Jumbo S.A. - made of joy, fun and carelessness

21. April 2012 -  ,  -  Stefan Mohr

Aktie von Jumbo S.A.

In 1986, a new toy store is born in Athens! It’s called Jumbo and it’s made of joy, fun & carelessness!

So beginnt das Unternehmensprofil auf der Homepage von Jumbo, einem sehr interessanten griechischen Unternehmen.

Kurz vorgestellt hatte ich Jumbo ja bereits in meinem Artikel über griechische Aktien. Jetzt habe ich die Geschäftsberichte gelesen, und finde das Unternehmen noch interessanter, als nach dem ersten kurzen Eindruck. Die Jumbo S.A. ist ein großer griechischer Einzelhändler für Spielwaren, Babyprodukte, Schreibwaren, sowie Saison- und Dekoartikel. Hört sich nach kleinen Ramschläden an, aber weit gefehlt: Die Läden haben teilweise eine Verkaufsfläche von deutlich über 10.000 m².

Insgesamt (Stand Oktober 2011) werden 54 Filialen betrieben, 45 in Griechenland, 3 auf Zypern und 6 in Bulgarien.

Aber schauen wir erstmal auf ein paar erste Kennzahlen der Aktie:

KGV 2011: 5,1
KBV: 0,91
Eigenkapitalrendite: ca. 20%
Netto-Finanzverschuldung: keine
Eigenkapitalquote: 66%

Das sieht verdammt interessant aus. Insbesondere wenn man bedenkt, dass der Gewinn im Geschäftsjahr 2011 nicht außergewöhnlich hoch war. Wir haben also ein sehr profitables und solide finanziertes Unternehmen, welches wir knapp unter Buchwert und zum fünffachen Gewinn kaufen können. Das ist extrem billig, keine Frage. Also zuschlagen? Wenn das aktuelle Profitabilitätsniveau beibehalten werden kann, dann in jedem Fall. Die Frage ist: kann es das? Das ist, wie so oft, die alles entscheidende Frage.

Überblick über die Finanzdaten

Schauen wir mal auf die Finanzdaten der letzten Jahre. Umsätze und Jahresüberschuss konnten stetig gesteigert werden. Jahr für Jahr eröffnet Jumbo neue Filialen.

Jumbo S.A.: Entwicklung von Umsatz, EBIT und Jahresüberschuss

Auch sehr profitabel ist Jumbo. Die EBIT-Marge liegt recht stabil zwischen etwa 25 und 30%. Die Eigenkapitalrendite ist in den letzten Jahren zwar gesunken, das liegt aber zum großen Teil daran, dass die Verschuldung abgebaut wurde. Rund 20% sind aber immer noch keineswegs verachtenswert, und wenig verschuldete Unternehmen sind mir generell lieber, da die Risiken geringer sind.

Jumbo S.A.: Entwicklung von EBIT-Marge und Eigenkapitalrendite

Ein Blick in meine Glaskugel

In der Vergangenheit hat sich Jumbo also sehr gut entwickelt. Schauen wir mal, was meine Glaskugel über die zukünftige Entwicklung sagt. Jumbo eröffnet weiterhin neue Filialen und wächst weiter. In Griechenland und auf Zypern sind die Wachstumschanchen begrenzt, da Jumbo dort bereits ein relativ dichtes Filialnetz besitzt, aber in Bulgarien sind noch gute Wachstumschancen vorhanden. Auch in Rumänien ist der Markteintritt bereits geplant. Natürlich ist Wachstum nicht immer profitabel, aber Jumbo benötigt relativ wenig Kapital, um sein Filialnetz zu erweitern. Einbehaltene Gewinne können zu sehr guten Renditen reinvestiert werden, das Wachstum ist hier also positiv zu sehen.

Soweit, so gut. Alles perfekt also? Was ist, wenn Konkurrenten von den hohen Renditen angelockt werden? Ich denke, die Einstiegsbarrieren sind hier relativ hoch, denn Jumbo ist groß und kann günstige Preise anbieten. Auch wird man mit ein paar kleinen Läden nicht mal schnell mit Jumbo konkurrieren können, man benötigt schon ähnlich riesige Verkaufsflächen.

btw.: könnte das das Problem von Bijou Brigitte sein? Die Hürden, mal schnell ein bisschen Modeschmuck zu verticken, sind extrem gering. Selbst auf wenigen Quadratmetern Verkaufsfläche kann man eine ausreichend große Auswahl realisieren.

