Investieren in Zukunftstechnologien - machen Sie weniger aus Ihrem Geld!

3. Juni 2012 -  ,  -  Stefan Mohr

Investments in Zukunftstechnologien

Investieren in Zukunftstechnologien – hört sich gut an oder? Investments in Zukunftstechnologien werden immer wieder gerne empfohlen. Großes Wachstum und hohe Gewinne, das verspricht man sich davon. Und hört sich das nicht logisch an?

Logisch auf den ersten Blick vielleicht schon. Aber wenn man genauer hinsieht, entpuppen sich Zukunftstechnologien nicht selten als äußerst schlechtes und risikoreiches Investment.

Wachstum nicht gleichbedeutend mit hoher Kapitalverzinsung

Nehmen wir einfach mal an, wir haben einen Zukunftsmarkt mit hohem Potential identifiziert. In diesem Bereich sind hohe Umsatzzuwächse zu erwarten. Nehmen wir mal an, die Gewinnmargen bleiben ebenfalls konstant. Das bedeutet also stark steigende Gewinne! Sind Investments in diesem Bereich also grundsätzlich attraktiv?

Nicht zwangsläufig. Denn wichtig bei steigenden Gewinnen ist die Frage, wie viel Geld dafür investiert werden muss. Muss für Umsatz- und Gewinnzuwächse viel Geld investiert werden, ist die Kapitalverzinsung gering. Der Preis für den Aktionär: er muss ganz oder teilweise auf Dividenden verzichten. Übersteigt der Kapitalbedarf gar die finanziellen Möglichkeiten des Unternehmens, muss der Aktionär mit einer Verwässerung seiner Anteile durch eine Kapitalerhöhung rechnen. Das muss nicht immer schlecht sein, aber die höheren Gewinne teilen sich dann eben auf mehr Anteilsscheine auf.

Von Wachstum hat der Aktionär nur etwas, wenn die Verzinsung des dafür zu investierenden Kapitals überdurchschnittlich ist.

Artikeltipp: Wachstum: gut für die Aktionäre?

Zukunftsbranchen sind von hoher Konkurrenz geprägt

Aber selbst wenn man mal annimmt, dass die Kapitalverzinsung in einem Zukunftsmarkt anfangs hoch ist, kommt ein weiteres Problem dazu. Die Konkurrenz. Denn Wachstumsmärkte locken eben an. Gerade weil alle sie für attraktiv halten. Die Folge: die Kapitalrenditen sinken, der Markt verliert an Attraktivität.

Ein wunderschönes Beispiel dafür ist die Solarindustrie. Hohe Wachstumsraten und hohe Gewinne lockten immer mehr Unternehmen an. Letztendlich führt das dazu, dass immer mehr Solarmodulhersteller Probleme bekommen. Denn der Konkurrenzdruck ist riesig. Nur der beste gewinnt…

Wer sich in einem neuen Markt durchsetzt, ist schwer abschätzbar

Wenn doch nun der Beste gewinnt, kann dann nicht dieser Beste eben von den hohen Wachstumsraten bei Zukunftstechnologien profitieren? Die gute Nachricht: ja, teilweise schon. Die schlechte Nachricht: es ist extrem schwer, diesen Gewinner vorher zu identifizieren.

Wer hätte um die Jahrtausendwende gedacht, dass Google DIE Suchmaschine wird und ein Unternehmen mit riesigem Wettbewerbsvorteil (Charlie Munger: “Google has a huge new moat. In fact I’ve probably never seen such a wide moat.”). Hinterher scheint immer alles ganz klar, dass es quasi nicht anders kommen konnte. Aber solche Entwicklungen vorherzusehen ist leider alles andere als einfach.

selbst bei guten Gewinnaussichten: der Preis ist entscheidend

Und selbst wenn wir das mal alles außer acht lassen. Wenn wir in der Lage sind, ein Unternehmen zu identiizieren, welches in Zukunftstechnologie investiert, und dort hohe Wachstumsraten bei hoher Kapitalverzinsung erzielen kann. Selbst dann wird das mit den hohen Renditen recht schwierig.

Denn vermutlich bist du nicht der erste, der diese grandiose Einsicht hatte. Leider neigen die Menschen zu schwarz-weiß-Denken. Schlechte Entwicklungen werden oft übertrieben negativ gesehen, gute Entwicklungen übertrieben postitiv. Deshalb ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass dein geliebtes Zukunftstechnologie-Unternehmen bereits arg teuer ist. Dass die guten Zukunftsaussichten bereits mehr als eingepreist im Aktienkurs sind. Schlimmer noch: vielleicht werden die Gewinnaussichten überschätzt und der Aktienkurs bewegt sich Richtung Süden, wenn die Erwartungen nicht erfüllt werden.

wer sein Geld gut anlegen will, meidet Zukunftstechnologien

So viel auch überall für Investments in Zukunftstechnologien geworben wird und so logisch das auch auf den ersten Blick erscheinen mag. Für jeden, der hohe Renditen erzielen und geringe Risiken eingehen will, dem rate ich von Investments in Zukunftstechnologien ab oder rate dazu, zumindest sehr skeptisch zu sein.

