Asian Bamboo - Teil 2: Profitabilität und Bewertung

5. März 2013 -   -  Stefan Mohr

Asian Bamboo

In meinem ersten Artikel über Asian Bamboo ging es um Bilanz und Ertragskraft. Heute geht es um einige weitere Dinge, bis hin zu der Frage, ob Asian Bamboo nun ein gutes Investment ist.

Wachstum und Profitabilität

Bei der Betrachtung des Free Cashflow ist im letzten Artikel bereits aufgefallen, dass Asian Bamboo viel investiert und daher starkes Wachstum zu verzeichnen hat. Die erntereifen Flächen und erzielte Umsätze wurden rasant erweitert.

Asian Bamboo - Umsatz

Asian Bamboo - erntereife Fläche

Investoren lieben solche Unternehmen… Was gibt es schöneres, als stetiges Wachstum? Umsatzwachstum allein reicht natürlich nicht, aber auch die Ertragskraft hat sich ganz gut entwickelt, wenn auch nicht ganz so stetig. Auch wenn weiteres Wachstum bei Asian Bamboo nicht sicher ist, macht dieses Wachstum das Unternehmen nicht sehr interessant?

Der ein oder andere Stammleser wird sich jetzt sicher an meinen Artikel über Wachstum erinnern, in dem ich darauf eingegangen bin, dass Wachstum für die Aktionäre nicht immer gut ist. Fazit war, dass Wachstum dann gut ist, wenn die Rendite auf das dafür zu investierende Kapital überdurchschnittlich ist.

Ist das bei Asian Bamboo der Fall? Dazu schauen wir uns mal die bisher erzielten Eigenkapitalrenditen an. Da der Jahresüberschuss eher keine Aussagekraft hat, basierend auf dem bereinigten Jahresüberschuss und auf dem Jahresüberschuss nach Kultivierungskosten (siehe letzter Artikel).

Asian Bamboo - Eigenkapitalrendite

Basierend auf drei Jahren ist es schwer zu sagen, was die “normale” Eigenkapitalrendite von Asian Bamboo ist. Aber stark überdurchschnittliche Renditen auf das Eigenkapital konnte Asian Bamboo in den letzten drei Jahren nicht erzielen. Mag sein, dass sich das in Zukunft ändert oder dass Asian Bamboo bei Erweiterung der Flächen besonders stark profitiert. Aber ehrlich gesagt halte ich das für eher unwahrscheinlich. Warum? Einfach weil ich mir kaum vorstellen kann, dass in einem Bereich wie Bambusanbau so etwas wie starke Wettbewerbsvorteile entstehen können. Was zeichnet den Bambus von Asian Bamboo gegenüber anderem Bambus aus? Mir fehlt hier ein wenig die Phantasie… Basierend darauf kann man feststellen, dass die Aktionäre von Asian Bamboo wohl kaum übermäßig stark von weiterem Wachstum profitieren werden.

In der Vergangenheit war das freilich anders. Die Aktionäre die kurz nach dem IPO eingestiegen sind und noch mehr die Altaktionäre haben massiv von dem starken Wachstum der vergangenen Jahre profitiert. Wie das? Ganz einfach, weil Asian Bamboo in der Vergangenheit eine extrem günstige Finanzierungsquelle hatte: Kapitalerhöhungen. Teilweise wurde Asian Bamboo zu mehr als dem doppelten des Buchwertes gehandelt. Ich wage zu bezweifeln, dass ein Unternehmen mit durchschnittlicher Profitabilität so einen Preis rechtfertigt. Aber scheinbar wurden die Neuaktionäre von den Wachstumsraten geblendet, nicht wissend, dass sie davon keinen Vorteil haben. Die Altaktionäre freilich haben durch die Ausgabe neuer Aktien zu überhöhten Preisen profitiert. Ihr Anteil am Unternehmen ist weniger stark gesunken, als der Unternehmenswert durch die zufließenden Mittel gestiegen ist.

