Aktienanalyse: Hyrican Informationssysteme AG

27. Oktober 2011 -   -  Stefan Mohr

Aktienanalyse

Vor ein paar Tagen habe ich bereits geschrieben, wie Warren Buffett 50% Rendite mit Small Caps erzielen könnte. Heute geht es auch endlich mal um ein Small Cap: Die Hyrican Informationssysteme AG, notiert im Freiverkehr. Die Marktkapitalisierung von Hyrican beträgt bei einem Aktienkurs von rund 3,50€ und 4 Millionen ausstehenden Aktien nur 14 Millionen €.

Hyrican stellt PCs her (also baut diese aus Einzelkomponenten zusammen) und vertreibt diese über über Versandhandelsunternehmen und den Fachhandel, sowie über einen eigenen Onlineshop. Eine immer größere Rolle spielt auch der Direktverkauf an gewerbliche Abnehmer, wie z.B. Behörden und Firmen.

Aber ich will hier nicht weiter Fakten wiedergeben, die auch woanders schon verfügbar sind. Unten im Artikel habe ich einige interessante Links über Hyrican zum weiterlesen aufgeführt, wo ihr weitere Informationen zum Unternehmen finden könnt. Machen wir gleich mal bei dem eigentlichen Grund weiter, warum ich euch die Hyrican Informationssysteme AG überhaupt vorstelle.

haufenweise Cash

Das eigentlich interessante ist die Bilanz von Hyrican, hier in verkürzter Form, zum Stichtag 30.06.2011

Aktiva (Mio. €) 30.06.2011
Sachanlagevermögen 0,66
Vorräte 3,58
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 3,48
sonstige Vermögensgegenstände 0,65
liquide Mittel 20,19
Passiva (Mio. €) 30.06.2011
Eigenkapital 23,41
Rückstellungen 1,79
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 3,21
sonstige Verbindlichkeiten 0,16

Was schnell auffällt ist der riesige Cashberg von über 20 Mio. €. Jeder Hyrican-Aktie sind davon etwa 5€ zuzurechnen. Und das bei einem Aktienkurs von 3,50€ und sehr wenigen Verbindlichkeiten. Würde Hyrican sämtlichen Cash an die Aktionäre auszahlen, würde jeder mehr als den aktuellen Aktienkurs erhalten. Danach könnte man den Geschäftsbetrieb einstellen (alle Verbindlichkeiten und Rückstellungen sind durch Forderungen und Vorräte mehr als gedeckt) und das wars. Hyrican soll also mit laufendem Geschäftsbetrieb weniger wert sein, als wenn das Unternehmen liquidiert werden würde?

Natürlich wird Hyrican eher nicht liquidiert werden. Zumindest deutet derzeit nichts darauf hin. Fakt ist aber, dass der große Cashberg den Aktionären früher oder später zugute kommen wird, wenn der Vorstand damit nichts dummes anstellt. Deswegen schauen wir auf einige Punkte nochmal genauer.

Die Ertragslage

Bei so einem niedrigen Aktienkurs im Verhältnis zum vorhandenen Cash könnte man fast meinen, Hyrican schreibt laufend Verluste. Weit gefehlt, das Gegenteil ist der Fall! Seit dem Börsengang im Jahr 2000 wurde immer ein Gewinn eingefahren.

Jahresüberschuss der Hyrican Informationssysteme AG

Aber auffällig ist eben auch, dass dieser in den letzten Jahren stark rückläufig ist. Was wohl der Grund für den starken Rückgang des Aktienkurses und die extrem günstige Bewertung im Verhältnis zur großen Cashposition ist. Grund für den Gewinnrückgang ist sehr starker Konkurrenzdruck im Geschäftsfeld von Hyrican. Deshalb sinken auch die Umsätze sehr stark: Hyrican verkauft konsequent nur, wenn sinnvolle Margen zu erzielen sind. Und das ist eben kaum noch möglich.

Umsatz der Hyrican Informationssysteme AG

Mein Fazit: investieren oder nicht?

