So langsam sind wir wieder mitten in der Geschäftsberichte-Saison. Für mich immer eine sehr spannende Zeit! Nachdem ich die letzten Wochen nicht allzu viel Zeit hatte, habe ich jetzt angefangen, mich durch einen Haufen Geschäftsberichte zu lesen. Die Ehre des ersten gelesenen Berichtes hatte dieses Jahr die A.S. Création Tapeten AG.
Die wichtigsten Ergebnisse des Geschäftsjahres 2011 und einige wichtige Dinge, die mir aufgefallen sind, möchte ich euch nicht vorenthalten.
Umsatz- und Ertragslage
Die Umsätze konnte die A.S. Création Tapeten AG im Jahr 2011 von 185 auf 192m € steigern. Sehr gut lief es hier auf dem deutschen Markt. Auch in den osteuropäischen Ländern außerhalb der EU wuden die Umsätze leicht gesteigert, wobei die extremen Umsatzeinbrüche im Zuge der Finazkrise hier immer noch nicht kompensiert sind. Im Rest der EU (außer Deutschland) lief es dagegen nur schleppend.
Trotz der insgesamt recht positiven Umsatzentwicklung war bei der Ertragslage von A.S. Création wenig positives zu berichten. Der Jahresüberschuss ging von 8,4 auf 4,7m € zurück. Verantwortlich waren dafür zum großen Teil Rohstoffpreissteigerungen, welche nicht an die Kunden weitergegeben werden konnten. Sehen muss man das vor folgendem Hintergrund: A.S. Création verkauft seine Tapeten zu einem großen Teil an Baumärkte. Mit diesen werden wohl einmal im Jahr Preisverhandlungen geführt. A.S. Création hatte seine Verkaufspreise im März 2011 erhöht, die Erhöhung war im Nachhinein jedoch unzureichend. Im Februar 2012 wurde eine weitere Erhöhung vorgenommen, es bleibt also zu hoffen, dass sich die Ertragslage 2012 wieder verbessert. Geplant sind 6 bis 7m €.
Auch weitere Effekte haben die Ertragslage negativ beeinflusst, wenn auch in geringerem Rahmen:
- Personalkosten und sonstige betriebliche Aufwendungen haben sich leicht überproportional zu den Umsatzerlösen erhöht (näheres dazu auf S. 47 im Bericht)
- die Russlandproduktion hat Anlaufverluste zur Folge (0,2m € in 2011)
- Der Rechnungszinssatz für die Pensionsrückstellungen wurde angepasst, was einen versicherungsmathematischen Verlust von 0,3m € zur Folge hat
Nach IAS 19 (rev. 2011) werden versicherungsmathematische Gewinne und Verluste übrigens direkt im Eigenkapital erfasst und tauchen nicht mehr in der GuV auf. Eine Anwendung wird vorraussichtlich ab 2012 erfolgen. Meiner Meinung nach ist das eine gute Änderung, für mich selbst habe ich die GuV bisher immer ensprechend korrigiert. Bei einer Anwendung bereits im letzten Jahr wäre der Jahresüberschuss um 0,3m € höher ausgefallen.
russisches Gemeinschaftsunternehmen
Dieses Projekt der A.S. Création gemeinsam mit dem russischen Tapetenhersteller Kof Palitra sieht den Aufbau einer gemeinsamen Tapetenproduktion von hochwertigen Tapeten für den russischen Markt vor. Beide Partner sind an dem Gemeinschaftsunternehmen zu je 50% beteiligt. 2011 wurden weitere Fortschritte gemacht: Gebäude und Produktionshallen wurden noch vor dem Winter fertiggestellt. Nach aktuellen Planungen soll die Produktion im Herbst 2012 beginnen. Ab 2013 hat das Joint Venture dann den vollen Effekt auf Umsatz und Ertrag, der Vorstand erwartet daher für 2013 eine deutliche Steigerung von Umsatz und Ertrag.
