Wie groß sollte die Margin of Safety beim Kauf einer Aktie sein?

15. April 2013 -  ,  -  Stefan Mohr

Margin of Safety

Benjamin Graham brachte den Begriff Margin of Safety oder deutsch Sicherheitsmarge im Finanzbereich in seinem Buch Security Analysis zuerst auf. In The Intelligent Investor widmet er diesem Konzept dann sogar ein ganzes, überaus lesenswertes Kapitel.
Kurz gesagt ist die Margin of Safety der Unterschied zwischen Preis und Wert einer Aktie. Um gegen unvorhergesehene Entwicklungen und Fehler in der Bewertung gewappnet zu sein, sollte man ein Investment demnach nur mit einer Margin of Safety kaufen.
Am Anfang meiner Value-Investing-Zeit habe ich mich immer gefragt, welche Margin of Safety man anstreben sollte. 25%, lieber 40% oder gar 50%? Eine Antwort darauf habe ich nie gefunden, heute ist mir auch klar warum. Einfach weil es darauf keine einfache und eindeutige Antwort gibt. Trotzdem habe ich für mich eine einigermaßen zufriedenstellende Antwort gefunden, auch wenn diese vielleicht etwas anders ausfällt als erwartet.

Grundsätzliche Übelegungen zum Konzept der Margin of Safety

Bei Anleihen sieht das Konzept der Margin of Safety etwas anders aus als bei Aktien. Hier geht es mehr darum sicherzustellen, dass die Anleihe samt Zinsen zurückgezahlt werden kann. Beispielsweise könnte man hier den Anteil der verwertbaren Vermögenswerte eines Unternehmens, welche die ausgegebenen Anleihen, Bankschulden u.ä. übersteigen als Margin of Safety ansehen. Oder man achtet darauf, dass die durchschnittlichen Erträge eines Unternehmens die zu leistenden Zinszahlungen deutlich übersteigen. So argumentiert Graham in Kapitel 20 des Intelligent Investor. Die Margin of Safety sollte bei einer Anleihe sehr groß sein, um ein Investment mit begrenzten Gewinnaussichten zumindest sehr sicher zu machen.

Das Konzept der Margin of Safety und Diversifikation gehören untrennbar zusammen.

Bei Aktien beschreibt die Margin of Safety dagegen den Unterschied zwischen Wert und Preis. Schätzt man beispielsweise den Wert einer Aktie auf 100 €, kann diese aber für 70 € kaufen, hat man die Aktie mit einer Margin of Safety von 30% erworben. Je größer die Margin of Safety, desto größer sind die Fehleinschätzungen, die man sich bei der Einschätzung des Wertes einer Aktie erlauben kann und desto kleiner ist die Gefahr, dass man bei weniger positiver Entwicklung des Geschäftes einen dauerhaften Kapitalverlust erleidet.

Wenn man eine Aktie mit einer Margin of Safety kauft, heißt das natürlich keinesfalls, dass man keine Verluste machen kann. Egal wie groß die Margin of Safety bei einem Kauf ist, jedes Investment kan in einem Totalverlust enden. Wenn man mit einer Margin of Safety kauft heißt das bloß, dass die langfristigen Gewinnchancen größer als die Verlustrisiken sind. Was nicht ausschließt, dass ein einzelnes Investment nicht trotzdem substanzielle Risiken beinhalten kann. Hier gibt es eine Verbindung zum Prinzip der Diversifikation. Stellt man ein diversifiziertes Portfolio aus Aktien zusammen, die man jeweils mit einer ausreichend großen Margin of Safety kauft, dann werden die Verlustrisiken für das Gesamtportfolio mit steigender Anzahl von Investments immer kleiner.
Diversifiziert man allerdings nur um der Diversifikation willen und fügt guten Investments solche ohne oder gar mit negativer Margin of Safety hinzu, dann vergrößert man nicht die Sicherheit des Gesamtportfolios, sondern verringert diese.
Das Konzept der Margin of Safety und Diversifikation gehören also untrennbar zusammen.