Zugegebenermaßen war das Management (gleichzeitig Haupteigentümer) an dieser Entwicklung nicht unschuldig. Zumindest die Art Bilanzierung vor 2010 war wie gemacht dafür, den Wert von Asian Bamboo höher aussehen zu lassen, als er ist. Und Prognosen waren allgemein äußerst optimistisch. Schwer zu sagen, ob das vorsätzlich erfolgt ist, oder ob das Management selbst zu optimistisch war.

Zukünftig wird diese Art der Finanzierung natürlich erstmal ausfallen. Die Aktie wird weit unter Buchwert gehandelt und weitere Kapitalerhöhung würden so wohl kaum zweckdienlich sein.

Umsatzrendite: Anzeichen für ein Monopol?

Hier möchte ich noch kurz auf etwas eingehen, was oft missverstanden wird: die Umsatzrendite von Asian Bamboo. Teilt man den bereinigten Jahresüberschuss durch den Umsatz, erhält man für die letzten drei Jahre Werte zwischen 20 und 40%. Oft höre ich hier dann das Argument, dass das nicht nachhaltig sein kann, da solche Umsatzrenditen nur von Monopolisten erzielt werden können.
Dem möchte ich entschieden widersprechen. Ob eine Umsatzrendite als hoch oder niedrig einzuschätzen ist, lässt sich nur durch einen Vergleich ähnlicher Unternehmen beurteilen. Wichtig bei der Beurteilung der Profitabilität eines Unternehmens ist nämlich nicht die Umsatzrendite, sondern die Eigenkapitalrendite. Und die Eigenkapitalrendite ist unter anderem stark abhängig von Umsatzrendite und Kapitalumschlag. Und der Kapitalumschlag bei Asian Bamboo ist ziemlich gering, was im Agrarsektor absolut normal ist. Mit einem Eigenkapital von 300 Mio. € wird gerade mal ein Umsatz von nichtmal 100 Mio. € erzielt. Man vergleiche dieses Verhältnis mal mit anderen Unternehmen. Üblich sind in vielen Bereichen eher Umsätze, die das Eigenkapital deutlich übersteigen.

Die Umsatzrenditen die Asian Bamboo in der Vergangenheit erzielt hat, sind also keinesfalls Zeichen einer Monopolstellung, sondern vielmehr für die Branche völlig normal. Was natürlich erstmal nichts darüber aussagt, ob Asian Bamboo diese auch in Zukunft erzielen kann.

Jahresergebnis 2012: starker Einbruch

Jetzt zu einem weniger erfreulichen Punkt, dem Jahresergebnis 2012 von Asian Bamboo. Zwar liegen noch keine ofiziellen Zahlen vor, aber dem Bericht zum dritten Quartal und der der Ad-Hoc zu den vorläufigen Geschäftszahlen 2012 ist schon einiges zu entnehmen. Hier mal die “Highlights”.

  • Umsatz 72,9 Mio. € (2011: 89,8 Mio. €)
  • Verlust aus Neubewertung biologischer Vermögenswerte von 56,8 Mio. €
  • Jahresfehlbetrag 19,8 Mio. €
  • operativer Cashflow 13,6 Mio. € (2011: 27,9 Mio. €)

Als Gründe wurden wetter- und erntebedingte Schwierigkeiten, eine geringe Bambusfaser-Produktion und ein insgesamt schwaches gesamtwirtschaftliches Umfeld angegeben.

Auffällig ist trotz der erstmal dramatisch aussehenden Zahlen, dass das bereinigte Jahresergebnis (ohne Neubewertung biologischer Vermögenswerte) mit 37 Mio. € sogar ein Rekordergebnis ist. Positiv beeinflusst sein dürfte das aber durch die vorgenommene Abwertung der biologischen Vermögenswerte, die letztendlich den ausgewiesenen Materialaufwand verringern. In den Folgejahren dürfte dieser Effekt noch stärker durchschlagen, so dass auch das bereinigte Jahresergebnis in den nächsten Jahren eher etwas höher ausfallen könnte, als die wirkliche Ertragskraft von Asian Bamboo, das sollte man auf alle Fälle im Hinterkopf behalten.

