Frosta - meine Einschätzung von 2010 und was ich daraus gelernt habe

21. August 2013 -   -  Stefan Mohr

Bei vielen Leuten nimmt die Musik- oder Filmesammlung den größten Platz auf der Festplatte ein. Das ist zugegebenermaßen auch bei mit der Fall. Aber an dritter Stelle befindet sich ein aktuell 3,6 GB großer Ordner namens “Geschäftsberichte_Analysen”. In diesem befinden sich aktuell 207 Ordner, jeder zu einem Unternehmen mit dem ich mich mal beschäftigt habe (egal ob nur kurz oder sehr intensiv). In vielen liegen nur die Geschäftsberichte der letzten Jahre (manchmal Gold wert, wenn ein Unternehmen ältere Berichte von der Website nimmt!). In einigen liegen aber auch detaillierte Tabellen, Textdateien mit Zusammenfassungen und Gedanken und ähnliches.

Heute bin ich auf ein kleines Schätzchen gestoßen. Im Ordner “Frosta” liegt eine Datei mit dem Namen “Neu Textdokument.txt”, erstellt am 17.10.2010. Und darin habe ich einen kompletten Artikel zu Frosta verfasst. Fast 1 Jahr bevor dieser Blog hier gestartet ist, einfach für mich selbst…

Extrem interessant zu sehen, was man vor 3 Jahren über ein Unternehmen gedacht hat! Lag man mit seiner Einschätzung richtig? Sieht man die Dinge heute anders oder nicht?
Also werde ich an dieser Stelle mal die wichtigsten Stellen aus dem Artikel zitieren und meine heutige Einschätzung als Kommentar ergänzen.

Teile des Artikels von 2010 sind so markiert.

Kurzüberblick Frosta

Für alle denen das Unternehmen neu ist, hier eine Kurzbeschreibung.
Frosta ist im Markt für Tiefkühlprodukte tätig. Knappe 60% der Umsätze werden in Deutschland gemacht, der Rest in Österreich, Osteuropa und Italien. Produkte der Marke Frosta machen dabei rund 1/4 des Umsatzes aus. Der Rest sind hauptsächlich Handelsmarken und ähnliches.

Eine Besonderheit ist das Frosta-Reinheitsgebot: Im Jahr 2003 stellte Frosta sein Produktsortiment der Marke Frosta um. Es wurde konsequent auf Farbstoffe, Geschmacksverstärker usw. verzichtet. Das führte zunächst zu einem Umsatzrückgang und einem Verlust im Jahr 2003, aufgrund des verkleinerten Sortiments und höheren Preisen. In den folgenden Jahren konnte der Umsatz jedoch wieder gesteigert und wieder Gewinne gemacht werden.

Einschätzung von 2010

Bei der Bewertung im Jahr 2010 bin ich in mehreren Schritten vorgegangen. Angefangen vom Liquidationswert bis hin zum Wert des Wachstums.

1. Liquidationswert / current asset value

Ich verwende mal den englischen Begriff current asset value. Liquidationswert ist eigentlich nicht ganz richtig, denn es ist ja nur ein grober Überschlag für den Liquidationswert. Auf deutsch könnte man es vielleicht “Wert des Umlaufvermögens” nennen. Kleine Erinnerung: Hintergrund war die Erkenntnis, dass der Verkaufswert von langfristigen Vermögensgegenständen (Gebäude, Maschinen…) sehr unsicher ist. Also nehmen wir nur das Umlaufvermögen (Cash, Vorräte, kurzfristige Forderungen…) und ziehen alle Schulden ab.
Dann haben wir einen groben überschlag, was wir im ungünstigsten Fall erwarten können, wenn das Unternehmen pleite geht.

kurzfristige Vermögenswerte: 133.707 T€
– Verbindlichkeiten: 120.319 T€
——————————————————-
current asset value: 13.388 T€
enspricht: 2,09€/Aktie

Ich gehe jedoch davon aus, dass Frosta in absehbarer Zukunft nicht pleite geht, von daher ist dieser Wert eher von untergeordneter Bedeutung.

