Friday Small Cap Check: C. Bechstein Pianofortefabrik AG

17. August 2012 -  ,  -  Stefan Mohr

Friday Small Cap Check

Wenn ich mich richtig erinnere, hatte irgend jemand mal die C. Bechstein Pianofortefabrik AG für den Friday Small Cap Check vorgeschlagen. Wenn nicht, ist auch egal, heute schaue ich mir Bechstein trotzdem mal an.

Hier gehts zur Übersichtsseite des Friday Small Cap Check

Die C. Bechstein Pianofortefabrik stellt, wie dem Namen unschwer zu entnehmen sein dürfte, Klaviere und Konzertflügel her. Das klingt nach einem verständlichen Konzept, könnte also durchaus interessant sein.

Finanzzahlen

Ist Bechstein auch profitabel? Die Übersicht der Börse Frankfurt bietet diesmal leider nur Daten für drei Jahre. Auch auf der Website sind nur drei Geschäftsberichte verfügbar.

Aber das soll uns nicht davon abhalten, auch längerfristige Finanzdaten zu betrachten. Denn was habe ich klugerweise gemacht, als ich vor einigen Jahren schonmal einen kurzen Blick auf Bechstein geworfen habe? Mir alle verfügbaren Berichte gespeichert. Und so liegen die Berichte seit 2004 noch immer auf meiner Festplatte. (Wer Interesse hat, meldet sich einfach per Mail). Nun hat es sich also endlich mal gelohnt, sich ständig die Festplatte mit Geschäftsberichten zuzumüllen.

2011 2010 2009 2008 2007 2006 2005 2004 2003 2002 2001 2000
Umsatz 34,6 33,1 29,3 26,7 28,9 29,3 27,6 25,6 23,5 20,3 20,8 19,7
Jahresüberschuss 2,2 1,0 0,3 0,5 1,3 1,5 1,2 1,0 1,4 1,2 1,3 1,2

Das sieht mir auf den ersten Blick relativ stabil aus. Während der Finanzkrise hat Bechstein etwas gelitten. 2011 wurde ein Gewinn deutlich über dem langjährigen Durchschnitt erzielt.

Wie sieht es mit der Bilanz aus?

Die Aktiva von C. Bechstein sehen sehr übersichtlich aus. Sachanlagen, Vorräte und Forderungen aus Lieferungen und Leistungen machen jeweils rund 1/3 der Bilanzsumme von gut 35 Mio. € aus. Der Rest ist quasi nicht erwähnenswert, die Zahlungsmittel dürften mit 0,7 Mio. € nicht über das betriebsnotwendige Niveau hinausgehen.

Auch die Passiva sehen sehr einfach zu überblicken aus. 69% sind zum Geschäftsjahresende 2011 durch Eigenkapital finanziert, 22% durch Kredite. Interessant ist, dass sich Bechstein kaum durch zinsfreies Fremdkapital wie Lieferverbindlichkeiten finanzieren kann. Daher sollte die optisch sehr hohe Eigenkapitalquote wohl auch nicht überbewertet werden. Ziel ist es übrigens, diese auf 80% zu erhöhen, bis dahin werden keine Dividenden gezahlt.

Bis dahin sieht das alles sehr gut aus. Aber nun kommen wir leider zu dem Teil, der mir nicht so ganz gefällt. Dazu sehen wir uns mal die Entwicklung des Eigenkapitals und die Eigenkapitalrendite an.

2011 2010 2009 2008 2007 2006 2005 2004 2003 2002 2001 2000
Eigenkapital 25,3 23,1 22,2 18,5 18,6 17,9 17,0 13,4 11,2 10,3 9,6 8,3
Eigenkapitalrendite 8,7% 4,3% 1,4% 2,7% 7,0% 8,4% 7,1% 7,5% 12,5% 11,7% 13,5% 14,4%

Es fällt auf, dass Bechstein nicht gerade übermäßig profitabel arbeitet. Bei den Eigenkapitalrenditen muss man sich fast fragen, ob weitere Investitionen überhaupt sinnvoll sind. Bis 2003 sah das freilich anders aus. Die Eigenkapitalrenditen die Bechstein von 2000 bis 2004 erwirtschaftet hat, waren durchaus in Ordnung. Was war da anders? Eine geringere Eigenkapitalquote, also ein größerer Fremdkapitalhebel. Und eine etwas bessere Umsatzrentabilität.

Der größere Fremdkapitalhebel ließe sich natürlich leicht wiederherstellen. Was aber wohl nicht zielführend wäre. Wie es mit der Umsatzrentabilität aussieht, weiß ich nicht. Vielleicht ist ja 2011 eher als normal anzusehen, als 2008 bis 2010. Dann wäre man schon eher bei Werten, die auch in den ersten Jahrem des Jahrtausends erzielt wurden. Aber eines sollte klar sein: C. Bechstein war in der Vergangenheit eher unterdurchschnittlich profitabel. Aber immerhin profitabel. Da gab es im Rahmen des Friday Small Cap Check schon schlechtere Beispiele.

Bewertung

Die unterdurchschnittliche Profitabilität könnte vielleicht ein niedriger Aktienkurs wettmachen. Ist das der Fall? Ich denke, das KBV ist dafür erstmal die aussagekräftigste Kennzahl. Mit dem Wissen, dass Bechstein wohl eher unterdurchschnittlich profitabel ist, sollte die Aktie erst bei einem KBV deutlich unter 1 sehr interessant werden.

KBV: 0,77

Das sieht mir auf den ersten Blick nicht teuer aus. Aber in Anbetracht der Eigenkapitalrenditen auch nicht billig.

Das KGV, wenn man den Gewinn 2011 betrachtet, beträgt übrigens knapp 9. Wobei diese Zahl wohl kaum aussagekräftig ist, solange wir nicht wissen, in wie weit der Gewinn 2011 eine Aussagekraft für die Zukunft hat.

Fazit

C. Bechstein zählt für mich definitiv zu einer der interessantesten Aktien in Deutschland. Vermutlich habe ich sie deshalb auch schonmal in meiner Vorstellung von leicht bewertbaren Aktien aus Deutschland erwähnt, wie mir gerade auffällt.

Übermäßig billig ist die Aktie vermutlich derzeit nicht. Aber definitiv ein Kandidat, der sich für eine dauerhafte Beobachtung anbietet.

Ein kleiner Wermutstropfen: es wird vom Hauptaktionär, der Arnold Kuthe Beteiligungs- GmbH, wohl angestrebt, die Börsennotierung von Bechstein auf lange Sicht einzustellen. (siehe dazu Interview auf wiwo.de)

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Kommentare [1]

  1. — bb · 22. August 2012, 19:41 · #

    Wie kam es denn zu dem Kurssprung Mitte Juli? Hast du damals doch schon ein paar Stück gekauft? ;)

    Im Ernst: Vielleicht solltest du dieses Übernahmeangebot auch erwähnen:
    http://bechstein.com/fileadmin/media/documents/international/Aktuelles/2012_Erwerbsangebot.pdf
    Ein Squeeze-Out könnte tatsächlich interessant sein.

    Vorschlag für diesen Freitag. Syzgy. Die haben auch viel Cash, womit wir wieder bei dem Thema deines anderen aktuellen Artikels wären.

    Hier eine Analystenmeinung zur Firma:
    http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2012-08/24319718-original-research-syzygy-ag-von-gsc-research-gmbh-kaufen-016.htm

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