Wie groß die Margin of Safety sein sollte

Um die Frage zu beantworten, wie groß eine Margin of Safety nun sein sollte, ist es denke ich sinnvoll, sich zunächst einige Gedanken zur Bestimmung des Wertes einer Aktie zu machen, da von diesem bestimmten Wert ja letztendlich die Größe der Margin of Safety abhängt, die sich bei einem Kurs ergibt.
Die Frage zu klären, wie man den Wert einer Aktie bestimmt, würde diesen Artikel bei weitem sprengen. Klar ist aber eines: um den Wert einer Aktie genau vorherzusagen, ist es nötig, die Zukunft präzise vorherzusagen, was kaum möglich sein dürfte. Der Wert einer Aktie kann also nur mehr oder weniger gut geschätzt werden. Wenn aber der Wert der Aktie nur eine Schätzung ist, dann ist auch die Margin of Safety die sich bei einem bestimmten Preis ergibt nur eine Schätzung. Klar, dazu ist sie ja auch da, um die Folgen der Unsicherheit unserer Schätzung möglichst gering zu machen. Das Problem ist nun aber folgendes: wenn wir den Wert einer Aktie sehr konservativ schätzen, dann erhalten wir eine kleine Margin of Safety. Wenn wir den Wert dagegen recht optimistisch schätzen, eine größere. Wie groß die Margin of Safety beim Kauf einer Aktie nun sein sollte, hängt also auch in hohem Maße davon ab, wie optimistisch wir bei der Schätzung des Unternehmenswertes sind. Um eine Aussage treffen zu können, ob eine Margin of Safety von 20% nun groß genug oder eine von 30% zu klein ist, sollte zunächst einmal die Bestimmung des Unternehmenswertes kritisch hinterfragt werden.

Wie groß die Margin of Safety sein sollte, hängt von der Sicherheit der Prognose ab und den Folgen, wenn diese nicht eintrifft.

Das Problem bei der Bestimmung eines Unternehmenswertes ist vor allem auch, dass es dafür nur im Rückblick einen “richtigen” Wert gibt. Bestimmt man dagegen aus Schätzungen über die Zukunft des Wert eines Unternehmens, legt man dem in der Regel ein bestimmtes Szenario zugrunde. Beispielsweise könnte man sagen, ich gehe davon aus, dass Unternehmen X seine Marktstellung behält und bei leichtem Umsatzwachstum in Zukunft etwa konstante Gewinnmargen erzielt. Daraus einen ungefähren Unternehmenswert abzuleiten, ist nicht übermäßig kompliziert. Was aber ist, wenn unsere Annahme der Beibehaltung der Marktstellung nicht zutrifft? Bewahrt uns eine Margin of Safety von beispielsweise 30% dann vor einem dauerhaften Kapitalverlust? Das kann man ohne weitere Informationen nicht einschätzen, aber es zeigt folgendes: um die Frage zu beantworten, welche Margin of Safety man verlangen sollte, sollte man sich die Frage stellen, wie wahrscheinlich es ist, dass die eigene Prognose nicht eintrifft und was dann die Folgen für den Unternehmenswert wären.

Nur all zu oft wird leider ein Vorgehen praktiziert, welches sich mit der Frage wie wahrscheinlich es ist, dass die eigene Prognose nicht eintrifft und was dann die Folgen wären, überhaupt nicht beschäftigt. Da wird ein Unternehmen “analysiert”, Wachstumsraten von 5% pro Jahr angenommen, detaillierte DCF-Rechnungen mit Umsatz- und Margenschätzungen für die nächsten 5-10 Jahre erstellt und daraus ein Unternehmenswert berechnet. Hinterher wird der Wert dann zum Kauf empfohlen, mit dem Hinweis, dass man doch eine Margin of Safety von 30% hätte.
Was passiert, wenn sich die Margen halbieren, die Umsätze fallen statt wachsen oder wenigstens eine Begründung, warum sie das wahrscheinlich nicht werden, sucht man vergebens.

