Fundamentaldatenübersicht deutscher Unternehmen als Buch: eine Leseridee

17. März 2015 -   -  Tobias H.

In diesem Gastartikel stellt ein Leser eine interessante Idee vor: eine Übersicht über langjährige Fundamentaldaten deutscher Unternehmen als Buch herauszubringen. Ziel dieses Artikels ist, erstmal herauszufinden, wie die Idee ankommt, bevor dieses recht aufwändige Projekt gestartet wird. Ich bin gespannt auf eure Meinungen und Ideen dazu!

Liebe Leserinnen und Leser von Simple Value Investing,

ich heiße Tobias, bin 27 Jahre alt und komme aus Unterfranken.
Seit sechs Jahren bin ich am Aktienmarkt tätig und seit (leider nur) fast so vielen Jahren analysiere ich Unternehmen. Für die meisten meiner Analysen habe ich Tabellen erstellt, wodurch sich einiges an Material angesammelt hat, auch wenn nicht jedes der von mir analysierten Unternehmen gleich gründlich untersucht wurde.

Als ich in letzter Zeit – vor allem durch Texte von/über Buffett und Graham – immer wieder von sogenannten „Manuals“ oder „Stock Guides“ gelesen habe, habe ich selbst nach solchen Büchern gesucht. Leider habe ich aber fast keine gefunden. Es gibt zum Beispiel auf Amazon den „Standard and Poors 500 Guide“. Leider wurde dessen Produktion jedoch nach der 2013er Ausgabe eingestellt. Wir leben eben im Internet-Zeitalter.

Natürlich kann man sich die Daten auch auf vielen Web-Seiten heraussuchen. (Stefan hat mich hier zum Beispiel auf die sehr umfangreichen Daten-Angebote von Ariva.de aufmerksam gemacht.) Allerdings bin ich diesbezüglich ein sehr altmodischer Mensch. Ich hab gern was in der Hand. Mir fehlt bei einer Internet-Seite einfach der Überblick – also der Überblick über alle wichtigen Zahlen über einen gewissen Zeitraum bzw. über eine Gruppe an Unternehmen.

Ich fände es zum Beispiel nützlich, öfter mal einen „Katalog“ mit den „wichtigsten“ (Kenn-)Zahlen der letzten zehn Jahre aller Unternehmen zur Hand zu haben, um zu sehen, wie sie denn momentan so bewertet sind, und auch um so eine Zehnjahresübersicht mal auf mich wirken zu lassen, um einen wirklichen Überblick zu gewinnen, wie sich das Unternehmen denn entwickelt hat.

Ein deutscher Aktienbrief, der hier nicht genannt werden möchte, hat mal geschrieben, dass der Chart einer Aktie quasi der Lebenslauf des Unternehmens sei. Das halte ich natürlich, einigermaßen respektvoll ausgedrückt, für ziemlichen Unsinn. Und das muss ich hier, denke ich, auch niemandem erklären. Dagegen aber eine Zehnjahresübersicht mit den wichtigsten Bilanz-, Cashflow-, GuV-, Mitarbeiter- und Pro-Aktie-Angaben eines Unternehmens vor mir zu haben, und diese auch noch mit der anderer Unternehmen vergleichen zu können, halte ich für eine sehr große Hilfe, und wünsche ich mir schon seit Längerem. Die Firmen Fuchs Petrolub, K+S und Rational haben, zum Beispiel, solche Übersichten in ihren Geschäftsberichten. Leider – und verständlicherweise – ist nicht jedes Unternehmen so stolz auf seine Entwicklung.

Also kam mir in den letzten Wochen die Idee, ein Buch/einen Katalog zu schreiben, in dem für jedes DAX, MDAX, SDAX und TecDAX-Unternehmen (evtl. auch für einige Nebenwerte jenseits dieser Indices) eine DIN A4-Seite mit den „wichtigsten“ Zahlen für die letzten 10 Jahre enthalten ist. Dadurch könnte auch ein wertwoller Beitrag für die deutsche Aktien- und Informationskultur entstehen.

Ich bin nach einigem Überlegen zu der Meinung gelangt, dass das Buch hauptsächlich Zahlen enthalten soll. Genauere Informationen über Produkte, Märkte, Wettbewerber, etc. würden nicht nur jeglichen Rahmen sprengen, sondern auch mich überfordern. Ich tendiere also dazu, höchstens ein „Kurzporträt“ jeder Firma einzufügen – ein paar Sätze, wie man es auf Ariva.de angeboten bekommt.

