Greater China Precision Components: Update Geschäftsjahr 2012

7. Mai 2013 -   -  Stefan Mohr

Nach der ersten Analyse der Greater China Precision Components gibts heute ein kleines Update, denn der Jahresabschluss 2012 ist da. Die Greater China Precision Components ist ein in China ansässigen Hersteller von Handy- und Tabletgehäusen.

Umsatz gesteigert, Gewinn dagegen nicht

Den Umsatz konnte Greater China Precision Components um 21% auf 717 Mio. RMB nach 589 Mio. RMB im Vorjahr steigern. Besonders der Verkauf von Tabletgehäusen, aber auch der Bereich Handygehäuse trugen dazu bei. Außerdem sind nun auch 22,7 Mio. RMB Umsatz mit Touchscreens gemacht wurden, über die ich im letzten Artikel noch gerätselt habe.

Der Jahresüberschuss konnte dagegen nicht recht überzeugen. Zwar konnte der offiziell ausgewiesene Wert mit einer Steigerung von 27% überzeugen, sieht man sich die Gewinn- und Verlustrechnung jedoch genauer an, relativiert sich das. Bereinigt man den Jahresüberschuss nämlich um den Gewinn/Verlust aus Wertpapieren und Fremdwährungen (siehe auch letzter Artikel), ergibt sich ein Jahresüberschuss von 73,3 Mio. RMB gegenüber 71,7 Mio. RMB im Vorjahr, eine Steigerung von 2%.

weiter hohe Abhängigkeit von Großkunden

Greater China Precision Components ist weiterhin recht abhängig von wenigen Großkunden, auch wenn mit Samsung im Jahr 2012 ein neuer Kunde gewonnen werden konnte.

Im Bereich Handygehäuse gibt es zwei Kunden, die für jeweils mehr als 10% der Umsätze sorgten (zusammen ca. 50% der Segmentumsätze)

Im Bereich Tabletgehäuse gibt es ebenfalls zwei Kunden die für jeweils mehr als 10% der Umsätze sorgen (unter anderem Amazon). Deren Anteil an den Segmentumsätzen ist hier mit ca. 88% sogar noch deutlich größer.

Die Gefahr ist hier natürlich, dass Greater China Precision Components große Umsatzeinbußen hinnehmen muss, wenn einer dieser Großkunden abspringt. Ein wenig beruhigen tut aber zumindest, dass das Unternehmen unter Net Current Asset Value gehandelt wird. Selbst wenn die Umsätze wegbrechen und ein Großteil der langfristigen Vermögenswerte wie Maschinen nahezu wertlos werden, dürfte nach dem Abbau des Umlaufvermögens und Bezahlung aller Verbindlichkeiten noch mehr Geld da sein, als derzeit die Marktkapitalisierung ist.

Gute & schlechte Nachrichten

Fangen wir zuerst mit der schlechten Nachricht an. Das Darlehen, welches Greater China Precision Components an ein Unternehmen, welches ebenfalls von den beiden Mehrheitseignern kontrolliert wird ausgegeben wurde, hat sich von 10 auf 30 Mio. RMB erhöht. An sich kein Problem, immerhin werden die Darlehen mit 8% verzinst. Auch die absolute Größe – ca. 5% des Eigenkapitals hält sich noch in Grenzen. Aber ein Interessenkonflikt besteht hier eindeutig…
Auf der anderen Seite werden die Notes Payables von den Mehrheitseignern persönlich garantiert, ohne dass diese dafür eine Gegenleistung erhalten. Auch so etwas sollte man mit erwähnen…
Aber beides in Kombination lässt doch zumindest den Eindruck aufkommen, dass die beiden Mehrheitseigentümer das Unternehmen als “ihr” Unternehmen ansehen, was es aber eben nur noch zum Teil ist. So recht einschätzen kann ich diese Sache nicht. Den Mehrheitseigentümern hier einen bösen Willen zu unterstellen wäre wohl etwas voreilig. Aber wirklich gefallen tun mir solche Sachen auch nicht.