Damit stimme ich auch heute natürlich noch völlig überein. Für ein stabiles Unternehmen welches fortlaufend Gewinne macht, hat der Liquidationswert eher eine untergeordnete Bedeutung. Aber der Vollständigkeit halber: zum Jahresende 2012 hat sich der Net Current Asset Value von Frosta auf 32,3 Mio. € oder 4,82€/Aktie vergrößert. Hört sich nach einer großen Steigerung an, aber wenn man auf fast nichts ein wenig draufpackt, ist die prozentuale Steigerung eben enorm…

2. Eigenkapital

Das Eigenkapital ist der Wert aller Vermögenswerte (lang- und kurzfristige), abzüglich aller Schulden.

Eigenkapital: 95.558 T€
entspricht: 14,90€/Aktie

Das ist schon deutlich mehr als der Liquidationswert.

Nun, dazu gibt es nicht viel zu sagen. Die aktuellen Werte von 2012: 108 Mio. € oder 16,17€/Aktie.

3. Wert der Ertragskraft

Nun nehmen wir die aktuelle Ertragskraft des Unternehmens, und nehmen an, dass diese in Zukunft bestehen bleibt. Günstig ist es hier, nicht den Wert des letzten Jahres zu nehmen, sondern einen Durchschnitt der letzten Jahre. Genau genommen muss man sich die Gewinne genau anschauen, denn da kann viel getrickst werden, um die Gewinne höher oder niedriger ausweisen zu können, als sie eigentlich in Wirklichkeit sind. Bei Frosta konnte ich erstmal für die letzten 3 Jahre keinen großen Anpassungsbedarf erkennen, von daher nehme ich die Werte aus dem Geschäftsbericht.
Gewinn nach Steuern:
2009: 12.200 T€
2008: 12.100 T€
2007: 12.000 T€

Ich denke da kann man also durchaus mit 12 Mio € im Jahr rechnen…

Nun ist noch die Frage, welche Verzinsung wir erwarten.
Bei Unternehmen mit keiner oder geringer Verschuldung rechne ich meist mit 6-7%. Bei stärker verschuldeten Unternehmen wie Frosta ist eine Möglichkeit sich anzusehen, wie viele Zinsen das Unternehmen für seine Verbindlichkeiten bezahlt. Die Aktien eines Unternehmens sind grundsätzlich Risikoreicher als verzinsliche Verbindlichkeiten (Denn die Gläubiger erhalten ihre Zinsen, den Aktieninhabern steht nur zu was übrig bleibt, auch im Pleitefall kriegen erst die Gläubiger ihr Geld, für die Aktieninhaber bleibt dann meist nichts oder wenig). Also sollte ich einen Zinssatz nehmen, der etwas darüber liegt.
Der höchste Zinssatz, den Frosta auf einen Teil seiner Finanzverbindlichkeiten bezahlt, liegt bei 5,62%. Ich halte es desdeshalb für angemessen, für die Frosta-Aktien mit 7,5% zu rechnen.

Wert der Ertragskraft = 12.000 T€ / 7,5% = 160.000 T€
entspricht: 24,90€/Aktie

Vergleicht man diesen Wert mal mit dem Eigenkapital, fällt auf, dass das Eigenkapital rund 15€/Aktie beträgt, der Wert der Ertragskraft aber mehr, rund 25€/Aktie. In das Unternehmen wurde also weniger investiert, als es jetzt wert ist. Frosta muss also irgendwo einen Wettbewerbsvorteil haben. Denn wenn das nicht so wäre, würde jeder einfach schnell ein “Frosta2” aufbauen, und dann ein Unternehmen haben, was mehr Wert ist, als man vorher reingesteckt hat. So einfach ist es natürlich nicht, denn Frosta ist einigen Kunden bekannt, eine neue Marke wäre es nicht. Ein neues Unternehmen müsste zumindest die ersten Jahre mit Verlusten rechnen. Das ist eine Erklärung für den Wettbewerbsvorteil von Frosta. (Der Unterschied von Eigenkapital zu Wert der Ertragskraft ist auch nicht so übermäßig groß, wenn man sich Unternehmen wie Nestle, Beiersdorf oder ähnliches ansieht, wird man sehen, dass der Wert der Ertragskraft ein vielfaches des Eigenkapitals beträgt. Bekannte Marken können eben sehr viel wert sein).

