Artikelserie: investieren mit Leverage Effekt - Ratenkredite

18. November 2011 -   -  Stefan Mohr

Geborgtes Geld zu investieren ist eine direkte Möglichkeit, den Leverage Effekt zu nutzen. Man nimmt dazu einen Kredit auf, legt das Geld an der Börse an, natürlich mit einem langfristig höheren Ertrag als man Zinsen für den Kredit zahlt, und erzielt damit höhere Gewinne, als wenn man nur sein eigenes Geld investiert hätte. Eine Form von Krediten ist der sogenannte Ratenkredit. Welche Chancen und Risiken ergeben sich bei der Nutzung?

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wodurch zeichnen sich Ratenkredite aus?

Ratenkredite sind Kredite, bei denen Zins- und Tilgungszahlungen in, oft konstanten und i.d.R. monatlichen, Raten gezahlt werden. Günstige, über mehrere Jahre laufende Ratenkredite erhält man derzeit als Privatperson für rund 6% Zinsen p.a., bonitätsabhängig kann dieser Satz allerdings auch abweichen. Da man als Privatperson gezahlte Zinsen nicht steuermindernd von Aktiengewinnen abziehen kann, muss man also eine Nachsteuerrendite von mehr als 6% p.a. erzielen, um zu profitieren.

Risikofaktor: Leverageverlust im ungünstigen Moment

Wenn man sich also sicher ist, mehr als diese etwa 6% p.a. erzielen zu können, ist ein Ratenkredit zur Erhöhung des investierten Kapitals dann empfehlenswert? Generell ja, aber der im Einführungsartikel der Serie erwähnte Risikofaktor, dass es passieren kann, dass der Leverage Effekt in einem ungünstigen Moment plötzlich nicht mehr zur Verfügung steht, ist auch gegeben wenn man langfristig höhere Erträge, als den Kreditzins erzielen kann. Unter welchen Vorraussetzungen dies eintreten kann, sollte man daher genauer betrachten.

Zahlung der Kreditraten aus dem laufendem Gehalt

Ich gehe zunächst mal davon aus, dass man die Kreditraten aus laufenden Gehaltszahlungen oder vergleichbaren regelmäßigen Erträgen begleicht. Was passiert, wenn es beispielsweise zu einer großen Krise kommt und die Aktienkurse in den Keller gehen? Kein Problem könnte man meinen, das kann man aussitzen. Und wenn man aufgrund der Krise auch noch den Job verliert und die Kreditraten nicht mehr bedienen kann? Dann wird es verdammt eng. Man sieht also, dass eine Empfehlung hier stark damit zusammenhängt, wie sicher die monatlichen Geldeingänge sind, mit denen man die Kreditraten bedient. Beamte sind hier gegenüber Selbständigen klar im Vorteil.
Auf der anderen Seite muss man sagen, dass ein Verlust des Leverage-Effektes, weil man die Kreditraten durch Jobverlust o.ä. nicht mehr zahlen kann, nicht unbedingt mit stark gefallenen Kursen zusammenfallen muss. Passiert so etwas, wenn die Kurse verhältnismäßig hoch sind, mag der negative Effekt geringer ausfallen. Eine Menge Ärger hat man trotzdem. Aber was tut man nicht alles für höhere Gewinne…

Zahlung der Kreditraten mit Dividendenerträgen

Man hätte natürlich auch die Möglichkeit, Aktien mit hohen Dividendenausschüttungen zu kaufen und die Raten ganz oder teilweise damit zu bedienen. Hat man im Verhältnis zum aufgenommenen Kredit noch relativ viel Eigenkapital, sollte das recht problemlos möglich sein – so lange die Dividenden fließen. Und hier ist man dann auch schon bei dem großen Nachteil dieser Möglichkeit. Dividendenkürzungen und Kursverfälle fallen in der Regel zusammen. Eine sehr ungünstige Kombination. Sich nur auf die Dividenden zu verlassen ist also in der Regel eine eher schlechte Möglichkeit.

mehr Sicherheit durch Kombination von Dividenden- und Gehaltszahlungen

Um den Leverageverlust im ungünstigen Moment möglichst sicher zu vermeiden, kann man natürlich auch Dividenden- und Gehaltszahlungen kombinieren. Und zwar so, dass man sowohl mit den laufenden Dividendenerträgen allein, als auch mit den Gehaltszahlungen allein, die Kreditraten jederzeit bedienen kann.

wie stark wird das Risiko verringert? Ein Rechenbeispiel

Nehmen wir an, ein Jobverlust tritt während der Kreditlaufzeit mit einer Wahrscheinlichkeit von 1% ein. Auch die Wahrscheinlichkeit für eine drastische Dividendenkürzung bei allen gehaltenen Aktien tritt mit einer Wahrscheinlichkeit von 1% ein. Dann beträgt die Wahrscheinlichkeit, dass beides gleichzeitig eintritt, man also in Schwierigkeiten gerät, 0,01%. Stimmts?

