Sind Aktien attraktiver, weil Zinsen so niedrig sind?

20. März 2014 -   -  Stefan Mohr

Die Zinsen für festverzinsliche Wertpapiere befinden sich auf einem historischen Tief. Aktien sind daher, auch wenn die Bewertungen im historischen Maßstab nicht mehr günstig, immer noch sehr attraktiv. Es wird immer wieder empfohlen, gerade jetzt Aktien zu kaufen, weil man doch keine Alternative hat. Was sich auf den ersten Blick logisch anhört, ist in meinen Augen recht risikoreich.

Aktien gegenüber Anleihen deutlich unterbewertet?

Aktien wurden im historischen Durchschnitt mit etwa dem 15-fachen der Unternehmensgewinne gehandelt. Natürlich mal billiger, mal teurer. Und das heißt auch nicht, dass für jedes Unternehmen ein KGV von 15 fair ist, schließlich kommt es auch darauf an, ob Gewinne zukünftig steigen oder fallen. Trotzdem könnte man diesen Bewertungsmaßstab als sehr grobe Daumenregel für die faire Bewertung von Aktien nehmen.

Die Gewinne von Unternehmen bestimmen letztendlich auf lange Sicht die Rendite eines Aktionärs. Änderungen des Bewertungsniveaus am Aktienmarkt mögen kurz- und mittelfristig ebenfalls relevant sein, langfristig verschwindet ihr Effekt jedoch. Wenn man also sagt, dass ein KGV von 15 fair ist, sagt man eigentlich, dass eine Rendite von 1/15 = 6,67% für Aktien fair ist.

Aber muss eine Rendite am Aktienmarkt von 6,67% für immer fair sein? Letztendlich hängt die Attraktivität einer Rendite auch immer davon ab, welche Alternativen man hat.

Und da kommen nun die Zinsen auf Anleihen ins Spiel. Im aktuellen Niedrigzinsumfeld mit einer Rendite für 10-jährige Bundesanleihen von 1,6%, scheinen 6,67% Aktienrendite doch extrem attraktiv. Was, wenn man gute Aktien nur zu einem KGV von 20 kaufen kann? Kein Problem, auch 5% Rendite scheinen in Anbetracht der Alternativen bei Anleihen sehr attraktiv. Selbst ein KGV von 30, also 3,33% Rendite könnte man noch in Betracht ziehen.
Plötzlich ist also ein KGV von 30 statt 15 fair. Schöne neue Welt, plötzlich sind Aktien doppelt so viel wert wie vorher. Also kaufen – mit diesem Wissen ist der Aktienmarkt gnadenlos unterbewertet!

oder Anleihen gegenüber Aktien deutlich überbewertet?

Natürlich könnte man das auch anders sehen. Der Renditeunterschied zwischen Aktien und Anleihen ist tatsächlich überdurchschittlich hoch. Aber statt einer Unterbewertung von Aktien könnte das auch an einer Überbewertung von Anleihen liegen. Was ist denn wahrscheinlicher, wenn die Renditen von Anleihen ins bodenlose fallen (bzw. die Anleihenkurse stark steigen)? Mir drängt sich da doch der Verdacht auf, dass Anleihen überbewertet sind.

Warum sind denn die Anleihenzinsen überhaupt so niedrig? Vielleicht, weil der Markt sehr niedrige Inflation annimmt? Für alle die es noch nicht gemerkt haben: zinsmäßig leben wir leider in einer Planwirtschaft. Im großen und Ganzen werden die Zinsen von den Zentralbanken vorgegeben (oder manipuliert könnte man auch sagen). Den Markt können wir an dieser Stelle vergessen!

Anleihen laufen begrenzt, Aktien unbegrenzt

Jetzt stecken wir aber in einem Dilemma. Anleihen sind also zu teuer. Aktien – naja, vielleicht noch akzeptabel, aber wenn sie noch teurer werden? Dann sind Anleihen und Aktien zu teuer. Also Bargeld oder Gold horten, die gar keine Rendite abwerfen? Auch nicht das wahre. Also weiter Aktien kaufen solange die Rendite höher als die Anleihenrendite ist, wie niedrig das auch immer sein mag?

