Investment und Spekulation - tiefergehende Gedanken zum Thema

15. Januar 2014 -   -  Stefan Mohr

Was der Unterschied zwischen Investition und Spekulation ist, darüber wurde schon des öfteren von diversen Autoren geschrieben. Ziel dieses Artikels soll es jetzt weniger sein, diesen Unterschied noch einmal durchzukauen. Vielmehr werde ich auf einige Beispiele eingehen, über die ich in letzter Zeit nachgedacht habe und welche Schlussfolgerungen ich daraus ziehe. Denn konkrete Beispiele finde ich meist hilfreicher, als abstrakte Definitionen.

Kurzdefinition Investieren vs. Spekulieren

Aber fangen wir mit meiner Kurzdefinition von Investment und Spekulation an. Im Prinzip nichts neues, ähnliche Definitionen findet man auch an anderen Stellen.

Investieren bezeichnet den Kauf von Vermögenswerten, wobei die Kaufentscheidung dabei auf deren Wert für den Eigentümer basiert. Dieser Wert ist dabei insbesondere abhängig von den Erträgen des Vermögenswertes, die zukünftig seinem Eigentümer zufließen werden. Idealerweise zahlt man für einen Vermögenswert dabei weniger, als er aufgrund seiner zukünftigen Erträge wert ist.

Spekulieren bezeichnet ebenfalls den Kauf von Vermögenswerten. Die Kaufentscheidung beruht dabei auf der Erwartung, den Vermögenswert später für einen höheren Preis an jemand anderen verkaufen zu können.

Übrigens: Wie Warren Buffet sehe ich “Investieren” als Synonym für Value Investing. Investieren heißt eben sich am Wert (Value) eines Unternehmens zu orientieren. Das “Value” kann man also eigentlich weglassen.

Schön, das hört sich nun erstmal sehr logisch und eingängig an. Aber leider stößt man mit diesen Definitionen in der Praxis in einigen Fällen auf Probleme und alles ist plötzlich garnicht mehr so einfach.

aber will man Investments nicht auch mal wieder verkaufen?

Ein Argument, welches ich immer wieder höre, von Leuten denen das Prinzip des Investierens nicht einleuchtet (hier bezogen speziell auf Aktien):

Aber was ist, wenn die Aktie für immer unterbewertet bleibt?

Tja, schwierige Frage. Ist man nicht als Investor genauso wie der Spekulant darauf angewiesen, dass einem später einmal jemand mehr für die gekauften Vermögenswerte zahlt? Wenn man mal von Verfechtern der “verkaufe nie”-Philosophie absieht, gewissermaßen schon. Gibt es also in Wirklichkeit gar keinen Unterschied zwischen Spekulieren und Investieren? Ich denke doch. Der große Unterschied, sind nämlich gerade die oben genannten zukünftigen Erträge auf die der Investor abziehlt. Wenn man einen Vermögensgegenstand nicht für einen vernünftigen Preis verkaufen kann, dann behält man ihn eben und schiebt den Verkauf auf. Ein Investor hat vorher darauf geachtet, dass der Vermögensgegenstand auch Erträge abwirft. Die Zeit des Wartens wird ihm damit versüßt, weil er entweder Dividenden erhält oder der Wert seiner Anteile durch einbehaltene Gewinne immer weiter steigt.. Der Spekulant hat dagegen nur im Kopf gehabt, dass er das Gekaufte später wieder teurer verkaufen könnte. Wenn das nun nicht oder zumindest sehr lange nicht der Fall ist und der Vermögensgegenstand keine Erträge abwirft, dann wird ihm das sauer aufstoßen….
Also ja, auch der Investor will meist mal wieder verkaufen und ist dann darauf angewiesen, dass ihm ein guter Preis geboten wird. Aber er muss nicht verkaufen und kann länger warten.

Gold, Silber und andere Rohstoffe

Fangen wir mal mit einfachen Dingen an. Wenn zukünftige Erträge eines Vermögenswertes eine Investition ausmachen, dann muss der Kauf von Rohstoffen und allen anderen Vermögensgegenständen, die keine Erträge abwerfen, folglich eine Spekulation sein. Neben Rohstoffen also auch Kunstgegenstände, Oldtimer und ähnliche Dinge. Aber auch Immobilien, wenn man sie kauft und dann weder selbst nutzt noch vermietet. Sowas ist dann oft Anzeichen für eine Spekulationsblase, wenn Investitionsobjekte der Spekulation willen gekauft werden.

Damit will ich übrigens nicht sagen, dass solche Dinge keinen Wert haben. Ein Stück Eisen, Kupfer oder Gold wird wohl immer einen Wert haben. Aber nur für den, der sie benutzt. Wer daraus einen Strahlträger, eine Stromleitung oder ein Schmuckstück macht, für den haben diese Rohstoffe einen Wert. Auch wer gerne morgens ein Frühstücksbrötchen isst, wird wohl kaum bestreiten, dass ein Sack Weizen einen Wert hat. Aber für jemanden, der solche Dinge nur der Spekulation willen kauft und aufbewahrt, stellen sie direkt keinen Wert dar. Nur dadurch, dass andere diese Dinge gebrauchen könnten und vermutlich etwas dafür hergeben würden, erhalten diese Dinge für den Spekulanten einen Wert.

Anders bei Investitionsgegenständen: Diese haben für den Besitzer durch den bloßen Besitz einen Wert. Eine Immobilie wirft Mieterträge ab, eine Anleihe Zinsen und ein Unternehmen (hoffentlich) Gewinne.

und Unternehmen die keinen Gewinn machen?

Wenn wir nun schon bei den Unternehmen sind. Leider macht ja nicht jedes Unternehmen Gewinn. Ist der Kauf eines Unternehmens, welches keine Gewinne macht also grundsätzlich eine Spekulation? Nein, das würde ich nicht so sehen. Der Wert eines Unternehmens ist abhängig von den zukünftigen Gewinnen, nicht von den vergangenen. Wenn also auch nur die kleinste Möglichkeit besteht, dass ein Unternehmen während seiner verbleibenden Lebenszeit Gewinne machen könnte die dem Eigentümer zugute kommen, dann hat dieses Unternehmen auch einen gewissen Wert.

Investieren mit großen Unsicherheiten – ist das nicht Spekulieren?

