Einem Unternehmen steht es frei, an der Börse eigene Aktien zurückzukaufen, zumindest wenn die Aktionäre die Unternehmensführung dazu ermächtigt haben. Und das Zurückkaufen von eigenen Aktien wird auch von vielen Unternehmen praktiziert. Als Aktionär stellt sich natürlich die Frage ob das sinnvoll ist. Haben Aktienrückkäufe einen positiven Effekt für die Aktionäre? Und wenn ja wann?
1. ohne Rechte: vom Unternehmen gehaltene eigene Aktien
Aktien die ein Unternehmen zurückgekauft hat, sind nicht mehr im Umlauf. Sie haben keine Dividendenberechtigung (welchen Sinn würde es auch machen, wenn ein Unternehmen Dividenden an sich selbst zahlen würde?) und sie haben keine Stimme auf der Hauptversammlung (wer sollte da auch stimmen, das Unternehmen selbst was ja wiederrum Eigentum der Aktionäre ist?).
Man könnte es auch anders sehen: wenn den Aktionären die Vermögenswerte eines Unternehmens wie Sachanlagen und Vorräte gehören, dann gehören ihnen natürlich auch die zurückgekauften Aktien, die ein Unternehmen hält. Jedem Aktionär, der eine Aktie hält, gehört also zusätzlich ein kleiner Anteil der Aktien, die das Unternehmen selbst hält. Das Resultat ist das gleiche.
2. Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis
Durch Aktienrückkäufe wird die Nachfrage nach der Aktie erhöht und damit tendenziell auch der Preis. Dieser Effekt sollte jedoch nicht überschätzt werden. Insbesondere sollte man als Langfristanleger bedenken, dass sobald der Aktienrückkauf beendet ist, die Nachfrage wieder auf das alte Niveau zurückfällt.
3. Der Anteil am Unternehmen steigt
Aktienrückkäufe kosten das Unternehmen natürlich erstmal viel Geld. Damit könnte man auch Dividenden ausschütten oder ins Unternehmen investieren. Aber auch Aktienrückkäufe haben einen positiven Effekt für die Aktionäre: sie vermindern die Zahl der ausstehenden Aktien, daher steigt durch einen Aktienrückkauf der Anteil, den eine Aktie am Unternehmen repräsentiert.
4. steigende Dividenden trotz konstanter Ausschüttungssumme
Nach einem Aktienrückkauf kann die Dividende pro Aktie erhöht werden, obwohl die gesamte ausgeschüttete Summe konstant bleibt. Das ist direkte Folge des größeren Anteils am Unternehmen jeder Aktie.
Ein kleines Rechenbeispiel: Das Kapital einer Aktiengesellschaft ist in 1000 Aktien eingeteilt. Für jede Aktie wird 1€ Dividende ausgeschüttet, insgesamt also 1000€. Außerdem kauft das Unternehmen 10% der ausstehenden Aktien zurück. Im nächsten Jahr sind nun nur noch 900 Aktien im Umlauf. Wenn auch im nächsten Jahr wieder insgesamt 1000€ ausgeschüttet werden sollen, können für jede Aktie bereits 1,11€ ausgeschüttet werden!
5. billig kaufen zahlt sich aus, auch bei Aktienrückkäufen
Aktienrückkäufe kosten Geld. Es ist also abzuwägen, ob der positive Effekt für die Aktionäre die Geldausgabe aufwiegt. Wann ist das der Fall? Was sich zunächst kompliziert anhört, hat eine einfache Lösung.
Ein Unternehmen sollte genau dann Aktien zurückkaufen, wenn auch ein Investor die Aktien kaufen sollte: wenn die Aktie weniger kostet, als sie wert ist! In diesem Fall erhalten die verbleibenden Aktionäre mehr Zuwachs im Wert der verbleibenden Aktien, als sie an Cash, den das Unternehmen hält, verlieren.
So klar diese Antwort auch ist: was eine Aktie wert ist, ist leider nicht immer so leicht zu beantworten.
6. Verkaufe die Aktie wenn sie zu teuer ist (oder Aktienrückkäufe schaden dir)
Werden Aktien zu teuer zurückgekauft, also für mehr als sie wert sind, schadet das den verbleibenden Aktionären. Man könnte allerdings auch argumentieren, dass die Aktionäre die die Aktien trotz dem hohen Kurs halten, die Aktie nicht zu teuer finden. Von daher ist auch ein Aktienrückkauf in Ordnung. Wer die Aktie zu teuer findet, sollte eben verkaufen.
Auf der anderen Seite ist es für Großaktionäre nicht unbedingt möglich, mal eben zu verkaufen. Insbesondere für diese sind daher Aktienrückkäufe zu einem hohen Kurs sehr negativ.
7. Aktienrückkäufe sind wie Dividenden eine Gewinnausschüttung
Aktienrückkäufe haben mit Dividenden eine Gemeinsamkeit: sie sind eine Art Gewinnausschüttung. Dividenden werden allerdings gleichmäßig an alle Aktionäre ausgeschüttet. Bei Aktienrückkäufen dagegen wird nur an bestimmte Aktionäre ausgeschüttet, an diese dafür besonders viel: an diejenigen, die ihre Aktien an das Unternehmen verkaufen. Als Ausgleich verlieren sie dafür ihren Unternehmensanteil.
8. Aktienrückkäufe sind steuergünstig
Dividenden müssen versteuert werden. Bei Aktienrückkäufen steigt dagegen nur der Anteil einer Aktie am Unternehmen und damit der Wert einer Aktie. Langfristig wird sich das auch im Kurs wiederspiegeln. Steuern werden allerdings erst bei einem Verkauf auf den Gewinn fällig. Langfristanleger erhalten auf diese Weise für viele Jahre eine Art zinsfreien Kredit vom Staat, da sie Steuern erst viel später zahlen müssen. Ein attraktives Angebot, welches man in Betracht ziehen sollte!
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