Das ist eine schwierige Entscheidung, aber eines würde ich dabei nicht unbeachtet lassen: Anleihen haben eine begrenzte Laufzeit, Aktien dagegen nicht. Kaufe ich also eine 1-jährige Anleihe mit extrem niedrigen Zinsen, dann tun mir steigende Zinsen nur wenig weh. Nach einem Jahr kann ich die Anleihe verkaufen und nach besseren Anlagemöglichkeiten Ausschau halten. Bei einer 10-jährigen Anleihe sieht es schon schlechter aus. Man hat sich dann für 10 Jahre auf niedrige Zinsen festgelegt. Steigen die Zinsen, bleibts dabei. Oder man verkauft die Anleihe, aber das wird nur mit hohen Kursverlusten möglich sein, das Ergebnis ist das gleiche. Aber wie sieht es bei Aktien aus? Kauft man eine Aktie zu einem KGV von 30 legt man sich für immer auf eine niedrige Rendite fest.
Natürlich könnten die Anleihenzinsen wieder steigen und die Aktienkurse hoch bleiben. Dann könnte man seine “für immer”-Entscheidung korrigieren. Aber auf diese Möglichkeit würde ich lieber nicht bauen, jeder andere wird das dann auch wollen…

Fazit: was tun?

Die Entscheidung, wie man denn nun sein Geld anlegen soll, wenn Anleihenzinsen extrem niedrig und Aktienkurse immer höher sind, ist zugegebenermaßen nicht einfach. Aber die Begründung, dass Aktien immer noch attraktiv sind, obwohl die Kurse hoch sind, weil ja die Anleihenzinsen so niedrig sind, halte ich doch für eine gewagte Annahme. Nicht Aktien sind billig, sondern Anleihen teuer…

Übrigens halte ich den Aktienmarkt nicht für gnadenlos überteuert. Wir haben sicher keine Verhältnisse wie Ende der 90er-Jahre. Aber statt auf Teufel komm raus alles in Aktien zu stecken, würde ich aktuell vielleicht doch eher in den sauren Apfel beißen und teilweise auf Cash setzen. Lieber niedrige Zinsen für ein paar Jahre, als sich mit zu teuren Aktien jahrelang auf eine sehr mittelmäßige Verzinsung festzulegen.

Oder natürlich, man wählt gezielt günstige Aktien aus. Auch in überbewerteten Märkten gibt es immer wieder unterbewertete Aktien. Nur diese zu finden ist leider auch nicht so einfach.

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Kommentare [28]

  1. — daniel · 20. März 2014, 12:35 · #

    mE fehlt der wesentlichste für die Fragestellung relevante Punkt im Artikel:

    Die höhere Attraktivität von Aktien in einem Niedrigzinsumfeld ergibt sich aus der günstigeren (Re-)Finanzierungsmöglichkeit, auf die derzeit die allermeisten Unternehmen zugreifen können (insbesondere wenn sie sich am breiten Anleihemarkt bedienen). Natürlich ist das ein Effekt der sich erst in den nächsten Jahren voll manifestieren wird, aber erste Tendenzen (= steigende Gewinne durch sinkende Refi-Kosten) sind bereits erkennbar. Wenn sich ein Unternehmen jetzt (wie z.B. die Do&Co AG) für 7 Jahre fix verzinst 150 Mio. EUR um 3,125% ausborgen kann, müsste die Rentabilität des Geschäfts gar nicht besonders hoch sein, um allein daraus einen signifikanten Mehrwert für Aktionäre der Gesellschaft zu generieren. Nicht zu vergessen ist der Steuereffekt, der von der Absetzbarkeit der FK-Zinsen ausgeht.

    Wenn die Gesellschaft vorher über 60% EK-Quote hatte und diese dadurch auf 41 oder 42% sinkt, geht damit auch keine signifikante Risikoerhöhung einher, zumindest keine die sich symetrisch zur verbesserten Ertragslage verhält.

    Natürlich sind Anleihen im Mittel derzeit überbewertet, dass die Nachfrage nach ihnen nach wie vor entsprechend hoch ist (auch aus gesetzlichen bzw. regulatorischen Gründen), ist also gerade der Auslöser für die höhere Attraktivität von Aktien. Somit ist gerade wegen der Überbewertung von Anleihen ein höheres “faires” KGV für Aktien in einem Niedrigzinsumfeld gerechtfertigt.

