8 Dinge, die man über Aktienrückkäufe wissen sollte

1. Oktober 2012 -   -  Stefan Mohr

Einem Unternehmen steht es frei, an der Börse eigene Aktien zurückzukaufen, zumindest wenn die Aktionäre die Unternehmensführung dazu ermächtigt haben. Und das Zurückkaufen von eigenen Aktien wird auch von vielen Unternehmen praktiziert. Als Aktionär stellt sich natürlich die Frage ob das sinnvoll ist. Haben Aktienrückkäufe einen positiven Effekt für die Aktionäre? Und wenn ja wann?

1. ohne Rechte: vom Unternehmen gehaltene eigene Aktien

Aktien die ein Unternehmen zurückgekauft hat, sind nicht mehr im Umlauf. Sie haben keine Dividendenberechtigung (welchen Sinn würde es auch machen, wenn ein Unternehmen Dividenden an sich selbst zahlen würde?) und sie haben keine Stimme auf der Hauptversammlung (wer sollte da auch stimmen, das Unternehmen selbst was ja wiederrum Eigentum der Aktionäre ist?).
Man könnte es auch anders sehen: wenn den Aktionären die Vermögenswerte eines Unternehmens wie Sachanlagen und Vorräte gehören, dann gehören ihnen natürlich auch die zurückgekauften Aktien, die ein Unternehmen hält. Jedem Aktionär, der eine Aktie hält, gehört also zusätzlich ein kleiner Anteil der Aktien, die das Unternehmen selbst hält. Das Resultat ist das gleiche.

2. Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis

Durch Aktienrückkäufe wird die Nachfrage nach der Aktie erhöht und damit tendenziell auch der Preis. Dieser Effekt sollte jedoch nicht überschätzt werden. Insbesondere sollte man als Langfristanleger bedenken, dass sobald der Aktienrückkauf beendet ist, die Nachfrage wieder auf das alte Niveau zurückfällt.

3. Der Anteil am Unternehmen steigt

Aktienrückkäufe kosten das Unternehmen natürlich erstmal viel Geld. Damit könnte man auch Dividenden ausschütten oder ins Unternehmen investieren. Aber auch Aktienrückkäufe haben einen positiven Effekt für die Aktionäre: sie vermindern die Zahl der ausstehenden Aktien, daher steigt durch einen Aktienrückkauf der Anteil, den eine Aktie am Unternehmen repräsentiert.

4. steigende Dividenden trotz konstanter Ausschüttungssumme

Nach einem Aktienrückkauf kann die Dividende pro Aktie erhöht werden, obwohl die gesamte ausgeschüttete Summe konstant bleibt. Das ist direkte Folge des größeren Anteils am Unternehmen jeder Aktie.

Ein kleines Rechenbeispiel: Das Kapital einer Aktiengesellschaft ist in 1000 Aktien eingeteilt. Für jede Aktie wird 1€ Dividende ausgeschüttet, insgesamt also 1000€. Außerdem kauft das Unternehmen 10% der ausstehenden Aktien zurück. Im nächsten Jahr sind nun nur noch 900 Aktien im Umlauf. Wenn auch im nächsten Jahr wieder insgesamt 1000€ ausgeschüttet werden sollen, können für jede Aktie bereits 1,11€ ausgeschüttet werden!

5. billig kaufen zahlt sich aus, auch bei Aktienrückkäufen

Aktienrückkäufe kosten Geld. Es ist also abzuwägen, ob der positive Effekt für die Aktionäre die Geldausgabe aufwiegt. Wann ist das der Fall? Was sich zunächst kompliziert anhört, hat eine einfache Lösung.

Ein Unternehmen sollte genau dann Aktien zurückkaufen, wenn auch ein Investor die Aktien kaufen sollte: wenn die Aktie weniger kostet, als sie wert ist! In diesem Fall erhalten die verbleibenden Aktionäre mehr Zuwachs im Wert der verbleibenden Aktien, als sie an Cash, den das Unternehmen hält, verlieren.

So klar diese Antwort auch ist: was eine Aktie wert ist, ist leider nicht immer so leicht zu beantworten.

6. Verkaufe die Aktie wenn sie zu teuer ist (oder Aktienrückkäufe schaden dir)

Werden Aktien zu teuer zurückgekauft, also für mehr als sie wert sind, schadet das den verbleibenden Aktionären. Man könnte allerdings auch argumentieren, dass die Aktionäre die die Aktien trotz dem hohen Kurs halten, die Aktie nicht zu teuer finden. Von daher ist auch ein Aktienrückkauf in Ordnung. Wer die Aktie zu teuer findet, sollte eben verkaufen.

Auf der anderen Seite ist es für Großaktionäre nicht unbedingt möglich, mal eben zu verkaufen. Insbesondere für diese sind daher Aktienrückkäufe zu einem hohen Kurs sehr negativ.

7. Aktienrückkäufe sind wie Dividenden eine Gewinnausschüttung

Aktienrückkäufe haben mit Dividenden eine Gemeinsamkeit: sie sind eine Art Gewinnausschüttung. Dividenden werden allerdings gleichmäßig an alle Aktionäre ausgeschüttet. Bei Aktienrückkäufen dagegen wird nur an bestimmte Aktionäre ausgeschüttet, an diese dafür besonders viel: an diejenigen, die ihre Aktien an das Unternehmen verkaufen. Als Ausgleich verlieren sie dafür ihren Unternehmensanteil.