Hyrican wird derzeit für 3,50€ je Aktie gehandelt, gleichzeitig ist aber genug Cash vorhanden, um 5€ je Aktie auszuzahlen. Das ist eindeutig eine Fehlbewertung. Die Frage ist allerdings, wie man davon profitieren kann. Die hohe Cashposition besitzt Hyrican nämlich schon sehr lange. Früher war das auch durchaus sinnvoll: Es wurden sehr viel höhere Umsätze und Gewinne erwirtschaftet, der Cash war notwendig, um Projekte vorfinanzieren zu können, ohne von Banken abhängig zu sein. Der Konkurrenzdruck im Geschäftsfeld von Hyrican steigt jedoch. Man kann dem Unternehmen zugute halten, dass unprofitable Geschäfte konsequent nicht gemacht wurden, nur um das Umsatzniveau zu halten. Das hat dazu geführt, dass das Unternehmen weiterhin profitabel arbeitet, auch wenn die Umsätze sehr stark gefallen sind.
Wie siehts denn mit dem KGV aus? Nimmt man den Gewinn des Jahres 2010 ist Hyrican aktuell mit einem KGV von 14 bewertet… nicht extrem teuer, aber auch bei weitem nicht günstig. Man wird mit dieser Aktie demzufolge nur profitieren können, wenn:

  • die Gewinne wieder deutlich über das Niveau von 2010 steigen, oder
  • ein Teil des Cashs ausgeschüttet wird (in Form von Dividenden oder Aktienrückkäufen)

Beides kann durchaus passieren. Oder auch nicht. Eine Einschätzung halte ich hier für sehr schwierig. Auf der anderen Seite traue ich dem Vorstand zu, zumindest keine Verluste zu erwirtschaften. Dass er dazu in der Lage ist, auch bei schrumpfendem Geschäft, hat er in der Vergangenheit bewiesen. Und er hat auch ein Interesse daran, der Vorstandsvorsitzende Michael Lehmann hält knapp ein Drittel der ausstehenden Aktien.

Ich halte Hyrican durchaus für ein aussichtsreiches Investment. Angesichts einer ungewissen zukünftigen Ertragssituation und einer ebenfalls sehr ungewissen Aussicht auf Auszahlung des Cashbestandes, halte ich die derzeit in meinem Musterdepot enthaltenen Werte allerdings für aussichtsreicher. Derzeit wird die Aktie mit 70% des Cashbestandes des Unternehmens gehandelt. Würde der Börsenpreis auf 50% des Cashbestandes, der Aktienkurs also auf 2,50€ fallen, würde nochmal ernsthaft über ein Investment nachdenken.

aktueller Artikel zu Hyrican: was ist in den zwei Folgejahren bei Hyrican passiert?

Zum weiterlesen

Wer weitere Informationen zur Hyrican Informationssysteme AG möchte, hier mal eine Zusammenstellung von Links:

Unternehmenswebsite Hyrican.de

Hyrican Geschäftsbericht 2010

Interview mit dem Vorstand Michael Lehmann auf Börsen Radio Network

Hyrican einziger Wessi – Artikel auf WiWo.de

Dell aus Thüringen – Artikel auf focus.de

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Kommentare [9]

  1. Matze · 27. Oktober 2011, 15:45 · #

    Hallöchen,

    Bei Hyrican ist ein großer Schnitzer noch ncht berücksichtigt!

    Das schwebende Verfahren zur Urheberrechtsabgabe ist mglw. noch nicht ausreichend berücksichtigt!

    Je nach Rechnung wieviele PCs ausgeliefert wurden und je nach Preis der letztlich vor Gericht entschieden wird können hier noch mehrere Millionen Euro zu Buche schlagen!

    Angesichts dessen, dass das Unternehmen bei anziehender Wirtschaftslage weniger verdient könnte sich das ganze als ValueTrap herausstellen!