  2. — daniel · 20. März 2014, 12:38 · #

    Nachtrag zu Nr. 1: … dass daraus irgendwann wegen exzessiver Verschuldung die nächste Blase entstehen wird, ist natürlich auch klar…

  3. — krankenhaus · 20. März 2014, 19:01 · #

    Der KGV-Rendite-Vergleich hinkt spätestens dann, wenn man sich konkret große und mittelgroße Unternehmen anschaut. Dieses Jonglieren mit den KGVs (auch in den Medien) lenkt davon ab, dass es eigentlich nur genau zwei Möglichkeiten gibt von Aktien zu profitieren: Dividenden und Kurssteigerungen.

    Welche Aussage hat denn ein KGV von z.B. 15, wenn ein Großteil des Gewinns wertvernichtend reinvestiert wird, also sich nicht ausreichend verzinst? Das ist keine Ausnahmeerscheinung. Die wenigsten großen und mittelgroßen Unternehmen schaffen es, das einbehaltene Kapital selbst mit konservativ angenommenen Eigenkapitalkosten ausreichend zu verzinsen. (Das lässt sich sicher sehr schön am Beispiel Microsoft zeigen, wenn man die einbehaltenen Gewinne auf die Gegenwart aufzinst. Da habe ich jetzt aber keine Lust zu:)

    Die Gewinnrendite des Aktionärs ist also für ein Durchschnittsunternehmen mit zuviel einbehaltenem Kapital und einem KGV von 15 nicht 6,67%, sondern entsprechend wendiger.

  4. — KF · 20. März 2014, 19:06 · #

    <quote>
    Oder natürlich, man wählt gezielt günstige Aktien aus. Auch in überbewerteten Märkten gibt es immer wieder unterbewertete Aktien. Nur diese zu finden ist leider auch nicht so einfach.</quote>

    Das trifft es wohl auf den Kopf. :)
    Aber ich finde das große Aktien wie KO,PG, WFC oder MSFT immer noch genug Rendite abwerfen um sie Cash vorzuziehen. Gerade weil der € aktuell eher hoch bewertet ist und in Zukunft vermutlich wieder sinken wird im Vergleich zum Dollar.

  5. — Zaza · 21. März 2014, 13:36 · #

    Ich setze derzeit auf eine Mischung aus fair bewerteten Aktien und physischem Gold. Das Potential bei Gold nach unten ist durch die Produktionskosten begrenzt.

    Die Anleihenzinsen können kaum noch steigen. Die meisten Industrienationen sind so hoch verschuldet dass sie einen Anstieg der Zinsen auf ein normales Niveau, sagen wir mal 5 %, nicht verkraften können. Japan müsste dann grob geschätzt seinen gesamten Haushalt in den Schuldendienst stecken, die USA ca. 400 Milliarden $ mehr pro Jahr. Das ist nahezu ausgeschlossen. Die Notenbanken sitzen also in einer selbst geschaffenen Zinsfalle, aus der es keinen Ausweg gibt – ausser der vagen Hoffnung die Schulden gesteuert wegzuinlfationieren.

    Mit langfristigen Anleihen verliert man daher sicher. Gold hat hingegen bei einem Scheitern der Notenbankstrategie als natürliche Krisenwährung enormes Potential. Wobei das Risiko besteht dass es als Klumpen Blech einfach nur ein paar Jahre sinnlos im Tresor liegt. Deshalb mische ich 50% Aktien, 50% physisches Gold.

  6. Mario · 21. März 2014, 17:06 · #

    Du hast das aktuelle Dilemma schön beschrieben. Aus den niedrigen Zinsen ziehe ich die gleichen Schlüsse wie du. Die gehen auch wieder hoch und deshalb wäre es gefährlich seine Ansprüche bei der Bewertung von Aktien anzupassen. Das einzige Zugeständnis, das ich mache, ist hier und da Aktien zu einem mehr oder weniger fairen Wert zu halten, wenn mir das Unternehmen gut gefällt. Ansonsten halte ich viel zu viel Cash, weil ich eben auch zu wenigen Aktien oder auch Anleihen finde, die ich für attraktiv bewertet halte.

  7. — daniel · 21. März 2014, 18:10 · #

    “Das Potential bei Gold nach unten ist durch die Produktionskosten begrenzt.”

    Wie soll das funktionieren?

  8. — Joker · 21. März 2014, 18:59 · #

    50 % seines Vermögens in Gold anzulegen finde ich zu viel.
    Dennoch hat die Anlage in Gold im Vergleich zu Anleihen, die garantiert zu Wertverlust führen, auch noch weitere Vorteile.
    Gold ist preiswert ohne Mehrwertsteuer zu erwerben, relativ anonym und kann legal nach einer Spekulationsfrist von nur einem Jahr steuerfrei verkauft werden.
    Wenn also Gewinne anfallen, werden absolut keine Steuern dafür erhoben.
    Das geht bei Aktien, Anleihen nicht.

