei Online-Händlern wird heißdiskutiert. Ich bin der Überzeugung, dass es diesen tatsächlich in bestimmten Fällen gibt (customer captivity). Ich kann das an mir selbst beobachten, wenn ich Bücher fast selbsverständlich immer bei amazon bestelle – warum auch immer.

    Je höher nun der Preis des Produkts ist, desto wahrscheinlich ist es, dass man bei einem Händler verbleibt, mit dem man gute Erfahrungen gemacht hat. Ich könnte mir vorstellen, dass es auch mit der Häufigkeit des Bestellens zu tun hat. Reifen bestellt man nun nicht alle paar Wochen.

  6. — Martin · 2. Dezember 2012, 16:16 · #

    Es gibt auch die Meinung, dass Onlinehändler langfristig sogar geringere Margen als der stationäre Handel haben werden:
    -die Umschlagsgeschwindigkeit ist höher
    -Auslastung höher
    -geringere Investitionen
    Ich habe keine Ahnung, aber rechne konservativ bei den aktuellen Zinsen nicht mit einer Ebit-Marge von wesentlich mehr als 3%.ROe kann dennoch hoch sein.

  7. — Bernd · 7. Dezember 2012, 20:48 · #

    Wenn Online-Händler vieles richtig machen, dann kann der stationäre Handel immer einpacken. Das gilt vor allem auch für den Reifenmarkt. Egal wie sie alle heissen, ATU, point-s etc., die tun sich doch alle extrem schwer mittlerweile. Machen die denn überhaupt Gewinne? Wer erzielt im Reifenmarkt Gewinne? Delticom hat seit Jahren bewiesen, dass die das können, und mit Zahlen aufgewartet, von denen andere nur träumen können, und wohl niemals erreichen werden. Bei Tirendo sollte man mal hinter die Kulissen gucken: viel Geld eingesammelt, viel Geld in Werbung ausgeben und auf eine 2. oder 3. Finanzierung hoffen – Kennen wir das nicht aus 2001/02 her? Bevor die den ersten Euro Gewinn erzielen, ist Delticom wieder auf der einsamen Überholspur im Online-Reifenmarkt.

  8. Stefan Mohr · 7. Dezember 2012, 22:32 · #

    @Bernd:
    ich denke du hast völlig recht, die meisten Online-Reifenhändler werden wohl nie wirklich finanziell erfolgreich werden und die Offlinekonkurrenz wird es vielleicht noch schwerer haben.
    Aber auch Delticom wird es wohl in Zukunft nicht mehr ganz so leicht haben, denn auch wenn die Konkurrenten keinen Gewinn machen, nimmt die Konkurrenz doch merklich zu.

    Mir fällt es extrem schwer zu prognostizieren, wie hoch die Margen von Delticom in Zukunft sein werden.

  9. — Martin · 8. Dezember 2012, 22:05 · #

    @Stefan: Ich sehe das genau so. Selbst wenn die Konkurrenz keinen Gewinn macht, kann sie die Margen senken.
    @Bernd: Die Hersteller können z.B. auch selbst direkt ihre Reifen online verkaufen.
    Zudem betreibt zum Beispiel der Automobilzulieferer Bosch ein Werkstatt-Franchise. Da könnten auch mal Reifenhersteller direkt mitmischen. Auch bin ich mir nicht sicher, ob Amazon nicht irgendwann Reifen ins Sortiment nimmt, besonders wenn die Margen nicht runter kommen sollten.

  10. — Alex · 9. Dezember 2012, 09:21 · #

    Ich frage mich in wieweit ein Netzwerk dass 80% von Europas Online-Reifenverkäufe (inkl. eigene Lagerbestände) abwickelt dauerhaft angreifbar ist?

    Scenario:
    Die Margen gehen runter, für alle da eine Preisschlacht läuft… mehrere Jahre. Dann kommt ein harter Winter… die Lager werden leer doch Delti mit den größten Lagervolumen
    kann noch Liefern und die Preise bestimmen…
    Delti kommt in die “Erntephase”
    Es kommt wieder Geld in die Delti-Kasse wärend andere Firmen nur die “Preisschlachtphase” mitmachen dürfen.