Kommen wir nun zum Guten: Auch für das Geschäftsjahr 2012 wird Greater China Precision Components wieder eine Dividende zahlen. Und zwar 0,42 RMB pro Aktie nach 0,38 RMB im Vorjahr. 14% des Jahresüberschusses werden damit ausgeschüttet.

Ausblick

Greater China Precision Components plant, seine Produktionsanlagen auszuweiten. Dafür sollen insgesamt 100 bis 150 Mio. RMB (ca. 12 bis 19 Mio. €) ausgegeben werden. Nötig wird das insbesondere, um auch den neuen Kunden Samsung zu bedienen. Dies soll weitestgehend mit eigenen Mitteln finanziert werden.

Allerdings wird erwartet, dass sich der durchschnittliche Verkaufspreis der Produkte aufgrund erhöhter Konkurrenz in der Branche reduziert, gleichzeitig die Produktionskosten aber steigen könnten, insbesondere durch höhere Löhne.

Die Prognose des Vorstandes für 2013 lautet daher etwa gleichbleibende Umsätze, möglicherweise aber fallende Gewinne.

Fazit

Greater China Precision Components ist sicherlich ein Unternehmen, welches es in Zukunft nicht leicht haben wird. Auch wenn die Umsätze vielleicht weiter wachsen können (wobei auch das keinesfalls sicher ist) werden die Gewinnmargen mit ziemlicher Sicherheit weiter unter Druck kommen, so wie man es auch schon in der Vergangenheit beobachten konnte.

Aber was solls, Greater China Precision Components macht seit vielen Jahren Gewinne, dass sie das auch in Zukunft werden, ist denke ich nicht so unwahrscheinlich. Und jedes Unternehmen wird bei irgend einem Kurs attraktiv.

Angenommen, Greater China Precision Components wäre ein in Deutschland tätiges Unternehmen. Unter den gegebenen Vorraussetzungen würde ich mich wohl damit fühlen, folgenden Preis zu zahlen:

  • 6x aktueller Gewinn = 54 Mio. € = 2,10 € / Aktie, oder
  • Buchwert = 2,65 € / Aktie

Da Greater China Precision Components in China tätig ist, sollte man hier allerdings noch ein Stück weniger zahlen. Wie viel weniger ist eine schwierige Frage. Aber bei aktuell rund 0,90 € fühle ich mich recht gut mit einer kleinen Position…

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Kommentare [5]

  1. — Willy Wacker · 18. Mai 2013, 08:47 · #

    Ich wiederhole: Zahlen von chinesischen Firmen darf man nicht glauben

  2. Stefan Mohr · 18. Mai 2013, 09:36 · #

    Willy: Danke für den Hinweis. Wie kommst du zu dieser Annahme?

  3. — Willy Wacker · 21. Mai 2013, 20:45 · #

    Longtop Financials, China Media Express etc.

  4. — krankenhaus · 23. Oktober 2013, 22:36 · #

    Deine China-Werte kommen langsam zurück. Der Mutige wird anscheinend belohnt.

    Besonderst sticht Goldrooster heraus. Wahrscheinlich wegen des Einstiegs der dt. Balton. Eigentlich bin ich der Meinung, dass man nichte deshalb kaufen sollte, weil ein Großinvestor einsteigt. Aber hier hat es sich gelohnt.

  5. Stefan Mohr · 24. Oktober 2013, 06:58 · #

    Ja, aktuell entwickeln sich die Werte gut. Aber ob meine Einschätzung richtig war, kann man denke ich erst in ein paar Jahren sagen. Zwar wäre aktuell ein “Tradinggewinn” drin, aber wie diese Unternehmen sich operativ weiter entwickeln, ob irgendwann mal Geld an die Aktionäre zurückfließt usw., das muss sich erst noch zeigen.

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