Natürlich kann jeder dieses Buch nutzen, wie er möchte. Aber, da sich wahrscheinlich viele Leute, nachdem sie evtl. durch quantitative Aspekte auf ein potenzielles Investment aufmerksam wurden, vor dem Kauf einer Aktie noch mal intensiver mit den „weichen Fakten“ des betroffenen Unternehmens befassen werden, kann so ein Porträt ohnehin nicht wirklich ausreichend sein. Denn dann könnte man über jede Firma gleich ein eigenes Buch schreiben – oder einfach den Geschäftsbericht lesen.

Also nun zu dem Buch …

Wie wäre das Buch “aufgemacht”?

  • Das Buch, wenn man es so nennen will, wäre äußerlich so aufgebaut wie ein Geschäftsbericht.
  • Es hätte also DIN A4-Hochformat, eine Klebe-Bindung und bestünde wahrscheinlich aus mattem Foto-Papier
  • Die Seitenzahl läge ungefähr zwischen 200 und 350 – je nach dem, ob auch Kleinfirmen enthalten sind
  • Die Zahlen eines Unternehmens wären in etwa so aufbereitet, wie ihr es in dem Beispiel-Blatt sehen könnt: Adidas AG.pdf [236,24KB]
  • Die Zahlen würden je nach Unternehmen variieren. Bei Banken, Versicherungen und Immobilien-Firmen würde ich andere Zahlen angeben. Evtl. könnten – je nach Branche – unterschiedliche Kennzahlen verwendet werden.
  • Das Buch enhielt auch Tabellen mit der Index-Zugehörigkeit und z. B. einer Zusammenfassung mit den Summen oder Durchschnitten aller Unternehmen, evtl. auch aller Unternehmen eines Indexes. (Ich bin auch offen für Vorschläge)
  • Das Buch könnte jahrlich im Frühjahr erscheinen.
  • Der Preis würde ca. 35 Euro betragen

Warum schreibe ich hier also diesen Gastartikel?
Der Grund ist, dass die Produktion eines solchen Buches einiges an Geld und Zeit kosten würde. Und ich möchte keines von beiden in das Buch stecken, ohne vorher wenigstens ungefähr zu wissen, ob es überhaupt genug Leute gibt, die es kaufen würden. Ich habe also Stefan gefragt, ob er auf seiner Seite eine Umfrage schalten kann, ob Interesse besteht, und er war so großzügig, mir hier eine Plattform für diese Idee zu bieten.

Damit ich ein wenig das Interesse abschätzen kann, würde ich mich freuen, wenn ihr an der Umfrage teilnehmen würdet!

Würdet ihr das beschriebene Buch mit Fundamentaldaten deutscher Unternehmen für vorraussichtlich rund 35€ kaufen?

Würde ich definitiv kaufen
Würde ich möglicherweise kaufen, bin mir aber noch nicht sicher
interessiert mich, ist mir aber zu teuer
würde ich nicht kaufen


Ich freue mich auch sehr über Kommentare:

Wärt ihr an so etwas interessiert?
Welche von den angegebenen Zahlen würden euch nicht interessieren?
Welche Zahlen vermisst ihr?
Was haltet ihr von der Übersichtlichkeit bzw. der grafischen Aufbereitung?
Würdet ihr den genannten Preis zahlen?
Könnt ihr euch vorstellen, so ein Buch jährlich zu kaufen?
Interessieren euch vielleicht ganz andere Unternehmen?
Was möchtet ihr sonst noch wissen?
Würdet ihr so ein Buch lieber in digitaler Form kaufen, dann vermutlich ein Stück günstiger?

Danke und viele Grüße

Tobias

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Kommentare [14]

  1. — spotturn · 17. März 2015, 17:32 · #

    FWIW: Es gibt/gab mal den Hoppenstedt Börsenführer, der genau diese Informationen beinhaltet. Ich habe gerade den Band II/2004 vor mir liegen mit den Kennzahlen von 1995 bis 2003

  2. — Georg · 17. März 2015, 18:22 · #

    Ich finde das an sich keine schlechte Idee. Und Respekt für die geplante Leistung. Ich würde unter Umständen auch 35 Euro dafür bezahlen:

    - jährlich 35 Euro fände ich zuviel, denn in den Folgejahren müssen “nur” die Daten eines Jahres aktualisiert werden, abgesehen von Splits und ggf. Indexaufsteigern.