Asian Bamboo – unterbewertet oder nicht?

Ob die Aktie von Asian Bamboo zu billig ist, das ist jetzt natürlich die spannende Frage.
Schauen wir uns ein paar Kennzahlen an:
KBV: 0,25
KBV unter vernachlässigung biologischer Vermögenswerte: 0,35
KGV: 4 (bei einer geschätzten Ertragskraft von 20 Mio. €)

Eines sollte zweifelsfrei klar sein: wenn Asian Bamboo kein totaler Fake ist und in Zukunft die gepachteten Flächen einigermaßen genutzt werden können, um Bambus anzubauen und zu verkaufen, dann ist die Bewertung ziemlich sicher zu billig.

Was aber wenn es ein Fake ist? Wenn man sich mal den Thread zu Asian Bamboo im Wallstreet-Online-Forum ansieht, scheint es dort nahezu Konsens zu sein, dass Asian Bamboo dem baldigen Untergang geweiht ist.
Aber ist das wirklich der Fall? Klar hat das Management in der Vergangenheit nicht unbedingt durch vertrauensbildende Maßnahmen geglänzt. Und klar, die Geschäftsaussichten sind erstmal eingetrübt. Das Märchen vom unendlichen Wachstum des Bambus hat sich völlig überraschend in Luft aufgelöst. Aber noch hat Asian Bamboo im Jahr 2012 sowohl einen positiven operativen Cashflow als auch einen um Neubewertung bereinigten Gewinn verbucht. Und ich kann mir nicht wirklich vorstellen, dass Asian Bamboo in Zukunft auf seinem Bambus sitzen bleibt. Klar, Erntemengen, Verkaufspreise und anfallende Kosten vorherzusagen ist nicht gerade leicht. Und vielleicht wurden die Flächen im Verhältnis zu den in Zukunft erwartbaren Erträgen zu teuer gepachtet. Aber es muss schon einiges passieren, um diese niedrige Bewertung zu rechtfertigen.
Und Betrug? Ja, das kann sein, ausschließen kann ich das keinesfalls. Aber Fakten die dafür sprechen, gibt es bisher nicht wirklich. Ich habe zwar Verständnis dafür, dass Aktionäre deren Gewinnerwartungen enttäucht wurden, und die zusehen müssen, wie der Kurs immer neue Tiefstände erreicht, jetzt in Panik verfallen. Aber auf Fakten beruht diese Panik denke ich nur bedingt.

Also alles in allem, ja ich halte Asian Bamboo für zu billig. Fakt ist aber auch, dass Asian Bamboo mit Sicherheit keine Qualitätsaktie ist. Dass ich die Aktie für zu billig halte heißt auch nicht, dass ich mir sicher bin, dass Asian Bamboo kein Totalverlust wird. Es heißt nur, dass ich der Meinung bin, dass die Chancen die Risiken überwiegen. Vielleicht vergleichbar mit dem Angebot, eine Münze zu werfen. Bei Kopf verliert man alles, bei Zahl erhält man den dreifachen Einsatz zurück. Eine extrem lukrative Wette. Aber mit Sicherheit keine, auf die man viel Geld setzen sollte.

Wenn ich etwas in Asian Bamboo investiere, dann wird das also mit Sicherheit keine Position von 10 – 20% meines Depots, die ich sonst in der Regel investiere. Eher was im Bereich von 2 – 3% …

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Kommentare [27]

  1. — Roger · 5. März 2013, 21:31 · #

    Bei Holzwirtschaftsunternehmen denke ich immer instinktiv an Precious Woods.
    ISIN CH0013283368
    Zugegeben, etwas andere Randbedingungen: Ein Schweizer Unternehmen, das sein Geschäft mit ökologisch nachhaltig betriebenem Anbau, Fällen und Verkauf von Tropenhölzern betrieb und betreibt. Die Plantagen lagen in Lateinamerika sowie in Afrika.
    Zugegeben, andere Holzart, andere Region. Aber in beiden Fällen langfristige Investitionen, Regionen weit weg von Europa, mit deutlich geringerer Rechtssicherheit etc.
    Die Geschichte von Precious woods, die sich in den Geschäfts- und anderen Berichten gut nachlesen lässt, ist geprägt von Hoffnung und Scheitern, Hoffnung und Scheitern und immer neuen, nicht vorhergesehenen Problemen. Ich will dem Vorstand nicht einmal Böswilligkeit nachsagen, sondern typisch Schweizer Seriösität und guten Willen. Aber es half nichts. Der Aktienkurs fiel. Und fiel. Und fiel.