meine Vorgehensweise: Wohlfühlpreis statt Unternehmenswert

Generell besteht die Schwierigkeit, dass die Antwort auf die Frage, wie viel eine Aktie wert sein könnte, noch nichts darüber aussagt, mit welcher Wahrscheinlichkeit man daneben liegt und wie sich der Wert des Unternehmens dann verändert. Blendet man die zweite Frage aber aus, kann beim Kauf einer Aktie trotz einer vermeintlichen Margin of Safety ein so großes Risiko eines dauerhaften Kapitalverlustes bestehen, dass selbst die Gewinnchancen des Investments diese nicht aufwiegen.

Die Grenzen der eigenen Prognose zu kennen ist wichtiger, als deren Genauigkeit.

Ich versuche diese Schwierigkeit zu meistern, indem ich mir nicht primär die Frage stelle, was ein Unternehmen wahrscheinlich wert ist, sondern bei welchem Preis ich mich wohl fühlen würde, eine bestimmte Aktie zu kaufen – nennen wir ihn “Wohlfühlpreis”. Was erstmal als nahezu das gleiche scheint, ist bei genauerer Betrachtung nämlich ein großer Unterschied. Zur Bestimmung des Unternehmenswertes braucht man genaue Informationen und Prognosen, zur Bestimmung eines Wohlfühlpreises dagegen nicht. Man muss nur wissen, was man eben nicht einschätzen kann und dann entsprechend vorsichtige Schätzungen vornehmen.

Wenn ich beispielsweise die Ertragskraft eines Unternehmens nur sehr schwer schätzen kann, dann heißt das in der Regel für mich, dass der Net Current Asset Value ein guter Wert sein könnte, bei dem ich mich wohl damit fühlen könnte, eine Aktie zu kaufen. Wenn ich dann sage, ich würde diese Aktie zum Net Current Asset Value kaufen, bedeutet das nicht, dass ich behaupten würde, dass diese Aktie so viel wert ist. Es heißt nur, dass mir wichtige Informationen fehlen, um den Wert der Aktie einigermaßen sicher zu schätzen, aber meine einen Wert bestimmen zu können, den diese Aktie meiner Meinung nach mit recht hoher Wahrscheinlichkeit mindestens hat. Jemand der sich mit dem Unternehmen besser auskennt als ich, könnte in diesem Fall vielleicht eine genauere Schätzung abgeben und würde die Aktie auch zu einem höheren Preis kaufen. Aber es ist eben nicht nur wichtig, den Wert eines Unternehmens möglichst genau schätzen zu können, sondern auch einzuschätzen, wie sicher oder unsicher die eigene Prognose ist. Ich würde sogar behaupten, dass die Wichtigkeit von ersterem für den Erfolg eines Investors im Allgemeinen über-, zweiteres dagegen unterschätzt wird.

Ich pflege schon seit Jahren eine Excel-Tabelle, in der ich jede Aktie eintrage, bei der ich für mich einen Kurs festlegen kann, ab dem ich bereit wäre die Aktie zu kaufen. Das bezeichne ich für mich als “Wert” der Aktie, wohl wissend, dass das eher ein Wert für mich selbst ist, bei dem gegenüber dem “wahren” Wert, den ich nicht wirklich beziffern kann, bereits eine Margin of Safety eingebaut ist. Deren genaue Größe ich naturgemäß dann auch nicht kenne. Aber dieses Vorgehen bewahrt mich davor, den Wert einer Aktie zu optimistisch zu schätzen und sie dann für billig zu halten, nur weil der Kurs 20 oder 30% unter meiner Schätzung liegt.

