Günstige Aktien finden mit dem Financial Times Stock Screener

4. December 2013 -  ,  -  Stefan Mohr

Der Financial Times Stock Screener ist eine sehr gute Möglichkeit, nach günstigen Aktien zu suchen. Ich selbst nutze den Screener immer mal wieder und stoße damit oft auf interessante Aktien.

Ihr findet den Screener hier:
markets.ft.com/screener/customscreen.asp

Was ich an dem Screener gut finde, ist nicht etwa, dass man damit nach super-komplexen Kriterien nach Aktien suchen kann. Sondern vielmehr:

  • auch europäische Aktien sind enthalten
  • auch für sehr viele kleine europäische Unternehmen sind Daten vorhanden
  • der Financial Times Stock Screener lässt sich ganz gut bedienen
  • der Screener ist kostenlos

Insbesondere die ersten beiden Punkte machen leider die allermeisten anderen Screener, so toll sie auch sonst sein mögen, für mich wertlos.

In diesem Artikel werde ich zusammenfassen, wie ich den Screener nutze. In der Hoffnung, dass allen, denen dieser Screener neu ist, der Einstieg erleichtert wird. Aber auch, wer den FT Stock Screener schon kennt, wird vielleicht ein paar Anregungen mitnehmen können.

Region und Branche

Der erste Schritt ist die Auswahl von Region und Branche, in denen man suchen möchte. Wenn man nicht will, muss man hier aber auch keine Einschränkungen machen.
Was mir erst nicht bewusst war ist übrigens: man kann auch nacheinander verschiedene Unterkategorien wählen und dort bestimmte Einträge markieren. Wer also in Belgien und Brasilien suchen will, wählt erst Europe und klickt Belgien an und wechselt dann in die Kategorie “Americas”. Der Haken bei Belgien bleibt erhalten. Für die Branchenauswahl gilt das analog.

Bei der Auswahl werden einem dann Matches und Cumulative Matches angezeigt. Die Matches beziehen sich auf die gewählten Regionen oder Branchen (oder auch auf die Equity Attributes s.u.), ohne dass andere Kriterien betrachtet werden. Die Cumulative Matches dagegen zeigen an, wie viele Aktien nach Anwendung aller vorhergehenden Einschränkungen noch übrig bleiben.

Equity Attributes

Das eigentlich spannende sind aber nun die Equity Attributes. Hier sind anfangs 6 Kriterien eingestellt, die ich mehr oder weniger brauchbar finde. Unter dem Namen kann man diese mit remove entfernen, wovon ich immer erstmal großzügig Gebrauch mache. Einzig die Market Cap behalte ich eigentlich immer als Kriterium.

Bevor man jetzt fortfährt, sollte man erstmal über den Equity Attributes die bevorzugte Währung ändern. Standardmäßig ist hier Pound eingestellt, die meisten werden es wohl auf Euro umstellen. Alle eingestellten Kriterien (z.B. Marktkapitalisierung) werden dann als in der gewählten Währung angegeben interpretiert.

Und nun kann man fortfahren und unten auf “add additional Criteria” klicken. Hier hat man nun eine große Auswahl an Kriterien. Viele davon finde ich für meine Zwecke uninteressant, einige aber auch sehr interessant. Jeder wird hier sicher eigene Ideen haben, welche Kriterien und welche Zusammenstellungen von Kriterien sinnvoll sind. Aber ich möchte mal einige Ideen zusammenstellen, was ich interessant fand.

Zunächst: ich denke, weniger ist hier mehr. Ich verwende nur in seltenen Fällen mehr als drei Kriterien gleichzeitig. Ich glaube nicht, dass überkomplexe Screens zu besseren Ergebnissen führen…

Noch ein Hinweis zum Einstellen der Werte: die standardmäßig zu sehenden Slider sehen schön aus, sind aber eher unpraktisch. Also auf “Enter specific values” klicken und Werte direkt eintragen. die Kurzzeichen k,M,B können für Tausend, Millionen und Milliarden verwendet werden.

  • Marktkapitalisierung: Diese behandle ich mal extra, denn sie ist eigentlich bei jedem Screen von mir mit dabei. Erstens weil ich mich eher auf kleinere Unternehmen konzentriere (meistens setze ich die obere Grenze auf 500 oder 1000 Mio. €). Zweitens, weil man damit einfach Unternehmen ausschließen kann, die längst insolvent sind oder gar nur noch als Börsenmäntel existieren. Ich setze daher die untere Grenze immer auf wenigstens 1 oder 2 Mio. €.

niedriges KGV

  • P/E Ratio: z.B. 0 bis 7
  • EPS Growth Rate (5 Year): z.B. < 10 (%)
  • ROE (5 Year Average) z.B. min. 5 (%)

Ein niedriges KGV ist natürlich schön, also begrenzen wir dieses nach oben, aber natürlich auch nach unten (0), um Unternehmen mit negativen Gewinnen auszuschließen.

