Wie stark sollte die Diversifikation eines Aktien-Portfolios sein?

21. Oktober 2011 -  ,  -  Stefan Mohr

Ist die Diversifikation eines Aktienportfolios notwendig? Und wie stark? Diese Frage wird immer wieder diskutiert. Ich werde meine eigenen Überlegungen zur Diversifikation und meine Schlussfolgerungen daraus zusammenfassen. Das Thema werde ich insbesondere mit Bezug auf Portfolios bestehend aus Einzelaktien betrachten, ähnliches gilt aber auch mit Bezug auf Anleihen, Immobilien und andere Anlageformen.

Diversifikation ist (fast immer) sinnvoll

Zunächst einmal eine grundsätzliche Feststellung. Diversifikation bedeutet, nicht alles auf eine Karte zu setzen. Wenn man zwei verschiedene Aktien kauft, hat man also schon diversifiziert (wenn auch nicht sehr stark). Ist es sinnvoll, seine Investments zu streuen und mehr als eine Aktie zu kaufen? Ich glaube, da wird es nicht viele Diskussionen geben. Da man sich immer irren kann und nie in der Lage sein wird, die Zukunft zu 100% vorherzusagen, kann man mit einer Aktie immer sehr große Verluste erleiden. Und im Extremfall sein Vermögen komplett zu verlieren ist nicht akzeptabel, egal wie niedrig die Wahrscheinlichkeit dafür ist.

Eine Ausnahme sehe ich eventuell, wenn man wenig Erspartes hat, aber im Monat recht viel sparen kann. Wer beispielsweise aktuell ein Portfolio im Wert von 5000€ besitzt, aber im Monat weitere 1000€ sparen wird, kann es sicherlich verantworten, von den 5000€ nur eine Aktie zu kaufen. Danach sollte man aber relativ bald mit dem Diversifizieren anfangen.

Was erreicht man mit Diversifikation und was nicht?

Betrachten wir dazu erstmal die Auswirkungen von Diversifikation. Je stärker man diversifiziert, desto weniger hängt die Rendite des Gesamtportfolios von den Einzelentscheidungen ab. Die Schwankungsbreite des Portfolios nimmt ab. Das hört sich gut an, ist es aber nicht immer! Natürlich verringert man die negativen Auswirkungen, wenn man sich mit einer Entscheidung mal irrt. Aber man verringert auch die positiven Auswirkungen, wenn man sehr gute Entscheidungen trifft!

Diversifikation glättet also die Anlageergebnisse. Nicht mehr und nicht weniger. Wenn man überwiegend schlechte Anlageentscheidungen trifft, kann auch Diversifikation nicht für ein gutes Ergebnis sorgen.

Günstige, aussichtsreiche Aktien auszusuchen, bleibt also entscheidend für die zu erwartende Rendite. Diversifikation ist nur notwendig, um die Auswirkungen von Fehlentscheidungen, die jedem Investor unterlaufen werden, nicht katastrophal werden zu lassen. Weniger aussichtsreiche Aktien zu kaufen, nur um zu diversifizieren kann absolut kontraproduktiv sein.

Fazit also: so viel diversifizieren wie notwendig ist, um die Wahrscheinlichkeit katastrophaler Verluste zu verringern. Aber den Kauf weniger hochqualitativer Investments vermeiden!

Und wie stark diversifiziert man nun?

Ihr seht schon, um diese wichtige Frage drücke ich mich etwas. Ganz einfach, weil es darauf keine allgemeingültige Antwort gibt.

Ein Faktor, die hier eine Rolle spielt, ist zum einen die eigene Risikoneigung. Wer kurz vor der Rente steht, hat hier sicher ganz andere Anforderungen, als ein ungebundener 20-jähriger.

Auch das Risiko von Fehlentwicklungen spielt eine Rolle. Investiert man vornehmlich in stabile, sehr genau bewertbare Unternehmen, benötigt man sicher weniger Diversifikation, als wenn man in Turnaround-Kandidaten investiert.

Aber auch die eigene Psyche ist nicht zu verachten: wer sensibel auf starke Portfolioschwankungen reagiert, muss seine Investments stärker streuen, denn ein ungutes Gefühl verleitet sonst schnell zu Fehlentscheidungen.