An dieser Stelle muss ich sagen, habe ich es mir ein wenig zu leicht gemacht. Zu meiner Ehrenrettung muss ich natürlich auch folgendes ergänzen, was ich 2010 über Frosta geschrieben habe:

Generell finde ich das Unternehmen sehr interessant und werde deshalb mal eine erste Bewertung vornehmen. Diese ist jedoch noch mit Vorsicht zu genießen, bevor ich hier investieren würde brauche ich auf alle Fälle noch mehr Informationen.

Ich habe damals also den Gewinn der letzten drei Jahre genommen und bin davon ausgegangen, dass dies auch in etwa die zukünftige Ertragskraft darstellt. Ich bin mir übrigens ziemlich sicher, dass ich auch weiter in die Vergangenheit geschaut habe. Aber zumindest seit 2004 lagen die Umsatzrenditen auch in etwa in dem Bereich der Jahre 2007-09, also warum nicht davon ausgehen, dass das auch in Zukunft so bleibt? Zugegeben: solche Annahmen mache ich auch heute noch gerne. Und in der Regel liegt man damit auch nicht so schlecht: wenn ein Unternehmen über viele Jahre recht stabile Margen erwirtschaftet, stehen die Chancen nicht so schlecht, dass es das auch in Zukunft können wird.
Was man aber auf jeden Fall tun sollte ist, über Faktoren nachzudenken, die solche stabile Trends verändern könnten.

Heute muss ich folgendes sagen: Frosta hat von 2004 bis 2009 Eigenkapitalrenditen zwischen 12 und 15% erwirtschaftet. Das sind keine gigantischen Werte, insbesondere wenn man bedenkt, dass diese Werte durch eine Hebelung mit Fremdkapital verbessert werden. Wenn man sich allerdings die Branche ansieht, in der Frosta tätig ist, sollte man sich zumindest fragen, ob solche Renditen hier langfristig erzielbar sind. Das Geschäft ist recht kapitalintensiv. Es werden eine Menge Anlagen benötigt, die immer auf dem aktuellsten Stand gehalten werden müssen. Auch bedeutende Vorräte müssen gehalten werden. Und den Kunden werden meist recht großzügige Zahlungsziele eingeräumt.
Unter den direkten Abnehmern von Frosta – hauptsächlich Supermärkte und Discounter – herrscht massiver Konkurrenzkampf. Der Endkunde liebt niedrige Preise und die Supermärkte üben einen starken Preisdruck auf ihre Lieferanten aus, um diese liefern zu können. Insbesondere im Bereich der Handelsmarken, die ja weiterhin den größeren Teil der Umsätze ausmachen. Bei den Produkten der Marke Frosta mag die Lage vielleicht etwas besser sein. In dauerhaft höheren Margen in diesem Segment hat sich das jedoch nicht niedergeschlagen.
Da mag das Management noch so gut sein. Aber eine wirkliche Preissetzungsmacht dürfte Frosta keinesfalls besitzen. Und ob 12-15% Eigenkapitalrendite unter diesen Vorraussetzungen dauerhaft erzielbar sind, daran sind zumindest Zweifel angebracht.

Diese Erkenntnisse hören sich jetzt sehr weise an. Keine große Kunst, wenn man in den Rückspiegel schauen kann und die Ergebnisse der letzten Jahre sieht:

in Mio. € Umsatz Jahresüberschuss
2009 411 12,0
2010 393 9,8
2011 385 8,7
2012 380 6,1

Das Ertragsniveau hat sich stark vermindert. Insbesondere 2012, als im Bereich Tiefkühlfisch ein großer neuer Konkurrent in den Markt ging, was die Preise drückte und Umsatzanteile kostete. Während die Umsätze mit den Frosta-Markenprodukten leicht gesteigert und die Margen nahezu konstant gehalten werden konnten, verzeichnete der Handelsmarken-Bereich leichte Umsatzrückgänge und stark fallende Margen.

