4 Möglichkeiten unterbewertete Aktien zu finden

16. November 2011 -  ,  -  Stefan Mohr

Wie findet man unterbewertete Aktien? Es gibt bereits in Deutschland über 1000 verschiedene Aktien, weltweit hat man sogar eine nahezu unendliche Auswahl. Wie soll man aus dieser riesigen Auswahl die interessantesten, besten und günstigsten unterbewerteten Aktien auswählen? Einige Möglichkeiten, unterbewertete Aktien zu finden, stelle ich hier mit mit ihren Vor- und Nachteilen vor.

1. Aktienscreener nutzen

Mit Screenern, bzw. Suchfunktionen, welche man z.B. auf vielen Finanzseiten findet, kann man Aktien nach verschiedenen Kriterien filtern und anzeigen lassen. Beispielsweise kann man nach KGV oder KBV filtern und erhält so potentiell unterbewertete Aktien.

Das Problem ist es, hier einen wirklich guten Screener zu finden. Ich persönlich habe für europäische Aktien keinen kostenlosen Screener gefunden, der mich wirklich zufrieden stellt. Insbesondere für Nebenwerte haben solche Screener meist keine Daten. Für US-Werte sieht die Situation etwas besser aus.

Für europäische Werte hat man nur die Wahl, auf Screener wie Valuesignals.com zurückzugreifen. Dieser ist zwar sehr empfehlenswert, kostet aber einige Euro pro Monat.

Das zweite Problem ist, dass man bei einem Screening bereits vorher wissen muss, wonach man genau sucht. Oft äußern sich Unterbewertungen von Aktien aber anders, als man es vielleicht erwartet. Würde man einen Blick auf die Bilanz werfen, wäre die Unterbewertung vielleicht nahezu offensichtlich, aber sucht man mit einem Screener nicht nach den genau richtigen Kriterien, übersieht man die Aktie.

Trotzdem stellen Screener eine gute Möglichkeit dar, interessante Kandidaten zu finden.

2. In der Vergangenheit stark gefallene Aktien anschauen

Es liegt in der Psyche des Menschen, dass Aktien von Unternehmen, denen es gerade schlecht geht, an der Börse eher unterbewertet werden, während Unternehmen, denen es gut geht, eher überbewertet werden.

Und der Aktienkurs von Unternehmen, denen es gerade schlecht geht, der fällt in der Regel. Deshalb kann ein stark gefallener Aktienkurs ein Hinweis auf eine Unterbewertung sein.

Natürlich sollte man hier aber aufpassen und einen gefallenen Aktienkurs nur als Indiz nehmen und sich die Aktie dann genau anschauen. Trotzdem ist diese Methode oft sehr effektiv.

3. bei anderen abschauen

Eine Möglichkeit unterbewertete Aktien zu finden, ist es natürlich auch zu schauen, welche Aktien andere kaufen. Beispielsweise Fondsmanager, Bekannte, User in Foren oder Blogs.

Das Problem ist hier: nach wem soll man sich richten? Mein Tipp wäre hier: nach Leuten, deren Argumente man nachvollziehen kann! Einfach kaufen, was andere kaufen ist in keinem Fall empfehlenswert. Es gibt zu viele schlechte Tipps da draußen. Und auch Experten wie Fondsmanager schlagen den Markt meist nicht. Kann man aber die Argumente des anderen, warum eine Aktie billig ist, nachvollziehen und kommt zu den gleichen Schlüssen, dann kann das Abschauen bei anderen durchaus hilfreich sein.

4. systematische Suche

Als systematische Suche von unterbewerteten Aktien bezeichne ich folgendes Vorgehen: Erstelle dir eine Liste aller Aktien eines Landes, einer Branche oder ähnliches und gehe diese von A bis Z durch.

