
Eigentlich wollte ich den Friday Small Cap Check ja heute heimlich unter den Tisch fallen lassen. Aber das fällt natürlich auf, und so habt ihr es einer Beschwerde von Robert Michel zu verdanken, dass ich mich nun doch noch aufraffe.
Heute lasse ich mal wieder den Zufallsgenerator auswählen, und der sagt: Basler AG.
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Allgemeines zur Basler AG
Laut Homepage der Basler AG entwickelt und produziert diese digitale Kameras für industrielle und medizinische Anwendungen, Verkehrskontrollsysteme sowie Videoüberwachung.
Wie gewöhnlich, schaue ich erstmal bei der Börse Frankfurt auf die langfristigen Fundamentaldaten. Ausgewiesene Gewinne seit 2003, bis auf einen Ausrutscher 2009, und eine relativ stabile Umsatzentwicklung kommen da zum Vorschein. Das gefällt mir grundsätzlich schonmal. An Unternehmen, die keine stabilen Erträge erwirtschaften, bin ich in der Regel nicht interessiert. Natürlich können auch solche Unternehmen ein gutes Investment sein. Das ist allein eine Preisfrage. Aber um bei solchen Unternehmen zu profitieren, bin ich auf einen Turnaround angewiesen. Etwas extrem schwer vorherzusagendes. Ich konzentriere mich eher auf stabile Unternehmen.
Bilanzstruktur
Zur Stabilität eines Unternehmens gehört neben einer stabilen Ertragsentwicklung auch eine saubere Bilanz. Hohe Finanzverbindlichkeiten verringern in der Regel die Chance eines Unternehmens, schwierige Zeiten zu überstehen.
Die Vermögenswerte der Basler AG sind durch recht hohe immaterielle Vermögenswerte geprägt (12 Mio. €), die zu einem großen Teil aus aktivierten Entwicklungskosten bestehen. Der zweite große Posten sind Gebäude und Grundstücke aus Finanzierungsleasing (18 Mio. €). Weiterhin sind Vorräte vorhanden (8 Mio. €), Forderungen aus Lieferungen und Leistungen (5 Mio. €) und immerhin auch einige flüssige Mittel (7 Mio. €).
Auf der Passivseite der Bilanz stehen natürlich entsprechende Verbindlichkeiten aus Finanzierungsleasing (17 Mio. €). Außerdem andere Finanzverbindlichkeiten (7 Mio. €) und eine recht geringe Menge an anderen (zinsfreien) Verbindlichkeiten wie Finanzverbindlichkeiten. Der Rest (27 Mio. €) ist durch Eigenkapital finanziert.
So richtig gefällt mir die Bilanzstruktur nicht. Die Verbindlichkeiten aus Finanzierungsleasing sind doch recht hoch und führen eben zu recht konstanten Zahlungen, die Jahr für Jahr zu leisten sind. Das muss nicht bedenklich sein, aber verringert doch die Möglichkeit, schwierige Zeiten zu überstehen.
In wiefern die aktivierten Entwicklungskosten werthaltig sind, also in Zukunft zu entsprechenden Erträgen führen die zumindest die fälligen Abschreibungen ausgleichen, kann ich nicht einschätzen. Dem ausgewiesenen Eigenkapital würde ich daher ohne weitere Informationen keine größere Aussagekraft zuordnen.
Ein weiterer Test, der immer sehr interessant ist: Ziehen wir alle Schulden vom Umlaufvermögen ab. Das ergibt einen negativen Wert. Hintergrund ist hier der, dass das Umlaufvermögen meist mit recht hoher Sicherheit zum Bilanzwert veräußerbar ist. Beim Anlagevermögen sind die Bewertungsunsicherheiten in der Regel deutlich größer. Das Nettoumlaufvermögen abzüglich aller Schulden kann daher als vereinfachter Indikator für einen möglichen Liquidationserlös für die Aktionäre angesehen werden. Nicht, dass ich hier von einer Insolvenz ausgehe. Aber ein wert in der Höhe der Marktkapitalisierung oder gar darüber wäre zumindest äußerst interessant, da er die Sicherheit des Investments erhöhen würde. Bei Basler leider nicht der Fall.
Ertragslage
Ebenso mittelmäßig sehe ich die Ertragslage. Ich mag Unternehmen, bei denen man nur auf die Gewinnentwicklung schauen muss, hier eine sehr gute Konstanz erkennt und innerhalb kurzer Zeit damit eine erste Schätzung für den Unternehmenswert abgeben kann.