    Dazu der Kommentar von Stairway im WP-Forum:
    Der Punkt ist aber ein anderer: Ein schneller Wintereinbruch führt zu einer Angebotsverknappung, da die Hersteller stets zu wenig Reifen auf dem Markt haben und die Vertriebe (Delticom, Pitstop etc.) ebenfalls nur begrenzte Läger haben. D.h. im Fall einer Angebotsverknappung wird plötzlich der Händler, mit dem größten Lager zum Preissetzer auf dem Markt und genau daher kommen die mega Margen von Delticom im Q4 der letzten Jahre. (Letztes Jahr war Delticom eine zeitlang bei vielen Reifentypen der einzige Anbieter). Wenn dagegen die Reifen peu a peu abverkauft werden, lassen sich natürlich nicht so attraktive Preise durchsetzen. Daher die Relevanz des Winters.

  11. Stefan Mohr · 9. Dezember 2012, 16:10 · #

    @Alex,

    klar, sowas kann auch in Zukunft passieren. Aber wie viel bringt einem das, wenn Delticom nur sporadisch bei “günstigen” Wetterbedingungen mal bessere Margen verdient?

    Mehr und härtere Konkurrenz als in der Vergangenheit wird Delticom in den nächsten Jahren wohl definitiv haben. Die durchschnittlichen Margen wird das wohl eher nach unten drücken. Da ich keine Ahnung habe in welche Bereiche, weiß ich auch nicht zu welchem Preis Delticom billig ist.

    Der aktuelle Kurs könnte billig sein, aber vielleicht auch nicht…

  12. — Alex · 12. Dezember 2012, 09:13 · #

    Eine Frage ist, ob Delticom sich so viel vom Markt abstecken kann, dass es für andere Marktteilnehmer einfach uninteressant wird diese Schlacht überhaupt zu führen.
    In wieweit man hier z.B. mit Exklusiv-Verträgen bei Montagefirmen arbeiten kann/will könnte interessant sein…

    Das in Zukunft wohl mit mehr Konkurenz und niedrigeren Margen zu rechnen ist, unterschreibe ich aber trotzdem… Delticom ist keine CocaCola und auch kein eBay

  13. — Tiger-Oli · 27. Dezember 2012, 14:45 · #

    Hallo,
    vielen Dank für die ausführliche Analyse und kritische Begutachtung der Aktie! Das ist viel mehr als die meisten Beobachter schreiben, und auch ein gutes Stückchen tiefgründiger.

  14. — Panly · 29. Dezember 2012, 23:03 · #

    Es fehlt in der Analyse parametern, die wichtig sind für die Bewertung von Retailer. : inventory turn, cash conversion cycle.

  15. Stefan Mohr · 31. Dezember 2012, 16:22 · #

    Naja, “fehlen” tut in meiner Analyse viel, das Thema Delticom ist damit sicherlich nicht allumfassend abgehakt.

    Letztendlich sind invetory turnover und cash conversion cycle ja für die Profitabilität eines Unternehmens wichtig.
    Wie werden sich diese Kennzahlen bei Delticom in Zukunft verändern und welche Auswirkungen wird das haben? Hast du dazu Informationen oder eine Meinung?

  16. — chaka · 3. Januar 2013, 18:02 · #

    Der aktuelle Marktanteil von Delticom liegt nach Aussage der IR Abteilung von Delticom bei 50 bis 70% in Europa.

    Genauere Zahlen sind nicht vorhanden.
    Die Marktanteilsprognosen kommen von den Analysten nicht von Delticom.

    Der Umsatz von Winterreifen soll in 2012 um 19,5% niedriger liegen als 2011.

    http://www.reifenpresse.de/nc/services/suche/artikel/article/reifenmarkt-2012-besch-und-bescheiden-ist-nicht-gemeint.html

    Die Autoverkäufe in der EU brechen weiter ein.

    http://www.querschuesse.de/

    Das Q4 Ergebnis dürfte damit auch noch unter den reduzierten Prognosen ausfallen.

    Wir haben somit jede Menge Zeit.
    Bei Kursen deutlich unter 20 € könnte ein Kauf lohnen. Die oben genannten 7 € sehe ich nicht.