Man muss dabei nicht jede Aktie bis ins Detail analysieren, hilfreich ist auch oft, nach 3 Minuten zu dem Schluss zu kommen, dass man diese Aktie nicht verstehen wird, egal wie lange man sich damit beschäftigt. Trotzdem ist diese Methode verglichen mit den anderen Methoden extrem zeitaufwändig. Und extrem effektiv.

Denn man hat dabei die Chance, etwas zu finden, was andere vor einem noch nicht entdeckt haben. Eben weil diese Methode so zeitaufwändig ist, und sie nur sehr wenige anwenden. Insbesondere bei sehr kleinen Unternehmen hat man hier gute Chancen, da große Investoren, die vielleicht noch eher so eine zeitaufwändige Methode anwenden, hier nicht suchen, weil diese Unternehmen für ein Investment zu klein wären.

Fazit

Jede der genannten Möglichkeiten zum Finden unterbewerteter Aktien hat ihre Vor- und Nachteile. Ich nutze grundsätzlich alle vier Möglichkeiten.

Letztendlich empfehle ich, alles mal auszuprobieren und die Möglichkeiten verstärkt zu nutzen, mit denen man am besten klar kommt. Das müssen nicht bei jedem die gleichen Möglichkeiten sein. Letztendlich hat jeder einen anderen Investmentstil und auch die effektiven Suchmethoden sind demzufolge andere.

Ich empfehle jedoch, insbesondere die systematische Suche mal auszuprobieren. Natürlich hört sich das nach viel Arbeit an, aber man muss ja nicht nächste Woche fertig werden…

Wenn man einfach jeden Tag oder jede Woche, je nachdem wie viel Zeit man dafür hat, mal eine Aktie etwas genauer anschaut, schafft man im Laufe eines Jahres schon eine Menge. Und vor allem baut man damit Wissen auf, welches einem so schnell nicht mehr verloren geht.

Klar verändern sich Unternehmen auch, aber erstens in der Regel eher im Verlauf von Jahren als in Wochen oder Monaten. Und zweitens, selbst bei Veränderungen hat man bereits schonmal ein Grundwissen über ein Unternehmen, wenn man sich vor Jahren bereits einmal damit beschäftigt hat.

In diesem Sinne: ein fröhliches und vor allem erfolgreiches Suchen nach unterbewerteten Aktien!

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Kommentare [7]

  1. Tim Wall Street · 16. November 2011, 21:10 · #

    Sie haben sehr gute Beiträge hier. Alle Achtung! Da kann man wirklich Honig saugen…

    Beste Grüße
    Tim

  2. — Perlenfischer · 17. November 2011, 16:06 · #

    Ich finde den Consors-Screener unter https://www.cortalconsors.de/Kurse-Maerkte/Aktien/Aktiensuche ganz brauchbar. KBV hat der nicht, das kann man aber gut über Verschuldungsgrad und/oder EK-Quote umgehen. Als Ausgangspunkt reicht’s.

  3. Robert Michel · 24. Januar 2012, 23:22 · #

    Eine weitere Möglichkeit ist die Insiderkäufe der letzen Monate zu analysieren. Oft ist ein Unterbewertung der Grund für die Insider die Aktien zu kaufen.

  4. — H.Saarpei · 20. Juni 2014, 22:24 · #

    Vorab, ich habe eine hohe Meinung von dir, dein Blog ermöglicht es spärlich vorhandenenes Wissen zum Verstehen und Vorgehen im Bezug aufs V.I. deutlich zu erweitern. Danke dafür!

    Zu Punkt 3:
    Mich interessiert was du persönlich auf Aktienempfehlungen von Dirk Müller bzw. von Mitgliedern des “Cashkurs-Teams” (Trading/Charttechnik Einschätzungen mal aussen vor) gibst.
    Die Frage ist sehr schwammig gestellt, dies ist mir klar, jedoch würde mich eine wenn auch nur sehr kurze Einschätzung sehr interessieren.