  2. Investment-Analyse · 27. Oktober 2011, 15:53 · #

    Ja, da hast du recht, das Urheberrechtsverfahren sollte man nochmal genauer betrachten. Wie viel da im Ernstfall zu zahlen ist, ist sicher ein wichtiger Faktor. Auf der anderen Seite zieht sich das Verfahren nun aber schon sehr lange und es ist kein Ende in Sicht. Selbst bei einer Nachzahlung sollte das Unternehmen weiterhin unter Cash bewertet sein.

    Du hast schon recht, es gibt hier einige Unsicherheiten, weswegen mir der Preis auch noch zu hoch ist.

  3. Gier ist gut · 27. Oktober 2011, 19:50 · #

    Um welchen möglichen Betrag könnte es sich bei der Urheberrechtsverletzung drehen?
    Und in welcher Höhe wurden hier bereits Rückstellungen gebildet?

  4. Investment-Analyse · 27. Oktober 2011, 20:50 · #

    Also soweit ich das Ganze verstanden habe, werden seit 2008 Urheberrechtsabgaben bezahlt bzw. wurden Rückstellungen dafür gebildet. Das Verfahren dreht sich darum, dass diese zusätzlich rückwirkend ab 2002, und zwar in Höhe von 18,42€ pro verkauftem PC, erhoben werden sollen.
    Laut Aussage im Geschäftsbericht soll das Kosten von “mehreren Millionen €” verursachen, wenn es eintritt. Rückstellungen wurden dafür wohl keine gebildet.

    Bitte korrigiert mich, falls ich da was falsch interpretiert habe. Ich hab das Gefühl nicht 100% durchzublicken. Eigentlich bereits ein Ausschlusskriterium für ein Investment.

    Sollte der Kurs also wirklich noch deutlich fallen, muss ich diese Frage also noch eindeutig klären und einschätzen können.

  5. Matze · 27. Oktober 2011, 22:51 · #

    Es wurden keine nennenswerten Rückstellungen gebildet.

    Die Anzahl der verkauften PC’s ist aus den Geschäftsberichten nicht direkt ersichtlich. Kann ja aber aus den Umsätzen geschätzt werden. Bei 18€/PC wäre Hyrican sicher kein Cashwert mehr sondern eher ein Pleitekandidat.

    Ich habe mal mehrere Schätzungen gehört/gelesen. Irgendwas zwischen 3-8 Mio.

    Viel wichtiger ist ob das Geschäftsmodell noch tragfähig ist – und daran kann man zweifeln.

    Heute hat die Deutsche Balaton übrigens ein Übernahmeangebot unterbreitet…

  6. Tobi · 29. November 2011, 13:01 · #

    Ich weiß nicht. Sollte man bei der Lage im Moment überhaupt in Aktien investieren?? Eher nicht? Oder vielleicht gerade jetzt?

  7. Investment-Analyse · 29. November 2011, 13:45 · #

    Ich denke, man sollte gerade jetzt in Aktien investieren.
    Es gibt im Moment haufenweise Aktien, die sehr günstig zu haben sind.

    Ich weiß nicht, wie es mit der Eurokrise weitergeht. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass 99% aller gesunden Unternehmen die Euro-Krise, wie sie auch ausgehen mag, überleben werden.

    Ich kaufe lieber in einer Krise, wenn diese zu einem gewissen Grad in den Kursen eingepreist ist. Denn Krisen wird es immer wieder geben. Für uns alle wird das mit Sicherheit nicht die letzte Krise, möglicherweise nichtmal die schlimmste sein, die wir erleben.

    Natürlich wäre es klüger, abzuwarten, bis die Krise am Tiefpunkt angelangt ist und erst dann zu kaufen, wenn es wieder aufwärts geht. Viele Marktteilnehmer scheinen nach dieser Strategie zu handeln. Ich persönlich kann diesen Zeitpunkt leider nicht vorhersehen. Deshalb mach ist auf die einfache Art: Aktien zu absurd niedrigen Preisen kaufen und darauf vertrauen, dass die Welt schon nicht untergeht. Höchstwahrscheinlich steige ich nicht zum absoluten Tiefpunkt ein, aber was solls.