    Zu meinem Glück war die Aktie nie wirklich günstig (zu viele “Nachhaltigkeitsfonds” etc. pp. hatten sich eingekauft und die Aktie immer teuer gehalten), sonst wäre ich auch eingestiegen und hätte böse verloren. Seitdem bin ich bei Holzplantagen sehr vorsichtig. Zudem die ersten Enttäuschungen auch hier eintraten.
    Weit entfernte Region, geringe Rechtssicherheit in China, sehr hohe Kapitalbindung vor Ort, ein Management, das sich durch übertriebenen Optimismus und nicht eingehaltene Prognosen hervortat – hui, eine Menge Warnsignale.

  2. — Thomas · 6. März 2013, 14:08 · #

    Hallo Stefan,

    Obwohl es dein wahrscheinlich längster Artikel zu einer Aktie ist, den du bisher verfasst hast, finde ich deine anderen Artikel besser, weil du darin wesentlich schneller auf den Kern, oder auf die Kernpunkte eines Investments kommst.

    Die zwei Kernpunkte bei AB sind:
    1.) Fake oder nicht?
    2.) Bilanzierung bei biologischen Vermögenswerten
    Wobei 1.) für mich der zentrale Kernpunkt ist.

    Über 1.) muss ich mir bei anderen Chinawerten ebenfalls Gedanken machen, über 2.) nicht. AB ist also komplizierter. (was nicht bedeutet kompliziert, sondern nur komplizierter, als z.B. ein Bekleidungshersteller). Wieso beschäftigst du dich nicht erst mit einfacheren Chinawerten, die es ja mindestens ebenso billig gibt wie AB, falls die Zahlen echt sind?

    Und trotz unzähliger Betrugsfälle bei Chinawerten sei daran erinnert, das es einen “totalen Fake” so gut wie noch nie gab, mir fällt jedenfalls keiner ein. Bei allen Betrugsfällen gab es die Firmen, Fabriken, Arbeiter,.. tatsächlich, nur irgenetwas stimmte mit den Zahlen nicht. Ich schreibe “irgendetwas”, weil selbst bei Aktien die schon seit Jahren wertlos geworden sind, direkter Betrug auch nach Jahren nie offiziel bestätigt wurde.

    (Ich habe vor einigen Jahren, für meine Verhältnisse relativ viel, ich vermeintliche Valueaktien aus China investiert, die hauptsächlich in HK oder Singapur notiert waren. Insgesamt waren es etwas über 10 verschiedene Aktie, und jede dieser Aktien war ein deutlicher Misserfolg für mich.)

    Gruß Thomas

  3. — matze · 7. März 2013, 00:02 · #

    Was haltet ihr von z.B. vtion wireless lt. infos scheinen die Aktien teilweise zurückzukaufen was als vertrauensbildend einzustufen wäre? Das Umfeld der “Mobilfunkdatenkarten” scheint für mich auch relativ “zukunftssicher”?

  4. Stefan Mohr · 7. März 2013, 07:12 · #

    @Thomas:
    Den Kritikpunkt, dass ich bei Asian Bamboo recht lange um den heißen Brei herumgeredet habe, muss ich wohl auf mir sitzen lassen ;) Auf der anderen Seite hat es mich einfach interessiert, mich mit der Gewinn- und Verlustrechnung etwas länger zu beschäftigen und deswegen habe ich meine Erkenntnisse im ersten Artikel auch zusammengefasst…

    Nochmal zu dem “Fake”. Klar, einen richtigen Fake, also ein frei erfundenes Unternehmen gab es bei den Chinawerten bisher glaube ich nicht. Und bei Asian Bamboo halte ich das für absolut ausgeschlossen. Mit Fake meine ich auch eher den Fall, dass die wirkliche Lage wesentlich schlechter ist als dargestellt (z.B. weil die Bilanz teilweise gefälscht ist o.ä.).