  9. Mario · 22. März 2014, 10:44 · #

    Ich denke mittelfristig hat das Argument, dass die Produktionskosten dem Preis eine Untergrenze setzen etwas für sich. Kurzfristig kann es immer zu Panik und Übertreibungen kommen.

    Die Produktionskosten für Gold sind in den letzten Jahren stark gestiegen, was auch dazu führte, dass die Minenaktien den Goldpreisanstieg lange nicht so stark nachvollzogen haben. Früher hieß es ja immer, dass Minenaktien, wie eine Option, die Preisentwicklung hebeln. In den letzten Jahren war das Gegenteil der Fal.

    M.E. sollte man aber zwischen den all in Kosten und den cash Kosten der Produktion unterscheiden. Auf Vollkostenbasis haben viele Minen Kosten von über 1.100 USD pro Unze. Teilweise auch noch höher. Allerdings bedeutet ein Goldpreis unter dieser Schwelle erstmal nur, dass keine neuen Minen mehr entwickelt werden, die entsprechend hohe Kosten hätten. Bei den vorhandenen Minen sind die großen Investitionen schon in der Erde versenkt, im wahrsten Sinne des Wortes waren das sunk cost. Für existierende Minen kommt es deshalb eher auf die reinen Produktionskosten an und die liegen für viele Minen deutlich unter USD 1.000 pro Unze.

    Meines erachtens begrenzen die Kosten der Minen den Goldpreis schon nach unten, aber vom heutigen Niveau aus, würde ich trotzdem nicht ausschließen, dass es auch noch 30% bis 50% nach unten gehen könnte, zumindest zeitweise. Ich halte das aber in der Höhe aber nicht unbedingt für wahrscheinlich. Ich persönlich halte sowohl physisches als auch Xetra Gold, allerdings nicht 50% sondern als Diversifikation im einstelligen Prozentbereich.

  10. — ZaVodou · 22. März 2014, 10:46 · #

    Hier wird nur von Aktien, Anleihen und Gold gesprochen. Ich finde es wird eine wichtige Assetklasse vergessen und zwar Immobilien. Ich hatte mal im Internet recherchiert, weil ich wissen wollte, wie viel Immobilien an Rendite mindestens abwerfen sollten und bin auf so 6-7 % bzw. KGV von 15 gekommen.
    Wenn Anleihen also zu wenig Rendite abwerfen, dann werden andere Assetklassen attraktiver. Ob man da noch einsteigen soll, muss jeder für sich von seiner Renditeerwartung abhängig machen. Solange muss man an der Seitenlinie stehen und mit ansehen, wie das Geld von der Inflation aufgefressen wird. Das erfordert Geduld. Mal sehen wie lange da jeder durchhält.
    Gold hat es da am schwersten, weil Gold weder Zins, noch Mietzins oder Dividende abwirft und man eigentlich nur auf eine große Katastrophe wartet, ob diejenigen, die dann Gold halten, falls diese große Katastrophe eintritt, wirklich davon profitieren, ist fraglich. Hier könnten z.B. gesetzliche Restriktionen folgen.
    Ich werde bei Dips jedenfalls weiter Aktien (nach)kaufen, sobald meine Renditeerwartung erfüllt ist, denn das Spiel mit den niedrigen Zinsen kann ewig so weiter gehen, das zeigt das Beispiel Japan.
    Buffett hat übrigens neulich seinen Erben folgende Allokation vorgeschlagen 90 % Aktien in Form von ETF’s auf den S&P 500 und 10 % in Anleihen.

    Gruß
    ZaVodou

  11. — daniel · 22. März 2014, 11:56 · #

    Mario,

    meines Erachtens gilt das Argument, die Produktionskosten begrenzten das Abwärtspotenzial im Goldpreis, nur unter der Prämisse, dass die Goldnachfrage in den nächsten Jahren konstant und deutlich weiter steigt. Gold wird nicht verbraucht (die Nachfrage muss also schon deshalb steigen damit der Preis überhaupt gleich bleibt) und aufgrund der Krisen- und Kriegsangst momentan (vor allem von nicht so beschlagenen Investoren, Privaten eben) in üppigen Mengen nachgefragt.