Und bei dem Stichwort “kleinste Möglichkeit” wären wir auch schon bei einem meiner Meinung nach wichtigen Punkt. Das sagt sich immer so einfach. Die IBM-Aktie ist xy € wert, also investiere ich in diese Aktie, weil ich sie für weniger kaufen kann. Meiner Meinung nach begibt man sich mit solchen Aussagen sehr schnell auf Glatteis und läuft Gefahr, schwerwiegende Denkfehler zu machen. Natürlich ist es richtig, dass jede Aktie und jeder andere Vermögensgegenstand eben zu diesem Zeitpunkt einen auf den Cent genau bezifferbaren Wert hat. Das Problem ist nur: niemand kennt ihn. Um den Wert einer Aktie bestimmen zu können, muss man die Zukunft bis ins kleinste Detail vorhersagen. Eine unmögliche Aufgabe.

Aber gut, so genau muss man ja nicht sein. Man muss den Wert eines Investments ja nicht genau kennen. Hauptsache man weiß sicher, dass der Wert über dem Kaufpreis liegt. Nächster Fehler. Leider gibt es keine 100%ige Sicherheit bei einem Investment. Es mag unwahrscheinlich sein, dass Coca-Cola morgen insolvent ist und weder Dividenden noch Liquidationserlöse ausschütten wird. Aber es ist nicht unmöglich.

Zugegebenermaßen mag dieses Beispiel mit Coca-Cola etwas extrem erscheinen. Aber Extreme zu betrachten, hilft oft dabei, den Dingen auf den Grund zu gehen. Wenn selbst Coca-Cola nur 99,999% sicher ist, hat man bei anderen Aktien erst recht keine 100% Sicherheit, egal wie billig man kauft. Aber es ist eben nicht notwendig, bei einer Investition sicher zu wissen, dass der Kaufpreis unter dem Wert liegt. Vielmehr ist es bei jeder Investition nicht auszuschließen, dass das erworbene Vermögensgegenstand wertlos ist. Und trotzdem ist es eine Investition, wenn man den Kaufpreis den man zahlt, mit den möglichen zukünftigen Erträgen rechtfertigt. Das ist letztendlich alles eine Frage von Wahrscheinlichkeiten. Wenn ein Unternehmen mit einer 10%igen Wahrscheinlichkeit wertlos ist und mit einer 90%igen Wahrscheinlichkeit einen Wert von 1 € besitzt, dann wäre es relativ dumm, 95 Cent dafür zu bezahlen. Obwohl man mit einer 90%igen Wahrscheinlichkeit Gewinn macht!

Ist dagegen ein Unternehmen mit einer 80%igen Wahrscheinlichkeit wertlos, jedoch mit einer 20%igen Wahrscheinlichkeit 10€ wert, dann wäre es ziemlich clever, dieses Unternehmen für 1€ zu kaufen. Denn obwohl man mit einer 80%igen Wahrscheinlichkeit einen Totalverlust einfährt, verdoppelt man im Schnitt seinen Einsatz. Natürlich wäre es blöd, sein ganzes Geld in so ein Unternehmen zu stecken. Aber wenn man viele solche Investments kauft und breit streut, dann wird man sehr gut abschneiden. Ich halte es daher nicht unbedingt für entscheidend, Risiken bei einem Einzelinvestment zu minimieren, sondern vielmehr, Risiken realistisch einzuschätzen. Hohe Risiken kann man durch große Diversifikation im Gesamtdepot minimieren, solange die Chancen die Risiken aufwiegen. Aber kleine Risiken wenn man Null Risiko eingerechnet hat, können auf Dauer sehr gefährlich sein.

Das alles erinnert vielleicht den ein oder anderen an die China-Aktien in meinem Musterdepot. Sind diese China-Aktien noch als Investition oder schon als Spekulation zu sehen? Ich sehe sie ganz klar als Investition. Zugegeben: wenn ich mich irre und die Risiken noch größer sind als ich vermute, war es eine ziemlich dumme Investition. Aber meine Begründung für den Kauf ist der Wert der entsprechenden Unternehmen. Der Wert dieser Unternehmen ist für mich extrem schwer zu schätzen. Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass einige dieser Unternehmen für die Aktionäre wertlos sein werden, welche weiß ich nicht. Aber ich denke dass die Wahrscheinlichkeit dafür, dass diese Unternehmen wertlos sein werden, geringer ist, als gemeinhin angenommen wird. Oder anders ausgedrückt: ohne ein Genie zu sein, sieht man leicht dass diese Unternehmen ein vielfaches des aktuellen Kurses wert sind, wenn sie sich halbwegs passabel entwickeln. Sagen wir mal im Schnitt sind diese Unternehmen dann das 5-fache des aktuellen Kurses wert. Um mit einem diversifizierten China-Aktien-Korb keine Verluste zu machen, müsste sich also nur jedes 5. Unternehmmen halbwegs passabel entwickeln (von großen Wachstumsstories rede ich hier garnicht). 4 von 5 Unternehmen dagegen dürfen ein Totalverlust werden. Ich halte das für zu pessimistisch. Mit dieser Argumentation sehe ich das eindeutig als Investment an.

Bitcoins (und andere Währungen)

Kommen wir jetzt mal zu anderen Dingen: Bitcoins. Diese recht neue, digitale Währung, die durch feste Begrenzung der verfügbaren Zahlungseinheiten die inflationären Tendenzen anderer Währungen vermeiden soll, ist eine interessante Sache. Am interessantesten ist für viele sicher, dass der Kurs zu €/$ in der Vergangenheit extrem zugelegt hat.

Ich möchte jetzt garnicht groß darüber diskutieren, ob das eine Blase ist, ob man Bitcoins kaufen soll, was auch immer. Wenn Bitcoins eine anerkannte, viel verwendete Währung werden sollten, wird der Kurs sicher noch deutlich weiter steigen. Einfach weil die Geldmenge mehr oder weniger konstant ist. Wenn nicht, werden Bitcoins wohl früher oder später in der Versenkung verschwinden und der Kurs sich der Null annähern. Jetzt kommt es halt auf die Wahrscheinlichkeit dieser Szenarien an. Ich persönlich tue mich da schwer mit einer Einschätzung.

Aber: sind Bitcoins Investition oder Spekulation? Das sollte jedem klar sein: da man beim Kauf von Bitcoins einzig und allein davon abhängig ist, was einem ein anderer dafür später bezahlt, ist das eindeutig eine Spekulation. Anders sieht es natürlich aus, wenn man seine Bitcoins gegen Zinsen verleiht. Denn dann werfen die Bitcoins einen Ertrag ab. Trotzdem: die Komponente Spekulation bleibt. Bitcoins kaufen und dann gegen Zinsen verleihen dürfte also eine Kombination von Investition und Spekulation sein.