Natürlich mag es Ausnahmen geben. Aber nach meiner Erfahrung sind diese äußerst rar gesät.

Ja, so schön kann Kapitalismus sein. Wir alle profitieren davon, dass ein Auto und Flüge (zumindest in der westlichen Welt) für fast jeden erschwinglich sind. Wir alle werden in Zukunft davon profitieren, dass Solarmodule aufgrund riesigem Konkurrenzdruck immer günstiger werden. Konkurrenz sorgt dafür dass alle Gewinnen. Nicht nur Einzelne.

Von Zukunftstechnologien profitiert eben in erster Linie die Gesellschaft. Eigentlich auch ganz gut so…

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Kommentare [10]

  1. Ulrich · 3. Juni 2012, 11:54 · #

    Guter Denkansatz & sehe ich ähnlich. Denjenigen zu finden, der am Ende das Rennen macht, ist sehr schwierig… Von 100 Firmen die starten sind vielleich 5 erfolgreich.

    Am ehesten lohnt es sich Unternehmen mit Zukunftstechnologie zu suchen; die bereits ein Standbein in einem besser abzuschätzenden Bereich haben. Aber auch dann fährt man mit konservativen Werten oft besser.

    LG Ulrich Eckert.

  2. Robert Michel · 3. Juni 2012, 16:09 · #

    “Hohe Wachstumsraten und hohe Gewinne lockten immer mehr Unternehmen an. Letztendlich führt das dazu, dass immer mehr Solarmodulhersteller Probleme bekommen. Denn der Konkurrenzdruck ist riesig.”

    Das drückt es noch nicht in der Härte aus, die wirklich vorliegt. In Wachstumsbranchen ist es nur eine Frage der Zeit bis die Produzenten den Zuwachs überschätzen und zu viele Kapazitäten aufbauen. Das führt dazu, dass es zwangsläufig eine Phase mit Überkapazitäten gibt, in der die Margen existenzbedrohende Tiefstände erreichen.

  3. Robert Michel · 3. Juni 2012, 16:13 · #

    Ergänzung: Es ist für Anleger aber trotzdem interessant sich mit technologischen Trends zu beschäftigen, denn neue Technologien, können Geschäftsfelder, die man bisher für sicher gehalten hat, das Wasser abgraben. Möglicher Weise ist es dass, was gerade in der Energie-Branche passiert. Daher würde ich diesen Sektor nicht allzu sehr Übergewichten, auch wenn es verlockend aussieht.

  4. Ulrich · 3. Juni 2012, 23:42 · #

    @Rober Michel: Das ist richtig. Oft werden aber neue Trends auch überschätzt. Oft werden Anleger aus irgendwelchen Werten getrieben, da ihnen zuviel Angst gemacht hat. Die meisten Neuerungen schaffen es nicht die alten Platzhirsche umzuschmeißen.

  5. — ein Gast · 4. Juni 2012, 19:43 · #

    Eigentlich ist diese Beobachtung nicht ganz neu. Ähnliche Entwicklungen gab es auch schon in der Vergangenheit, etwa in der Autoindustrie, in der gesamten Unterhaltungselektronik und ganz besonders bei den Airlines. Jedesmal “gehörte diesen Unternehmen die Zukunft”, und dann haben sich zu viele Wettbewerber auf einmal ins Geschäft gestürzt und sich (mangels Unterscheidbarkeit, also mangels “moat”) gegenseitig das Leben schwer gemacht. Warren Buffett schrieb hierzu in seinem Brief von 1992:

    “Similarly, business growth, per se, tells us little about value. […] growth often has a positive impact on value, […] But such an effect is far from certain. For example, investors have regularly poured money into the domestic airline business to finance profitless (or worse) growth. […] The more the industry has grown, the worse the disaster for owners.”

  6. — bb · 28. Juni 2012, 00:18 · #

    Super Artikel. Schade, dass ich ihn erst jetzt entdeckt habe.

    Stefan und Michel haben das wichtigste schon gesagt.

    Eine Sache möchte ich aber noch hinzufügen. Es gibt in der Tat zwei Möglichkeiten mit Wachstumsbranchen Geld zu machen.

    1. Nach der Greater Fool Theorie handeln. Wer sich gut mit der Bildung und Entwicklung von Blasen auskennt kann bestimmt ein Gefühl dafür entwickeln, wann eine Blase anfängt zu beginnen, und wann es Zeit zum Aussteigen ist.