    Da ich davon ausgehe, dass die Nachfrage nach physischem Gold auf historisch hohem Niveau ist, halte ich es nicht für ausgeschlossen, dass sich dieser Trend in den nächsten Jahren abschwächt, was zur Folge hätte, dass der Goldpreis ratz fatz unter die Kosten vieler Minen fällt und diese Minen eben zusperren – bis das Angebot sich nach unten an die gesunkene Nachfrage angepasst hat.

    Natürlich wird über viele Jahre gesehen sich der Preis wieder über das momentane Niveau erheben, bis dahin ist das Malheur wegen horrender Opportunitätskosten schon längst passiert. Wie mein Vorposter schon geschrieben hat wirft Gold eben keine laufenden Erträge ab.

    Böse Zungen könnten behaupten, dass es dem kleinen Mann einfach als Versicherung gegen die ganz große Katastrophe verkauft wird. Mit ganz großer Katastrophe meine ich nicht einen Börsencrash a la 2007/08, sondern einen anarchischen Zustand. Dort kann man sein Gold dann gegen einen Sack Mehl oder ein paar Eier eintauschen, wie es mitunter nach dem 2. Weltkrieg der Fall war. Von einer gelungenen Absicherung gegen einen Realwertverlust im Vermögen kann man dann aber nicht mehr sprechen…

  12. Stefan Mohr · 22. März 2014, 12:33 · #

    @ Daniel zur günstigen Refinanzierung von Unternehmen:

    Ok, dieser Punkt leuchtet ein und spielt sicher auch eine gewisse Rolle.
    Aber was mich daran etwas stört: wie lange laufen diese günstigen Kredite? 3 Jahre? 10 Jahre? Sprich wenn die Zinsen doch mal wieder steigen ist dieser Effekt dahin. Also wenn man Pech hat, ist dieser positive Effekt vielleicht kleiner als gedacht. Trotzdem sicher nicht zu vernachlässigen.

    @ krankenhaus zum KGV:

    Ja, letztendlich stimmt das, die Rendite auf das einbehaltene Kapital verzerrt den Zusammenhang Rendite – KGV.

    Aber, dass es die meisten Unternehmen nicht schaffen, das einbehaltene Kapital sinnvoll zu verzinsen, das glaube ich ehrlich gesagt nicht. Wenn das so wäre, dann müssten die Eigenkapitalrenditen längst in unterirdische Bereiche gefallen sein, was aber nicht der Fall ist. Wenn man sich mal die durchschnittlichen Eigenkapitalrenditen etablierter Unternehmen ansieht und nicht davon ausgeht, dass diese in Zukunft fällt, würde ich mich sogar zu der Behauptung hinreissen lassen, dass ein KGV von 15 im Schnitt nicht einer Rendite von 6,67% entspricht, sondern sogar eine Kleinigkeit mehr.

    Und gerade Microsoft ist hier sicher ein schlechtes Beispiel. Microsoft hat in den letzten 10 Jahren fast den kompletten Gewinn ausgeschüttet und ist trotzdem massiv gewachsen. Ich schätze mal die Rendite auf das einbehaltene Kapital dürfte rund bei unendlich liegen…

    @ KF, Zaza und Mario

    Ich denke auch, dass es durchaus noch genug Aktien gibt, die fair bewertet sind und die man Cash auch jetzt noch mit gutem Gewissen vorziehen kann. Ich wollte mit dem Artikel auch weniger sagen “bloss schnell raus aus Aktien” als “Aktien auf Teufel komm raus zu kaufen, nur weil Zinsen so niedrig sind, birgt große Gefahren”.

    Zu Gold:

    Wie sich der Preis entwickeln könnte, dazu kann ich eigentlich nicht viel beitragen, nur so viel: der Preis wird nicht auf Null fallen ;-)
    Ansonsten finde ich den Beitrag über mir von Daniel durchaus einleuchtend. Ich denke schon, dass der Goldpreis auch mal wieder sehr weit abstürzen kann (aber nicht muss).