Mal ein paar Beispiele, was ich so in meiner Tabelle stehen habe:

  • A.S. Création Tapeten: 29 €
    (Das ist etwa der Buchwert)
  • Münchener Rück: 140 €
    (Das ist etwa 10x meine geschätzte Ertragskraft)
  • Renault: 55€
    (Das ist etwa der Börsenwert des Nissan-Anteils von Renault)
  • China Specialty Glass: 3,50€
    (Das ist etwa der Net Current Asset Value oder der 3-fache Gewinn 2011)

Wie man sieht, lege ich hier je nach Unternehmen sehr unterschiedliche Maßstäbe an. Je weniger ich über ein Unternehmen weiß und je unsicherer die Zukunftsaussichten, desto konservativer bin ich bei der Festlegung des Wertes den ich zahlen würde. Die Münchener Rück würde ich bei einem KGV von 10 für günstig genug für einen Einstieg halten. China Specialty Glass dagegen für äußerst risikoreich.

Neben meinem “Wohlfühlpreis” und einigen grundlegenden Zahlen, wie Buchwert, geschätzte Ertragskraft, Net Current Asset Value oder Netto Cash/Verschuldung, steht dort übrigens auch eine Margin of Safety. Bezogen natürlich auf meinen Wohlfühlpreis.
Wie groß muss diese Margin of Safety dann für mich sein, dass ich kaufe? Natürlich 0%. Sobald mein Wohlfühlpreis erreicht oder unterschritten wird, würde ich kaufen. Vorrausgesetzt natürlich, ich habe Geld zum investieren verfügbar. Wenn ich 10 Möglichkeiten habe, bei denen der aktuelle Kurs weit unter meinem Wohlfühlpreis liegt, werde ich in eine, die nur knapp darunter liegt natürlich eher kein Geld stecken.
So richtig enthusiastisch werde ich natürlich noch nicht, wenn eine Aktie etwa zu meinem Wohlfühlpreis zu haben ist. Schließlich hieße das, dass ich die Aktie wieder verkaufen müsste, wenn sie nur wenig im Preis steigt. Wenn der Preis dann aber 30, 40 oder gar 50% unter meinen Wohlfühlpreis fällt, dann werde auch ich gierig…

Zusammenfassung

Wie groß die Margin of Safety beim Kauf einer Aktie sein sollte, hängt stark von der Situation ab und welche Unsicherheiten bei der Bestimmung des Unternehmenswertes bestehen.

Mit dem Wert einer Aktie beschäftige ich mich selten direkt, stattdessen lieber mit der Frage, bei welchem Kurs ich mich wohlfühlen würde, eine Aktie zu kaufen. Von Fehleinschätzungen abgesehen, liegt dieser Wohlfühlpreis niemals über dem Wert der Aktie. Je nachdem wie viel oder wenig ich weiß oder wie groß die Unsicherheiten sind, jedoch mehr oder weniger weit darunter. Dieses Denkmodell zwingt mich, nicht nur über den wahrscheinlichsten Fall nachzudenken und auszuwerten was ich weiß, sondern auch darüber, was schief gehen könnte und was ich nicht weiß.

Dieses Denkmodell ist sicher nicht der heilige Gral, funktioniert aber für mich recht gut. Es gibt sicher viele andere sinnvolle Vorgehensweisen, die ebenfalls funktionieren können. Letztendlich tickt jeder anders und muss für sich die passende Vorgehensweise finden…

Wie geht ihr bei der Bestimmung des Preises vor, den ihr für eine Aktie zahlen würdet? Was ist für euch der Unternehmenswert? Woran orientiert ihr euch? Und wie groß muss die Margin of Safety sein? Ich freue mich auf eure Ideen!

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Kommentare [11]

  1. — Mr. Value · 15. April 2013, 10:44 · #

    Hallo Stefan,
    ein sehr guter Artikel wie ich finde.
    Ich habe zu der Margin of Safety einen sehr änlichen Ansatz wie du. Je niedriger ich die Qualität eines Unternehmens einschätze desto höher muss für mich der Abschlag zum inneren Wert sein. Bei einem derart soliden und stabilen Unternehmen wie der Münchern Rück würde mir schon ein Abschlag von 20% reichen, bei kleinen und riskanteren Unternehmen wie z.B. Adler Real Estate muss es schon ein Abschlag von mindestens 50% sein um das höhere Risiko zu kompensieren.

