Rosenbauer Geschäftsbericht 2011

20. Mai 2012 -   -  Stefan Mohr

Logo Rosenbauer International AG

Seit einer Weile liegt nun schon der Geschäftsbericht 2011 des Feuerwehrherstellers Rosenbauer International aus Österreich auf meinem Schreibtisch. Jetzt bin ich endlich mal dazugekommen diesen zu lesen.

In diesem Artikel erfahrt ihr die wichtigsten Entwicklungen für Rosenbauer im Jahr 2011, wie es weitergehen könnte, und wie die aktuelle Börsenbewertung einzuschätzen ist.

Umsatz- und Ertragslage

Die Umsätze sind 2011 auf 542 m€ zurückgegangen (Vorjahr 596 m€). Das war zu erwarten gewesen, da der Auftragseingang 2010 relativ gering war. Auch der Jahresüberschuss ging zurück, auf 32,1 m€ von 40 m€ im Vorjahr (Anteil der Aktionäre des Mutterkonzerns: 27,6 m€, 31,7 m€ im Vorjahr). Bedenken muss man allerdings, dass das Vorjahresergebnis durch eine Auflösung von Rückstellungen in Höhe von 3,5 m€ positiv beeinflusst war.

Schwierig war die Lage vor allem in Nordamerika und Europa. In beiden Regionen liegt das Absatzvolumen seit der Finanzkrise deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt. Andere Regionen zeigten sich dagegen dynamisch. Insbesondere im Nahen Osten ist schon seit mehreren Jahren ein starkes Wachstum im Feuerwehrmarkt zu verzeichnen.

Vermögenslage

Das Vermögen des Rosenbauer-Konzerns besteht zum Jahresende 2011 im Wesentlichen aus Sachanlagen (63 m€), Vorräten und Fertigungsaufträgen (197 m€) und Forderungen aus Lieferungen und Leistungen (68 m€). Außerdem ist ein Finanzmittelbestand von 11 m€ vorhanden.

Finanziert ist das Vermögen zu rund 41% durch Eigenkapital (145 m€ inkl. 20 m€ Minderheitenanteilen). Die Minderheitenanteile kommen vor allem durch Rosenbauer America zustande, an der der Rosenbauer-Konzern nur einen Anteil von 50% besitzt. Außerdem bestehen rund 72 m€ Finanzverbindlichkeiten. Der Rest ist im Wesentlichen durch unverzinsliche Verbindlichkeiten (z.B. Lieferverbindlichkeiten und erhaltene Anzahlungen) finanziert.

Rosenbauer - der neue AT
Der neue AT (Foto: Rosenbauer)
Rosenbauer - das neue Commander Chassis
Das neue Commander Chassis (Foto: Rosenbauer)

Forschung- und Entwicklung

Im Jahr 2011 wurden insgesamt 12,1 m€ für Forschung und Entwicklung ausgegeben und damit mehr als in den Vorjahren.

Neueste Entwicklungen von Rosenbauer sind die Weiterentwicklung des Kommunalfahrzeuges AT (Advanced Technology), welches vor allem für den europäischen Markt produziert wird. Die ersten Auslieferungen dieses Fahrzeuges erfolgten im Mai 2011.

Für den US-amerikanischen Markt hat Rosenbauer ein neues Custom Chassis entwicklelt. In den USA werden rund 55% der Feuerwehrfahrzeuge auf Custom Chassis aufgebaut, der Rest, wie auch in Europa üblich, auf Fahrgestellen großer LKW-Hersteller. Custom Chassis bieten jedoch für die im Nordamerikanischen Raum üblichen größeren Fahrzeuge einige Vorteile.

Wechsel des Vorstandes

Nachdem Julian Wagner über 30 Jahre den Rosenbauer Konzern geführt hat, ist nun seit 1. Oktober 2011 Dieter Siegel neuer Vorstandsvorsitzender der Rosenbauer International AG. Sowohl neuer als auch scheidender CEO sind übrigens Nachfahren des Unternehmensgründers Johann Rosenbauer.

Ein interessantes Interview mit Herrn Wagner findet man im aktuellen Rosenbauer-Magazin, welches auf der Homepage von Rosenbauer bestellt werden kann.

Ausblick

Im Jahr 2011 konnte der höchste Auftragseingang in der Geschichte von Rosenbauer verzeichnet werden. Dieser lag bei 827 m€, verglichen mit 497 m€ im Vorjahr.

Ein nicht geringer Teil der Auftragseingänge 2011 entfällt mit 245 m€ auf einen Auftrag des saudi-arabischen Innenministeriums. An dieses werden bis Mitte 2014 insgesamt 1125 Fahrzeuge, Boote und Ausrüstung geliefert.

Weitere Großaufträge beinhalten die Lieferung von 80 Flughafenlöschfahrzeugen vom Typ PANTHER nach Brasilien und 18 Spezialfahrzeuge für den Großflughafen New Doha International Airport in Katar.

Für 2012 wird ein Umsatz von deutlich über 600 m€ und eine EBIT-Marge oberhalb von 7% erwartet. Damit dürften EBIT und Periodenergebnis oberhalb der Ergebnisse von 2011 liegen.

Insgesamt ist durch den sehr hohen Auftragsbestand bereits eine Grundauslastung für einige Jahre gesichert. Die Produktionskapazitäten werden derzeit erweitert.

aktuelles Kursniveau

Was lässt sich zum aktuellen Kursniveau der Rosenbauer-Aktie sagen? Der Kurs der Rosenbauer-Aktie ist seit Ende 2011 stark gestiegen. Derzeit beträgt der Kurs etwa 42€, die Marktkapitalisierung entsprechend rund 285 m€. Das entspricht etwa dem 10-fachen des Gewinnanteils der Aktionäre des Mutterkonzerns im Jahr 2011. Geht man von steigenden Gewinnen aus (wofür bei Eigenkapitalrenditen von rund 30% auch recht wenig investiert werden muss, das Wachstum ist also profitablel), sieht das Ganze noch günstiger aus.