Problem: nun haben wir vermutlich massenhaft Unternehmen mit im letzten Jahr einmalig hohen Gewinnen in den Ergebnissen. Also begrenzen wir die Wachstumsrate des Gewinns pro Aktie auf z.B. 10% pro Jahr in den letzten 5 Jahren (Prozentzeichen nicht mit angeben). Das stellt zumindest sicher, dass vor 5 Jahren auch schonmal Gewinne in ähnlicher Größenordnung gemacht wurden. (2-4 Jahre davor leider nicht, aber zumindest haben wir schonmal viele Kandidaten mit stark schwankenden Gewinnen ausgeschlossen).

Um noch ein paar Unternehmen rauszufiltern, die zwar vor einem und vor 5 Jahren gute Gewinne gemacht haben, dazwischen aber massig Verluste, verlangen wir noch eine durchschnittliche Eigenkapitalrendite von z.B. 5% in den letzten 5 Jahren.

Am liebsten wäre mir folgendes: kleines KGV berechnet mit dem mittleren Gewinn der letzten 5 Jahre. Mit dem FT Stock Screener leider nicht möglich, aber mit oben genanntem Screen kommt man diesem Gedanken zumindest näher, als wenn man nur nach KGV des letzten Jahres filtert.

niedriges KBV

  • Price to Book Value: z.B. 0 bis 0.7
  • ROE (5 Year Average): z.B. > 5%
  • optional: ROE: z.B. > 0%

Auch unter Aktien mit kleinem Kurs-Buchwert-Verhältnis können sich viele Schätze befinden. Nicht so erstrebenswert sind natürlich Unternehmen, die ständig Verluste machen und sich das niedrige KBV so schnell relativiert. Also verlangen wir eine Eigenkapitalverzinsung von zumindest ein paar Prozent in den letzten 5 Jahren. Optional vielleicht auch: keine Verluste im letzten Jahr (also Eigenkapitalrendite >0).

stark gefallene Aktien

  • 52 Week Price Change Percent: z.B: < -20%
  • optional: ROE (5 Year Average): z.B. >5%

Dieser Screen ist so einfach wie effektiv: Aktien suchen die stark gefallen sind. In der Hoffnung, dass bei einigen der Kursrutsch zwar begründet aber übertrieben ist. Je nach Marktphase wird man hier die Schwelle sicher anders legen. In einem Bullenmarkt ist schon eine Aktie, die 10 oder 20% gefallen ist ziemlich schlecht. In einem Bärenmarkt wird man vielleicht eher nach Aktien suchen, die mehr als 50% innerhalb eines Jahres gefallen sind.
Um irgendwelche Biotech-Klitschen auszuschließen, kann man natürlich auch hier wieder eine gewisse 5-Jahres-Eigenkapitalverzinsung verlangen.

Unternehmen mit viel Cash

  • Enterprise Value < 0

Nach Unternehmen mit viel Cash kann man nicht direkt screenen, aber mit einem Trick schon: wie suchen nach Unternehmen mit negativem Enterprise Value. Den Enterprise Value könnte man folgendermaßen berechnen:

Enterprise Value = Marktkapitalisierung + Finanzverschuldung – Cash

Ein negativer Enterprise Value bedeutet also: nach Bezahlung der Finanzschulden bleibt mehr Cash übrig, also die Marktkapitalisierung beträgt.

Leider weiß ich nicht genau, wie der FT Screener den Enterprise Value berechnet, ich bekomme immer kleinere Abweichungen. Auch ein Problem: oft verstecken sich Finanzverbindlichkeiten hinter einigen Posten, die der FT Screener übersieht.

Wie die Ergebnisse interpretieren?

Nun ein paar Worte dazu, was ich mit den Ergebnislisten mache.

Zunächst mal klickt man oben auf “Widescreen View”, dann wird das ganze etwas übersichtlicher.
Was macht man nun damit? Gleich vorneweg: es wird immer recht viel Müll dabei sein. Also irgendwelche Unternehmen, die es aus irgendwelchen Gründen durch den Filter geschafft haben, obwohl sie eigentlich nicht das sind, wonach man gesucht hat.

Was ich meistens mache:

  • Unternehmen von der Liste in einem neuen Tab öffnen
  • ggf. kurz bei bei “Financials” auf die Zahlen schauen. Ist ein schöner erster Überblick
  • unter “Business Profile” die Beschreibung durchlesen
  • unter der Beschreibung findet man den Link zur Unternehmenswebsite. Wenn man jetzt immer noch interessiert ist, sollte man hier den aktuellsten Bericht suchen und sofort in Bilanz und GuV nach dem Haken suchen. Meist wird man recht schnell fündig. Wenn nicht, hat man vielleicht etwas interessantes gefunden und sollte sich tiefergehend mit dem Unternehmen beschäftigen

Wer von euch nutzt den Financial Times Stock Screener? Habt ihr noch irgendwelche Ideen und Hinweise zur Nutzung? Ich freue mich auf euren Kommentar!

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