Friday Small Cap Check: IFA Systems AG

22. Juni 2012 -  ,  -  Stefan Mohr

Friday Small Cap Check

Damit sind wir nun schon bei der 5. Folge des Friday Small Cap Check, in dem ich deutsche Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung kleiner 50 Mio. € kurz beleuchte. Aber keine Angst, so schnell geht der Vorrat nicht aus. Derzeit stehen 560 Unternehmen auf der To-Do Liste. Selbst wenn man bedenkt, dass einige davon reine Börsenmäntel sind, die ich nicht betrachten werde, dürfte ich wohl über das Jahr 2020 hinaus beschäftigt sein, wenn ich weiterhin 1x pro Woche einen Friday-Small-Cap-Check Artikel schreibe.

Hier gehts zur Übersichtsseite des Friday Small Cap Check

Heute ist die IFA Systems AG dran.

Die IFA Systems AG nahm 2002 ihre Geschäftstätigkeit auf. Seit 2005 ist sie im Freiverkehr der Börse Frankfurt gelistet. IFA Systems ist nach eigenen Angaben ein Anbieter von Health Information Technology (HIT) auf dem internationalen Markt der Ophthalmologie (Augenheilkunde).
Gegliedert ist das Geschäft in folgende drei Geschäftsbereiche:

  • EPA Systeme (Elektronische Patientenakte) für große Augenarztpraxen und Augenkliniken
  • Telemedizin mit Schwerpunkt Monitoring von Patienten mit chronischen Augenerkrankungen
  • EDC (Electronic Data Capture) für Klinische Studien und Qualitätsregister

Hört sich stark nach etwas kompliziertem an. Kompliziert vor allem deshalb, weil es wohl schwer sein wird, herauszufinden, was hier Erfolg und Misserfolg bestimmt. Welche Anforderungen haben Ärzte an solche Systeme? Wie wird die technische Entwicklung da in Zukunft aussehen? Welche Systeme sind auf dem Markt? Hört sich aufwändig an. Bezeichnet mich als faul, aber mir gefallen Unternehmen, die ich nach 30 min zu 90% verstehe besser. Ich habe das relativ sichere Gefühl, dass ich da bei IFA eher dutzende Stunden investieren müsste, wenn es mir überhaupt gelingen sollte.

Aber gut, es ist Friday Small Cap Check, schnell aufgeben gilt leider nicht. Also schauen wir mal: ist IFA Systems wenigstens profitabel? Und das sieht ganz gut aus. 0,6 – 0,8 – 1,2 – 1,3 Mio. € Jahresüberschuss von 2008 bis 2011. Sogar Dividenden wurden für alle vier Jahre gezahlt.

Das ist so schlecht eigentlich nicht. Deswegen überfliege ich zumindest nochmal den aktuellen Geschäftsbericht, vielleicht finden sich dort einige weitere Informationen.

Kurz zusammengefasst sind mir dabei folgende Dinge aufgefallen:

  • Vorstand, Aufsichtsrat und Mitarbeiter halten zusammen mehr als 50% der Aktien
  • Kunden, die Software von IFA Systems nutzen, zahlen jährlich 12% des Kaufpreises für die laufende Nutzung. Das ergibt eine recht stabile Einnahmequelle (Runtimelizenzen)
  • Der Jahresüberschuss ist stark durch aktivierte Eigenleistungen geprägt. Würden Kosten nicht in der Bilanz aktiviert werden, würde die Ergebnislage weitaus schlechter aussehen
  • die Geschäfte scheinen allgemein sehr gut zu laufen
  • In der Bilanz sind vor allem immaterielle Vermögenswerte enthalten
  • 2012 wurde eine Kapitalerhöhung durchgeführt. Gleichzeitig aber eine Dividende gezahlt. Keine sehr schöne Kombination

Fazit

Insgesamt halte ich das Geschäftsmodell von IFA Systems für schwer bewertbar. Das Geschäft scheint momentan sehr gut zu laufen und stark zu wachsen. Derzeit werden zwar Gewinne erwirtschaftet, aber der Free Cashflow ist negativ. Ich traue mir keine Prognose zu, wie viel IFA Systems in 5 oder 10 Jahren verdienen wird.

Auf der anderen Seite halte ich die recht stabilen Einnahmen durch Runtimelizenzen aber für interessant. Diese machten 2011 immerhin rund 1/3 der Umsätze aus.

Insgesamt finde ich die IFA Systems AG nicht ganz uninteressant. Ich glaube nicht, dass ich innerhalb der nächsten 2-3 Jahre zu einer brauchbaren Einschätzung gelange, aber zumindest werde ich IFA Systems auf meine Watchlist setzen und gelegentlich beobachten.

Kurz zur Bewertung: zieht man den Jahresüberschuss von 2011 heran, wird IFA Systems derzeit zu einem KGV von 12 gehandelt. Ob das teuer oder billig ist, hängt von der Größe der zukünftigen Erträge ab. Derzeit für mich keine Investition, da ich das nicht einschätzen kann.

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Kommentare [3]

  1. — ein Gast · 23. Juni 2012, 22:19 · #

    Meines Erachtens ist IFA Systems so ein typischer Fall von Schönfärberei. Ständig Kosten als Eigenleistungen ausweisen und aktivieren um ein finanziell solides Unternehmen vorzutäuschen. Gibt es leider immer wieder. :-(

    Thank God we don’t design bridges and airplanes the way we do accounting. (Charles Munger)

  2. — David · 25. Juni 2012, 11:38 · #

    Hallo Stefan,

    ich finden den FSCC richtig gut. Ich war mich nicht ganz sicher, wo ich mal eine Idee anmelden kann. Deshalb schreib ich es jetzt hier.

    Ich würd mich freuen, wenn du mal einen ersten Blick auf Berentzen werfen könntest. Mit dem Namen kann ja zumindestens jeder schonmal was anfangen :-)

    LG David

  3. — krankenhaus · 13. November 2012, 23:55 · #

    IFA sollte man auf jeden Fall noch viel kritischer sehen:

    IFA hat nicht nur dieses Jahr einen negativen Free Cashflow, sondern in den letzten vier Jahren.

    Wie ist es möglich, dass die Firma dann Gewinne macht? Ganz einfach: In dem man immaterielle Vermögenswerte aktiviert.

    Wie bleibt die Firma liquide? Noch einfacher: Regelmäßig im April eines Jahres bietet sie neue Anteile zum Zeichnen an. Das ist schon mindestens drei Mal passiert. Geld kommt also nur über Kapitalerhöhungen rein – Tataaa !!!

    Grüße eines interessierten Lesers

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