Natürlich muss danach eine genauere Analyse der ausgewiesenen Gewinne erfolgen. Entsprechen diese der wirtschaftlichen Realität? Oder wurde hier getrickst? Die Betrachtung der Free Cashflows ist da oft ein guter Check auf Plausibilität. Fährt ein Unternehmen über viele Jahre Gewinne ein aber keine Free Cashflows, sollte man die Sache sehr genau hinterfragen.
Auch sollte noch hinterfragt werden, ob dem Unternehmen in Zukunft starke Veränderungen bevorstehen könnten. Dann bestünde die Gefahr, dass die konstante Entwicklung in Zukunft nicht fortgeführt werden kann.
Bei Basler sehe ich sehr stark schwankende Gewinne. Wie soll ich hier schätzen, wie groß die Gewinne in Zukunft ausfallen werden? Ich weiß kaum etwas über Basler, aber ich bin mir bereits jetzt nur über eines sehr sicher: das mit der sinnvollen Bewertung wird, wenn überhaupt möglich, sehr schwierig. Ich möchte das der Basler AG nicht anlasten. Aber Basler scheint eben nicht zu den wenigen Ausnahmeunternehmen zu gehören, bei denen ich für eine einigermaßen sinnvollen Unternehmensbewertung clever genug bin.
Wäre ich Analyst, Börsenbriefschreiber oder irgendwas in der Richtung, würde ich jetzt mit irgendwelchen abstrusen Annahmen einen Unternehmenswert auf den Cent genau pro Aktie berechnen und die Aktie dann als “profitables Investment” empfehlen, wenn der Aktienkurs darunter liegt. Zum Glück bin ich aber nur Blogger und Privatanleger. Ich muss nicht zu allem eine Meinung haben…
sonstige Auffälligkeiten
Das Projekt Bewertung ist also gestorben. Aber das muss nicht heißen, dass der Check der Basler AG sinnlos war. Hier noch einige interessante Fakten, die mir beim Überfliegen des Geschäftsberichtes aufgefallen sind. Vielleicht hilft das dem ein oder anderen, der sich doch an einer Bewertung versuchen will. Wenn ich es nicht schaffe, heißt das nicht, dass das allgemeingültig sein muss. Abgesehen davon habe ich vor, auch die nächsten Jahrzehnte an der Börse aktiv zu sein. Vielleicht eignet sich Basler in Zukunft mal für ein Investment? Etwas Vorwissen kann dann nicht schaden.
Basler ist einer der drei größten Hersteller von Industriekameras weltweit.
Der größte wäre schöner. Aber Größe und Marktführerschaft hat oft einen gewissen Vorteil. Immerhin, ich hätte Basler eher als einer unter vielen Herstellen eingeschätzt. Natürlich wäre noch die Frage zu klären, wie groß die anderen zwei der frei größten Hersteller sind. Sind diese 10x so groß wie Basler, hat die Aussage drittgrößter Hersteller keine wirkliche Relevanz.
Zitat Geschäftsbericht 2011:
Aufgrund des im September 2011 erreichten Kursniveaus hat der Vorstand beschlossen, ein Aktienrückkaufprogramm in Höhe von 1 Mio. € aufzulegen und die […] Aktien für den zukünftigen Erwerb von Unternehmen vorzuhalten.
Positiv könnte man anmerken, dass der Aktienkurs vorher gefallen war. Der Vorstand ist also bestrebt, Aktien günstig zurückzukaufen. Was banal klingt, ist leider bei weitem keine Selbstverständlichkeit. Ob das Kursniveau wirklich als günstig einzuschätzen war, kann ich natürlich nicht sagen.
Negativ sticht das Erwerb von Unternehmen ins Auge. Das muss nicht schlecht sein. Das kann durchaus Sinn machen. Aber die Erfahrung zeigt leider, dass viele Vorstände vor lauter ausgerechneten Synergieeffekten etwas überoptimistisch werden. Ich hoffe nicht bei Basler…
Fazit
Ich habe definitiv schon uninteressante Unternehmen gesehen. Immerhin ist Basler profitabel und in einem recht eng umrissenen Geschäftsfeld aktiv. Ich kann derzeit nicht einschätzen, was Basler wert ist. Aber vielleicht ändert sich das ja irgendwann mal. Erstmal denke ich aber, dass es sich nicht lohnt, hier mehr Arbeit zu investieren.
Hier noch ein paar kleine Zahlen, auch wenn die Aussagekraft für mich äußerst gering ist:
KBV: 1,45
KGV 2011: 9,2
KGV mittl. Gewinn letzte 10 Jahre: 23
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