    - Hier fände ich ein System ähnlich Rentrop besser, als Loseblatt-Sammlung im Ordner – individuelle Sortierung möglich (alphabetisch, Index, Peergroup etc.)

    - als Zusatzangebot eine xls-Datei, um eigene Kennzahlen integrieren zu können

    - einzelne Zahlen mit Diagrammen aufbereitet (Gewinnentwicklung, Gewinn pro Aktie, Buchwert o.ä.)

  3. — Gerd Luetjen · 18. März 2015, 13:48 · #

    Gute Idee Tobias, wenn Du die Daten hierfür habe ich die für ca. 600 Gesellschaften wohl schon (überwiegend deutsche und grosse internationale Werte).

    Leider ist dies auch die schlechte Nachricht, denn ein solches Werk existiert schon, nur wesentlich teurer. Wir zahlen für die entsprechende Dienstleistung ca. 800 € p.a. M.E. sogar ein guter Preis – wenn auch für Hobbybörsianer kaum lohnenswert bzw. zu teuer.

    Wenn das Buch neben den Daten noch einen – auf Valuedaten basierenden – kommentierenden Teil hätte würde ich mich ggf. sogar am Buchprojekt beteiligen. Du erreichst mich bei Interesse unter g.luetjen@aub-ag.com.

    Auf jeden Fall wünsche ich Dir viel Glück mit dem Projekt und wäre sicher – schon aus Kostengründen – ein Käufer.

    Mit sonnigem Gruss aus Malta

    gerd

  4. — Fullhouse · 18. März 2015, 14:22 · #

    Idee ist gut, Medium ist falsch, da es sich um eine Datensammlung ergo. Datenbank handelt sollte man dies digitalisiert anbieten. Vorteil man kann es aktualisieren.

    Aktive Börsianer hängen am Internet und lesen Bücher allenfalls als Backgroundinformation.

  5. — Markus S. · 18. März 2015, 17:34 · #

    An einem Buch selbst wäre ich nicht interessiert, da mir dort einfach die Suchmöglichkeiten fehlen, die gute Screener bieten (z.B. zeige mir mal bitte alle deutschen Unternehmen an, die in den vergangen 3 Jahren ihren Gewinn um mindestens 10 % gesteigert haben, deren EK-Quote > 50 % ist und deren Free Cashflow immer größer dem Gewinn war).

  6. — Michael W. · 19. März 2015, 17:40 · #

    Eine für mich wesentliche Frage: Wieviele Unternehmen wären in so einem “Buch” erfasst? Und wie dick würde so ein Buch entsprechend? Ich fände grundsätzlich eine Printversion sehr praktisch, denke aber nicht dass sie für 35€ zu machen ist.

  7. — Tobias H. · 19. März 2015, 18:34 · #

    Hallo Michael,

    danke für die Fragen!

    In dem Buch wären mindestens die 160 Unternehmen enthalten, die in den o. g. deutschen Indizes enthalten sind.
    Ob auch “wichtige” Kleinfirmen erfasst wären, hängt z. B. davon ab, wie viele Seiten für jedes Unternehmen reserviert wären, was wiederum davon abhängt, ob “weiche Fakten” enthalten wären.
    Wenn mehr als nur die oben einsehbare Seite – also nur Zahlen – für jedes Unternehmen enthalten wäre, würden wahrscheinlich auf jede Firma zwei Seiten entfallen, was mindestens 320+ Seiten ergeben würde. In diesem Fall wären sicherlich nur 160 Unternehmen enthalten.

    Das Buch wäre ca. 1,5 cm dick, ähnlich eines “durchschnittlichen” Geschäftsberichtes, welcher sich m. E. sehr bequem lesen lässt.

    Ob das Buch für diesen Preis zu machen wäre, hängt davon ab, wie viele man drucken lässt. Um das entscheiden zu können, haben wir die Umfrage gestartet.

    Ich kann das Buch auch für ca. 50 Euro verkaufen. (Das ist immer noch relativ günstig, wenn man es z. B. mit dem “Schweizer Aktienführer” vergleicht, welcher über 90 Euro kostet, oder mit dem “Hoppenstedt”, welcher 350 Euro kostet.) Dann könnte ich das Buch hochwertiger und in kleinerer Auflage produzieren lassen. Dann hätte ich weniger Risiko.
    Aber dann wäre es natürlich für den Privatinvestor, für welchen es hauptsächlich gedacht ist, weniger erschwinglich.