  2. Mario · 15. April 2013, 16:42 · #

    Mein Ansatz ist ähnlich, weil ich mich auch regelmäßig schwer tue, den fairen Wert zu errechnen. Ich rechne höchstens im Anfangsstadium einer Analyse mal ein bisschen mit Daumenregeln rum, um ein Gefühl zu bekommen.

    Statt viel Arbeit in einen ungenauen fairen Wert zu stecken, versuche ich auch eher einen Wert zu ermitteln, mit dem ich mich wohl fühle. Auf dem Niveau ist die laufende Rentabilität dann meistens so, dass es mir mehr oder weniger egal ist, ob der Wert darüber hinaus steigt oder nicht. Wenn der Kurs dann wesentlich darunter fällt, werde ich auch immer gieriger. Kann mich noch gut erinnern, wie ich 2008 gar nicht genug Gagfah Aktien bekommen konnte.

    In zyklischen Industrien, wie den Schiffen, die mich derzeit so stark beschäftigen, ist mein Wohlfühlwert dann einer, bei dem ich anteilig auch tatsächlich die zyklisch niedrigen Preise der assets des Unternehmens bezahle. Dabei muss die Gesellschaft dann so solide aufgestellt sein, dass ich davon ausgehen kann, dass sie den nächsten Aufschwung auch erleben wird. Ich versuche diesen aber in Höhe und Zeitpunkt nicht vorherzusagen.

  3. Andreas Teufl · 15. April 2013, 19:06 · #

    Hallo Stefan,

    Ich persönlich errechne mir auch viel lieber meinen “Wohlfühlwert” anstatt sehr genaue Berechnungen aufgrund von meistens unzureichenden Informationen anzustellen.
    Den wahren Wert eines Unternehmens zu bestimmen, ist für mich, meiner Meinung nach, unmöglich. Nicht nur, dass ich in die Zukunft schauen können müsste, sonder alleine die Informationen die ich als normaler Kleinanleger zur Verfügung habe, sind für eine exakte Berechnung nicht ausreichend. Sofern ich nicht gerade im Controlling des Unternehmens arbeite :-)

    Den Wohlfühlfaktor habe ich auch selbst gerne beim Net Asset Value bzw. bei einem guten Kurs-Buchwert-Verhältnis.
    Die Maßstäbe sind da natürlich von Unternehmen zu Unternehmen verschieden. So könnte ich damit wohl niemals einen Technologiewert bei meinem Wohlfühlkurs kaufen.
    Aber bei einem Immobilien-Unternehmen, wie der österreichischen Immofinanz Group, kann ich mit dem NAV etwas anfangen.
    Da hier der Kursabschlag zum NAV fast 40 % beträgt, habe ich meinen Wohlfühlkurs sogar noch unterschritten und denke damit recht gut zu fahren.
    Bei anderen Unternehmen wie z.B. Apple würde ich wohl mit dem NAV als Basis meiner Investmententscheidung nicht weit kommen.

    Viele Grüße und Danke für den Interessanten Artikel
    Andreas :-)

  4. — Covacoro · 16. April 2013, 20:39 · #

    Vielen Dank für den Blogeintrag, er beinhaltete einige wertvolle Denkanstöße.

    Grüße
    Covacoro

  5. — David · 17. April 2013, 10:41 · #

    Hallo Stefan,

    kurze Frage zu deinen Beispielen.

    Wie kommst du bei A.S. Création auf einen Buchwert von 29 pro Aktie? Nutze du veraltete Daten, oder nimmst du zusätzlich Bereinigungen vor? Für den JA 2012 ergibt sich ein Buchwert von 34,4 pro Aktie.