Ich denke, auch der Markenname Jumbo spielt eine gewisse Rolle. So genau beurteilen kann ich das nicht, aber nach allem was ich gelesen habe, scheint die Marke Jumbo in Griechenland recht bekannt und beliebt zu sein. War mal jemand in Griechenland und kann etwas über Jumbo berichten? Ich würde mich über einen Kommentar sehr freuen!

Risiken und Nebenwirkungen der Griechenlandkrise

Nun ist da natürlich auch noch das Risiko Griechenland, wo es ja wirtschaftlich derzeit etwas suboptimal läuft. Angekommen ist davon bei Jumbo bisher nicht viel. Zwar stagnieren Umsätze und Gewinne weitestgehend (sprich die flächenbezogenen Umsätze sind etwas zurückgegangen, da ja neue Filialen eröffnet wurden), aber wirklich dramatisch sieht das nicht aus. Die niedrige Bewertung rechtfertigt das in meinen Augen keinesfalls. Ich denke, der Vorteil von Jumbo ist, dass größtenteils niedrigpreisige Produkte zu sehr konkurrenzfähigen Preisen angeboten werden. Luxusartikelanbieter dürften in Krisenzeiten bei weitem stärker leiden als Jumbo.

Wenn alles so weitergeht, sehe ich für Jumbo langfristig keine Probleme. Was aber passiert, wenn Griechenland aus der Eurozone austritt bzw. ausgetreten wird? Gehen wir mal davon aus, dass die Drachme wieder eingeführt wird. Ich bin kein Währungsexperte, aber alle gehen davon aus, dass der Wechselkurs der Drachme dann ins Bodenlose fällt. Mag sein, dass sie recht haben, für unwahrscheinlich halte ich das nicht. (Auch wenn man “bodenlos” relativ sehen sollte, eine Abwertung von 40 oder 50% in kurzer Zeit ist für eine Währung schon ziemlich extrem).

Also gehen wir mal davon aus, dass der Wert der Drachme gegenüber anderen Währungen fällt. Mehr als 80% der angebotenen Produkte stammen aus Asien und dürften in Dollar bezahlt werden. Wertet die Drachme ab, müsse die Preise der angebotenen Produkte in Griechenland also erhöht werden, um die gleichen Gewinne zu erwirtschaften. Werden die Kunden diese Preise zahlen? Teilweise sicherlich, denn eine Alternative gibt es nicht. Konkurrenten von Jumbo werden vor exakt dem gleich Problem stehen. Aber steigen werden die Umsätze (in Euro gemessen) damit sicherlich nicht. Abgemildert werden könnte das Problem natürlich, indem mehr lokal produzierte Produkte verkauft werden. Aber in allen Bereichen wird das kaum möglich sein.

Jumbo – kaufen oder nicht?

Leider kann ich meiner Glaskugel keine Aussage entlocken, ob Griechenland die Eurozone verlassen wird. Und wenn das passiert, kann ich die Auswirkungen nicht wirklich abschätzen, das einzige was ich sagen kann ist, dass die Auswirkungen eher negativ als positiv sein werden.

Was ich aber sagen kann, ist:

  • Jumbo ist ein sehr gutes Unternehmen mit einem Wettbewerbsvorteil
  • Damit meine gewünschte Mindestverzinsung von 10% noch erreicht wird, dürfte sich der Gewinn von Jumbo langfristig etwa halbieren
  • Jumbo ist Marktführer in Griechenland und ist solide finanziert. Ich denke die Überlebenschancen sind recht gut

Ich kann nicht ausschließen, dass man Verluste macht, wenn man Jumbo zum aktuellen Kurs kauft. Aber ich denke, die Gewinnchancen sind deutlich höher und ich werde mir entsprechend einige Aktien kaufen. Wie sehr ihr das? Wie groß sind die Chancen und die Risiken? Würdet ihr kaufen oder kommt ihr zu einer anderen Einschätzung? Ich freue mich über einen Kommentar!