    @matze
    Einen Artikel über Vtion Wireless habe ich auch schon geschrieben. Und ja, ich finde die Aktie ziemlich interessant. Wobei an der Zukunftssicherheit der Mobilfunkdatenkarten durchaus Zweifel angebracht sind…

  5. — Versucher1 · 10. März 2013, 10:05 · #

    Hi Stefan,
    vielen Dank für Deine Stellungnahme aus Value-Kriterien-Sicht. Ich verfolge AB ebenfalls schon lange, und komme bei meinen Versuchen der Einschäzung von AB leider auch immer wieder zu dem Schluss … ich weiss nicht genug und vor allem nichts sicher genug. Und das ist mir ein Kriterium für Nicht-Investition. Der Aspekt, dass AB in China, also weit weg von DE und in einer völlig anderen Kultur und damit auch mit anderen kulturellen/gesellschaftlichen Wertmäßstäben stattfindet, was Einfluss auf die Rechtsauslegung hat, sollte auch bedacht werden.

  6. Chris · 10. März 2013, 19:25 · #

    “Was zeichnet den Bambus von Asian Bamboo gegenüber anderem Bambus aus? Mir fehlt hier ein wenig die Phantasie”

    Nunja, der Bambus muss sich ja nicht unterscheiden. Vielleicht ist die Verarbeitung besonders gut / billig, oder die Supply Chain ist bemerkenswert… Bei solch “einfachen” Geschäften gibt es eine Menge an Möglichkeiten, die eine competitive advantage erzeugen können.

    Buy a commodity, sell a brand ;)

  7. — Diddle · 11. März 2013, 14:11 · #

    Hallo Stefan ,

    Was hältst du von einer Analyse von joyou?
    China Wert mit 7% Anteil von grohe!
    Einfaches Geschäftsmodell ( badarmaturen) , und anderes mehr …
    Gruß
    Diddle

  8. — Gerd Gühne · 28. Mai 2014, 20:28 · #

    China Aktien sind so ziemlich das schlechteste in was man investieren kann. Dank Korruption und unterdrückter Presse weis niemand ob die Billanzen stimmen und wie schlecht es wirklich um die chinesische Wirtschaft steht (siehe Kreditblase, Immobilienblasen, Umweltschäden etc.).

    Auch die Unternehmen schneiden von den Gewinnen sehr sehr schlecht ab, z. B.
    http://www.smartinvestor.de/anlegen/research-aktien/aktien-update-cross-border-emittenten-aus-china

    @Stefan Mohr
    Auf deinem Blog vermisse ich eine kritische Auseinandersetzung mit Verkäufen von Fehlinvestments. Einige Chinaaktien im Depot sind nichts mehr Wert und bei vielen anderen ist die Zukunft ungewiss bzw. klar negativ.
    Ich weis du machst gern buy&hold, aber das macht ja nur Sinn, wenn es am Ende des Tunnels auch einen Lichtblick gibt (kein entgegenkommender Zug)?
    Das Musterdepot wurde zuletzt im März aktualisiert. Es sieht nicht so aus, als ob du deine Investments regelmäßig überprüfst?

  9. Stefan Mohr · 29. Mai 2014, 09:13 · #

    @Gerd,

    danke für deinen Kommentar.
    Ich überprüfe meine Investments schon regelmäßig, aber zu viel Aktionismus schadet denke ich mehr, als es nützt. Von daher halte ich es durchaus für vertretbar, am Musterdepot mal für einige Monate nichts zu aktualisieren (und zum ständigen aktualisieren der Kurse bin ich ehrlich gesagt zu faul, das mache ich nur bei Änderungen im Depot gleich mit).

