China-Aktien: Goldrooster AG

7. Januar 2013 -   -  Stefan Mohr

Meine Serie zu China-Aktien hatte ich ja schon vor einiger Zeit gestartet und etwas im Sande verlaufen lassen, aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben und so habe ich die viele freie Zeit während der Feiertage genutzt, um mir einige weitere Kandidaten anzusehen.

Aufgefallen ist mir die Goldrooster AG (Website: Goldrooster.de bzw. Goldrooster.cn). Meine erste Assoziation, “bestimmt eine Kaffeerösterei” hat sich nicht bewahrheitet, Goldrooster produziert und vertreibt Sportbekleidung und -schuhe in China.

An die Börse gegangen ist Goldrooster erst im Mai 2012. Dabei wurden 720.206 Aktien im Rahmen einer Kapitalerhöhung für je 4 € platziert. Ursprünglich sollten bis zu 5,75 Mio. Aktien platziert werden, davon 5 Mio. aus der Kapitalerhöhung, aber das Interesse war recht verhalten.

Seit dem Börsengang ist der Aktienkurs regelrecht eingebrochen, derzeit steht der Kurs bei rund 1,70 €, die Marktkapitalisierung demzufolge bei rund 35 Mio. €.

Bewertungskennzahlen

Wie sieht es mit der Bewertung aus? Fast zu gut um wahr zu sein.

Marktkapitalisierung / Net Asset Value: 0,75
KBV: 0,72
KGV 2011: 2

Schauen wir mal auf den Net Asset Value: zum Halbjahr 2012 sind 69 Mio. € kurzfristige Vermögenswerte vorhanden, davon 41 Mio. € Cash. Dem stehen insgesamt 25 Mio. € Verbindlichkeiten gegenüber, als Net Current Asset Value bleiben also 44 Mio. € übrig. Das ist eindeutig günstig, spricht es doch dafür, dass bei einer erfolgenden Liquidation die Aktionäre zumindest ihren Einsatz, eher sogar etwas mehr erhalten würden.

Das Problem ist nur: das mit der Liquidation wird wohl nicht stattfinden, Goldrooster möchte expandieren. Auch die Cashreserven sollen wohl weitestgehend für die weitere Expansion genutzt werden. Die zukünftige Ertragskraft von Goldrooster ist also das alles Entscheidende.

Ertragslage und Zukunftseinschätzung

Die Historie von Goldrooster ist leider nicht allzu lang. Die Goldrooster-Gruppe wurde 2005 gegründet. Im Wertpapierprospekt findet man Zahlen ab 2009.

(in Mio. €) 9M 2012 2011 2010 2009
Umsatz 109 104 80 59
Gewinn 16,8 17,0 13,2 9,2

Natürlich sollte man bei solchen jungen Unternehmen sehr vorsichtig damit sein, ein paar gute Jahre in die Zukunft fortzuschreiben, aber selbst wenn es in Zukunft deutlich weniger gut laufen sollte, ist der Aktienkurs im Vergleich dazu immer noch extrem gering.
Bietet also ein KGV von zwei eine ausreichend hohe Sicherheitsmarge, damit auch bei zukünftig kleineren Gewinnen der Kaufpreis nicht zu hoch war? Eine Einschätzung fällt mir hier extrem schwer. Welche Sportartikelmarken werden in China bevorzugt? Was zeichnet Goldrooster gegenüber anderen Sportartikelmarken aus? Welche Hersteller werden sich langfristig in China durchsetzen und welche chinesischen Marken werden ggf. sogar international in Zukunft eine Rolle spielen? Ich weiß auf diese Fragen keine Antwort und ich weiß auch nicht so recht, woher ich diese Informationen mit vertretbarem Aufwand bekommen soll.

Allein aufgrund einer Bewertung der Ertragskraft ist Goldrooster daher für mich kein allzu verlockendes Investment. Etwas anderes wäre es, wenn die Aktie zusätzlich weit unter Net Cash gehandelt werden würde und absehbar wäre, dass dieser an die Aktionäre zurückgegeben wird, beispielsweise in Form von Aktienrückkäufen. Das sehe ich bei Goldrooster allerdings nicht. In so fern gefallen mir Unternehmen wie Vtion Wireless deutlich besser.