    Ich habe selbst kein Gold, aber ein Argument, warum man nicht statt Euro, Dollar usw. einen gewissen Teil Gold halten sollte, um sich gegen Extremereignisse abzusichern, gibt es im aktuellen Niedrigzinsumfeld sicher nicht. Man muss halt nur damit leben können, dass Gold vielleicht doch wieder deutlich an Kaufkraft verlieren könnte (für Papiergeldwährungen gilt das allerdings analog).

    zu Immobilien:
    Letztendlich trifft der Artikel ja genauso auf Immobilien zu. Immobilien, selbst in München, scheinen gegenüber Anleihen attraktiv. Usw…
    Auch das mit den günstigen Krediten, mit denen sich Unternehmen refinanzieren können, trifft bei Immobilien genauso zu. Solange der Mietzins abzgl. Abschreibungen höher ist als die Zinskosten, macht man ein gutes Geschäft, wenn man die Immobilie fremdfinanziert. Nur dass eine Immobilie 50 oder 100 Jahre Lebensdauer hat und einem keine Bank einen Kredit mit dieser Laufzeit geben wird. Steigen also die Zinsen wieder, schaut man dumm aus der Wäsche, wenn man zu teuer gekauft hat.

  13. — daniel · 22. März 2014, 12:54 · #

    @Stefan: Prinzipiell läuft der positive Effekt zumindest so lange die Zinsen so niedrig bleiben wie jetzt. D.h. solange die Zinsen tief bleiben, können fast alle Unternehmen, die eine halbwegs brauchbare Bonität besitzen, daran partizipieren.

    Danach hängt es davon ab, wie das jeweils untersuchte Unternehmen den positiven Effekt davor ausgenutzt hat – je mehr fix verzinstes Fremdkapital mit umso längerer Laufzeit, desto besser. Hier wird es sehr stark von Unternehmen zu Unternehmen variieren, das kann man aber mit ein wenig Recherche im Einzelfall verlässlich herausfinden. Beispiele gibt es einige die es mE derzeit richtig machen, wie eben schon zB. die Do&Co AG genannt wurde, oder die OMV, die für 2,6 und 3% fix auf 10 bzw. 15 Jahre >1 Mrd. platziert hat.

  14. Stefan Mohr · 22. März 2014, 13:04 · #

    @Daniel:
    Stimmt schon, ist sicher ein interessanter Effekt, den man bei der Bewertung von Unternehmen nicht unbeachtet lassen sollte.

    Was auch noch wichtig ist zu beachten ist natürlich, was dann mit dem Geld gemacht wird. Wenn man plötzlich mal einen Batzen Geld zu günstigen Konditionen gekriegt hat, ist sicher die Versuchung da, haufenweise unprofitable Projekte, Übernahmen usw. zu starten. Aber auch da kann man sicher versuchen einzuschätzen, wie solide das Management in der Vergangenheit gewirtschaftet hat.

  15. — krankenhaus · 22. März 2014, 16:38 · #

    @Stefan, danke für deine Antwort.
    Nun, ich habe sicher keine breiten Untersuchungen gemacht und kann immer nur auf das zurückgreifen, was ich in meinen Tabellen erfasse. Ein paar hatte ich dir ja mal vor einem Jahr oder so zugeschickt. Und Microsoft ist vielleicht tatsächlich ein schlechtes Beispiel.

    Microsoft hat fast die kompletten Gewinne ausgeschüttet???
    http://www.sfg-value.de/ressorts/unternehmensanalysen/54-unternehmensanalyse-microsoft-corp

    Die EK-Rendite kann aber hier kein Gegenargument sein. Das Spiel läuft doch immer so ab: Es wird eine unsinnge Aquisition getätigt oder ein anderes wertvernichtendes Investment. Nach vielleicht drei Jahren und einem Managementwechsel kommt die Abschreibung. Danach sehen die EK-Renditen natürlich wieder blendend aus. Das ist der typische Schweine-Zyklus.

    Ich meine, mann muss sich schon die Mühe machen und die Summe der über einen längeren Zeitraum einbehaltenen Gewinne den tatsächlichen und nachhaltigen Gewinnsteigerungen gegenüberstellen. Das ist eine direkte und ehrliche Analyse der Werthaltigkeit einbehaltener Gewinne. Zumindest bei meinen untersuchten Unternehmen ist das dann oft sehr ernüchternt.

  16. — daniel · 22. März 2014, 17:30 · #

    “Microsoft hat fast die kompletten Gewinne ausgeschüttet???”

    Inklusive Aktienrückkäufe musste wirklich nicht viel einbehalten werden

  17. Stefan Mohr · 22. März 2014, 18:10 · #

    @krankenhaus:

    Klar, wenn man hier mit der eigenkapitalrendite argumentiert, muss man mit langfristigen durchschnitten rechnen und wertvernichtende aquisitionen ziehen diese dann nach unten.
    Am besten schaut man sich das vermutlich doch immer im einzelfall an.