    Bezüglich Chinaaktien läuft in meinen Augen übrigens alles nach Plan. Dass einige von diesen Unternehmen enttäuschen werden, war mir klar. Einige weitere werden sicher hinzukommen, welche kann ich schwer abschätzen. Wichtig ist, dass sich ein ausreichender Anteil gut oder zumindest halbwegs passabel entwickelt, was bei diesen Kursen garnicht mal so viele sein müssen, um die Verlierer auszugleichen. Dass das passieren wird, davon bin ich weiterhin überzeugt und sehe daher keinen Anpassungsbedarf. Aber ein abschließendes Fazit zu ziehen, macht sicher erst in 2-3 Jahren Sinn.

  10. Gerd Gühne · 30. Mai 2014, 00:03 · #

    Hallo Stefan,

    danke für deine Antwort. Das einige Unternehmen enttäuschen und du nicht weist welche klingt ein wenig nach Gießkannenprinzip um Unwissenheit über Geschäftsmodelle/Märkte zu kompensieren. Ist das nicht mehr Zocken als value investing? ;-)

    Hast du denn nachgeforscht wieso die Kurse derart eingeknickt sind? Und wenn alles nach Plan läuft, wieso kaufst du dann nicht nach, um deinen Einstiegskurs zu verbessern? Bei einer Erhohlung würdest du dann noch schneller in die Gewinnzone kommen.

    Auch wenn ich mich von direkten Investments in China und Russland fern halte, so interessiert es mich doch, wie du die Lage (im allgemeinen und bei deinen Investments) beurteilst.

  11. Stefan Mohr · 30. Mai 2014, 14:31 · #

    Ja, das ist gewissermaßen ein “Gießkannenprinzip um Unwissenheit über Geschäftsmodelle/Märkte zu kompensieren”. Genauso wie es z.B. Graham getan hat, wenn er Aktien unter Net Current Asset Value gekauft hat.

    Eingeknickt sind die Kurse entweder wegen enttäuschenden operativen Zahlen oder wegen Problemen bei der Prüfung der Abschlüsse und teilweise nicht erteilten Testaten.

    Nachkaufen werde ich allerdings nicht, auch wenn ich weiterhin von meinem Investment überzeugt bin. Die Möglichkeit, dass man sich irrt, besteht immer. Und wenn man in so einem Fall dann immer weiter nachkauft, führt das geradewegs in die Katastrophe. Ich denke mit einem noch höheren Depotanteil an Chinaaktien würde ich unverhältnismäßige Risiken eingehen.

  12. — Joli · 20. Juni 2014, 10:55 · #

    Hallo Stefan,

    weißt du, warum die VSG Vange in den letzten Wochen so gut gelaufen ist?

    VG Joli

  13. Stefan · 20. Juni 2014, 18:23 · #

    Joli:
    kurz: nein, keine Ahnung. Genauso wenig weiß ich, warum Youbisheng so stark gefallen ist. Immer Spannung pur bei diesen Chinaaktien ;-)

  14. — Joli · 21. Juni 2014, 16:47 · #

    Die Aktie hast du doch gar nicht im Depot und auch keine Bewertung dazu online, oder?
    Wie kommst du auf Youbisheng?

  15. Stefan Mohr · 21. Juni 2014, 21:37 · #

    Stimmt ja, Youbisheng hab ich garnicht im Musterdepot. Aber privat hab ich auch eine kleine Position. Mir war nur aufgefallen, dass die Aktie die letzten Tage ziemlich abgeschmiert ist, ohne dass es wirklich erhellende neue Nachrichten gab.

  16. — Joli · 22. Juni 2014, 11:44 · #

    wohl der gleiche Hintergrund wie bei allen China-Aktien:

    http://www.wallstreet-online.de/diskussion/1167146-21-30/ein-neuer-chines-kommt-youbisheng

    Was ist deine Meinung dazu?