Meine persönliche Diversifikationsstrategie

Da es nun keine allgemeingültige Strategie gibt, ich also die Titelfrage nicht beantworten konnte, bleibt mir nur noch eins: meinen persönlichen Umgang mit dem Thema beschreiben. Dieser kann als Anregung dienen, ist aber sicherlich nicht für jeden so zu empfehlen.

Grundsätzlich konzentriere ich mich auf meine besten Ideen. Das heißt, ich konzentriere mich auf stark unterbewertete Aktien, bei denen ich mir also sehr sicher bin, dass sie mehr wert sind, als ich dafür bezahle. Das verringert mein Risiko schonmal stark, ohne dass ich diversifiziert habe.

Wenn ich jetzt 50 Aktien habe, bei denen ich mir sehr sicher bin und das Chance-Risiko-Verhältnis als sehr gut einschätze, dann verteile ich mein Kapital gerne auf diese 50 Aktien und diversifiziere damit recht stark. Dass ich so viele gute Investments finden konnte ist leider bisher noch nie vorgekommen und ich glaube nicht, dass es je vorkommen wird. Ich muss also mit weniger Diversifikation auskommen, wenn ich nur dort investieren will, wo ich mir sehr sicher bin, ob ich will oder nicht.

Das bedeutet in der Regel, dass ich sehr wenig diversifiziere. Ich denke aber, dass ich mein Risiko alleine dadurch schon verringert habe, dass ich nur sehr günstig kaufe. Um die Konsequenzen aus Irrtümern und extremen Entwicklungen zu verringern, behalte ich trotzdem ein Mindestmaß an Diversifikation bei. Ich muss z.B. damit leben können, bei einem Einzelwert einen Totalverlust zu erleiden.

Wohlgemerkt: damit LEBEN können! Positionsgrößen so klein zu wählen, dass man auch bei einem Totalverlust nur 1% seines Portfolios verliert, halte ich für absolut übertrieben. Wenn ich mir bei einer Aktie sehr sicher bin, investiere ich im Extremfall bis zu 50% meines Portfolios. 50% zu verlieren wäre hart, aber ich könnte damit leben und nehme dieses Risiko in Kauf, wenn ich dafür den Vorteil habe, nur in meine allerbesten Ideen zu investieren.

Die Strategie sieht man in meinem Musterdepot umgesetzt: Drei Werte, die meine besten Ideen sind, mehr Diversifikation gibts es mangels Ideen nicht. Da ich mir aber bei allen drei Investments sehr sicher bin, dass sie auch unter sehr widrigen Umständen mehr wert sind, als ich bezahlt habe, denke ich, dass mein Risiko mit dieser geringen Diversifikation ausreichend minimiert ist.

Zusammengefasst:
Ich konzentriere mich auf meine besten Ideen. Sind das sehr viele: gerne, ich hab kein Problem mit Diversifikation! Aber sind es nur sehr wenige, geht selektives Investieren in sehr aussichtsreiche Werte vor.

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Kommentare [8]

  1. Holger · 24. Oktober 2011, 21:53 · #

    Hallo,

    ich weiß, dass Diversifikation unter Value-Investoren eher als großer Gleichmacher und letztlich Performance-Killer angesehen wird, aber ich wollte dennoch einmal darauf hinweisen, dass Diversifikation mehr tut als nur zu “glätten” – sie verringert die Anfälligkeit für unsystematische Risiken.

    Beispiel: Wenn Du zwei gleich gute, gleichermaßen unterbewertete Unternehmen finden kannst, dann ist es klug, die Aktien beider zu kaufen – und nicht nur das von einem. Dadurch verminderst Du das Risiko, dass Dich ein unvorhergesehenes Negativ-Ereignis bei einem Unternehmen hart trifft. Gleichzeitig sinkt Deine Renditeerwartung nicht (!) – deshalb wird Diversifikation auch als einziger “Free Lunch” in der Investment-Welt bezeichnet.

