Friday Small Cap Check: DocCheck AG

10. August 2012 -  ,  -  Stefan Mohr

Friday Small Cap Check

Im heutigen Friday Small Cap Check geht es um die DocCheck AG, ein Unternehmen, welches im Healthcare-Markt aktiv ist.

Hier gehts zur Übersichtsseite des Friday Small Cap Check

Die DocCheck AG besteht aus folgenden Tochterunternehmen:

  • antwerpes ag
    Dienstleister für Kommunikation im Healthcare Markt. Campaigning, Digitale Kommunikation und Public Relations/Social Media
  • DocCheck Medical Services GmbH (DocCheck)
    Betreibt die (nach eigener Einschätzung) größte europäische Internetcommunity für Health Professionals (v.a. Ärzte und Apotheker) DocCheck.com, über 800.000 Nutzer. Nahezu jeder zweite Arzt in Deutschland ist Mitglied. Einnahmequellen: Werbung, Marktforschung, Direktmarketing, Paid Content.
  • DocCheck Medizinbedarf und Logistik GmbH (DocCheck Shop) (Mehrheitsbeteiligung von 57,5%)
    Handel mit Medizin- und Praxisbedarf. Sowohl über einen in DocCheck.com integrierten Onlineshop als auch über Katalog.

Rein gefühlsmäßig würde ich an dieser Stelle sagen: DocCheck Medical Services ist sehr interessant. Die Community scheint tatsächlich eine marktbeherrschende Stellung zu haben. Wobei diese Aussage natürlich zu prüfen wäre. Und insbesondere wäre auch zu prüfen, ob das nachhaltig so bleiben wird.
Der Bereich DocCheck Medizinbedarf ist ok. Aber vermutlich viel zu klein, um übermäßig profitabel und interessant zu sein.
Der Bereich Antwerpes behagt mir garnicht so richtig. Ganz einfach weil ich nicht wirklich verstehe, womit man dort sein Geld verdient und was in diesem Bereich über Erfolg und Misserfolg entscheiden könnte.

Ertragslage

Nun mal ein erster Blick auf die Finanzkennzahlen. Die sehen auf den ersten Blick gut aus. Eine relativ nachhaltige Umsatzsteigerung und immer seit 2000 ein ausgewiesener Gewinn. Ein Großteil der Gewinne wird übrigens als Dividende ausgeschüttet.

Interessant ist nun natürlich, welcher Teil der Umsätze und Gewinne auf welchen Geschäftsbereich entfällt. Daher an dieser Stelle mal eine kleine Übersicht (in tsd. €):

2011 2010
Umsatz EBIT Umsatz EBIT
Antwerpes 6.167 1.377 5.782 956
DocCheck 3.801 52 3.453 289
DocCheck Shop 7.597 164 6.199 -309

Wie man hier sieht, hat wohl der Unternehmensbereich, den ich am wenigsten verständlich und interessant finde, den größten Einfluss auf die Ertragslage. Sehr schade eigentlich…

Bilanz

Ganz interessant ist auch noch die Bilanz der DocCheck AG. Wir finden hier eine Menge Zahlungsmittel, Wertpapiere und als Finanzinvestition gehaltene Edelmetalle. Rechen wir das einfach mal zusammen. Bei den Edelmetallen nehme ich nicht den Bilanzwert, sondern den Marktwert zum 31.12.2011.

Zahlungsmittel: 7.259 tsd. €
Wertpapiere: 5.111 tsd. €
Edelmetalle: 3.923 tsd. €
——-
16.293 tsd. €

Das ist verglichen mit der Marktkapitalisierung von 21 Mio. € eine ganze Menge… Selbst wenn wir davon sämtliche Schulden von der DocCheck AG abziehen, bleiben rund 13,5 Mio. € übrig. Solange das operative Geschäft keine Verluste macht und diese vorhandenen Vermögenswerte nicht zum Fenster herausgeworfen werden, hat man also zumindest einen gewissen Schutz vor Wertverfall der Anteile.

Zu den Edelmetallen noch eine Bemerkung, die ich mir nicht verkneifen kann: diese bestehen weitestgehend aus Goldbarren. Ein sehr gutes Investment, da der Goldpreis mit Sicherheit die nächsten Jahre weiter steigen wird und man einen tollen Inflationsschutz hat. Am besten sollte man die restlichen Zahlungsmittel auch noch in Goldbarren stecken. Stattdessen wurde 2011 ein Teil der Goldbarren verkauft und somit ein Gewinn von 300 tsd. € realisiert. (Ich hoffe, jeder hat die Ironie bemerkt). Mal im ernst: ich finde es immer etwas unschön, wenn ein Unternehmen, welches nicht offiziell dem Zweck der Vermögensverwaltung dient, meint, das Geld der Aktionäre verwalten zu müssen. Ich würde eine Ausschüttung besser finden, die Aktionäre können dann selbst entscheiden, ob sie sich davon Gold, Staatsanleihen oder einen neuen Porsche kaufen.

das allerbeste an der DocCheck AG

Nun noch etwas, was ich an diesem Unternehmen wirklich klasse finde. Ich will nicht drumherum reden. Schaut euch einfach folgendes Dokument an.

Ja richtig, das ist der Geschäftsbericht 2010. Hat schonmal jemand so viel gelacht beim Lesen eines Geschäftsberichtes? Natürlich könnte man sich jetzt darüber streiten, ob es nicht besser gewesen wäre, statt diesem humorvollen Bericht mehr sinnvolle Informationen für die Aktionäre zu bieten. Aber so eine Diskussion wäre absolut humorlos.

Übrigens ist der Geschäftsbericht 2010 kein Einzelfall. Der Bericht steht fast jedes Jahr unter einem bestimmten Motto. Hier mal eine kleine Übersicht:

2010 Fußball – großartige Sammelbilder der ganzen DocCheck Mannschaft
2009 Altersheim – dem Vorstand wird nachlassendes Kurzzeitgedächtnis bescheinigt. Tagesplan beginnt mit kreativer Bastelarbeit.
2006 Schweiß unschöne Bilder
2005 Gaunerberichte Der Vorstand plant einen Bankraub
2004 Malen mit Zahlen nicht lustig, aber schönes Design
2003 ein Geschäftsbericht in drei Akten verpackt als Drama
2002 Baden passend zur Jahreszeit

Viel Spaß beim Lesen!

Fazit

Bis auf die lustigen Geschäftsberichte würde ich folgendes Fazit ziehen: Ich finde die DocCheck Community recht interessant. Da diese allerdings nur einen kleinen Teil zu den Gewinnen beisteuert, heißt es erstmal weiter beobachten.

Etwas anderes wäre es allerdings, wenn der Kurs der DocCheck AG einmal deutlich unter den Bestand an Cash und Investments fallen würde. Da die DocCheck AG bisher konstant Gewinne erwirtschaftet hat, würde ich dann durchaus über ein kleineres Investment nachdenken. Aber davon sind wir derzeit ein Stück entfernt.

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