    Und bei Renault nimmst du den Börsenwert der Nissan-Anteile, aber woher nimmst du die Erkenntnis, dass Nissan fair bewertet ist. Beispielsweise könnte ja Nissen völlig überbewertet sein und somit auch Renault, oder?

    Besten Dank :-)
    David

  6. Stefan Mohr · 17. April 2013, 11:12 · #

    Hallo David,

    zu A.S. Creation:
    sowohl als auch – ich nehme Bereinigungen vor und betrachte nur das Eigenkapital ohne Goodwill. Und ich verwende veraltete Daten von 2011 ;) Hab den Geschäftsbericht 2012 noch nicht angesehen…

    Zu Renault:
    Der Einwand ist natürlich berechtigt, Nissan muss man sich dazu auch ansehen. Nissan einzuschätzen ist nicht so leicht, aber total überbewertet sind sie denke ich nicht.

    Alternativ könnte man natürlich auch Renault kaufen und Nissan shorten, dann ist der Wert der Nissan-Anteile egal ;)

  7. — Jonas · 17. April 2013, 21:17 · #

    Hallo Stefan,

    ich orientiere mich bei der Ermittlung des Unternehmenswertes vor allem an der Ertragskraft.

    Zentrale Kennzahlen sind dabei für mich die Eigenkapitalrendite, das KGV und die Ausschüttungsquote. Bei der Eigenkapitalrendite achte ich dabei auf die Werte und die Entwicklung der letzten 10 Jahre und passe diese nach eigener Einschätzung an.

    Aus diesen Kennzahlen ermittle ich keinen festen Preis, sondern eine jährliche Rendite, die ich beim aktuellen Börsenpreis über die nächsten 10 Jahre erwarte.

    Ob ein Unternehmen “billig” oder “teuer” ist hängt daher aus meiner Sicht vor allem von dem Zinssatz ab, für den man bereit ist auf sein aktuelles Geld zu verzichten und vom Referenzzinssatz auf andere Geldanlagen.

    Ich versuche mich dabei auf hervorragende Unternehmen zu konzentrieren, die für mich ab einer langfristigen Eigenkapitalrendite von > 20% bei akzeptabler Verschuldung gegeben sind, auch wenn man diese nur zu mittelmäßigen Preisen bekommt.

    Dies mache ich aus der Überlegung, dass man mit mittelmäßigen aber günstigen Unternehmen
    zwar einen guten Gewinn machen kann, sobald der Kursabschlag auf den wahren Wert aber aufgeholt ist, man nur noch ein mittelmäßiges Unternehmen hat und Verkaufen muss.

    Im Gegensatz dazu muss man bei hervorragenden Unternehmen zwar einen Aufschlag auf die aktuellen Gewinne zahlen, kann diese aber sein Leben lang halten und sich an überdurchschnittlichen und konstanten Gewinnwachstumsraten erfreuen. Dies hat außerdem noch dem schönen Nebeneffekt, dass Transaktionskosten minimiert werden und die Besteuerung der Kursgewinne in die Zukunft verschoben wird.

    Schöne Grüße
    Jonas

  8. — sebastian · 28. April 2013, 22:58 · #

    thumbs up für den letzten Beitrag. Das ist original Buffett style. Es ist nur nicht so einfach, solche Unternehmen günstig zu erwischen. In Deutschland gibt es genug hidden champions, aber Buffett hat noch keinen davon akquirieren können. Ich wüsste gerne, woran das liegt. Vermutlich weil die meisten inhabergeführt sind und die Familien nicht zu Buffett Liebhaberpreisen (Sonderrabatt) verkaufen wollen, was rational ist, solange die Unternehmen die Gewinne abwerfen, die Buffett sucht. Sein Erfolg zeigt, dass man mit Buffett prinzipiell keine Geschäfte machen darf, weil die Gegenpartei bislang immer der Verlierer dabei war und offensichtlich unter Wert, d.h. mit zu großem Abschlag verkauft hat. Alles was er will sollte man unbedingt behalten bzw. nicht zu seinen Konditionen veräußern. Dass das seit ca. 25 Jahren hinlänglich bekannt ist, dürfte sein größtes Problem sein. Deswegen annonciert er und spart sich die Suche. Seine Europatouren haben offenbar noch keine deals eingebracht. Das betrifft natürlich nur private Unternehmen. Immerhin hat er in die Münchener Rück investiert. Die meisten Unternehmen sind für ihn wahrscheinlich zu klein und damit unattraktiv, sonst wäre interessant gewesen, mit welchen Margins of Safety er kaufen würde.