8. Aktienrückkäufe sind steuergünstig

Dividenden müssen versteuert werden. Bei Aktienrückkäufen steigt dagegen nur der Anteil einer Aktie am Unternehmen und damit der Wert einer Aktie. Langfristig wird sich das auch im Kurs wiederspiegeln. Steuern werden allerdings erst bei einem Verkauf auf den Gewinn fällig. Langfristanleger erhalten auf diese Weise für viele Jahre eine Art zinsfreien Kredit vom Staat, da sie Steuern erst viel später zahlen müssen. Ein attraktives Angebot, welches man in Betracht ziehen sollte!

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Kommentare [7]

  1. — Martin · 1. Oktober 2012, 12:02 · #

    Was mich stört ist der Fall, wenn die zurück gekauften Aktien nicht vernichtet werden, sondern in großem Stil als Vergütung an den Vorstand fließen. Dann hat man als Aktionär auch nichts vom Rückkaufprogramm.

    Ansonsten bevorzuge ich aus Steuergründen ganz klar Rückkäufe. Besonders wenn das Unternehmen im Ausland sitzt und die Quellensteuer nicht vollständig in Deutschland angerechnet wird.

    Auch versuche ich Dividenden und Buybacks zusammenzurechnen als Rendite, welche an die Aktionäre zurückfließt. Da sind die Rückkäufe auf jeden Fall schwerer zu berücksichtigen.

    Hier gibt es auch noch ein paar Informationen zum amerikanischen Markt auf englisch:
    http://www.mebanefaber.com/2012/09/26/the-coming-dividend-tax-hike/

  2. Robert Michel · 1. Oktober 2012, 19:54 · #

    Die beste Variante der Gewinnausschüttung, wäre es wohl, Aktien zurückzukaufen und dann als Bonusaktien auszuschütten. Das hat den Vorteil, dass der Kurs der Aktien nicht steigt und so der Verkauf steuerschonender ist.

  3. Stefan Mohr · 1. Oktober 2012, 20:13 · #

    @Martin:
    klar, bei Ausgabe von zurückgekauften Aktien an den Vorstand als Vergütung sind die positiven Effekte des Aktienrückkaufes natürlich dahin.
    Auf der anderen Seite, würde kein Rückkauf stattfinden, sondern neue Aktien an den Vorstand ausgegeben werden, wären die Effekte noch negativer. Ich würde sagen, eine überzogene Bezahlung des Managements ist immer schlecht, egal ob mit Aktienrückkauf oder ohne.

    @Robert Michel:
    Ich bin mir nicht ganz sicher, aber müsste der Erlös der beim Verkauf von Bonusaktien entsteht nicht komplett versteuert werden? Wenn das der Fall ist, dürfte es eigentlich egal sein, ob zurückgekaufte Aktien als Bonusaktien ausgeschüttet oder eingezogen werden.

  4. — Musti · 2. Oktober 2012, 11:52 · #

    Die Bomusaktien müssen versteuert werden. Wird wie eine Dividende betrachtet.
    Ist mir mit Atlantia passiert.

  5. — Martin · 3. Oktober 2012, 13:59 · #

    @Stefan:
    nur weiß man leider nicht immer vorher, wozu die Aktien verwendet werden sollen:
    -vernichten
    -als Währung für Käufe
    -zur Vergütung
    Wenn das Management sehr gut ist, sollte es natürlich frei walten können. Leider sind dann solche Firmen als Anlage auch nicht mehr günstig.

    Zudem fällt es für die Bewertung leichter, wenn Firmen keine eigenen Aktien halten, sondern diese vernichten. Sonst muss man immer wieder prüfen, wieviel Prozent der Firma denn nun eine Aktie repräsentiert anstatt einfach durch die Aktienanzahl zu teilen.

  6. — sebastian · 24. November 2012, 15:00 · #

    Inwiefern sind neu ausgegebene Aktien negativer als zurückgekaufte? Das Resultat ist für Anleger (annähernd) gleich schlecht. Die Firma könnte auch die Aktien zurückkaufen, vernichten und anschließend neue ausgeben mit dem gleichen Ergebnis. Der Unterschied ist lediglich, ob dem Anleger eine Verwässerung oder Bilanzverkürzung lieber ist.

  7. — krankenhaus · 25. November 2012, 19:13 · #

    Hallo Stefan,

    zu Punkt 8 eine Bemerkung:
    Für die meisten Kleinanleger ist der Sparer-Pauschbetrag wichtig, da sich die jährlichen Kapitalerträge in dieser Größenordnung bewegen. Für sie kann es sinnvoller sein, dass Gewinne ausgeschüttet werden, um den jährlichen steuerfreien Pauschbetrag auszunutzen, als dass man nach vielen Jahren beim Verkauf der Anteile einen größeren Teil versteuern muss. Es hängt sicherlich auch damit zusammen, wie sich das einbehaltene Kapital im Unternehmen verzinst.

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