Hat also Frosta einige gute Jahre gehabt und kehrt nun auf Normalniveau zurück? Oder ist es andersherum: Frosta muss ein paar schwierige Jahre durchstehen, wird aber an die vergangenen ertragsstarken Jahre anknüpfen können? Eine sichere Antwort auf diese Frage weiß ich zugegebenermaßen nicht. Tendenziell würde ich aufgrund des schwierigen Marktumfeldes, an dem sich grundsätzlich auch auf lange Sicht eher nichts ändern dürfte, eher zur ersten Variante tendieren. Auch wenn das nicht heißen muss, dass nie wieder bessere Jahre als 2012 kommen.

Grundsätzlich wäre ich bei der Einschätzung der Ertragskraft heute pessimistischer. Beachten sollte man aber auch, dass Frosta heute trotz gesunkener Profitabilität solider finanziert ist als 2009: 95 Mio. € Eigenkapital standen damals 71 Mio. € Netto-Finanzverschuldung gegenüber. Heute ist das Verhältnis 108 zu 40 Mio. €.

Welchen Jahresüberschuss kann man nun also als “aktuelle Ertragskraft” betrachten? 6 Mio. € (das Ergebnis 2012) erscheint mir zu pessimistisch. 12 Mio. € (Ergebnis 2007 – 09) dagegen zu optimistisch. Mit einer Annahme von 8 Mio. € würde ich mich einigermaßen wohl fühlen. Was sich dann in einem Unternehmenswert von 80 – 100 Mio. € niederschlagen dürfte, je nachdem wie viel man bereit ist für Gewinne zu zahlen. Eine deutliche Differenz zu meiner Schätzung von 160 Mio. € von 2010.

4. Wert des Wachstums

Beim Wert des Wachstums können wir es uns bei Frosta relativ leicht machen: es gibt keinen. Oder zumindest nur einen relativ kleinen. Das klingt erstmal komisch, denn normalerweise heißt es doch Wachstum ist gut? Aber was passiert wenn Frosta wächst, also mehr Umsatz und Gewinn macht? Dann wächst der Unternehmenswert natürlich (wir können dann ja bei 3. eine größere Zahl einsetzen). ABER: das passiert auf Kosten der Dividenden. Denn wenn Frosta sich entschließt nicht weiter zu wachsen, könnte ein Großteil des Gewinns als Dividende ausgezahlt werden. Wenn Frosta weiter wachsen will, muss Geld investiert werden. Für Produktionsanlagen, weil mehr Vorräte gehalten werden müssen, weil sich die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen bei mehr Umsatz vergrößern werden… Da Frosta etwas überdurchschnittlich profitabel ist, könnte das Wachstum etwas mehr Unternehmenswert bringen, als Gewinne dafür einbehalten werden müssen. Vielleicht könnte für jeden Euro nicht ausgezahlten Gewinn 1,50€ mehr Unternehmenswert geschaffen werden. Aber Illusionen sollte man sich hier nicht machen, den Wert der Ertragskraft wird der Wert des Wachstums nicht deutlich übersteigen.
Bei Unternehmen, bei denen der Wert der Ertragskraft das Eigenkapital (Buchwert) um ein mehrfaches übersteigt, lohnt es sich das ganze genauer zu berechnen. Bei Frosta lohnt sich der Aufwand eher nicht…

Das sehe ich heute nicht anders… Detailliert beschrieben auch in meinem Artikel zum Wert des Wachstums

Fazit

Nun haben wir mehrere Zahlen. Aber welche ist nun richtig? Was ist der “wahre” Wert von Frosta? Und was sollten wir für die Aktie bezahlen? Wenn wir den Wert der Ertragskraft bezahlen, können wir 7,5% Rendite erwarten. Das ist nicht schlecht, aber auf der anderen Seite haben wir kaum eine Chance auf mehr (der Wert des Wachstums ist gering). Und es besteht die Gefahr, dass es Frosta in Zukunft vielleicht nicht mehr so gut geht, dann liegt unsere Rendite vielleicht weit unter 7,5%. Alles in allem denke ich trotzdem, dass der Wert der Ertragskraft, also 25€/Aktie “fair” wären. Fair reicht mir aber nicht, ich möchte eine hohe Rendite mit minimalem Risiko. Solange Frosta nicht pleite geht, wird der Aktienkurs dauerhaft wohl nicht unter den Buchwert fallen. Wenn wir den Buchwert zahlen, haben wir das Risiko also einigermaßen begrenzt und haben außerdem, wenn alles glatt geht, eine Rendite von deutlich über 7,5% pro Jahr.