Fazit also: optisch extrem billig, aber ich kann die Lage nicht wirklich einschätzen.

Im Auge behalten werde ich Goldrooster aber trotzdem, die Aktie gehört für mich definitiv zu den interessanteren in Deutschland notierten Chinaaktien.

sonstige Fakten

Das Lesen des Emissionsprospektes war nicht uninteressant. Hier mal einige wichtige Fakten, die ich mir merken will. Vielleicht hilft das auch dem ein oder anderen für weitere Recherchen weiter.

Vorstand: Wenwen Li (Vorsitz), Tiong Yuen Ashley Soh
Produktionsstätten: Jinjiang, in der Provinz Fujian,
VR China, drei Fertigungslinien für Schuhartikel, Bekleidung und Accessoires werden von Fremdfirmen gefertigt
Umsatzanteile: Bekleidung ca. 2/3, Rest Schuhe und Accessoires
Mehrheitsaktionär: Zhuo Wei Investments Limited (gehalten von Ms. Shu Hsia Li?)
weitere Altaktionäre: Season Market Limited, Xanti Investments Limited, Fortune United Investment Limited
Lock-Up-Frist: 12 Monate
Tochtergesellschaft: Gold Rooster (Hong Kong) Holding Limited, hält 100% der Anteile der operativ tätigen Tochtergesellschaft Jinjiang Goldrooster Sports Goods Co., Ltd.
Konkurrenten (lt. Emissionsprospekt):
Goldrooster Group competes with domestic and international brands,
including “Kappa”, “Puma”, “Le Coq Sportif” and “Xtep”.

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Kommentare [6]

  1. Al Sting · 7. Januar 2013, 13:37 · #

    Habe dein Blog vor kurzem entdeckt und stöbere seitdem mit viel Begeisterung darin – sehr interessante Gedanken und Analysen, gute Anregungen!
    Bei dieser Kurzvorstellung hatte ich aber gleich beim ersten Blick ein großes Warnschild vor Augen: Nach eigenen bitteren Erfahrungen in den letzten Jahren lasse ich die Hände von relativ kleinen chinesischen bzw. asiatischen Aktien. Die Entfernung (Strecke, Schrift und Sprache sowie Kultur) ist einfach so weit, dass viele Informationen hier (bzw. via Englisch im Internet) erst mit großer Verpätung ankommen. Wenn etwas schief läuft oder krumme Aktionen laufen, erfährt man es hier viel zu oft erst zu spät und die Kurse sind schon abgestürzt. – Welche Gründe gibt es für eine Notierung in Deutschland und nicht in China? “Stupid German Money”? – Welche Gründe hat die optisch günstige Börsennotierung? – Wie ist das Risiko staatlicher Einflussnahme in den Geschäftsbetrieb in China einzuschätzen? – Wie sind die Randbedingungen vor Ort (Z.B. Branchenwettbewerb/Lohnentwicklung)? – Wie vertrauenswürdig sind die Biographien der Geschäftsführer?

    Ich bin mittlerweile skeptisch, ob auf diese Entfernung ohne Insiderwissen wirklich solides “value investing” bei kleinen Werten möglich ist, ob das es nicht zu sehr zu Casino-Zocken umschlägt. Persönlich ziehe ich bei Asieninteresse mittlerweile deutsche und generell europäische Firmen mit starkem Asiengeschäft vor – da ist einem die Sprache und die Firmenkultur vertrauter, das Unternehmen lässt sich besser verstehen und in Stärken und Schwächen einschätzen.

    Ansonsten: Wünsche viel Erfolg!
    Al Sting

  2. — chaka · 8. Januar 2013, 18:52 · #

    Hallo Stefan,

    mir würde die Historie der Aktie nicht ausreichen für eine Bewertung.
    Auch könnte es zu Rechtsstreitigkeiten wegen dem Logo kommen.