    In den letzten Jahren hätte diese Methode kritisches Denken und kühlen Kopf vorausgesetzt sicherlich gut funktioniert. Durch die vielen Blasen und Krisen der letzten Zeit sind aber wahrscheinlich viele Menschen kritischer geworden. Und damit die Ausnutzung von Bubbletrends schwieriger

    2. Der Venture Capital Ansatz. Wenn ich wie ein Peter Thiel direkt an der Quelle von innovativen Geschäftsideen sitze, vermeide ich die Preis-Konkurrenz. Ich gehe zwar immer ein technologisches Risiko ein, kaufe aber billig.

    Und noch eine Anmerkung: Wer ist der Nutzniesser spekulativer Wachstumsblasen?
    Der Konsument, und diejenigen, die neugebaute Infrastruktur nutzen werden.

    Dazu gibt es auch ein gutes Buch:
    http://www.amazon.com/Pop-Why-Bubbles-Great-Economy/dp/0061151548

  7. Stefan Mohr · 28. Juni 2012, 06:23 · #

    Hallo bb,

    danke für den Kommentar!
    Darauf zu spekulieren, wann eine Blase platzt, könnte natürlich möglich sein. Aber ob das so einfach ist, da bin ich mir nicht so sicher. Nehmen wir z.B. Gold. Ist das eine Blase? Die Mehrheit meint nein (das haben Blasen so an sich). Einige meinen ja. Wenn sie recht haben: wann platzt die Blase? Das kann morgen sein oder Jahre dauern. Es kann auch sein, dass da garnichts platzt, sondern der Enthusiasmus ganz langsam abkühlt und der Goldpres einfach für Jahrzehnte nichts tut und den Besitzern nach Inflation einen Verlust beschert.

    Und zu zweitens: Klar, ausichtsreiche Wachstumsunternehmen günstig kaufen ist eine gute Investitionsmöglichkeit. Wer sich damit auskennt und keinen zu hohen Preis zahlt, kann da sicher profitieren. Die Frage ist, wie schwer es ist, die aussichtsreichen Unternehmen zu identifizieren. Ich meine, verdammt schwer (aber sicher nicht unmöglich).

  8. — bb · 28. Juni 2012, 14:09 · #

    zu Thema 1:
    Na, ich denke man kann schon Heuristiken finden/entwickeln, um zu sehen, wann man ein- oder aussteigen sollte. Bei Währungen und Commodities ist es natürlich schwierig, weil man nur sehr eingeschränkt Fundamentalanalysen fahren kann.

    zu Thema 2:
    Am erfolgversprechensten ist es sicherlich die Trends von morgen mitzugestalten. So wie das Peter Thiel oder die Weltraumtourismus Jungs machen. Auf jeden Fall geht es hier wie beim Value-investing um Dinge, die eben nicht mainstream und sehr langfristig sind.

  9. — sebastian · 22. November 2012, 19:36 · #

    greater fool speculation ist das exakte Gegenteil von value investing, worum es hier geht. Auf Blasen zu spekulieren heisst auf die Dummheit anderer zu wetten und mit dem Feuer zu spielen. Blasen zu erkennen ist einfach, sie zu timen praktisch unmöglich. Mit Solarindustrie kenne ich mich nicht aus, aber ist sie nicht das, was internet startups während der dotcom Blase waren? Das internet hat m.E. alle Erwartungen erfüllt, aber die startups sind trotzdem aufgrund der fehlenden Wettbewerbsvorteile und Einstiegshürden (außer Netzwerkeffekten/natürlichen Monopolen) zum Großteil pleite gegangen (oder klein und mager geblieben). Die Solarindustrie scheint mir vor allem von politischen Subventionen zu leben und abzuhängen. Keine gute (d.h. stabile) Basis. Sie hat eine große Zukunft, aber ob sie profitabel ist, kann bezweifelt werden. Besonders wenn die Fertigung nach China wandert und dort kopiert wird. Was für Zukunftstechnologien gilt, kann man auf so gut wie alle Technologien übertragen: sie haben keinen dauerhaften Wettbewerbsvorteil, da sie durch Innovationen jederzeit abgelöst werden können. Zukunftstechnologien sind aufgrund ihres big fool appeals (bei Privatanlegern und evtl. Institutionen) nur eben besonders effektive Kapitalvernichter.

  10. — Thomas · 22. Juli 2017, 10:49 · #

    Hallo Stefan,

    grundsätzlich der richtige Gedanke, aber hier gilt auch wenn Du in einer Branche zu Hause bist, hast Du ganz andere Einblicke.

    Ich bin Software Entwickler und bin im E-Commerce zu Hause, da sehe ich bestimmte Unternehmen aus einem ganz anderen Blickwinkel.

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