geschätzter Wert der Aktie: 25€ (ungefähr Wert der Ertragskraft)
was ich allerhöchstens dafür ausgeben würde: 15€ (etwa Buchwert)

aktueller Kurs: 18,70€

Im Moment ist die Aktie also eher leicht unterbewertet, allerdings nicht genug, als dass ich kaufen würde.
Abgesehen davon wären vor einem Kauf noch viele Fragen zu klären. Bisher habe ich das Unternehmen nur für interessant befunden und die Zahlen bewertet, vor einem Kauf brauche ich noch viele Informationen. Um die Frage beantworten zu können: wie sieht die Zukunft von Frosta aus? Sprich man sollte sich die Wettbewerber anschauen, wie hebt sich Frosta von diesen ab? Wird sich Frosta gegen diese behaupten können? Wie arbeitet das Management? Wurden in der Vergangenheit gute Entscheidungen getroffen?

Und an dieser Stelle zeigt sich mal wieder, dass eine hohe Margin of Safety Gold wert ist. Ich habe die Aktie eher für leicht unterbewertet gehalten. Wäre ich unvorsichtig gewesen, hätte ich sagen können: Ich kann hier einen Euro für 75 Cent kaufen! (18,7€/25€). Was für ein tolles Investment! Sofort zugreifen! Stattdessen war mir aber klar, dass ich das Unternehmen nicht 100% einschätzen kann. Gerade die Einschätzung, wie viel ein Unternehmen in Zukunft verdienen kann, ist immer eine verdammt schwierige Sache. Wenn man für ein Unternehmen ein KGV von 10 oder 12 oder gar mehr zahlt, sollte man sich seiner Sache sehr sicher sein. Also war ich lieber vorsichtiger und habe der Ertragskraft nicht zu viel Gewicht bei der Entscheidung, ob ich kaufe oder nicht, beigemessen.
Im Nachhinein eine gute Entscheidung. Denn die Ertragskraft von Frosta habe ich damals vermutlich deutlich überschätzt.

Wie würde ich heute handeln, wenn ich ein Unternehmen wie Frosta analysieren würde? Gleiche Branche, gleiche Zahlen wie die, die mir damals 2010 zur Verfügung standen? Ich würde mich vermutlich an Frosta erinnern und wäre bei der Einschätzung der zukünftigen Ertragskraft vermutlich etwas skeptischer. Trotzdem bin ich mir recht sicher, dass ich mich von den über viele Jahre recht stabilen Margen beeindrucken lassen und Gefahr laufen würde, den Unternehmenswert eher zu überschätzen. Könnte ich vorhersagen, ob das Ertragsniveau gehalten werden kann oder nicht? Wohl kaum, heute genauso wenig wie 2010. Frosta hat mir gut gezeigt, dass man nicht alles vorhersagen kann. Und auch garnicht muss, um gute Investment-Entscheidungen zu treffen.

Was ich 2010 schlecht eingeschätzt habe, ist die zukünftige Geschäftsentwicklung von Frosta. Was ich gut eingeschätzt habe ist, mit welchen Unsicherheiten meine Prognose behaftet war.
Wie Charlie Munger mal so schön gesagt hat: If you think your IQ is 160 and it’s really 150, you’re a disaster.

Übrigens: meine Verluste, die ich gemacht hätte, wenn ich Frosta damals gekauft und heute verkauft hätte, hätten sich trotz der schlechten Geschäftsentwicklung in Grenzen gehalten. Heute steht der Kurs bei 16,35€, 1,50€ Dividenden wären noch dazugekommen. Macht also 4,5% Verlust. Wobei das für einen Zeitraum, in dem der DAX mehr als 30% zugelegt hat, nicht gerade berauschend ist.