  3. — Andi · 15. Februar 2013, 18:30 · #

    Dem Beitrag von Al Sting möchte ich mich anschliessen. Investieren in China in kleinere Werte kann sehr überraschende Ergebnisse mit sich bringen. Ich habe z.T. gute, aber auch schlechte Erfahrungen damit gemacht. Fundamentalanalyse bringt hier wenig, weil nicht klar ist, ob die Abschlüsse stimmen oder nicht. Unterschriften / Beglaubigungen amtlicher Stellen können gekauft werden. Revisionsgesellschaften haben keine echten Inspektionsrechte. Abschlüsse werden aufgebläht, um vom Staat abgezweigtes Geld zu waschen. Oder um Unternehmen zu suggerieren, die so gar nicht existieren und dann als Insider zu verkaufen und so zu kassieren. Wir Europäer können uns vermutlich nur schwer vorstellen, wie sehr in China die Korruption regiert.

    Mittlerweile wurden viele dieser Aktien dekotiert und werden bei den Pink Sheets für wenige Cents gehandelt.

    Fazit: Zuverlässige Fundamentalanalyse braucht zuverlässige Geschäftsberichte! Wer in China investieren will, muss dort leben und die Unternehmen inspizieren.

    Ansonsten finde ich den Blog sehr interessant und fachlich absolut seriös. Zu gut für vermeintlich billige China Schnäppchen.

    Weiter so!
    Andi

  4. — Michael · 25. Juli 2014, 09:46 · #

    China Aktien sind problematisch aufgrund der verschiedenen Risiken. Trotzdem würde ich diese Titel nicht abschreiben. Die meisten Bewertungen sind ein Witz und absolut tief!

    Auch falls man die Werte mit der günstigsten Börse der Welt vergleicht, zurzeit ist das Russland mit einem Kurs – Gewinn Verhältnis von ca. 5 und Kurs – Buchwert von ca. 0.7 (gemäss MSCI Index), ist die Bewertung tief. Russland ist mit Bestimmtheit auch nicht sicherer.

    Bisher gab es zudem relativ wenige klare Betrugsfälle bei China Aktien in Deutschland – Kinghero war eigentlich der einzige. Youbisheng könnte der nächste sein. Das dürfte daran liegen, dass viele Firmen nur relativ wenig Geld in Deutschland einsammeln konnten und sich Veruntreuungen nicht lohnen dürften.

    Was ich beruhigend finde ist die Aktionärsstruktur der Firmen. In der Regel hält das Management über 60% der Aktien. Das würde ich positiv bewerten, da bei Veruntreuungen, Bilanzmanipulationen etc. ja auch das Management direkt finanziell betroffen wäre (und zusätzlicher Rufverlust, juristische Verfolgung etc.). Das grössere Risiko sehe ich zurzeit eher betreffend Missmanagement.

    Das Interesse an diesen Titeln ist zurzeit am Boden, es kann eigentlich fast nur noch besser werden….

  5. daniel koinegg · 25. Juli 2014, 17:56 · #

    Wenn ich über eine (relativ niedrig bewertete) Beteiligung von 60% am Grundkapital 100% des im Unternehmen gebundenen Cashbestandes veruntreuen kann, nehme ich die Entwertung der Aktien nach Auffliegen in Kauf. In der Konstellation erleichtert die Mehrheitsbeteiligung des Managements ja die Manipulation.

  6. — Michael · 25. Juli 2014, 21:05 · #

    Das Management könnte aber auch einfacher an die Flüssigen Mittel kommen – es kann einfach eine hohe Sonderdividende ausschütten oder die Firma liquidieren.

    Natürlich bekommen sie dann nur 60% (oder den entsprechenden Anteil) vom ganzen und nicht 100%.
    Weiter wäre es denkbar, die sehr günstig gewordenen restlichen 40% langsam aufzukaufen (Going Private) oder ein Übernahmeangebot zu machen.

    Dafür besteht aber die Firma weiterhin und der Ruf ist nicht ruiniert. Existiert die Firma nur auf dem Papier, bin ich aber mit Dir einig.

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