Ich bin mir eigentlich recht sicher, dass Rosenbauer seine hohen Eigenkapitalrenditen weiterhin halten kann. Dafür spricht, dass diese hohen Renditen vor allem durch den effektiven Kapitaleinsatz zustande kommen und nicht durch übermäßig hohe Margen (EBIT-Margen liegen im hohen einstelligen Bereich).

Es dürfte für Wettbewerber nicht allzu einfach sein, Konkurrenzprodukte zu deutlich niedrigeren Preisen anzubieten. Insbesondere wenn man bedenkt, dass ein Konkurrent erst recht große Beträge in Forschung- und Entwicklung investieren muss und auch einiger Aufwand in die Zulassung der Produkte gesteckt werden muss, dürften im Feuerwehr-Markt nicht unerhebliche Eintrittsbarrieren bestehen.

Vor diesem Hintergrund sehe ich den Kurs der Rosenbauer-Aktie derzeit durchaus als günstig an, wenn auch nicht als absolutes Schnäppchen. Da ich die derzeit in meinem Musterdepot enthaltenen Aktien für noch attraktiver halte, werde ich Rosenbauer nicht kaufen. Aber grundsätzlich von einem Kauf abraten würde ich zum aktuellen Preis sicherlich nicht.

Bedenken sollte man allerdings eines: Die EBIT-Margen von Rosenbauer liegen derzeit auf einem recht hohen Niveau. Es gab auch Zeiten, da sah es etwas schlechter aus (Beispielsweise kurz nach der Jahrtausendwende, als die deutschen Konzerngesellschaften einige Probleme hatten). Solche schwierigen Zeiten werden mit Sicherheit wiederkommen. Ob in zwei oder in zwanzig Jahren weiß ich nicht. Möglicherweise fällt der Kurs dann unter den heutigen, vielleicht auch nicht. Mit so etwas muss man leben können. Nicht nur bei Rosenbauer, sondern bei jedem Unternehmen, in das man investiert.

Hier findet ihr übrigens eine Mehrjahresübersicht der Finanzdaten von Rosenbauer, die ich gestern erstellt habe: Rosenbauer Finanzdaten 2001-2011

Update:
Auch das Geschäftsjahr 2012 ist nun beendet. Hier ein Artikel zum Geschäftsjahr 2012 bei Rosenbauer.

Anzeige:
Value investing made easy





Kommentare [6]

  1. Ulrich · 21. Mai 2012, 03:45 · #

    Das Problem ist das Sparen der öffentlichen Hand. Dies wird wohl noch weiter anhalten. Gerade viele Kommunen sind sehr klamm. Der gute Kapitaleinsatz ist aber wirklich super.

    Danke.

  2. Stefan Mohr · 21. Mai 2012, 06:15 · #

    Hallo Ulrich,

    klar, das Sparen der öffentlichen Hand ist problematisch (was man ja am stockenden Geschäft in Europa und Nordamerika sieht). Aber auf der anderen Seiten müssen Feuerwehrfahrzeuge irgendwann ersetzt werden. Und die Geschichte zeigt, dass auf schlechte Zeiten immer bessere folgen (und umgedreht) ;)

  3. — David · 21. Mai 2012, 08:46 · #

    Hi Stefan,

    ein interessanten Artikel zum Thema Sparen der öffentlichen Haushalte findet man auch schon im Rosenbauermagazin 2010 (glaub ich). Da wurde es zwar auch als Problem dargestellt, jedoch sind viele Folgeinvestitionen in den “klammen” westlichen Länder gesetzliche festgelegt für die Städte, Flughäfen usw durch einzuhaltende Sicherheitsstandards. Und in den Entwicklungsländern/Wachstumsländern wie China, Indien usw. hat Rosenbauer wohl einen sehr großen Technologievorsprung gegenüber den lokalen Anbietern, die jetzt mal übertrieben gesagt, nen Eselkarren mit einer Wasserpumpe anbieten. Das hat ja lange Zeit auch gereicht. Aber zum Löschen von brennenenden Hochhäusern oder Riesenhotels bracht man dann schon etwas mehr Technik. Und wenn z.b. Singarpur usw. internationale Großflughäfen bauen, müssen sie auch internationale Sicherheitsvorschriften einhalten. Und diese Zertifizierungen der eigenen Produkte ist wohl ziemlich kostspielig und lohnt sich deshalb nur für die großen Anbieter.

  4. — David · 21. Mai 2012, 08:50 · #

    übrigens auch noch ein sehr guter und wichtiger Link ;-p

    http://www.tfw2005.com/resources/attach/4/0/5/9/7/CYBERVERSE-COMMANDER-SENTINEL-PRIME-both-modes-28771_1298326919.jpg

    Also wär ich Feuerwehrmann, würd ich mir den Panther schon deswegen kaufen :-)

  5. — Alex · 21. Mai 2012, 10:40 · #

    Wow, wird dieses Transformer-Model tatsächlich so von Rosenbauer gebaut?
    Nicht schlecht sowas zu entwickeln… und das nur mit 12 Mio Forschungsgeld… das ist wahrlich ein guter Kapitaleinsatz ;)

  6. Stefan Mohr · 21. Mai 2012, 11:04 · #

    Alex: ist glaub ich noch ein Vorserienmodell. Bei der Serienfertigung soll es wohl noch einige ungelöste Probleme geben ;)

(optional, wird nicht veröffentlich)
(optional)

 

Spam, Werbung etc. wird zeitnah gelöscht. Versuch es garnicht erst!