    Das widerspricht Deinem Artikel alles nicht, ich wollte es nur noch einmal etwas positiver darstellen. Ich zähle halt eher zur Gruppe derer, die nicht fragen “Wieviel Diversifikation ist nötig?” sondern “Wieviel Diversifikation ist möglich?”. ;-)

    Viele Grüße
    Holger

  2. Investment-Analyse · 25. Oktober 2011, 20:54 · #

    Absolute Zustimmung, vielen Dank für die Ergänzung!

  3. — Mathis · 27. Oktober 2011, 15:42 · #

    Diversifikation geht aber erst , wenn man schon bereits mit ordentlich Kapital an die Börse geht, jemand der 1000e zur Verfügung hat, kann bei guten Aktien nicht viel streuen, da ihn die kosten sonst auffressen.

  4. Gier ist gut · 27. Oktober 2011, 19:55 · #

    @ Stefan

    Was ist deine Meinung zum Moneymanagement? Also mit viel deines Kapitals willst du in eine Position gehen und warum?

    Grüße, Chris

  5. Investment-Analyse · 27. Oktober 2011, 21:42 · #

    Wie oben geschrieben, teile ich mein Geld auf die besten Ideen auf, investiere also nichts in Aktien, die ich für deutlich weniger aussichtsreich halte.

    Das heißt dann in der Regel, dass alle im Depot enthaltenen Werte in etwa gleichwertig sind, demzufolge auch gleich gewichtet werden sollten.

    Ein weiterer Faktor ist aber die Sicherheit meiner Prognose. Könnten bei einer Aktie auch negative Entwicklungen mit einer einigermaßen hohen Wahrscheinlichkeit eintreten, die zu dauerhaften Verlusten führen würden, gewichte ich die Aktie deutlich geringer.

    In meinem Depot führt das im Moment dazu, dass Microsoft etwas übergewichtet ist, da ich die Risiken für sehr gering halte. Renault dagegen ist etwas untergewichtet, da ich die Bandbreite der möglichen Entwicklung für etwas größer halte. Nehmen wir mal an, ich würde Hyrican sehr günstig kaufen können, so dass ich das Chance-Risiko-Verhältnis als ähnlich gut einschätze, wie das meiner anderen Investments, würde ich trotzdem relativ wenig investieren, weil auch schlechte Entwicklungen mit einer halbwegs hohen Wahrscheinlichkeit eintreten könnten. Vielleicht würde ich hier 10% meines Portfolios investieren.

    Mal sehen, vielleicht schreibe ich zu dem Thema demnächst mal einen Artikel, weil das spielt eigentlich stark mit meinen Überlegungen zur Diversifikation zusammen. Wär auch schön, wenn man auf deinem Blog mal deine Überlegungen dazu lesen könnte, interessiert mich nämlich durchaus, wie andere mit dem Thema umgehen :)

  6. — Sir Mike · 28. November 2011, 00:02 · #

    Benjamin Graham war ein großer Verfechter einer eher breiten Diversifikation, während Warren Buffett auf Konzentration setzt. Seine 5 größten Positionen im Portfolio hat er 20 Jahre lang nicht verändert.

    Ich neige eher Buffett zu. Wenn man sich mit der Auswahl seiner Investments sehr große Mühe gibt und es einem gelingt, gute Unternehmen zu attraktiven Kursen zu erwerben (also auf den richtigen Einstiegszeitpunkt zu warten), dann sollte man sich auf diese Top-Investments konzentrieren und ggf. in Schwächephasen immer mal wieder nachkaufen. Ich selbst nahme max. 10 große Positionen in mein Portfolio und wenn mich der Hafer sticht, füge ich die eine oder andere kleinere Position als Beimischung bei. Das sind dann aber Sonderfälle und dienen auch ein wenig meinem Trieb zum (kurzfristigen) Spekulieren. Quasi also der Selbstbeherrschung bei meinen “ernsthaften” Value-Investments.

  7. Rene · 31. Mai 2013, 23:39 · #

    Wie stark sollte man di­ver­si­fi­zie­ren?

    Ich denke das ist eine immer wieder spannende Frage, die sich nicht allgemein beantworten lässt.