Bei “richtigen” Währungen wie Euro oder US-Dollar ist das natürlich ganz anders – oder? Irgendwie habe ich zumindest sichere Anleihen bisher immer für ein glasklares Investment gehalten. Aber wenn man über die Bitcoins nachdenkt, wo Zinserträge eine Investition, die Währung selbst aber eine Spekulation ist – kommt man eigentlich zu anderen Schlüssen. Zwar ist es so, dass Euro und Dollar nicht so stark schwanken, wie Bitcoins (Sprich: die Währungseinheiten die man für einen Kaffee, ein Stück Butter oder einen Haarschnitt hinlegen muss, schwanken weniger stark). Aber an sich: Wer Euro oder Dollar oder darin notierte Anleihen o.ä. hält, spekuliert darauf, dass einem später jemand nicht allzuviel weniger Waren oder Dienstleistungen als heute dafür gibt. Oder anders gesagt: wer seine Euros für 2% Zinsen verleiht, spekuliert darauf, dass die Inflation zumindest unter 2% bleibt.

Irgendwie eine interessante Erkenntnis. Keine Anleihe ist 100% Investition.

Aktien – Investition oder Spekulation?

An dieser Stelle möchte ich nochmal kurz auf Aktien eingehen. Ich habe bis hier eigentlich immer so getan, als ob Aktien eine Investition wären. Schließlich werfen Unternehmen Gewinne ab oder sollten dies zumindest. Aber eigentlich kommt es darauf nicht an. Eigentlich kommt es denke ich darauf an, aus welchen Gründen man eine Aktie kauft. Wenn ich Münchener Rück kaufe, weil ich den zukünftigen Unternehmensgewinn im Verhältnis zum Kaufpreis für eine gute Rendite halte, ist das eine Investition. Wenn ich aber Münchener Rück Aktien zum gleichen Kurs kaufe, mit der Begründung, dass irgendein charttechnischer Widerstand gebrochen wurde und der Kurs daher steigen wird, ist das eine Spekulation. Manche Vermögensgegenstände können also gleichzeitig Investment oder Spekulation sein, je nachdem aus welchen Gründen man kauft.

Meide Spekulationen wie der Teufel das Weihwasser!?

Jetzt könnte man sicher noch über viele Beispiele nachdenken. Sicher wird der ein oder andere noch Fälle finden, die nicht so ganz klar sind. Dann los, einen Kommentar schreiben, es wird sicher interessant, gemeinsam über diese Fälle nachzudenken!

Aber was machen wir jetzt mit diesem Wissen? Wenn Value Investoren über Investition und Spekulation schreiben, habe ich immer den Eindruck, dass sie erreichen wollen, dass man erkennt, was Spekulation ist, damit man so etwas meiden kann, wie der Teufel das Weihwasser. “Das ist doch pure Spekulation!”, sagt man, wenn man etwas für eine schlechte Geldanlage hält. Spekulanten sind schuld an den hohen Benzinpreisen, am Hunger in der 3. Welt und an der Finanzkrise sowieso. Spekulation hat kein gutes Image… Aber auch wenn man auf sein Image keinen wert legt: nur mit Investitionen kann man langfristig Vermögen aufbauen, wer spekuliert wird verlieren. Das wird immer wieder von Value Investoren gepredigt.

Ich sehe mich als Value Investor, aber zugegebenermaßen stimme ich damit nur bedingt überein. Spekulieren, also versuchen vorherzusehen, wofür die Masse in Zukunft mehr oder weniger bereit ist herzugeben, ist nichts, was ich nicht tun würde. Im Gegenteil, für eine Spekulation, bei der ich denke, dass die Chancen die Risiken überwiegen, wäre ich sofort zu haben. Warum tue ich es trotzdem nicht? Einfach, weil ich die Änderung der Massenmeinung für schwer prognostizierbar halte. Ja, auch Investieren ist nicht einfach. Aber irgendwie finde ich zumindest gelegentlich Investitionsmöglichkeiten, die zumindest in der Vergangenheit für mich oft profitabel waren. Gute Spekulationsmöglichkeiten habe ich bisher nicht gefunden. Und ich glaube auch nicht, dass sich das in Zukunft großartig ändert. Deshalb bezeichne ich mich als (Value) Investor. Aber generell bin ich offen für vieles, womit man Geld verdienen kann. Wenn ich gute Spekulationsmöglichkeiten finden würde … ich wäre sofort dabei.

Das einzige, was ich wirklich wichtig finde ist, klar zu definieren, warum man etwas (zur Geldanlage) kauft. Und dazu gehört auch, darüber nachzudenken, ob man investiert oder spekuliert. Oft erkennt man mit dieser einfachen Übung schnell Fehler im eigenen Denkprozess, was einem schwerwiegende Fehlentscheidungen ersparen kann.

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Kommentare [33]

  1. — krankenhaus · 15. Januar 2014, 13:10 · #

    Früher habe ich von Chart-Technik gar nichts gehalten und sie systematisch ignoriert. Heute denke ich da ein bisschen anders drüber.

    Natürlich glaube ich immer noch nicht an Unterstützungsmaken, Formationen und diesen ganzen Quatsch. Aber:
    “Es ist wahrscheinlicher, dass ein Trend anhält, als dass er bricht.”
    An dem Satz ist etwas dran. Wenn ein ausgeprägter Trend zu erkennen ist, macht es oft Sinn mit der Kaufs- oder Verkaufsentscheidung z.B. ein bisschen zu warten.

    Man muss einfach anerkennen, dass manche tatsächlich und erwiesenermaßen mit Momentum-Strategien Überrenditen erzielen können – ob man das nun gut findet oder nicht.

  2. — grosser Fan · 15. Januar 2014, 21:41 · #

    Wieder einmal ein sehr guter Artikel. Für mich ist jemand auch ein Investor wenn er fair bewertetet Unternehmen kauft. Aus meiner Sicht ist jemand ein Investor, der seine Kaufentscheidung auf Grund der Unternehmensdaten und dem Börsenkurs ableitet (Fakten). Eine Einschätzung der Zukunft sehe ich dabei schon als Spekulation. Der Kauf muss also auf Tatsachen beruhen. Ein Spekulant dagegen versucht die Zukunft zu deuten (z.B. Konjunkturaufschwung, Unternehmen hat ein gutes Geschäftsmodell und kann dadurch Marktanteil ausbauen oder Charttrends).