Gehandelt wird die Aktie übrigens außer an der Börse Athen auch an der Börse London. Dort kommt aber nur alle paar Wochen mal ein Handel zustande. Ein Kauf über die Börse Athen ist also wohl empfehlenswerter. Hat jemand eine Empfehlung, mit welchem Broker man dort handeln könnte? Beste Möglichkeit scheint mir derzeit die Comdirect zu sein, selbst dort kann man an der Börse Athen aber nur telefonisch ordern (wobei das für mich ok ist, ich brauche keine sekundenschnellen Orderabwicklungen).

zum weiterlesen

Wer mehr Infos zu Jumbo sucht, für den habe ich hier nochmal eine kleine Zusammenstellung von Infos, die ich gefunden habe. Viel findet man ja nicht…

Einen schönen Kurzüberblick bietet die Annual Presentation 2011

Ansonsten ist natürlich die Homepage von Jumbo erste Anlaufstelle.

Dort findet man auch den Jumbo Geschäftsbericht 2010/11

Hier gibt es einen recht interessanten Artikel über Jumbo auf grreporter.info

Im Artikel Five surprising stock picks from Europe wird Jumbo kurz vorgestellt.

Auf economist.com gibt es einen interessanten Artikel über die Griechenlandkrise. Der Gründer von Jumbo, Apostolos Vakakis, kommt hier kurz zu Wort. (Einfach im Artikel nach Jumbo suchen, um die Stelle zu finden, aber auch der Rest ist interessant).

Und last but not least eine kurze Analyse zu Jumbo auf einem Blog.

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Kommentare [11]

  1. — Jörg · 21. April 2012, 21:03 · #

    “Damit meine gewünschte Mindestverzinsung von 10% noch erreicht wird, dürfte sich der Gewinn von Jumbo langfristig etwa halbieren”

    Berücksichtigst du bei deiner Bewertung auch die Capex Kosten? Wenn ich den GB richtig verstehe, hat Jumbo 2011 Capex Kosten von ~56 Mio bei ~15 Mio Abschreibungen, wenn man diese Differenz von den ~95 Mio Gewinn abzieht, hat er sich schon fast halbiert.

    Die geforderte 10% Verzinsung wäre aktuell natürlich noch gegeben, aber die MoS dann nicht mehr so groß.

  2. Stefan Mohr · 21. April 2012, 21:24 · #

    Aber der Capex ist ja nicht verloren, sondern wird reinvestiert und führt später (hoffentlich) zu höheren Gewinnen.

    In sofern stimmt natürlich das “langfristig halbieren” nicht ganz. Präziser wäre: der Gewinn dürfte sich jetzt halbieren und müsste dann langsam wieder steigen, so dass auf den einbehaltenen Teil der Gewinne ebenfalls wieder eine Verzinsung von wenigstens 10% erzielt wird.
    Wer es genauer wissen will, müsste mal eine DCF-Rechnung durchführen, aber was wesentlich anderes wird dabei wohl nicht herauskommen.

  3. — David · 23. April 2012, 15:03 · #

    Hi Stefan,

    naja davon auszugehen, dass die Capex auch zu zusätzlichem Etrag führen, finde ich etwas optimistisch. Die Capex beinhalten ja auch vorallem die Erhaltungsinvestitionen und sind deshalb oft in der Nähe der Abschreibungen. Sie dienen in erster Linie auch um das aktuelle Gewinnniveau aufrecht zu erhalten.

    Und wegen der Abwertung der “Drachme”, wenn es so kommt und die Währung dann um 50% oder mehr abwertet, sollte dir aber auch klar sein, dass in dem Momement dein ganzens Unternehmen in Euro gerechnet 50% weniger wert ist. Für den griechischen Investor kein Problem, der kann ja auch zukünftig seine Miete und seine Brötchen in Drachme bezahlen. Aber du rechnest ja am Ende des Tages in Euro ab.

    Oder wolltest du auswandern :-p

  4. Stefan Mohr · 23. April 2012, 15:18 · #

    Hi David,
    mit dem Capex stimmt natürlich. Nur der Anteil des Capex, der die Abschreibungen übersteigt, führt später zu höheren Gewinnen, wenn er sinnvoll investiert wurde. (wenn man mal annimmt dass die Abschreibungen ein realistisches Maß für die notwendigen Erhaltungsinvestitionen darstellen).