  17. Stefan Mohr · 23. Juni 2014, 13:56 · #

    Sagen wirs mal ganz einfach, ich habe speziell zu Youbisheng keine Meinung.

    Meine Meinung zu den China-Aktien als Gruppe gesehen ist jedoch, dass die Skepsis durchaus angebracht aber im Durchschnitt (!) übertrieben ist. Ob das zutrifft werden wir aber sicher erst in einigen Jahren sehen, wenn die Spreu sich vom Weizen getrennt hat.

  18. — Thomas · 27. Juni 2014, 23:08 · #

    http://www.valuewalk.com/2014/06/chinese-firms-with-weak-vies-dumb-investment/?utm_source=mailchimp&utm_medium=email&utm_campaign=EMAIL_WEEKLY&utm_content=quick_link

    Ich bin mir sicher es ist erfolgsversprechender, die Deutschchinesen danach abzuklopfen, wie hoch der Anteil der Vermögenswerte in den VIEs ist, und alle die fast das ganze Vermögen in den VIE haben, als nicht investmenttauglich zu klassifizieren. Ich vermute, es wird danach kaum mehr ein Deutschchinese als investmenttauglich übrig bleiben.

  19. — Michael · 28. Juni 2014, 00:01 · #

    Erstaunlicherweise gab es bisher relativ wenige China Aktien in Deutschland, die sich als Betrug erwiesen haben. Ganz anders in den USA, wo es zahlreiche Fälle gab. Womit das zusammenhängt, ist mir nicht klar.
    Was mir an den Titeln nicht gefällt ist dass keine Dividenden ausbezahlt werden. Dies wäre ein Beweis, dass die Bankguthaben wirklich existieren.

  20. — Michael · 28. Juni 2014, 10:34 · #

    Ich habe einmal Goldrooster betreffend VIE Struktur überprüft. M.E. gibt es hier gar keine VIEs.

  21. Stefan Mohr · 28. Juni 2014, 11:04 · #

    Mal eine kurze Zwischenerklärung für alle die nicht wissen wovon geredet wird:

    VIE = Variable Interest Entity
    Die operative Tochtergesellschaft gehört rechtlich nicht der Muttergesellschaft sondern es besteht nur ein Vertragsverhältnis. Näheres unter dem o.g. Link von Valuewalk.
    (musste selbst erstmal nachschlagen, man kann sich ja nicht alle Abkürzungen merken)

    Soweit ich weiß ist diese Konstruktion übrigens unter den in Deutschland gelisteten Chinesen nicht verbreitet, lasse mich aber gerne eines besseren belehren.

    Was allerdings nichts daran ändert, dass es bei diesen Gesellschaften sehr viele Unbekannte gibt. Wer glaubt, dass er die erfolgversprechenden Kandidaten sicher von den nicht erfolgversprechenden unterscheiden kann, leidet m.E. unter Selbstüberschätzung. Nur zur Erinnerung: vor einigen Jahren wurden Kinghero und Powerland z.B. von vielen als die Erfolgversprechenderen Kandidaten eingeschätzt.

    Was natürlich nicht heißt, dass die Deutsch-Chinesen uninvestierbar wären. Alles eine Frage von Chance und Risiko und wie man diese einschätzt. Aber zumindest bezüglich der Gewichtung der einzelnen Positionen sollte man das beachten. Bei allen Deutsch-Chinesen (vielleicht selbst bei Joyou) hat man ein reales Totalverlustrisiko.

  22. — Michael · 28. Juni 2014, 13:03 · #

    Eine VIE Struktur lässt sich relativ einfach aus dem Organigramm der Firma herauslesen. Ich habe die im Artikel erwähnten Firmen einmal nachgeschlagen. Die VIE Strukturen gehen aus den Organigrammen klar hervor. Hier noch ein anderes US Beispiel: http://www.nutrastarintl.com/company-info/corporate-structure

    Auffällig ist, das die Deutschen China Akien einfachere Strukturen haben als US Titel. Häufig sind auch keine Firmen in Steuerparadiesen wie Cayman Island, Bahamas etc. vorhanden. Allenfalls macht dies diese Gesellschaften etwas sicherer.