  9. — krankenhaus · 25. Juni 2013, 22:37 · #

    Hallo,

    das mit dem “Wohlfühlpreis” kann ich nur unterschreiben. Abschläge anhand harter Prozentzahlen zu fordern (30% oder 50%) ist oft ein Anfängerfehler (den ich natürlich auch gemacht habe :-). Das führt dazu, dass man sich als Anfänger zu sehr auf den Preis fokussiert und wichtige Dinge vernächlassigt oder übersieht.

    Man sollte mehr auf das achten was unter anderem Jonas (7) schreibt: Eigenkaptialrenditen, niedrige Verschuldung, eine Historie, die zeigt, dass das Geschäftsmodell auch über viele Jahre und Konjunkturzyklen hinweg funktioniert, eine verlässliche und vertrauenserweckende Geschäftsführung, keine wilden Aquisitionen und keine erheblichen Abschreibungen auf Firmenwerte, Ausschüttungen.

    Aber das wichtigste ist eingentlich das Produkt und die Branche. Hat die Firma etwas Besonderen/ ein Alleinstellungsmerkmal?

    Wenn eines oder mehrerer dieser Dinge nicht stimmen, dann kann auch eine Margin of Safty von 50% noch zu teuer sein.

  10. — Vresh · 24. September 2014, 00:38 · #

    Hallo Leute,
    ein netter Beitrag aber leider auch nichts neues. Ich würde mich wirklich freuen, wenn die Community versucht eigene Gedanken auf die Beine zu stellen. Versteht mich bitte nicht falsch, ich freue wirklich über diese Seite und finde es eine tolle Sache aber wo bleiben die eigenen Ideen? Margin of Safety, Net current Assets und und und. Wie gesagt das konnte man alles schon 1934 lesen.

    Mein persönlicher Einwand zu Renault und den Nissan Anteilen und der Nachfrage hierzu.

    Also ich habe mir die Aktie nicht persönlich angesehen allerdings macht es natürlich Sinn, den Börsenwert der Nissan-Anteile zu nehmen, da diese natürlich unter gewissem Abschlag recht schnell zu liquidieren sind. Dies macht für mich allerdings nur insofern Sinn, als das sie dem Eigenkapital von Renault gegenüberstehen. Beispielsweise ek=1 fk=2 und Vermögenswerte zu Buchwert= 2 Nissan-Anteile zu Börsenwert gleich= 1. Hier ist klar zu erkennen das mit dem Börsenwert der wert der Renault-Stämme schwankt (1 zu 1). Nimmt man nun aber an das ek=3 und fk=3 und alle assets=5 plus Nissan-Anteile=1, schwank der wert des Ek erheblich weniger (1zu1/3). Nunja entschuldigt mich für diesen Beitrag ich bin neu hier und kenne die Aktie wie gesagt nicht aber in Fall 2 wäre es sinniger das Unternehmen Renault zu bewerten da hier die zukünftigen Trends, GuV, Margen etc. mehr über den Wert der Aktie aussagen als die verbundenen Anteile… in Fall 1 wäre es völliger Unsinn Renault zu bewerten da man ja eh annimmt das nur Nissan den Wert der Aktie treibt und eine simple Bewertung für den Börsenwert hier genau nichts wert ist (denn eine Analyse bei der man einen Börsenkurs abliest kann wohl unschwer als solche bezeichnet werden, geschweige denn ein unterbewertetes Unternehmen zu Tage führen). In beiden Fällen muss deine Analyse erheblich angepasst werden und an dieser Stelle hast du es dir meiner Meinung nach etwas leicht gemacht ;) Um es mal wieder mit Worten von Graham auszudrücken: Jeder Anleger kann kann mit Aktien reich werden, wenn er seine Hausaufgaben macht !