  5. Robert Michel · 23. April 2012, 18:53 · #

    @David: Es ist gerechtfertigt, für grichische Aktien eine höhere Margin of Safety zu verlangen. Aber in vielen Fällen ist die auch gegeben.

  6. — David · 25. April 2012, 08:57 · #

    Na dann viel Spaß mit griechischen Aktien :-) Ich drück euch die Daumen. Ich persönlich kann nicht abschätzen, wie viel größer die MoS sein sollte. Dazu sind mir die Folgen einfach sehr von politischen Entscheidungen abhängig und damit unvorhersehbar. Ich bleib bei:

    Know what you don’t know.

    und:

    Stay away from trouble.

    Solange es noch genügend solide Unternehmen mit 30% bis 40% Abschlag auf dem heimischen Kurszettel gibt, verwende Ich meine Kapazitäten lieber dafür :-)

  7. Stefan Mohr · 25. April 2012, 09:20 · #

    @David:
    Meine Überlegung ist: gute Unternehmen werden auch ungünstige Bedingungen überstehen können. Und wenn ich die sehr günstig kaufen kann, warum nicht?
    Und wer weiß, was uns in anderen Ländern noch für negative Entwicklungen in den nächsten 10 Jahren bevorstehen? Äußerst schwierig das abzuschätzen… Alles wird man niemals wissen.

    Aber mag sein, dass du recht hast, mal sehen was die nächsten Jahre bringen! Leider wird es aber schwierig werden, selbst im Nachhinein rauszukriegen, wer recht hatte. Selbst wenn sich griechische Unternehmen gut entwickeln, hatte ich dann recht oder habe ich einfach nur verdammtes Glück gehabt?

    Wer griechische Aktien kauft sollte sich auf alle Fälle der Risiken bewusst sein. Ich schätze die Risiken aufgrund der hohen Margin of Safety bei einigen ausgewählten Aktien als nicht so hoch ein. Aber ich kann mich auch irren.

  8. Ulrich · 13. Mai 2012, 01:45 · #

    Die Aktie sieht gut aus. Wenn sie nicht in Griechenland wäre. In Griechenland-Aktien würd ich nur gehen, wenn sie international aufgestellt sind. Dies ist aber eine Wetter, ob Griechenland im Euro bleibt oder nicht.

  9. — Thomas · 20. September 2012, 16:09 · #

    Es gab eine Kapitalrückzahlung, die für schätzungweise 98% der Weltbevölkerung (falls sie Jumboaktien besitzen) steuerfrei sein dürfte. Nicht aber für deutsche Privataktionäre, diese werden wieder einmal per Abgeltungssteuer teilenteignet, mit der vagen Hoffnung, sich per Steuererklärung, den Betrag von einem einsichtigen Finanzamt in ein paar Jahren zurückzuholen, oder sich den Betrag noch später per Gericht zu erstreiten, was auch nicht sicher ist, falls einem das ganze den Aufwand und die damit verbundenen Kosten wert ist.

  10. — sebastian · 21. November 2012, 19:34 · #

    Das sieht zu gut aus um wahr zu sein – meistens ist es das dann auch. Also wo ist der Haken? Die Aktie notiert zu distress Preisen aber ist durchwegs profitabel. So etwas dürfte es nach der EMH nicht geben. Es muss etwas geben, was wir nicht sehen, und ich glaube nicht dass es allein die allgemeine Griechenlandkrise ist. Vielleicht werden die Zahlen zum Weihnachtsgeschäft mehr verraten. Bei 25% Arbeitslosigkeit und einer quasi-Depression sollten diskretionäre Artikel wie Spielzeug eigentlich stark leiden.

  11. — Martin · 21. November 2012, 20:12 · #

    @Sebastion: In Summe wird das auch zutreffen, oder ich wäre sehr überrascht.
    Jumbo ist jedoch eher ein Discounter der China“schrott” verkauft. Wenn man dann die Wahl zwischen second hand oder Jumbo hat, scheinen sich manche Kunden wohl für Jumbo zu entscheiden. Mich würden mal Zahlen interessieren wie Umsatz/Kunde und Neukunden.

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