    Ein guter Investor sollte auch ein wenig spekulieren, auch wenn ein Value Investor dies nie zugeben würde. Auch kann eine Chartanalyse hilfreich sein (z.B. der Aktienkurs hat die letzten Tage zwischen 10 und 11 geschwankt, dann kauft man nicht bei 11, auch wenn dies immer noch unterbewertet ist). Deshalb für alle 100%igen Value Investoren: Desto offener man für neue Ideen ist, auch wenn sie sich als Humbug herausstellen, desto besser wird man selbst.

    Zur obigen Frage: Sind Derivate auf unterbewertete Unternehmen Spekulation?

  3. — daniel · 16. Januar 2014, 07:25 · #

    Ein sehr guter Artikel, der die schwammige Abgrenzbarkeit zwischen diesen beiden Begriffen verdeutlicht.

    Letztendlich ist es aber eine theoretische Überlegung ohne Praxisrelevanz, weshalb ich auch die Aussage

    “Das einzige, was ich wirklich wichtig finde ist, klar zu definieren, warum man etwas (zur Geldanlage) kauft. Und dazu gehört auch, darüber nachzudenken, ob man investiert oder spekuliert.”

    nicht teile.

    Es geht darum, Geld für ein Anlagegut auszugeben, und zwar in der Meinung dass man für dieses Anlagegut irgendwann mehr Geld zurückbekommt. Dazu muss man sich über dieses Anlagegut möglichst gut informieren. Ob diese Transaktion jetzt aber nach der eigenen oder einer fremden Definition Investition oder Spekulation ist, ist meines Erachtens egal.

  4. — krankenhaus · 16. Januar 2014, 11:14 · #

    @daniel, forum
    Für sich genau zu begründen, wie und warum man sein Geld anlegt, halte ich für äußerst wichtig. Das sollte man sogar am besten schriftlich tun, um sich selbst vor Impulshandlungen zu schützen und auch um über die Anlageentscheidung besser reflektieren zu können. Stefan tut das ja gerade in seinem Blog.

    Zu entscheiden, ob die eigene Geldanlage mehr einen spekulativen oder Investment-Charakter hat, finde ich eigentlich auch praxisrelevant.

    Ein paar Beispiele:
    1998 (glaube ich) investiert Warren Buffett massive in physisches Silber. Er begründet das mit den Fundamentaldaten. Ist das jetzt eine Spekulation oder ein Investment?

    Ein paar Jahre später setzt er mit Derivaten auf Währungen. Spekulation oder Investment?

    Oder akutell:
    Goldminenaktien sind gerade massiv abgestürzt. Wer sich jetzt für besonders schlau hält und in Goldminen sein Geld steckt muss gerade jetzt überlegen wie der zukünftige Goldpreis aussehen wird. Das hat aus meiner Sicht schon einen spekulativen Charakter – zumindest in Bezug auf die kommenden paar Jahre.

    Solche Sachen zu reflektieren ist eigentlich nur hilfreich.

  5. — hebel10000 · 16. Januar 2014, 13:27 · #

    @Fan: Ja, Derivate sind immer Spekulation, denn Du rechnest damit, dass Dein unterbewertetes Unternehmen während der Laufzeit des Derivats im Kurs steigt. Du setzt also gerade nicht auf die zukünftige Gewinnentwicklung / Dividendenzahlung des Unternehmens, sondern nur auf das Verhalten des Aktienmarktes innerhalb eines klar begrenzten Zeitfensters…

    Der Artikel ist übrigens sehr gut!

  6. — krankenhaus · 16. Januar 2014, 13:35 · #

    Heute muss ich aber mal besonders viel schreiben :-)

    “There is no investing but value investing.” von Charles Munger (glaube ich).

    Dem großen Charles Munger zu widersprechen fällt mir nun nicht leicht.
    Ich denke aber trotzdem, dass Wertinvestoren schon ihre eigene Philosophie und Eigenarten haben oder hatten. Man muss sich auch im klaren sein, dass sich das Verständnis von “Value Investing” mit der Zeit stark gewandelt hat.

    Wenn man vergleicht was Graham über das Investieren dachte und wie der späte Buffett und Munger denken und handeln, dann sehe ich da doch einen erheblichen Unterschied.

    Vielleicht ist Buffett gar nicht so sehr “der” Value Investor par exellence. Den Handel mit Derivaten habe ich bereits erwähnt. Buffett kann auch etwas, was der “normale” Investor nicht kann. Er kann seinen Unternehmen die Gewinne wegnehmen.

    Heute sind wir ja bereits soweit, dass es nur noch Value-Investoren gibt.

  7. — KF · 16. Januar 2014, 19:37 · #

    Investieren ist meiner Meinung nach sich Gedanken über den wahren Wert eines Assets zu machen und dieses dann günstiger zu kaufen. (Das geht auch für Gold und Silber)
    Spekulieren ist einfach etwas kaufen in der Hoffnung das sich jemand anderes findet der mehr bezahlt.
    Natürlich will der Investor das auch, aber er macht das rational mit Zahlen und nicht emotional.

  8. — daniel · 16. Januar 2014, 23:41 · #

    @krankenhaus: ich meinte dass die begriffliche Abgrenzung eine theoretische Überlegung ist. Glaubst Du, Buffett hat sich damals Gedanken darüber gemacht ob er eine Definition des Investmentbegriffes erfüllt die in Wahrheit jeder anders für sich begreift? Er hat wie ich geschrieben habe Geld für etwas hergegeben wofür er meinte in Zukunft mehr Geld bekommen zu können. Wie man das nennt ist doch dem Praktiker wohl egal.

  9. — Roger · 17. Januar 2014, 09:18 · #

    Hmmm.
    Ist natürlich alles eine rein akademische Diskussion. Aber ich gestehe, dass ich diesen Beitrag nicht sonderlich gelungen finde.

    Dein Blog bezieht sich auf Börsenaktivitäten.
    Diese sind, von seltenen Ausnahmen extremer Langzeitinvestoren abgesehen (zu denen du auch nicht gehörst, wenn ich mir anschaue, wie viele Werte aus deinem Anfangsdepot du noch hältst) nach deiner Definition allesamt Spekulanten, denn sie wollen später zu einem höheren Preis wieder verkaufen.