    So nun wieder zu meinem Hauptthema der neuen Ideen. Ich mag das Projekt hier aber würde mich wirklich über solch einen Bereich freuen. Es soll kein Forum sein aber sammel doch ein paar Ideen der Community und stelle sie vor. Bitte vorher gefiltert ;)

    Spannende Bereiche wie Medizintechnik & Pharmazie würden mich hier interessieren. Gerade der europäische Markt hat hier spannende Aktien aber es bedarf wohl einem guten Vorwissen. Oder Automotive oder oder oder ;)

    Mich würde ebenfalls interessieren, ob es tatsächlich Ideen (damit meine ich wirkliche Ideen) zur Bewertung von Internet Unternehmen gibt, welche den Value Ansatz verkörpern. Das ist wie gesagt nur ein Vorschlag aber würde die Seite immens bereichern. Bisher sehe ich hier an vielen Stellen nur eine Verkürzung von einigen Kapiteln aus Graham Büchern. Ist wirklich nicht böse gemeint!!! ;)

    Lieben Gruß und ich freue mich auf eine Antwort

  11. Stefan Mohr · 24. September 2014, 08:15 · #

    Hallo Vresh,

    klar, das meiste was ich hier schreibe ist nichts absolut neues. Speziell dieser Artikel nicht. Aber ich verstehe Sachverhalte besser, wenn ich selbst darüber nachdenke und für mich zusammenfasse. In so fern war dieser Artikel mindestens für mich persönlich hilfreich ;-)

    Zu Renault:
    Hast du den zweiten Teil der Analyse auch gelesen? Da bin ich indirekt auf deine Punkte eingegangen.
    Aber letztendlich hat sich das Ganze eh erledigt, ist ja schon 3 Jahre her und mittlerweile steht der Kurs doppelt so hoch.

    Zu Ideen aus der Community:
    Sicher wäre das interessant, aber dieser Blog ist und bleibt hauptsächlich ein persönlicher Blog. Wenn gelegentlich mal jemand einen Gastartikel hier veröffentlichen will, mache ich das wenn ich den Artikel gut finde. Aber das sollte eher nicht zu häufig der Fall sein. Ehrlich gesagt habe ich nicht wirklich die Zeit, hier ein Communityprojekt hochzuziehen, das dürfte mehr Aufwand sein als man denkt.

    Zu Bewertungsansätzen für Internetunternehmen etc.:
    Ich bin ehrlich gesagt skeptisch, dass sich da irgendwelche neuen Konzepte finden lassen. Es ist doch letztendlich unabhängig von der Branche: schätze die zukünftigen Cashflows eines Unternehmens und wenn du dir hinreichend sicher bist, dass der sich daraus ergebende Wert deutlich größer ist als der aktuelle Kurs, dann kaufe. Wenn du dir nicht sicher bist, lass es. Und gerade bei Internetunternehmen die noch sehr jung sind, ist das eben extrem schwer einzuschätzen. Die können das nächste Microsoft sein oder in 5 Jahren pleite. Keiner weiß es normalerweise. Allerdings gibt es mitterweile eben auch gereifte Unternehmen in diesem Bereich, bei denen eine Einschätzung eher möglich ist. Aber dann ist eine Bewertung nicht anders als bei anderen Unternehmen auch. Schätze die zukünftigen Cashflows. Und dazu ist vor allem Wissen über Unternehmen und Branche notwendig und eine realistische Einschätzung, welche wichtigen Fakten man kennt und welche nicht. Gerade bei zweitem scheitern die meisten

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