  23. — Richard a.k. · 30. Juni 2014, 20:38 · #

    @Michael, zur Dividende:
    Greater China prec. components zahlt Dividende.

  24. — Michael · 3. Juli 2014, 17:27 · #

    Frage an Stefan: Gibt es eigentlich China Aktien in deinem Portfolio, in die Du nicht mehr investieren würdest, falls Du Geld neu anlegen müsstest?
    Ich würde z.B. nicht in Ming Le Sports investieren, da der Wirtschaftsprüfer schwerwiegende Mängel im Abschluss festgestellt hat. Offenbar wird jetzt gesetzlich ein WP bestellt. Siehst Du weitere (zu) problematische Titel?

  25. Stefan Mohr · 4. Juli 2014, 07:30 · #

    Schwierige Frage Michael. Über das Thema nachdnken tue ich schon immer mal wieder. Aber wenn ich ehrlich bin, habe ich eigentlich keine Ahnung, welche der China-Titel nun die besseren Investments sind. Denn leider ist es eben nicht so, dass die aussichtsreichsten Unternehmen immer auch die besten Investments sind. Man könnte jetzt sagen, dass man lieber die Aktien mit geringerem Risiko will. Aber dann sollte man auf China-Aktien komplett verzichten. Bei allen Aktien die aktuell Probleme haben (ob operativ wie Asian Bamboo oder mit dem Abschluss wie Ming Le) hat man das nicht wirklich vorhersagen können (auch wenn jetzt sicher der ein oder andere kommt mit “hab ich ja schon immer gesagt”).

    Also Fazit: ich denke, weiterhin, dass diese Aktien als Gruppe unterbewertet sind. Zumindest bin ich mir so sicher, dass ich etwas eigenes Geld investiert habe, auch wenn ich natürlich nichts garantieren kann. Aber welche Aktie in 3-5 Jahren noch existieren wird und welches Unternehmen dann operativ erfolgreich sein wird – und vor allem welches Aktien sich dann als die guten und welche als die schlechten Investments herausgestellt haben – ich habe keine Ahnung.

  26. — Michael · 4. Juli 2014, 22:28 · #

    Stefan, ok, danke für das Feedback. M.E. könnte ein Investor die Firmen nach Warnsignalen überprüfen. Je mehr “Red Flags” vorhanden sind, desto vorsichtiger sollte man sein. “Red Flags” könnten sein:

    - Die Margen, EK Renditen etc. sind unrealistisch hoch (“To good to be true”). Bilanzpositionen machen wenig Sinn.

    - zusätzliche Aktien werden emittiert, obwohl der Aktienkurs am Boden ist (Macht wenig Sinn)

    - sehr hohe Liquide Mittel, aber trotzdem wird keine Dividende ausbezahlt. (Gefahr: Die Bankauszüge sind gefälscht)

    - Es gibt keine Fotos auf der Homepage vom Management (Ein Betrüger möchte sich eher verstecken)

    - Komplexe Firmenstruktur mit VIEs

    - Die Berichterstattung ist regelmässig stark verzögert und erfolgt unregelmässig

    - Im Internet gibt es Anschuldigungen gegen die Firmen (dazu müsste man allerdings Chinesisch sprechen).

    Leider kann ich kein Chinesisch, sonst könnte ich sicher zusätzliche Abklärungen bei China Aktien machen.

  27. — Michael · 5. Juli 2014, 21:22 · #

    Hier noch ein anderer Tipp. Mit der Frage, wie man “Gewinner” Value Aktien von “Verlierern” unterscheiden kann, hat sich schon einmal jemand beschäftigt.
    Der Prof. heisst Joseph Piotroski und die Studie trägt dem Namen “Value Investing: The Use of Historical Financial Statement Information to Separate Winners from Losers”.
    Sein Modell ist recht simple und m.E.logisch.

    vgl. dazu z.B. http://www.fuw.ch/article/aktienstrategien/

    Die Original-Studie findet Ihr im Netz.

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