  5. Stefan Mohr · 21. Juni 2014, 09:21 · #

    Ich möchte es mal so sagen: ich habe von Dirk Müller bisher zu wenig gelesen, um wirklich einschätzen zu können, wie gut seine Aktienempfehlungen sind. Was mir allerdings bisher schon aufgefallen ist, ist dass Herr Müller ein ziemlich guter Selbstvermarkter ist.

    Aber wie ich im Arikel geschrieben habe, man sollte auf die Menschen hören, deren Argumente man nachvollziehen kann. Eine Aktienempfehlung, sollte immer nur ein Gedankenanstoß sein, egal ob von Dirk Müller, Warren Buffett oder sonstwem. Eine Anlageentscheidung kann man nur treffen, wenn man sich selbst mit den Fakten auseinandersetzt. Die Arbeit muss man sich also immer selbst machen (Geschäftsberichte lesen, sich mit den Zahlen auseinandersetzen, über die Branche und Konkurrenten lernen, sich Gedanken darüber machen was man über die Zukunft des Unternehmens halbwegs sicher vorhersagen kann und noch wichtiger, was nicht …).

  6. — Lad · 16. November 2014, 14:27 · #

    Aktien Sreener?
    Wenn man die Aktien ewig nur wegen Dividenden halten will, so dass mit 66 Jahren die Dividenden mehr Einkommen als die Rente bringen, dann muss man in der Staatsbibliothek in den Heften „Aktien-Analyse“ alle Aktien aus DAX, Eurostoxx50, Stoxx50 und Dow Jones und solche Werte, die auch hin gehören, wie Bank of America, Wells Fargo, Citigroup, Honeywell, Hewlett Packard und Alcoa kontrollieren. Wie 1996-2008 das Wachstum von Umsatz, Gewinn, Cashflow, Buchwert und Dividenden war. In der Krise 2009 war es nämlich überall schlecht. Und dann 10 bis 20 blue Chips aussuchen, wo diese Fundamentals jährlich 10% gestiegen sind.
    Ich will ewig diese Aktien nur wegen Dividenden als Rente halten:
    AT&T, Bank of America, Wells Fargo, Johnson & Johnson, Procter & Gamble, Pfizer, United Technologies, Banco Bilbao, Banco Santander, Iberdrola, Telefonica SA, HSBC, Royal Dutch Shell, Tesco, Sanofi, BHP Billiton, Vale, BMW.
    Und wenn man die Aktien nur ein Jahr halten will und dann mit Gewinn verkaufen, kontrolliert man am besten im Dezember erwartetes Gewinnwachstum (über 20%) im nächsten Jahr, KUV unter 3, besser unter 1, KBV unter 3, besser unter 1, im Euro am Sonntag, Börse Online, Focus Money und auf Onvista.de und dann findet man immer einige mit KUV und KBV billige Aktien, von Unternehmen, wo der Gewinn im nächsten Jahr stark steigen soll. KGV ist nicht interessant. Auch Aktien mit KGV 1000 sind billig, wenn sie KBV 0,3 und KUV 0,3 haben.
    Für 2015 sehe ich Aktien mit Potential:
    DAX: HeidelbergCement, Lanxess, Lufthansa. MDAX: Bilfinger, Evonik, Hochtief, Leoni, Metro, Rheinmetall, TUI. Eurostoxx50: Banco Bilbao, Banco Santander, Eni, Saint Gobain, Schneider Electric, Societe Generale, Unicredit. Stoxx50: Barclays, Credit Suisse, Glencore Xstrata, UBS. Dow Jones: Alcoa, Bank of America, Citigroup.

  7. Stefan Mohr · 16. November 2014, 21:33 · #

    Es ist also wirklich so einfach? Aktien raussuchen die ein erwartetes Gewinnwachstum über 20% haben, ein KBV unter 3, 1 oder 0,3 (was denn nun eigentlich genau?) Wirklich erstaunlich, hätte ich das nur gleich gewusst.

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