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Kommentare [13]

  1. — Roger · 21. August 2013, 18:32 · #

    Schöner Text, schöne Firma, da komme ich doch gerne mit inhaltlicher Kritik an. Viel hat mir gefallen, ein paar Mal stockte ich, z.B. hier:
    “Der höchste Zinssatz, den Frosta auf einen Teil seiner Finanzverbindlichkeiten bezahlt, liegt bei 5,62%. Ich halte es deshalb für angemessen, für die Frosta-Aktien mit 7,5% zu rechnen.”
    Knapp 2% Risikoaufschlag für den Unterschied von Anleihe und Aktie, ist das nicht arg wenig? Falls Frosta mal in die Knie geht, werden die Anleihen so ziemlich als erstes bedient. Nur wenn danach noch etwas übrig bleibt (was nahezu nie der Fall ist), sind die Aktionäre am Zug.

    Bei einem faktisch Unternehmen ohne Wachstum (und entsprechende Wertzuwachsperspektiven) würde ich eher einen Risikozuschlag von 5% ansetzen. Dann wären wir bei 10% – oder einem Ziel-KGV von 10, um den Frosta zu der Zeit m.W. auch schwankte.
    Dazu kommt noch die Sicherheitmarge (oder, anders herum gesagt, das minimale Zugewinnpotential) von vielleicht 30% – und ich weiß wieder, warum ich bei aller Sympathie für Blog und Firmenphilosophie nie Frosta-Aktien kaufte.

    Weiterhin wäre eine Unterscheidung von Umsätz, Gewinn und Wachstum für Marken- und Noname-Produkte schön gewesen: Die Marke bildet einen soliden “Moat” und ist damit relativ gut in die Zukunft prognostizierbar, bei den Noname-Produkten hingegen regiert der Preis und der Hersteller ist beliebig austauschbar – was sich ja leider auch bemerkbar machte.

  2. Stefan Mohr · 21. August 2013, 19:15 · #

    Vielen Dank für die Kritik Roger!

    Welcher Risikoaufschlag nun angemessen ist, darüber kann man natürlich ewig streiten. Zugegebenermaßen würde ich heute aber auch eher zu deinem Ziel-KGV von 10 tendieren, wenn ich Frosta bewerte. Daher auch meine Annahme, dass eine Ertragskraft von 8 Mio. € einen Unternehmenswert von 80 – 100 Mio. € ergeben würde.

    Die genauere Betrachtung von Marken- und Noname-Geschäft wäre tatsächlich mal eine sinnvolle Sache… Teilweise habe ich dazu schonmal eine Excel-Tabelle erstellt, vielleicht bietet sich dazu noch ein Folgeartikel an.

    Ansonsten sehe ich das mit Frosta vermutlich ähnlich wie du: ein großer Gewinn für den Verbraucher, aber nicht für den Investor. Zumindest zu heutigen Kursen…

  3. — Stefan B. · 21. August 2013, 21:44 · #

    Schöner Artikel und sehr ehrlich von Dir, die teilweise etwas naive Einschätzung hier zu veröffentlichen. Vielen Dank dafür.

    Der Artikel zeigt wieder einmal, wie wichtig die Sicherheitsmarge im Value Investing ist. Für mich ist das immer ein schmaler Grat, auf dem ich wandle: bin ich zu vorsichtig, indem ich solide Finanzierung und solide Erträge mit einem deutlichen Abschlag kaufen will und dabei das Wachstumspotenzial noch geschenkt oben drauf bekommen möchte? Wenn man dann nicht gekauft hat und den in der Zwischenzeit stark gestiegenen Kurs später sieht, dann kommt schon mal Frust auf. Aber deswegen die Prinzipien über den Haufen werfen?

    Um die eigenen Entscheidungen zu überprüfen, sollte man eine ähnliche Analyse, wie Du sie veröffentlicht hast, regelmäßig durchführen. Leider bleibt dafür oft keine Zeit.

