Friday Small Cap Check: CeoTronics AG

16. November 2012 -  ,  -  Stefan Mohr

Friday Small Cap Check

Auf der Suche nach einem spannenden Unternehmen für den Friday Small Cap Check bin ich heute auf ein interessantes deutsches Unternehmen gestoßen, das ich bisher wohl immer übersehen habe: die CeoTronics AG.

Die CeoTronics AG (Marktkapitalisierung ca. 10 Mio. €) entwickelt, produziert und vertreibt professionelle Funk-Kommunikationssysteme. Kunden sind z.B. Industrieunternehmen, Airlines/Airports, Feuerwehr und Rettungsdienste, Polizei und Militär. Einen ganz guten Eindruck von den angebotenen Produkten erhält man auf der Unternehmenshomepage im Bereich Kundengruppen/Produkte.

Was gefällt mir nun an CeoTronics?

CeoTronics ist auf einen engen Nischenmarkt fokussiert. So etwas gefällt mir allgemein sehr gut, das ist mir lieber, als ein Unternehmen, welches überall ein bisschen mitmischt. Denn erstens sind langfristig erfolgreiche Unternehmen fast ausschließlich solche, die sich auf ihre Kernkompetenzen fokussieren, und zweitens lässt sich so ein Unternehmen in der Regel leichter überblicken und bewerten.

Im Geschäftsbericht 2011/12 findet sich ab S. 12 ein Abschnitt über “Nachhaltiges Werte-Management” von CeoTronics. Natürlich ist es immer schwer zu sagen, wie viel davon nun auch in Wirklichkeit umgesetzt wird, aber zumindest gefällt mir, was ich dort lese. Hier mal einige Ausschnitte die mir besonders wichtig waren:

  • Das Streben nach kurzfristigen Erfolgsmeldungen oder das Quartalsdenken stehen einer soliden kontinuierlichen Unternehmensentwicklung entgegen
  • Die CeoTronics konzentriert sich auf ihre Kernkompetenzen, besetzt attraktive Nischenmärkte und investiert nach sorgfältiger Analyse in Technologien, Produkte, Märkte und Kapazitäten
  • Ein ungesundes Umsatzwachstum durch zu große Unternehmensakquisen (evtl. mit zu hohem Fremdkapitaleinsatz und enormen Integrationsaufwand), die umsatzgetriebene Annahme von zu vielen margenschwachen Groß-Aufträgen sowie die Bearbeitung von risikoreichen Märkten, kann die Substanz eines gesunden Unternehmens gefährden

CeoTronics beschreibt hier eigentlich sehr gut, was ich als langfristig ausgerichteter Aktionär von einem Unternehmen erwarte. Das ist keine Garantie, dass das auch zu 100% umgesetzt wird, aber zumindest ist es gut, dass beim Management ein Bewusstsein für solche Werte vorhanden zu sein scheint.

CeoTronics gibt übrigens an, Marktführer zu sein. Wie genau der relevante Markt dafür definiert wird, ist mir aber erstmal unklar.

Zahlenwerk

Auch die Bilanzzahlen von CeoTronics gefallen mir gut. Mit einer Eigenkapitalquote von rund 65 % und geringer Netto-Finanzverschuldung (2,2 Mio. € bei 11,8 Mio. € Eigenkapital) ist das Unternehmen jedenfalls gut und konservativ finanziert.

Goodwill ist in der Bilanz nur in geringer Höhe vorhanden.

Auch die Erträge sind relativ stabil. Auch wenn CeoTronics natürlich alles andere als krisenresistent ist: in den Geschäftsjahren 2009/10 und 2010/11 gingen die Umsätze zurück und es wurden Verluste geschrieben. 2009/10 allerdings auch stakr beeinflusst von Sondereffekten wie Firmenwertabschreibungen.

Hier eine Übersicht über Umsatz und Jahresüberschuss, das Geschäftsjahr geht jeweils vom 01.06. bis 31.05., angegeben ist in der Tabelle das Jahr, in dem das Geschäftsjahr endet:

in Mio. € 2012 2011 2010 2009 2008 2007 2006 2005 2004 2003 2002 2001 2000
Umsatz 20,9 16,2 14,4 18,8 21,3 17,9 18,1 15,9 13,6 12,4 13,9 13,4 11,9
Gewinn 1,2 -0,3 -1,4 1,3 1,8 1,0 1,0 1,0 0,3 -0,6 0,80 -1,50 -0,20

mein Kompetenzbereich?

Ich muss ehrlich sagen, dass mir CeoTronics zwar gut gefällt, mir aber auch noch einiges unklar ist. Was sind Konkurrenten? Worauf kommt es im Markt von CeoTronics an? Was sind Faktoren für Erfolg und Misserfolg? Darüber weiß ich im Moment noch sehr wenig. Ich denke aber, dass es durchaus möglich sein sollte, genügend darüber zu lernen, um das Unternehmen gut genug einschätzen zu können.

Bewertung

Wie sieht es mit der Bewertung von CeoTronics aus? Das Kurs-Buchwert-Verhältnis liegt knapp unter 1. Und das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis des Geschäftsjahres 2011/12 bei knapp 9. Das scheint auf den ersten Blick nicht teuer aber auch nicht spottbillig. Aber man sollte vorsichtig sein mit voreiligen Schlussfolgerungen, wenn man noch nicht viel über ein Unternehmen weiß.