    Meines Erachtens wird bezüglich deines China-Engagements auch weniger die Frage nach Spekulation oder Investment aufgeworfen als vielmehr jene, inwieweit dein Blog der Begrifflichkeit des “value investing” an Börsen gerecht wird.
    Wikipedia sagt einleitend dazu: “Value Investing (engl. „wertorientiertes Anlegen“) ist eine Anlagestrategie, bei der Kauf- und Verkaufsentscheidungen für Wertpapiere ausschließlich unter Bezugnahme auf deren realwirtschaftlichen Gegenwert, den so genannten inneren Wert (engl. intrinsic value) getroffen werden.”
    Ah ja: “Unter Bezugnahme auf den realwirtschaftlichen Gegenwert”.
    Das impliziert, dass man eine halbwegs validierbare Basis zur Abschätzung dieses Gegenwertes hat.

    Bei deinen China-Engagements sehe ich diese Basis nicht. Du hast sogar selber zugegeben, dass dein Versuch, eine sichere Basis zur Abschätzung des realwirtschaftlichen Gegenwertes zu ermitteln, geschietert ist.

    Stattdessen sehe ich Wetten auf eine Unterbewertung unter Verwendung der Wahrscheinlichkeitsrechnung. Darum auch deine breite Streuung, das wird erst bei Wetten auf Wahrscheinlichkeiten sinnvoll.

    Das erinnert mich von der Strategie her aber eher an bekannte Spekulanten wie George Soros denn an bekannte Anhänger der Strategie des value investing wie Buffet oder Graham.

    Womit ich Soros erfolge keineswegs kleinreden will, der Mann kann viel und weiß recht gut, was er tut. Sein Erfolg beruhte nicht primär auf Glück, sondern stärker auf klugen Spekulationen unter Einbeziehung der Wahrscheinlichkeitsrechnung. Und so wie viele Wege nach Rom führen, gibt es auch viele unterschiedliche erfolgreiche Strategien an der Börse – und letztlich zählt eben der Erfolg.

    Nur sehe ich Soros eben nicht als Vertreter des value investings.

  10. — Roger · 17. Januar 2014, 09:32 · #

    Nachtrag: MMI hat in seinem Blog vor kurzem etwas interessantes über “systematic beta errors” geschrieben:
    “I have written above that this was a “Low risk” bet. In reality, I do not know if it was high risk and I was very very lucky or if it was indeed low risk. In statistics, one would call this a “beta error”, assuming that one was right but in reality the probabilities were very different. For me the best way to handle this is to do only small “bets”, keep track of assumptions and outcomes. Systematic “beta errors” in investing in my opinion are very dangerous as this will inevitable lead to some disastrous outcomes in the long run (Bill Miller).
    http://valueandopportunity.com/2014/01/14/celesio-why-merger-arbitrage-is-hard-business/

    Ich denke, es hilft bei der Risikoabwägung, wenn man sich einigermaßen klar über die Strategie ist, der man gerade folgt – nicht zuletzt um die typischen Risiken der jeweiligen Strategie besser ins Auge fassen zu können.
    Sich für einen Graham zu halten, sich aber dann wie ein Soros zu verhalten birgt die Gefahr, sich auf Graham-typische Risiken zu konzentrieren und Soros-typische Risiken nicht ausreichend in die Überlegungen einzubeziehen – und damit zu übersehen.

    Auch das scheint mir eine Art “systemic beta-error” zu sein.

  11. — grosser Fan · 17. Januar 2014, 13:34 · #

    @Roger

    Value Investing bedeutet nicht tiefes Risiko. Stefan hat bei den Chinaaktien die einzelnen Aktien sehr wohl analysiert und sie als deutlich zu tief eingestuft. Ist eine Aktie zu tief, dann gibt es auch immer einen Grund (z.B. Panik, verlorenes Interesse) dafür. China wird als ganzes Land immer wieder schlechter gemacht als es ist. Mit Angst lässt sich halt einfach leicht Geld machen. Ein Beispiel: Westliche Unternehmer wollen eigene Produkte verkaufen ►Einzelfälle als der Normalfall deklarieren ► chinesische Produkte sind vergiftet, haben eine schlechte Qualität, Plagiat, menschenunwürdige Produktion usw. Dazu muss man nur einmal bei ZDF oder einem anderen Medienhaus den Begriff China eingeben. Und im Moment gibt es tatsächlich eine Panik bei Chinaaktien. In jedem Forum lese ich fast einen Kommentar, dass es nur Betrügeraktien aus China gibt. Hat man den Betrug noch nicht festgestellt, dann wird er noch kommen. Ein ganz klarer Fall von Vereinheitlichen. Und dieses Betrugsrisiko muss man auch als Value Investor einschätzen, auch wenn man dadurch spekuliert. Ich gehe sogar soweit zu sagen, dass jeder erfolgreiche Value Investor spekuliert.

    „inwieweit dein Blog der Begrifflichkeit des “value investing” an Börsen gerecht wird (Roger, 17.01.2014)“
    Und dein grosses Vorbild Buffett spekuliert mit Optionen und ist natürlich ein reiner Value Investor. Hör doch auf mit diesem Blödsinn. Stefan hat immer versucht Aktien mit einer starken Unterbewertung zu finden (Unterbewertung=innerer Wert>Börsenwert).

  12. Mario · 17. Januar 2014, 14:39 · #

    Ich habe vor dem lesen des Beitrags noch nicht tiefgründig über den Unterschied zwischen Spekulation und Investition nachgedacht. Beim lesen ging mir die Definition von Spekulation irgendwie zu weit. Ich lege mal eine spontane andere Definition dar, die nichts mit laufenden Erträgen zu tun hat und nehme noch eine Ergänzung hinzu:

    Glückspiel – Spekulation – Investition

    Beim Glückspiel z.B. Lotto will man sein Geld auch vermehren, aber man weiß, dass die Wahrscheinlichkeit gegen einen spricht.

    Spekulation ist für mich versuchte Geldvermehrung bei der man nicht weiß, wie die Chancen eigentlich aussehen.

    Investition hingegen ist die versuchte Geldvermehrung, bei der man zumindest glaubt zu wissen, warum die Chancen zu den eigenen Gunsten stehen, was natürlich nicht heißt, dass man sich nicht irren kann.

    Trendfolge wäre für mich persönlich z.B. Spekulation, weil ich davon nur rudimentäre Kenntnisse und keine ausgefeilten Computersysteme habe. Es gibt hingegen Hedgefonds die damit systematisch Geld verdienen. Da die wissen, warum ihr System funktioniert, spekulieren die in meinen Augen nicht.