  4. — Covacoro · 23. August 2013, 23:28 · #

    Danke für Artikel, sehr interessant und lehrreich.

  5. — Qwertz · 27. August 2013, 18:56 · #

    Hallo Stefan,

    bin nur durch zufall auf deine Seite gestoßen.
    ist aber sehr interessant zu lesen, ich selber bin durch meinen cousin, der sich zu zeiten der new economy blase erst ziemlich über sagenhafte gewinne gefreut und später sehr stark über die verluste die noch dicker waren, geärgert hat.von ihm bekam ich etwas über charts und trendsignale erzählt.
    Anfangs las ich mich durch dutzende seiten über die chartanalyse, bis ich auf die Fundamentalanalyse und damit auf Value-investing kam. Sehr bald gab ich die chartanalyse auf und fokussierte mich nun mehr auf die methode , die auch am simplesten klingt, kaufe etwas zu günstiger als es wert ist ;-)

    wirst du in nächster zeit wieder öfter analysen posten oder bleibt das im moment so spärlich?

  6. Stefan Mohr · 27. August 2013, 23:10 · #

    Hallo Qwertz,

    das mit der new economy blase kommt mir bekannt vor. Auch ich habe damals meine ersten Gehversuche an der Börse gemacht, genauso wenig erfolgreich.

    Ob ich wieder öfter Analysen poste… eigentlich habe ich es mir vorgenommen, aber immer klappts leider nicht. Leider hat der Tag nur 24 Stunden :( Von daher will ich lieber nichts versprechen…
    Aber der nächste Artikel ist bereits in Arbeit, so viel kann ich versprechen ;)

  7. — Tobi · 28. August 2013, 14:36 · #

    Es würd Dich bestimmt freuen zu hören, dass mich genau dieser Artikel hier nun endgültig von Value Investing überzeugt hat! Als BWLer brauchte ich wohl einfach mal ein paar Kennzahlen und ehrliche Interpretationen, damit ich von diesem Prinzip überzeugt bin.

    Jedenfalls vielen Dank und weiter so!

  8. — Nico · 18. Februar 2016, 13:40 · #

    Sag mal, wie denkst du denn heute darüber? Einen solchen Artikel beim aktuellen Stand fände ich mal interessant.

    Irgendwie Frage ich mich das nämlich oft. Ab wann wird es Zeit, seine Entscheidung zu revidieren und wir viel Geduld ist angebracht?

    Bei Frosta gab es zwischendurch gute Gründe zu verkaufen. Doch man hätte auch weiterhin an die Marke glauben können und wäre belohnt worden.

    Letztlich läuft es auch darauf hinaus: Ab wann ist der Glaube an die Qualität bei fallenden Kursen, insbesondere bei Nachrichten und Ergebnissen, die dem widersprechen, Spekulation und bis wohin ist es eine tatsächlich fundamental begründbare Qualität?

    Das sind immer die Beispiele, die mich wahnsinnig machen. Vor allem, wenn die jemand sagt, er hat bei Frosta konsequent nachgekauft, weil er das Produkt schätzt und das Unternehmen dafür schon mehr Abnehmer finden wird ;-)

  9. Stefan Mohr · 18. Februar 2016, 14:38 · #

    Hallo Nico,

    also im Wesentlichen denke ich heute noch genauso darüber. Auch wenn die letzten Jahre für Frosta sehr gut gelaufen sind, ist die Firma doch in einem sehr schwierigen Markt unterwegs. Und man sollte nicht vergesse, dass Frosta nur einen Teil seiner Umsätze mit der Frosta-Marke macht, den Rest mit kaum bekannten Marken und Produktion für Supermarkt-Eigenmarken.

    Vielleicht täusche ich mich und Frosta schafft es doch langfristig, deutlich überdurchschnittliche Kapitalrenditen zu erwirtschaften. Aber diese Hoffnung wäre mir für ein Investment zu vage und die aktuelle Marktbewertung ist in meinen Augen demzufolge zumindest recht optimistisch.