Investitionen
Die Investitionen im Jahr 2011 lagen auf einem sehr hohen Niveau. Abschreibungen von 9,9m € standen 5,5m € Sachinvestitionen gegenüber. Weiterhin wurden, wie bereits 2008 vereinbart, die restlichen Anteile der beiden französischen Tapetengroßhändler für 7m € übernommen. Außerdem wurden 7,2m € in das Russland Joint-Venture investiert. 6,2m € davon in Form eines Gesellschafterdarlehens, 1m € in Form einer Kapitalerhöhung. Für das nächste Jahr wird wieder mit deutlich niedrigeren Investitionen gerechnet.
Kartellverfahren
Auch im Kartellverfahren gibt es ein paar kleine Neuigkeiten. Kronzeuge, und damit in jedem Fall straffrei, ist wohl die Gebr. Rasch GmbH & Co. KG, der derzeit zweitgrößte deutsche Tapetenhersteller.
A.S. Création hat gegenüber dem Bundeskartellamt inzwischen gegenüber den erhobenen Anschuldigungen Stellung bezogen und ihnen widersprochen. Eine Einschätzung des möglichen Ausganges des Verfahres ist laut Aussage im Geschäftsbericht aber noch immer nicht möglich. Das Ganze wird sich wohl noch eine ganze Weile hinziehen…
Interessant ist übrigens auch, dass sowohl von deutschen Behörden ermittelt wird, als auch von französischen Behörden gegen die französischen Konzerngesellschaften. Soweit ich das überblicken kann bedeutet das, dass im schlimmsten anzunehmenden Fall zwei mal ein Bußgeld von 10% des Konzernumsatzes 2010 erhoben werden kann. Wie hoch die Wahrscheinlichkeit für dieses worst-case Szenario ist, mag ich nicht beurteilen.
A.S. Création – günstig oder teuer?
Und nun zur wichtigsten Frage – ist die Aktie von A.S. Création auf dem aktuellen Niveau von rund 25€ eine gute Investitionsmöglichkeit?
Das hängt vor allem davon ab, welche Kapitalverzinsung man erwartet. Ich persönlich möchte bei Aktieninvestments langfristig mindestens eine Rendite von 10% erzielen. Schaut man sich die Eigenkapitalrenditen von A.S. Création an sieht man, dass diese im langfristigen Durchschnitt knapp über 10% liegen. Das Eigenkapital in Höhe von derzeit 89m € wäre also in etwa die Größe, die ich maximal bezahlen würde. Auf diesem Niveau ist A.S. Création in meinen Augen günstig bewertet, wenn auch kein absolutes Schnäppchen.
Nun kommt aber noch das schwebende Kartellverfahren dazu. Die Geldbuße wird wohl irgendwo zwischen 0 und 37m € (2× 10% des Umsatzes 2010) liegen. Ich habe keine Ahnung, wie groß die Wahrscheinlichkeiten für eine Geldbuße am oberen oder unteren Ende dieser Bandbreite sind. Nehmen wir einfach mal die Mitte, also 19m € und ziehen die vom Eigenkapital ab. Dann bleiben 70m € oder 25,40 € je Aktie. Ist man pessimistischer oder optimistischer bezüglich des Ausganges des Kartellverfahrens kommt man auf rund 20 bzw. 30€ je Aktie.
Fazit
Für mich liegt der Kurs von A.S. Création derzeit auf einem gerade noch interessanten Niveau. Sollte der Kurs sich mehr Richtung 30€ bewegen oder ich finde bessere Investitionsmöglichkeiten (derzeit habe ich da einen interessanten Kandidaten), werde ich die Anteile, die derzeit in meinem Musterdepot enthalten sind, verkaufen. Nachkaufen würde ich gegebenenfalls, wenn der Kurs sich auf 20€ oder darunter reduziert.
Meiner Meinung nach waren das die wichtigsten Punkte für Aktionäre oder Interessierte. Was ist eure Meinung zur A.S. Création Aktie? Habt ihr noch weitere wichtige Punkte entdeckt? Hinterlasst einfach einen Kommentar!
Update:
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