    Ich weiß nicht, ob das funktionieren wird. Aber zumindest im letzten Jahrhundert hat es das regelmäßig. (Beruht aber nicht auf eigenen Erfahrungen, so alt bin ich nun auch nicht).

  8. — Sir Mike · 29. November 2011, 20:43 · #

    Die Staatsschuldenkrise ist ja eine Krise der Währung Euro, weil die Staaten sich zu lange zu billiges Geld gepumpt haben, ohne die nötigen Strukturreformen damit zu finanzieren. Geht man davon aus, dass die Krise überwunden wird, sollte man Aktien haben. Ist man der Meinung, die Krise wird sich zuspitzen und ggf. sogar der Euro auseinanderbrechen, sollte man möglichst wenig Geld (Euros) haben. Immobilien sind dann eine gute Wahl, da wertbeständig, aber eben auch nur schwer handelbar. Deshalb setzen ja so viele Leute auf Goldmünzen, weil man die eben auch transportieren und schnell eintauschen kann bei Bedarf. Andererseits wirft Gold keine Erträge ab, wenn es denn nicht gerade im Kurs steigt. Aber nach dem Boom habe ich meine Zweifel, ob die Hausse weitergehen kann.

    Die Alternative sind Aktien. Denn man erwirbt ja nicht ein Stück Papier, sondern den Anteil an einem Unternehmen. Verliert das Geld an Wert, sind die Maschinen und Gebäude des Unternehmens noch da. Zur zeit der Hyperinflation in den 1920er Jahren waren Aktien eine Versicherung gegen den Werteverzehr, denn der Unternehmenswert wurde am Ende neu berechnet in der neuen Währung und die Aktien stellten davon den gleichen Anteildar wie zuvor.

    Ob man nun gerade jetzt Aktien kaufen sollte, ist so eine Frage… als Value-Investor sollte man ja ein solides Unternehmen mit guten Kennzahlen auswählen und die Aktie möglichst lange halten. Warren Buffett meint, man solle Aktien dann kaufen, wenn einen auch eine 5jährige Schließung der Börse dann noch ruhig schlafen lassen würde. Für einen langfristig orientierten Anleger finden sich jetzt ganz tolle Einstiegschancen an der Börse. Reicht der Anlagehorizont aber nur einige Monate oder gar Wochen weit, ist das Risiko zum falschen Zeitpunkt einzusteigen, exponenziell höher. ZUm Thema Langfristanlage hat der Fondsmanager Heiko Thieme während der Techblase Ende der 1990er mal etwas Bemerkenswertes gesagt: “Deutsche Anleger verstehen unter einer langfristigen Investition, am Freitagabend Aktien zu kaufen und bis Montagmorgen durchzuhalten”. Das ist zwar sehr böse formuliert, aber dennoch ziemlich treffend für viele Spekulanten.

    Ich habe jedenfalls die letzten Wochen meine Liquidität stark abgebaut und bin nun zu mehr als 80% investiert. Ganz überwiegend in Small- und Midcaps. Alles Werte, die ich eine ganze Zeit zu halten gedenke (sofern sie nicht abgehen wie eine Rakete und jeden vernünftigen Bewertungsmaßstab sprengen oder eine extrem negative Entwicklung im/für das Unternehmen eintritt, dann trenne ich mich). Mein letztes Investment mit einem deutlichen Schwerpunkt in meinem Depot ist ein Unternehmen mit einer aktuellen Dividendenrendite von 16% und hervorragenden Aussichten für die nächsten Jahre.

  9. — Alexander · 29. August 2013, 12:22 · #

    Kurz nach der Veröffentlichung ist die Aktie in die Höhe geschossen, bis auf 9,20€ im Oktober 2012. Danach hat er sich bis heute auf gut 6€ eingependelt. Hat sich der Gerichtsstreit nun vollständig gelegt oder woran lag das? Eine kleine nachträgliche Erklärung wäre schön.

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