  17. Stefan Mohr · 3. Januar 2013, 18:13 · #

    Naja, ob wir jede Menge Zeit haben weiß ich nicht. Die schlechten Q4-Ergebnisse dürften wohl von den meisten Marktteilnehmern bereits erwartet werden.

    Ob wir Kurse von 12€ jemals sehen (oben hatte ich 12€ genannt nicht 7) weiß ich nicht, aber Kurse nahe 30€ schienen bis vor kurzem auch unvorstellbar ;) Warten wirs ab, Kursprognosen sind nicht meine Sache…es kommt wie es kommt und wenn sich gute Gelegenheiten bieten nehme ich diese wahr.

  18. Christian · 31. Mai 2013, 13:59 · #

    www.rule1stocks.com

    Hi,

    ich habe die Entwicklung voll mitgemacht – eine unschöne Erfahrung sein gekauftes Unternehmen um 50% fallen zu sehen. Aber selbst entschuld, wenn man alles ignoriert was man eigentlich weiß ;-)

    Ich denke Delticom wird noch lange brauchen um wieder annähernd an den alten Stand zu kommen.

    Das historische durchschn. PE war 10,40 (derzeit 20,30) und die EPS-Wachstumsrate knapp 9% – eine günstige Bewertung sehe ich bei ca. 20-25€.
    Einen Kauf würde ich mir bei ca.10-12€ überlegen, wobei das Unternehmen mir persönlich zu schwache Wachstumszahlen liefert.

    Vg,
    Chris

  19. Delticom Beobachter · 9. Juli 2014, 21:39 · #

    Die Gane AG hat im Investmentbericht 6/2014 eine sehr informative Bewertung der Delticom AG vorgenommen. Ich bin ebenfalls der Auffassung, dass der Kapitalmarkt derzeit die mittelfristige Ertragskraft von Delticom unterschätzt. Wie ist eure Meinung zum Investmentbericht?

  20. Stefan Mohr · 9. Juli 2014, 22:10 · #

    Die Gane AG schreibt, dass sie mittelfristig wieder von EBIT-Margen von 7-9% für Delticom ausgehen.

    Klar, wenn man davon ausgeht, ist die Aktie aktuell eher günstig. Allerdings halte ich solche Zahlen auf Dauer eher für unwahrscheinlich. Delticom ist ein reiner Händler in einem Markt mit sehr hoher Preissensitivität und geringen Einstiegshürden. Ich halte es für wahrscheinlich, dass Delticom sich auf Dauer in diesem Markt als Kostenführer gut behaupten wird. Aber dauerhafte EBIT-Margen von 7-9% halte ich für sehr optimistisch. Aber ich lasse mich gern eines besseren belehren ;-)

  21. — Delticom Beobachter · 10. Juli 2014, 20:48 · #

    Interessant am Investmentbericht ist die Aussage:”…temporärer Anstieg der EBIT-Marge auf 7-9%…”. Dauerhaft glauben die Autoren scheinbar nicht an einen entsprechenden Anstieg. Die Frage ist letztlich, was heißt temporär: 1 Jahr, 2 Jahre, 3 Jahre oder mehr?. Letztlich hängt der Unternehmenswert von den durchschnittlichen künftigen Bedingungen ab. Insofern ist es schwierig zu bestimmen, ob Wert und Preis aktuell in einer angemessenen Relation stehen. Andererseits bewerten wahrscheinlich mehr als 90% der Marktteilnehmer Unternehmen mit Multiplikatoren. Sie gewichten also aktuelle Unternehmensergebnisse höher als durchschnittliche künftige Unternehmensergebnisse. Daher sind höhere Preise für die Delticom-Aktie vorstellbar. Also eine Investition für einen Anlagehorizont von vielleicht 2 oder 3 Jahren, da ich ebenfalls der Auffassung bin, dass temporär eine Margenausweitung möglich sein sollte und der Markt dies dann als dauerhaft antizipiert. Für eine langfristige Betrachtung bzw. Investition erscheint mir hingegen das Unternehmen ungeeignet, da sehr unsicher ist, ob nicht neue Wettbewerber in den Markt eintreten und Delticom ggf. sukzessive Marktanteile und somit auch Profitabilität verliert.

(optional, wird nicht veröffentlich)
(optional)

 

Spam, Werbung etc. wird zeitnah gelöscht. Versuch es garnicht erst!