    Ist nur mein Sprachgefühl, mag sein, dass ich damit an allgemein üblichen Definition vorbeigeschrieben habe…

  13. — Alex · 17. Januar 2014, 16:46 · #

    Margin of safety.

    Ich bin bin mir nicht sicher ob Ben Graham selbst oder Seth Klarman das investieren nur investieren nannte wenn eine MOS nach einer konservativen Kalkulation gegeben ist.

    Wie die Kalkulation genau aussieht, ob Schätzung der Buchwerte, DCF, Sum of Parts, fairer Arbitragewert, Eintrittswarscheinlichkeit oder was es sonst noch so alles gibt wird nicht genau definiert.

    Manchmal sind resiliente Bluechips wie Coca-Cola eine Investition und manchmal sind es Junkbonds.

  14. — krankenhaus · 17. Januar 2014, 17:43 · #

    @daniel
    Der Spekulant meint doch auch später mehr zurückzubekommen als er jetzt hergibt. :-)

    Aber ich gebe dir vollkommen recht.
    Man sollte solche Begriffen nur insoweit verwenden, wie sie wirklich helfen und daraus keine “Wissenschaft” machen. Eine Diskussion um leere Worte und Definitionen bringt meist niemandem etwas.

  15. — Marcheso · 17. Januar 2014, 18:59 · #

    Ich halte die Diskussion “Investieren” oder “Spekulieren” für ziemlich abstrakt und nicht zielführend, zumal sie in der klassischen betriebswirtschaftliche Investitionstheorie eigentlich nicht existiert. Dort wird zwischen Investitionen mit hohen und niedrigen Risiken/hohen und niedrigen Risiken unterschieden. Darüber hinaus spielt der Anlagehorizont eine wichtige Rolle. Ich könnte mit vorstellen, dass man im umgangssprachlichen Gebrauch einen kurzfristig orientierten Investor, der bei hohen Risiken hohe Gewinne erzielen will, als klassischen Spekulanten bezeichnen könnte. Ein “Investor” gilt als jemand, der eher langfristige Anlageziele verfolgt. Aber unter uns: Die Unterscheidung “Spekulant” und “Investor” stammt aus dem 30er Jahren – und war geprägt von der Spekulationsblase, die zur Weltwirtschaftskrise führte. Diese war getrieben von der Hoffnung, dass sich Gewinne durch permament steigende Kurse im Sinne eines Perpetuo Mobile erzielen lassen – die substanziellen Parameter der Unternehmen und der Gesamtwirtschaft waren quasi ausgeblendet.

  16. — joern · 18. Januar 2014, 18:02 · #

    Hallo Stefan,

    ich wollte lediglich mal ein generelles Lob für deinen Blog aussprechen. Finde deine Artikel immer sehr interessant und lesenswert!

    Weiter so!!

  17. — Covacoro · 19. Januar 2014, 20:01 · #

    Bedenkenswerte Worte Stefan, v.a. wenn man selbst kritisch Revue passieren läßt, wie oft man bei eigenen Kauf-Entscheidungen spekuliert hat, in welchem Ausmaß, und es sich nicht (oder zu spät!) vollständig eingestanden hat. Denn diese Erkenntnis und es zu akzeptieren, sind oft essentiell für die Frage, wann man die Reißleine zu ziehen hat bzw. wie diszipliniert man handelt.

    Aber die meisten Anleger lieben es über ihre Erfolge zu reden und die Fehler auszublenden bzw. nicht zu analysieren. Ist ja alles so theoretisch. Dabei fängt alles im Kopf an – wir sind selbst unser größter Feind auf dem Weg zu besserer Rendite und Entscheidungen.
    Insofern finde ich es wichtig darüber nachzudenken.

    Covacoro

  18. — krankenhaus · 20. Januar 2014, 18:44 · #

    Mal was anderes zum Thema Geld und Börse.

    Ich war jetzt im Kino in “Der Wolf der Wallstreet” und kann allen Geldinteressierten nur dringend empfehlen reinzugehen. Mal abgesehen davon, dass in jeder zweiten Szene entweder gefickt oder Drogen genommen werden :-) – aber im ernst: Scorsese ist ein großartiger Regisseur und der Film ist einfach grandios!

  19. — daniel · 20. Januar 2014, 19:51 · #

    Ich habe gestern den Film auch gesehen und kann mich meinem Vorposter krankenhaus nur anschließen. Im Übrigen sind die beiden Bücher von Belfort auch (als Unterhaltungsliteratur) ganz amüsant.

  20. Dominik · 22. Januar 2014, 11:28 · #

    Ich habe den Film vor vier Tagen gesehen und finde die Rolle von Di Caprio super gespielt.Richtig guter Film und er vedient den Oscar.

  21. Robert · 22. Januar 2014, 23:49 · #

    Benjamin Graham & David Dodd : “An investment operation is one which, upon thorough analysis, promises safety of principal and a satisfactory return. Operations not meeting these requirements are speculative.”

    gut ist auch der hier : a good speculation is always (must be) a good investment. If its not, its not a good speculation.

  22. Robert · 23. Januar 2014, 13:10 · #

    Es gibt noch eine interessante Ergänzung von Graham. Im Fall CGA bin ich ja auch investiert. Es gibt hier wohl keinen im Forum der 100% sagen kann ob es ein Betrug ist oder nicht. Ich bin auch nicht 100% sicher. Es ist für mich selber kein Investment, eine gute Spekulation ist immer auch ein gutes Investment. Man kauft so billig, daß es sich sogar in der Pleite schon lohnt. Bei CGA sind alle Kriterien erfüllt, leider nur hat man das Killerkriterium für ein Investment und das heisst Betrugsverdacht. Wie dem auch sei. Hören wir Onkel Graham zu was er zu intelligenter Spekulation zu sagen hat und sein Hinweis, daß es ein schmaler Grad ist d.h. beides ist immer möglich Verlust & Gewinn. Er sagte auch, daß etwas Spekulation notwendig ist und unvermeidlich ist… (seh ich auch so. Erst im NACHHINEIN melden sich die Oberschlauen die sagen Sie hätten es alles gesehen…. was ist wenn CGA kein Betrug ist und die Aktie bald 1000% auf der Plus Seite macht … ist es dann Glück gewesen ? oder nennt man das dann doch wieder nüchterne Analyse? ). Graham gibt auch gute Beispiele für unintelligten Spekulation.