Fazit

CeoTronics ist ein langfristig ausgerichtetes Unternehmen, welches sich auf seine Kernkompetenzen konzetriert, solide finanziert ist und relativ stabile Erträge aufweist. Also genau die Sorte von Unternehmen, die ich langfristig beobachten möchte, über die ich mein Wissen ausweiten möchte und bei denen ich vorbereitet sein will, wenn der Kurs mal absurd niedrige Werte erreicht.
Keine Ahnung warum ich CeoTronics bisher übersehen hab. Also auf meine Watchlist damit!

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Kommentare [4]

  1. — krankenhaus · 17. November 2012, 15:45 · #

    Ich habe den neuen Freitagsartikel gerne gelesen. Ich kannte die Firma vorher nicht und habe sie mir im Schnelldurchgang ebefalls mal angeschaut. Den meisten deiner Analysen stimme ich zu.

    Folgendes ist aus meiner Sicht u.a. noch anzufügen:

    - Der Artikel im GB über werthatltiges Management hört sich prima an. Nur handelt man auch danach? In 2009/10 wurden ca. 0,6 Mio € auf das zugekaufte Amerikageschäft abgeschrieben (Goodwill). Wenn man in die Segmentberichterstattung schaut, bekommt man eine Idee warum: Weniger als 10% des Umsatzes werden überhaupt außerhalb Europas (z.B. in den USA) gemacht.

    - Waren die Jahre 2010/11 und 2009/10 nur ein Ausrutscher? Die Firma braucht z.Z. offensichtlich einen Mindestumsatz von 16 Mio €, um in den schwarzen Zahlen zu landen. Wenn man nun hinzunimmt, dass der europäische Markt, der z.Z. eine Schuldenkrise mit schwacher Investitionbereitschaft in Infrastruktur hat, der Hauptabsatzmarkt ist, sieht man das Risiko und die Schwankungsanfälligkeit.

    - Woher soll Wachstum kommen? Die Firma ist nicht wirklich international aufgestellt oder positiv formuliert: Der letzte Schritt ist notwendig, damit man auch nach Brasilien, den Jemen oder Thailand verkauft.

    - Die Rentabilitätszahlen gefallen mir eigenlich nicht. Nehmen wir den Schnitt der letzten vier Jahre ,der natürlich die zwei schlechten Jahre enthält.
    EK-Rendite: 1%
    Ebit-Marge: 3%

    - Man müsste wirklich eine Wettbewerbsanalyse machen. Wer sind die Konkurenten? Nach dem kurzen Blick zu urteilen kann ich nicht erkennen warum die Firma massiv über Buchwert gehandelt werden sollte.

    Grüße eines interessierten Lesers

  2. — simplify · 17. November 2012, 17:08 · #

    Der Analogfunk ist immer mehr im Kommen. Hiervon hat Ceotronics profitiert. Auch der Weltmarktführer Sepura, der ausschließlich Funkgeräte für den Digitalfunk herstellt, hat hiervon profitiert. Sepura hat sich ganz bewußt auf diese Nische konzentriert. Ceotronics beliefert glaube ich doch auch viel an die Bundeswehr. Sepura hat ein Großteil der Ausschreibungen der Bundesländer gewonnen, um die Polizei mit digitalen Funkgeräten auszurüsten. Auf jeden Fall ist die Nische Digitalfunk gewinnbringend, da aktuell viel von Analog zu Digitalfunk umgerüstet wird, also noch ein relativ trockener Markt.

  3. — krankenhaus · 17. November 2012, 17:54 · #

    We have consolidated our established market leading position in Germany – the largest TETRA market in the world. 15 out of 16 German States and Federal Authorities have awarded contracts for the procurement of their mainstream public safety radio communications requirements; of these over 65% have been awarded to Sepura. – aus dem Sepura-Geschäftsbericht

    Alleine wenn man die Margen betrachtet, sieht Sepure sehr viel besser aus als ceotronics

  4. Rainer · 29. November 2012, 13:23 · #

    Hey Valuefriends,
    ich hab mal ne QuickAnalyse durchgeführt, welche bei mir immer aus mehreren Ansätzen besteht:
    GRAHAM STYLE (Asset adjustments only)
    intrinsic value per share: 0,44 €

    PAUL SONKIN STYLE (EPS+Cash per share)
    fair value per share: 1,94 €

    DCF 2012(a la Pat Dorsey)
    fair value: 2,41 €

    Eine klare Unterbewertung kann ich von meinem Standpunkt aus (sehr konservativ) bei dieser Aktie nicht erkennen. Bei solchen Werten lese ich persönlich nicht den Unternehmensbericht. Auch wenn der Cash Return mit 9,1 stark aussieht und die Kennzahlen (KGV, KBV, KUV, K/FreeCashFlow und Dividende) deutlich unter ihrem 5jahres Durchschnitt liegen ist mir diese Tech-Aktie einfach nicht sicher genug. Einen Wettbewerbsvorteil konnte ich auf den ersten Blick auch nicht erkennen. Nun kann es natürlich gut sein dass ich mich irre, da ich auf Wachstum und andere in der Zukunft liegende Faktoren wenig wert lege. Hoffe trotzdem dass mein Beitrag dem ein oder anderen was gebracht hat ;)
    MfG
    Rainer the Schreiner

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