  18. — Markus · 25. März 2014, 19:43 · #

    Ich schaue mir eigentlich immer die großen Märkte mit dem geglätteten 10-Jahres-KGV an…

    Danach ist USA teuer, Europa moderat (der Süden billig), Emerging auch moderat bis billig.

    Die Empfehlung von Buffett finde mit den 90 % s&p und 10 % Anleihen ist aber etwas schwach.
    Ein BIP-basiertes etf-Depot mit small, value, emerging und auch 10 % Anleihen wird diese Empfehlung deutlich schlagen, selbst mit 5 – 10 % Rohstoffen drin.

    Die Staatsschuldenkrise finde ich sehr bedenklich… durch Sparen ist diese nicht mehr lösbar… Inflationierung, Täuschung (hedonistische Berechnung, BIP-Täuschung), oder der harte Weg mit Sparprogrammen, Deflation und folgende Staatspleiten…
    Die Amis haben den Vorteil, dass Sie fast nur in eigener Währung verschuldet sind…

    Diversifikation ist die einzige Gratis-Versicherung für mich persönlich. Reine Value-Anleger werde da anders denken.

  19. — daniel · 26. März 2014, 08:06 · #

    “Ich schaue mir eigentlich immer die großen Märkte mit dem geglätteten 10-Jahres-KGV an…”

    Das berücksichtigt den Zinseffekt aber auch nicht oder?

  20. — Markus · 26. März 2014, 10:05 · #

    Nein, die Attraktivität im Vergleich zu Bonds hat damit nichts zu tun.
    Allgemein halte ich die Aussagekraft von Staatsanleihen nicht mehr so stark wie früher. Es sind schon stark Planwirtschaftliche Strukturen im Anleihen-Segment…
    Höhere Zinsen können sich viele auch gar nicht mehr leisten. Auch ist der Effekt von Fremdkapital zur Ankurbelung der Wirtschaft stark geschrumpft, da gewisse Grenzen überschritten worden sind…

    Bei Starcapital-Research gibt es auch schöne Übersichten zum 10-Jahres-KGV für ganze Länder. Nach hohen Bewertungen folgten mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit unterdurchschnittliche Renditen der Märkte und umgekehrt.

    Momentan ist mir Cash deutlich lieber als Anleihen. Wobei 90 % in anderen assets steckt.

  21. Stefan Mohr · 26. März 2014, 10:36 · #

    Danke für den Hinweis mit Starcapital Markus, ich verlinke das mal hier:

    starcapital.de/research/laender

  22. — daniel · 26. März 2014, 11:10 · #

    @Markus: welche Grenzen sind überschritten worden? Den Verschuldungsgrad vieler Unternehmen kannst Du ja nicht meinen, weil viele Betriebe stehen heute sicherlich solider da als vor 5 bis 10 Jahren…

    Was die Aussagekraft von Staatsanleihen betrifft, so gebe ich Dir teilweise recht, zumindest wenn man sie als Maßzahl für den risikolosen Zins heranziehen will

    Der Link zu starcapital ist wirklich hilfreich, danke!

  23. — Markus · 26. März 2014, 13:57 · #

    @Daniel

    Die Staatsverschuldung vieler Industrienationen. Habe die letzte 2 Wochen wieder 3 Bücher aus der Bücherei gelesen. Die Inflation kommt, wirtschaftliche Selbstverteidigung und der Aufschwung kommt (etwas konträr).
    In einem stand da, wie staatliche Statistiken geschönt werden, wie viel Fremdkapital des Staates früher fürs Wirtschaftswachstum gebracht hat und dass dieser Effekt stark nachlässt.

    Sicher kann man sagen, dass interessiert die einzelnen Unternehmen nicht…
    aber bis jetzt sind Verfehlungen seitens der Politik immer wieder umverteilt worden…
    die Verschuldung über die letzten 3 Dekaden ist schon gigantisch.

    Prinzipiell finde ich get abstract auch interessant, aber leider teuer. Buchzusammenfassungen auf ein paar Seiten das Wesentliche für ein ganzes Interessengebiet… Soll keine Schleichwerbung sein, da ich es mir momentan nicht leisten will! ;-)
    Ich bleibe bei der Bücherei!

