Wie hoch sollte der Cashanteil im Depot sein?

27. Mai 2012 -   -  Stefan Mohr

Die Höhe des Cashanteils im Depot

Mein Musterdepot enthält seit dem Start im September 2011 durchgängig so gut wie keinen Cashbestand. Aber ist das klug? Ist es nicht besser, immer einen gewissen Cashanteil zu halten, um bei guten Gelegenheiten kaufen zu können?

Meiner Meinung nach nicht. Ich bin der Meinung, ein Cashbestand ist absolut kontraproduktiv. Wobei es allerdings eine Ausnahme gibt… Aber mehr dazu später.

Cashreserven für unvorgesehene Fälle sind nötig

Eines muss ich aber erstmal klarstellen: Wenn ich von einem Cashanteil von null im Depot spreche, dann meine ich nicht, dass man ohne finanzielle Reserven leben sollte. Als Depot sehe ich den Teil des Vermögens an, den man längerfristig anlegen will.

Gewisse Cashreserven für unvorhergesehene Notfälle sind notwendig und machen das Leben entspannter. Sei es ein Defekt am Fahrzeug, eine unerwartet hohe Nachzahlung für Mietnebenkosten, unerwartete Arbeitslosigkeit oder ähnliches. Mit einem gewissen Cashpolster kann man solche Situationen besser meistern. Ein paar Monatsgehälter für solche Fälle, immer kurzfristig verfügbar, z.B. auf einem Tagesgeldkonto sind in jedem Fall empfehlenswert.

Aber alles was darüber hinausgeht, also z.B. immer einen gewissen Teil des Depots in Cash oder sehr kurzfristig verfügbaren Anlageformen zu halten, halte ich für sinnlos.

Unternehmensanteile werfen höhere Erträge ab als Tagesgeld

Meine Überlegung, warum man keinen Cash halten sollte, ist recht einfach: Unternehmensanteile werfen fast immer höhere Erträge ab, als kurzfristig verfügbare Anlageformen wie Tagesgeld.

Aktien von Unternehmen zu finden, die Gewinne von 8 oder 10% des Kaufpreises der Anteile pro Jahr machen, ist meist relativ leicht möglich. Und mit etwas Suchen ist es auch möglich, Unternehmen zu finden, die solche Erträge auch auf lange Sicht mit hoher Wahrscheinlichkeit erwirtschaften können. Wer langfristig am Aktienmarkt investiert, der kann aus meiner Sicht mit überschaubarem Aufwand Renditen in diesen Regionen erzielen. Wenn er keine groben Fehler macht. Dazu mag bereits eine Menge Erfahrung gehören, aber das ist eine andere Geschichte.

Tagesgeld dagegen wirft derzeit knapp über 2% Zinsen ab. Und selbst wenn man die aktuelle Niedrigzinsphase mal außer acht lässt, sieht das Bild nicht wesentlich besser aus.

Ich habe nun also die Wahl: mein Geld für 8-10% p.a. anzulegen oder für 2% p.a. Was ist zu bevorzugen?

Timing?

Ein oftmals verwendetes Argument für das Halten eines Cashanteils ist, dass dies einem ermöglicht, bei guten Gelegenheiten günstig Aktien zu kaufen. Dem ist natürlich nichts entgegenzusetzen. Die Frage ist nur: lohnt es sich, sein Geld zu niedrigen Renditen rumliegen zu lassen, um auf günstige Gelegenheiten zu warten, die vielleicht Jahre auf sich warten lassen?

Lohnen tut sich das dann, wenn man vorhersagen kann, wo sich die Kurse kurz- und mittelfristig hinbewegen. Wenn man ziemlich sicher weiß, dass sich der Kurs der Aktie, die man kaufen will, in den nächsten zwei bis drei Jahren deutlich nach unten bewegt, lohnt sich das schon. Aber wer kann das vorhersagen? Ich jedenfalls nicht. Wie schon in meinem Artikel über Marktschwankungen an der Börse beschrieben, sollte man den Kaufzeitpunkt von Aktien an der Bewertung festmachen und sich nicht am Timing versuchen.