    Intelligent Speculation – Graham :

    Outright speculation is neither illegal, immoral, nor (for most people) fattening to the pocketbook. More than that, some speculation is necessary and unavoidable, for in many common-stock situations there are substantial possibilities of both profit and loss and the risks therein must be assumed by someone.

    There is intelligent speculation as there is intelligent investing. But there are many ways in which speculation may be unintelligent. Of these the foremost are:

    - speculating when you think you are investing – speculating seriously when you lack proper knowledge and skill for it – risking more money in speculation than you can afford to lose

  23. Robert · 23. Januar 2014, 13:20 · #

    Die abschliessende Frage ob CGA eine “intelligente” Spekulation ist lass ich mal offen :)

  24. Stefan Mohr · 23. Januar 2014, 13:22 · #

    @Robert,

    danke für die beiden Kommentare, sollte den Graham auch mal wieder lesen.

    Letztendlich kann man sagen, dass Grahams Definition etwas von meiner abweicht und einige Leser hier haben ja auch eher wie Graham argumentiert.

    Übrigens zu dem Hinweis, dass solche Überlegungen etwas akademisch und praktisch wenig hilfreich sind:
    Das sehe ich absolut nicht so. Wie man nun Dinge definiert, und ob einem nun Grahams Definition oder meine besser gefällt, ist denke ich nicht so wichtig. Auch ist es sicher nicht so wichtig, alles in ein festes Schema zu pressen. Aber darüber nachzudenken, auf welchen Annahmen basierend man ein Investment für gut befindet, halte ich für absolut essentiell. Und über Investment/Spekulation nachzudenken und sich darüber klar zu sein, was man gerade tut, kann dabei sehr gut helfen.

  25. — daniel · 23. Januar 2014, 20:34 · #

    “Aber darüber nachzudenken, auf welchen Annahmen basierend man ein Investment für gut befindet, halte ich für absolut essentiell. Und über Investment/Spekulation nachzudenken und sich darüber klar zu sein, was man gerade tut, kann dabei sehr gut helfen.”

    Im ersten Satz stimme ich mit Dir völlig überein, wenn man es so auslegt, dass man sich darüber im Klaren sein muss, warum man eine Aktie kauft, sprich weshalb das damit erworbene Unternehmen in Zukunft überdurchschnittliche Ertragssteigerungen erzielen wird, bzw. weshalb z.B. der fiktive Liquidationserlös als Untergrenze für den intrinsic value deutlich über dem momentanen Marktpreis liegt.

    Im zweiten Satz muss ich meinen Widerspruch, den ich schon in Posting Nr. 3 als Kritikpunkt angeführt habe, wiederholen: darüber nachzudenken, ob man nun investiert oder spekuliert, setzt eine Begriffsdefinition voraus, die nicht allgemeingültig vorhanden ist, die also jeder (meinetwegen in gewissen Grenzen) für sich selbst vornimmt. Du schreibst selbst, dass Deine Definition von Grahams abweicht, was dazu führen könnte, dass eine bestimmte Transaktion für Dich noch Investition, für Graham aber schon Spekulation (ob nun intelligent oder nicht) ist. Kann man daraus praktischen Mehrwert ziehen, wenn man weiß, dass eine Transaktion “nach Graham” begrifflich anders heißt als “nach Mohr”? Ich behaupte, dass das nicht der Fall ist und daran setzt meine Kritik an.

    Letztendlich geht es in der Praxis darum, schlechter informierten und/oder dümmeren Menschen Aktien entweder abzukaufen oder sie ihnen zu verkaufen und dadurch überdurchschnittlich viel Geld zu verdienen. Wie diese Transaktion nach Definition A oder Definition B heißen mag und dass A und B voneinander abweichen, hat mE wie gesagt keine praktische Relevanz.

  26. — krankenhaus · 23. Januar 2014, 22:35 · #

    Also Daniel, du willst die Sache wieder von vorne aufrollen. Dann hätte ich aber mal ein paar Rückfrage:

    Was heißt denn bei dir “in der Praxis” oder “der Praktiker”. “Der Praktiker” ist jemand, der bei seinem Online-Broker eine Kauf- oder Verkaufsorder aufgeben kann (im Gegensatz zum “Theoretiker”)? Oder was soll das bitte heißen?

    Es gibt kein “praktisches” Investieren und es gibt auch kein “theoretisches” oder “akademisches” Investieren. Das ist absurd. Praktisch zu investieren, heißt gerade die eigene Anlageentscheidung von allen erdenklichen Seiten zu betrachten und zu überdenken – und dann können möglicherweise auch Kategorien wie Spekulation/Investition helfen.

    Ich denke, wir sind uns alle einig, dass die Definition schwierig ist. Ich persönlich finde, die Graham-Definition auch schwammig. Aber nur, weil wir Worte nicht immer scharf defnieren könne, wissen wir trotzdem was damit gemeint ist und können damit arbeiten.

    Mir gefällt auch nicht beim Kauf oder Verkauf von “dummen” oder “schlecht informierten” Menschen zu sprechen. Warum jemand kauf oder verkauft kann sehr viele Gründe haben. Das Weltbild ist mir ein bisschen zu klein.

  27. — daniel · 23. Januar 2014, 23:27 · #

    Mit “Praxis” meine ich die tatsächliche Durchführung einer Transaktion (logischerweise unter Gewinnerzielungs- und Maximierungsabsicht), im Gegenzug dazu verstehe ich unter “Theorie” die reflektive Auseinandersetzung mit solchen Transaktionen (ob es nun eigene oder fremde sein mögen).

    Mit “praktischer Relevanz” meine ich demzufolge die Steigerung des potenziellen Gewinnes durch Informationsgewinnung. So verstanden hat die intensive Analyse eines Unternehmens natürlich praktische Relevanz. Die begriffliche Einordnung der Transaktion in eine dieser zwei Schubladen, die nun aber wie gesagt jeder mangels allgemeingültiger Definition unterschiedlich weit begreift, schafft solchen Mehrwert nicht, hat also keine praktische Relevanz. Eine Transaktion liefert nicht deswegen mehr Gewinn, weil sie einen “Investitionsbegriff” erfüllt oder nicht.