  24. Ulrich · 28. März 2014, 10:37 · #

    Viele Staaten retten sich immer weiter über steigende Staatsquoten. Der Lanzeittrend ist, dass der Staat immer mehr Beschäftigung selbst schafft.

    Ehrlich gesagt ist dies eben die SChattenseite. Die Firmengewinne sind in den letzen 30 eben auch schön geklettert, weil durch die IT und Robotik schön Kosten (Personal) gesenkt werden konnten.

    Wie das endet? Weiß nicht. Gibt wohl aktuell zwei System. Entweder wird man in der Wirtschaft was oder man hangelt sich im Staatsapperat hoch (was sich oft mehr lohnt. Vergleich mal was ein BWLer oft verdient und was ein studierter Beamter bekommt).

  25. Stefan Mohr · 28. März 2014, 10:52 · #

    Hallo Ulrich, danke für deinen Kommentar!

    Mal zwei Anmerkungen bzw. Fragen:

    Die Firmengewinne sind in den letzen 30 eben auch schön geklettert, weil durch die IT und Robotik schön Kosten (Personal) gesenkt werden konnten.

    Sicher, dass das so ist? M.E. führen solche Einsparungen eher zu sinkenden Preisen als zu höheren Gewinnen. Die Konkurrenz kann schließlich genauso Kosten sparen.

    Entweder wird man in der Wirtschaft was oder man hangelt sich im Staatsapperat hoch (was sich oft mehr lohnt. Vergleich mal was ein BWLer oft verdient und was ein studierter Beamter bekommt).

    Also mein Eindruck ist eher das Gegenteil. Zumindest im höherqualifizierten Bereich sind die Löhne in der freien Wirtschaft teilweise deutlich höher als im Staatsdienst.

  26. — Markus · 28. März 2014, 19:02 · #

    Das erinnert an Buffett`s Meinung zu Berkshire und J. Siegel mit “Überlegen investieren”…

    Einsparungen, die alle machen bzw. zur Verfügung stehen, bringen wirtschaftlich keine so riesigen Vorteile für das jeweilige Unternehmen, wie sich manche Manager anfangs erhoffen.

    Ein stärkerer Dienstleistungssektor kann mitunter verloren geglaubte Industrie-Jobs auffangen.

    Politik & Gehaltsdebatten sind sehr mühselige Themen. Leistung, Sparquoten und Lernbereitschaft zahlen sich meistens mehr aus, als zu jammern.

  27. — Liz · 6. Mai 2014, 14:05 · #

    Du beschreibst mein Dilemma sehr schön. Ich bin noch ganz am Anfang meiner “Karriere”, was das investieren anbetrifft (lese im Moment gerade Grahams “Intelligent investieren”), bis jetzt habe ich zwar viel Geld gespart, aber eben cash. Ein paar Vorstellungen habe ich zwar schon, aber es ist nichts befriedigendes dabei: Anleihen – meh (wie du hier schreibst), Gold – könnte ich mir vorstellen, aber natürlich nur mit einem kleine Teil meines Geldes, Aktien – klar, aber für die Auswahl von Einzeltiteln fühle ich mich noch nicht bereit und der Gesamtmarkt scheint eher teuer, Immobilien – hier in der Schweiz sind die Preise bereits überaus hoch und der Gedanke widerstrebt mir, praktisch mein ganzes Vermögen in eine Anlage zu stecken (Klumpenrisiko). Und so bleibe ich vorerst auf meinem Cash sitzen. Irgendwie frustrierend…aber dafür habe ich jetzt einen neuen Blog gefunden :-)

  28. Value Invest · 10. Mai 2014, 14:02 · #

    Die Aussage: “Im aktuellen Niedrigzinsumfeld mit einer Rendite für 10-jährige Bundesanleihen von 1,6%, scheinen 6,67% Aktienrendite doch extrem attraktiv” vernachlässigt, dass bei der Aktiengewinnrendite die allgemeine Inflation noch nicht eingerechnet ist. Diese müsste bei der Rendite noch addiert werden, da der Unternehmenswert als Sachanlage mit der Inflation mitwächst.

    Zudem können Unternehmen noch unabhängig von Investionen noch Wachstum zeigen, so dass die Renditeunterschiede eher noch etwas größer ist.

    Jedenfalls muss mit der Renditedifferenz das größere Risko am Aktienmarkt abgedeckt werden. Ob dies derzeit insgesamt oder für einzelne Aktien zutrifft, muss jeder selbst entscheiden.

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