Kaufen nur zu vernünftigen Preisen

Etwas anders sieht das natürlich in Übertreibungsphasen an der Börse aus. Wenn man nur noch Aktien findet, deren Ertragskraft 3 oder 4% der aktuellen Marktkapitalisierung beträgt, gewinnen kurzfristige Anlageformen an Attrktivität. Unternehmen mit ziemlich sicheren profitablen Wachstumsaussichten mögen auch auf einem solchen Bewertungsniveau noch attraktiv sein, weil einbehaltene Gewinne zu sehr hohen Renditen reinvestiert werden können. Aber in der Regel halte ich ein soches Bewertungsniveau nicht für gerechtfertigt.

Natürlich gibt es auch in Übertreibungsphasen am Markt oft noch einige wenig beachtete Werte, die günstig oder zumindest fair bewertet sind. Aber manchmal findet man eben wirklich keine Aktien mehr, in denen man sein Geld noch mit gutem Gewissen investieren kann. Und genau das ist die Ausnahmesituation, in der auch ich Cash halten würde.

Allerdings: ich glaube, dass dieser Fall für verhältnismäßig kleine Depots (im 6 bis 7-stelligen Bereich) so gut wie nie auftritt. Zumindest dann, wenn man die Zeit hat, intensiv nach attraktiv bewerteten Aktien zu suchen.

Fazit

Investieren bedeutet, etwas zu kaufen, was Erträge abwirft. Diese Erträge werden entweder voll ausgeschüttet (z.B. Tagesgeld), reinvestiert bzw. thesauriert (z.B. Bundesschatzbrief Typ B) oder teilweise ausgeschüttet, teilweise reinvestiert (z.B. die meisten Aktien). Ziel muss es sein, die Anlageform zu wählen, die auf lange Sicht die besten Erträge generiert. Cash mag die einzige Alternative sein, wenn man jederzeit kurzfristig ohne Wertverlust an das Geld kommen will. Für eine attraktive langfristige Anlage sind die Erträge jedoch in der Regel zu gering. Folgerung: Der Cashbestand im Depot sollte, von Ausnahmen abgesehen, null sein.

Demzufolge bin ich immer voll investiert. Finde ich Investitionsmöglichkeiten, die deutlich attraktiver sind, als die bisher gehaltenen, tausche ich einige Aktien aus. Ich halte also immer die (aus meiner Sicht) attraktivsten Investments, die also auf lange Sicht die besten Erträge versprechen. Ohne dass ich dabei auf Kurssteigerungen spekuliere. Cash halte ich nur, wenn alle anderen Anlageformen nicht mehr zu wenigstens vernünftigen Preisen zu bekommen sind.

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Kommentare [2]

  1. Ulrich · 28. Mai 2012, 15:30 · #

    Hi

    persönlich halte ich es so, dass ich mein Tagesgeld und mein Depot bei seperaten Banken habe. So habe ich immer eine Cashreserve sollte doch einmal der Fall eintreten, dass die Börse sehr schlechte Zeiten erlebt. Langfristig führt am investieren aber kein Weg vorbei, da gebe ich Dir voll recht.

    Menschen die auf die Börse schimfen sind oft Menschen, die am neuen Markt Aktien zu völlig übertriebenen Kurse gekauft haben. Eine Microsoft Aktie war 2000 zB. einfach zu teuer, was momentan aber nicht der Fall ist. Diese Leute sehen Aktien aber wie Casinowetten und verstehen gar nicht dass es da hinter fundamentale Daten gibt.

    Lg und Dir einen schönen Feiertag :)

  2. — Mr. Value · 29. Mai 2012, 22:33 · #

    Hallo,

    ich hatte auch jahrelang schwierigkeiten mit diesem Problem. Überliquidität mindert die Rendite, jedoch ist es oft ebenso renditemindernd wenn mann nicht genug Cash hat um bei starken Kursrückgängen die richtig billigen Aktien kaufen zu können.
    Inzwischen habe ich für mich die beste Lösung gefunden.
    Ich investiere mein komplettes Kapital und halte keine Cashreserven zurück.
    Gleichzeitig habe ich mir einen Wertpapierkredit besorgt, für einen Zinssatz von ca. 6% bei dem meine WP als Sicherheit hinterlegt werden. So habe ich bei sehr billigen Kursen immer genug Cash um mich einzudecken, und gleichzeitig muss ich mir bei jeder Investition die Frage stellen “Lohnt sich der Aktienkauf wirklich” oder tilge ich lieber meinen Kredit damit. Dadurch habe ich eine Art Qualitätskontrolle bezüglich meiner Investitionen.
    mit äußerst freunglichen Grüßen
    Mr. Value

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