    Gruß

    Tobias

  8. — Tobias H. · 19. März 2015, 18:40 · #

    Hallo Gerd,

    danke für deinen freundlichen Kommentar.

    Was meinst du mit deinem ersten Satz?

    Einen kommentierenden Teil möchte ich nicht einfügen. Jeder soll die Daten entsprechend seiner eigenen Herangehensweise interpretieren. Meine eigene Meinung möchte ich auf jeden Fall außen vor lassen.
    Auch bereinigte Kennzahlen beabsichtige ich nur anzugeben, soweit sie vom jeweiligen Unternehmen veröffentlicht wurden.

    Schöne Grüße

    Tobias

  9. — Darius · 20. April 2015, 22:21 · #

    Hallo,

    also nicht jeder kann mit den Zahlen was anfangen. Ich würde vielleicht zuerst eine Vorlage schaffen, wo etwa ein Kaufkriterium steht.
    Wie zum Beispiel Eigenkapitalquote mind >20 %;
    Schuldentigungsjahre unter 6;
    ROE über 15 % und so weiter.

    Sowas habe ich für die Unternehmen als xls erstellt. Es berechnet alle nötigen Kaufkriterien. (Etwa 30 an der Zahl) Ist zwar eine menge Arbeit am Anfang, ist aber extrem übersichtlich und man kann ohne weitere Value investing damit betreiben. ist nur ein Tipp. Gruß aus München
    Darius

  10. — MrCash99 · 27. April 2015, 11:18 · #

    Vielen Dank für das Angebot!

    Ich würde auf jeden Fall 35 € investieren. Für mich wäre allerdings auch entscheidend, dass das Werk digital mitgeliefert wird, um die oben angesprochene Suche nutzen zu können. Dies ersetzt für mich aber nicht die Print-variante sonder würde sie nur ergänzen. Ein lose Blattsammlung fände ich auch die beste Lösung.

    P.S. witziger Gemeinsamkeit: Bin auch 27und über Graham etc. dazu übergegangen wieder eher “altmodisch” meine Daten aufzubereiten! Wenn noch Unterstützung brauchst oder Bock auf Brainstorming hast, kannst du dich gern unter [edit: Mailadresse auf Wunsch des Autors gelöscht] melden.

  11. ZQ-Investor · 11. Mai 2015, 22:59 · #

    Hallo Tobias,

    spannende Idee, schreib mir doch gerne mal ne Mail an info@zq-investor.com!

    Viele Grüße
    Heiko

  12. Florian Kling · 23. Mai 2015, 10:51 · #

    Finde das eine interessante Sache und will auch gar nicht der Kritiker sein der Idee schon vor dem Versuch zerstört. Ich würde das sicher auch kaufen, aus Erfahrung weiß ich aber dass in Deutschland sich leider zu wenige für so ein Buch interessieren, zumindest Privatanleger. Aber alle Institutionellen, Quants, Trader und Findsmanager fallen weg weil sie digitale Datenbanken brauchen.
    Trotzdem läge selbst darin noch die Chance als Nachttischliteratur quasi Ideengeber zu sein und auf spannende Werte aufmerksam zu machen.

    Immer weiter! Der Versuch allein ist schon ehrenwert und wir haben unsere Plattform auch so begonnen und sind jetzt eine Firma, die Privatanleger supportet – das Buch wäre auch so eine Hilfe!

  13. Kayo · 16. Juni 2015, 12:36 · #

    Super Idee.
    Meine Vorschlag dazu wäre noch, so eine Art Auswertung für jedes Unternehmen zu erstellen. Also in etwa so, ob das Unternehmen profitabel, also für längerfristiges Investieren geeignet ist. Vielleicht so Kennzahlen die wie ROIC o.ä. Und den ungefähren (Value-)Wert, damit finanzmathematische Analphabeten wie ich auf einen Blick erkennen können, wo man sein Geld investieren könnte.

  14. Chris von gieristgut.com · 24. September 2015, 23:41 · #

    An sich eine gute Idee, allerdings würde ich eine Online-Version als Datenbank absolut bevorzugen.

    Zum einen wegen der Suchfunktion, und zum anderen wegen der Geschwindigkeit eines Zugriffs.

    Grüße

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