    Meine Erfahrung an der Börse hat gezeigt, dass es keinen allzu zu großen Sinn bringt zu sehr zu diversifizieren.

    Das ist allerdings von folgenden Dingen abhängig.

    * Tradingstrategie
    * Moneymanagement
    * auf welchen Zeitebenen man tradet
    * bei fundamentaler Ausrichtung auf das Research was man betreibt

    Ich glaube auch, dass es immer wieder gut ist, sich auf starke Aktien zu fokussieren, siehe “Levy” – Thema Relative Stärke.

    Da ich schon mehrere Trendfolge-Depots betreut habe, kann man sogar das Pareto Prinzip 20/80 in Anwendung bringen.

    Von bspw. 10 Aktien im Depot entwickeln sich 2 mit Mega-Gewinnen, aktuell auch in meinem “Börsenmasterplan” u.a. Dürr AG.

    Dann gibt es 6 die meist eine Performance im mittleren Bereich bringen und wiederrum zwei die ausgestoppt werden.

    Bevor jetzt ein Aufschrei kommt, dass dies ja nicht sein kann, kann ich nur sagen in der Anfangszeit meiner Börsenzeit war es umgekehrt ;o(

    Also Fazit – fokussierte Diversifizierung ist sinnvoll solange man eine abgestimmte Tradingstrategie hat und alles gut beobachten kann.

    Eine Über-Diversifizierung hat meist etwas mit fehlendem Research und fehlender Strategie zu tun. Entscheidend ist natürlich immer die Positionsgröße zum Gesamtkapital.

    Ich finde immer wieder erstaunlich mit welchem Fokus Warren Buffett vorgeht.

    Würdet ihr mit den Milliarden von Warren Buffett nur so wenige Aktien halten?

    Ich sehe immer wieder Depots in der Größenordnung von 10.000 oder 20.000 Euro, die 50 oder mehr Aktien haben…da kann doch Diversifizierung nur noch ein grauer Schleier sein und einen in falsche Sicherheit wiegen – oder ?

    Gruß René

  8. — Nico · 18. Februar 2016, 20:06 · #

    Ich sehe einen theoretischen Vorteil in der Diversifizierung, der noch nicht angesprochen wurde.

    Angenommen man hat eine Strategie, die vor allem auf niedrige Preise abzielt. Man hat jedoch auch auf gewisse Qualität geachtet. Relativ schwierige Kandidaten, wie derzeit die DBK fallen somit aus meiner Sicht prinzipiell raus, da nicht abzusehen ist, ob Cryan die Bank nicht kaputtschrumpft. Nur um das zu illustrieren.

    Wenn man mehrere verschiedene Unternehmen hat, wird es sicher öfter zu der Situation kommen, dass sich bei diesen günstig eingekauften Unternehmen Übertreibungen zur Oberseite entwickeln. Man weiß aber, dass das Unternehmen solide ist, möchte an sich engagiert bleiben.

    Diversifikation ermöglicht einem dann einen Teilverkauf. Sagen wir, bei einem 100 prozentigen Kursanstieg ein Verkauf von 50 Prozent der Position. Man reduziert das Risiko dessen, dass der Markt sich darauf einigt, dass tatsächlich eine Unterbewertung vorliegt.

    Idealtypisch ist entweder eine andere Position im Portfolio im Preis stark gesunken, sodass sie in das eigene Kaufraster fällt – dann kann man nun stark verbilligen – oder man konnte ein anderes kaufenswertes Unternehmen identifizieren..

    Natürlich kann man nun argumentieren, dass bei einer solchen Überbewertung man lieber die ganze position verkaufen sollte. Allerdings gibt es immer wieder Beispiele, wo das Unternehmen nach einer Überbewertung “nachliefert” und die Bewertnug im Nachhinein gerechtfertigt ist.

    Das Ganze ginge auch mit einer starken Konzentration, doch werden sich diese Situationen bei höherer Diversifikation häufiger ergeben.

    Allerdings sollte man natürlich Ordergebühren im Verhältnis zur jeweiligen Situation betrachten und somit auch den “Preis” von Diversifikation berücksichtigen.

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