    Alles in allem muss man sich als Investor aber wohl damit abfinden, dass man die meisten Entwicklungen einfach nicht vorhersagen kann (auch Buffett und Munger können das nicht). Man muss eben die wenigen Fälle erkennen, in denen man irgend eine Entwicklung mal mit sehr hoher Sicherheit vorhersieht und der Markt einfach falsch liegt, und dann richtig groß investieren. Leider leichter gesagt als getan.

  10. — Nico · 18. Februar 2016, 15:29 · #

    Du hast vollkommen recht, mit der Aussage zu den Handelsmarken. Manchmal machen eben uninformierte Anleger erfolgreiche Entscheidungen. Bleibt das Problem der Reproduzierbarkeit. Die Aktie hätte eben doch weiter sinken können. Gab keine guten Gründe dafür dort einzusteigen, damit wäre keine Reproduzierbarkeit gegeben und das ganze Unterfangen eher Spekulation.

  11. Fabian Wulff · 11. Mai 2016, 18:36 · #

    Ich finde diesen Artikel von Dir auch sehr interessant, da ich selbst Aktien der Frosta AG halte. Ich bin selbst ein überzeugter Value-Investor. Bei Frosta bin ich im September 2014 eingestiegen und konnte mich seither über eine Rendite von ca. 125 Prozent erfreuen. Das Unternehmen stellt für mich immer noch eine interessante Investitionsmöglichkeit dar. Tiefkühlprodukte werden langfristig immer eine wichtige Rolle im Großteil der privaten Haushalte spielen. Die Branche wird weiterhin davon profitieren, dass ihre Produkte lange haltbar sind, sich schnell zubereiten lassen und mittlerweile über eine hohe Qualität verfügen. Zudem profitiert die gesamte Nahrungsmittelindustrie von einer noch anhaltend steigenden Weltbevölkerung, wenn auch diese in Europa nicht mehr hohe Wachstumsraten vorweisen kann. Trotz des intensiven Wettbewerbs konnte Frosta weiterhin Marktanteile gewinnen und wachsen. Und das nicht unbedingt unprofitabel. Die Frosta AG kann eine konstante finanzielle Stabilität vorweisen. Die Kennzahlen zu Ertrag und Rentabilität schneiden für die Branche insgesamt gut ab. Doch sehe ich hier langfristig noch Potential nach oben. Die Equity-Mulitplikatoren deuten trotz der starken Kursgewinne nicht unbedingt auf eine Überbewertung hin. Besonders die in meinen Augen wichtigen Vergleichsgrößen KUV und KCV fallen niedrig aus.
    Einen weiteren Qualitätspunkt des Unternehmens sehe ich in den Produkten, die ich selbst sehr gerne kaufe und esse :)

  12. Stefan Mohr · 12. Mai 2016, 10:26 · #

    Fabian, danke für den Kommentar!

    Was ich bei Frosta kritisch sehe:

    - die Mehrheit der Umsätz kommt aus dem Handelsmarkengeschäft, dort ist der Wettbewerbsdruck extrem groß und man ist völlig abhängig von den Supermärkten
    - auch im Markengeschäft ist man nicht gerade ohne Konkurrenz, insbesondere Iglo
    - das Geschäft ist durchaus nicht wenig kapitalintensiv (Anlagen, Vorräte, Forderungen)

    Wird es Frosta in diesem Umfeld schaffen, dauerhaft hohe Kapitalrenditen zu erzielen? Ich weiß es nicht genau, aber bin da zumindest recht skeptisch. Und die aktuelle Bewertung ist eben auch nicht gerade pessimistisch, da muss man schon von weiterhin guten Wachstumsraten, dauerhaft hohen Margen usw. ausgehen.

    Ein regelmäßiger Konsument der Frosta-Produkte bin ich aber übrigens auch ;)

  13. — valuetradeblog · 5. September 2017, 11:44 · #

    Eigentlich schon krass dass du damals bei 16€ froh warst dass du nicht bei 18€ eingestiegen bist. Heute steht die Aktie bei 77€ und das relativiert den Verlust von damals total.

    Aber keiner von uns hat eine Glaskugel. Aber so einenen Blogeintrag zu haben und seine Gedanken von damals nochmal zu Prüfen ist schon Gold wert.

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