    Was die plakative Darstellung mit “schlecht informiert” und “dumm” betrifft, habe ich das wie folgt gemeint:

    Natürlich kann jemand für sich selbst viele verschiedene Gründe identifizieren, warum man kaufen oder verkaufen könnte…

    … aber aus der Perspektive eines rational agierenden Käufers muss man eigentlich fast immer darauf hoffen, dass das Gegenüber entweder schlechter informiert ist als man selbst und die Aktie tatsächlich unterbewertet ist (ansonsten macht man nämlich selbst einen Fehler mit dem Kauf) oder dass das Gegenüber einem z.B. als Folge einer Panikattacke verkauft und gar nicht viel und/oder rational darüber nachgedacht hat, warum er eigentlich verkauft. Irrationales, plötzliches Handeln ohne tiefgreifende Analyse kann man meines Erachtens zumindest landläufig und plakativ vereinfachend als “dumm” bezeichnen.

    Vice versa, also wenn Du an jemanden verkaufst, hoffst Du doch auch, dass Du besser informiert bist (sonst wäre der Verkauf an ihn nämlich fast immer ein Fehler) oder dass er Dir irrational aus einer gierigen Motivation heraus den Titel abkauft.

    Verzeih mir bitte die eine oder andere Unschärfe…

  28. — Markus · 24. Januar 2014, 10:02 · #

    Bin ich falsch gewickelt, wenn ich die Performance des Musterdepots anzweifle?
    Bei der Umschlagshäufigkeit und der dementsprechenden “Vorsteuerrendite” sind 25 – 28 % mehr Cash für Investitionen da, die in der Praxis keiner erzielen kann. Das müsste sich doch summieren und Verfälschungen ergeben… Value Investoren rechnen doch gerne oder trügt mich mein Bauchgefühl?

    Im Gegensatz dazu müsste ein buy & hold Investor Steuerstundungseffekte erzielen können. Die Holding vom Herrn Buffett ist auch steuertechnisch interessant.

  29. Stefan Mohr · 24. Januar 2014, 11:51 · #

    @Markus: richtig

    Wenn das Depot 1x im Jahr und zwar exakt zum Jahresende umgeschlagen wird, ist die Nachsteuerrendite genau um die Abgeltungssteuer (26,375%) kleiner als die Vorsteuerrendite.

    Durch unterjährige Verkäufe verstärkt sich die Abweichung zwischen Vor- und Nachsteuerrendite, da dann die “Steuerersparnis” ebenfalls wieder gewinnbringend angelegt werden kann. Je öfter das Kapital umgeschlagen wird, desto stärker der Effekt. Schätzungsweise dürfte diese Verstärkung (bisher) im Musterdepot aber nicht allzu stark ausfallen, da sowohl 2012 als auch 2013 etwas weniger als das durchschnittlich zur Verfügung stehende Kapital umgeschlagen wurde.

    Trotzdem: vielleicht wäre es besser gewesen, das Musterdepot mit Abgeltungssteuer zu führen. Aber lässt sich halt im Nachhinein leider schwer ändern…
    Oder das Depot zumindest ab jetzt mit Abgeltungssteuer? Hat auch wieder den Nachteil, dass dann die Ergebnisse schwer vergleichbar sind.

  30. Robert · 24. Januar 2014, 13:35 · #

    lieber “Vorsteuer”… ich hatte das auch ein paar Mal. Die Sache ist die… das z.B. alle Publikumsfonds und die plakativen Werbungen von Hedgefonds meistens gross auch immer nur die Vorsteuerrenditen zeigen. Die meisten Zahlen da draussen sind Vorsteuer. Wenn jemand nicht aufpasst wird er das falsche vergleichen.

    … was natürlich armselig ist und ein schlechtes Bild auf den Durchschnittsjournalist wirft meiner MEinung nach. Wir Investoren haben NICHTS von Vorsteuer “fake” Renditen … Lächerlich finde ich auch die ganzen Börsenspiele (oft nicht einmal nachvollziehbar !!) die ebenso das Thema Steuern völlig ausklammern….

    Was dann nach Kosten, nach Performancefee, nach Steuern tatsächlich bei rum kommt erfährt man erst im Kleingedruckten des Hedgefonds.

  31. — krankenhaus · 27. Januar 2014, 20:25 · #

    @daniel
    Dieser Sichtweise kann ich nicht viel abgewinnen. Ist mein Transaktionspartner nun schlecht informiert oder durchdringt er die Inhalte nicht?

    Erstmal hat niemand direkt mit dem Transaktionspartner zu tun, sondern dazwischen ist immer der Makler – und persönlich kennt man sich daher nicht. Also kann es hier nur um das gehen, was man den Medien entnehmen kann.

    Zum zweiten bleibt man bei deiner Herangehensweise zuwenig bei sich selbst. Den von Graham eingeführte Mr Market soll man sich als manisch-depressiv vorstellen. Graham empfielt eben nicht in die verworrenen Gedankengänge von Mr Market einzusteigen, sondern einfach das Angebot, das er täglich macht, anzunehmen oder eben abzulehnen.
    Das ist die Value-Herangehensweise in Reinkultur.

  32. — krankenhaus · 27. Januar 2014, 21:20 · #

    @daniel
    Die Begriffe “Theorie” und “Praxis” finde ich etwas konfus, wie bereits geschrieben. Der “Praktiker” macht eine Transaktion mit Gewinnabsicht? “Theoretiker” lamentiert und schwafelt viel und macht sich Gedanken übder Dinge, die ohnehin nichts bringen.

    Gedanken machen und insbesondere viel lesen ist zwingend für den Erfolg beim Investieren. Wir müssen an dem Punkt auch nicht zusammenkommen:-)

    “Eine Transaktion liefert nicht deswegen mehr Gewinn, weil sie einen “Investitionsbegriff” erfüllt oder nicht.”
    Dem stimme ich natürlich. Reine Definitonen bringen nicht besonders viel.

  33. — daniel · 27. Januar 2014, 22:17 · #

    @krankenhaus,

    mE spielt es keine Rolle ob man direkt mit einem Transaktionspartner zu tun hat oder ob ein Makler zwischengeschaltet ist.

    “Gedanken machen und insbesondere viel lesen ist zwingend für den Erfolg beim Investieren. Wir müssen an dem Punkt auch nicht zusammenkommen:-)”

    Nun ich denke diesbezüglich habe ich auch nicht widersprochen.

    Und im Übrigen kenne ich die Metapher von Mr. Market, da kann man nicht viel Besseres dazu schreiben. Graham hat Recht diesbezüglich, aber in seinen Werken kommt immer wieder seine Geringschätzung gegenüber der Masse zur Geltung. Er hat es zwar eleganter formuliert, aber im Grunde hat er glaube ich nicht besonders viel vom Durchschnittsakteur am Kapitalmarkt gehalten. Soviel zum engen Weltbild ;-)

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