Leider nicht. Ich habe nicht falsch gerechnet, aber bereits die Annahmen sind falsch. Meine Rechnung funktioniert nur, wenn die Wahrscheinlichkeit für Dividendenkürzungen mit der Wahrscheinlichkeit für einen Jobverlust unkorreliert ist, also beides unabhängig voneinander ist. Aber das ist in der Realität nicht der Fall, beides passiert vor allem in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Die Wahrscheinlichkeit, dass beides gleichzeitig eintritt, liegt also eher über 0,01%, wenn beide Einzelereignisse mit einer Wahrscheinlichkeit von 1% eintreten.

Aber immerhin: die Kombination beider Ereignisse tritt dann definitiv mit einer Wahrscheinlichkeit kleiner 1% ein, die Strategie bringt also was. Man sollte aber mit der Einschätzung, wie stark diese Strategie das Risiko vermindert vorsichtig sein. Auch die Einschätzung der Eintrittswahrscheinlichkeit beider Ereignisse ist nicht so einfach. Meine 1% sind eine pure Annahme für das Rechenbeispiel.

Ein Beispiel für die Aufnahme eines Ratenkredites

Ich betrachte jetzt mal ein Beispiel. Und zwar einen Arbeitnehmer mit relativ sicherem Gehalt, welcher einen Teil davon nicht für laufende Ausgaben benötigt. Außerdem hat dieser bereits etwas Geld gespart und am Aktienmarkt angelegt.

monatlich gespartes Nettogehalt 1000€
verfügbares Eigenkapital 200.000€
angenommene Dividendenrendite des Gesamtdepots 4%
Steuersatz auf Dividenden 25%

Wie hoch könnte der der Ratenkredit, den unser Beispielanleger aufnehmen könnte, nun sein? Nehmen wir mal folgende Daten für den Kredit an:

Laufzeit 5 Jahre
Zinssatz 6%
resultierende monatliche Rate in % der Kreditsumme 1,93%

Unser Anleger muss also 1,93% der Kreditsumme pro Monat als Rate zahlen. Bei einer Kreditsumme von 10.000€ wären das z.B. 193€. Aber die Frage ist ja jetzt vor allem: wie hoch könnte die Kreditsumme sein? Vom Nettogehalt bleiben 1000€ übrig. entsprechend könnte damit ein Kredit von 1000€ / 1,93% = ca. 50.000€ getilgt werden.

Aus Dividendenzahlungen stehen erstmal 500€ im Monat zur Verfügung (bei Anlage des Eigenkapitals). Aber wenn man einen Kredit aufnimmt und diesen ebenfalls investiert, steigen die Dividenden noch weiter. Man kommt hier auf eine Kreditsumme von knapp 30.000€ (die Berechnung erspare ich euch, wer nachrechnen will, nur zu). Schön wäre es natürlich, wenn die Dividendenrendite nach Steuern über den Kreditraten liegen würde. Dann könnte man einen unendlich hohen Kredit aufnehmen (wenn man ihn bekommen würde) und würde unendliche Gewinne machen. Bis…naja, das haben wir ja oben besprochen.

Deshalb stellen wir wie vorgeschlagen sicher, dass der Kredit sowohl aus Gehalt als auch aus Dividenden jederzeit getilgt werden kann und addieren deshalb nicht beide Kreditbeträge (50.000€ und 30.000€) sondern nehmen nur den kleineren von beiden. Und um noch sicherer zu gehen, nutzt man diese verbleibenden 30.000€ besser nicht ganz aus, sondern wählt vielleicht einen Sicherheitspuffer und nimmt nur 20.000€ Kredit auf.

So, und mit diesem, nehmen wir mal an unser Anleger kann 20% Nachsteuerrendite inklusive Dividenden erzielen, macht er einen Zusatzgewinn von 2.800€ im Jahr. Zusätzlich zu den 40.000€ Gewinn, die er dann nur mit seinem Eigenkapital gemacht hätte. Man sieht schon, wenn man das Risiko gering hält, geht nur relativ wenig Zusatzgewinn, mehr geht nur, wenn man das Risiko deutlich erhöht.

Wem das grad zu lang war, nochmal das wichtigste zusammengefasst in einer Tabelle:

möglicher Kreditbetrag, getilgt mit Gehalt 50.000€
möglicher Kreditbetrag, getilgt mit Dividenden 30.000€
gesamt (Achtung: sehr hohes Risiko!) 80.000€
besser: niedrigerer beider Beträge 30.000€
mit zusätzlicher Sicherheitsmarge 20.000€
gesamter jährlicher Gewinn bei 20% p.a. 42.800€
ohne Leverage wären es 40.000€

Fazit

Ratenkredite sind eine Möglichkeit, zusätzliche Gewinne zu erzielen, wenn man eine höhere Rendite als die Kreditzinsen erzielen kann. Hierbei besteht das Risiko, dass man die Kreditraten nicht mehr bedienen kann und Investments zu einem ungünstigen Zeitpunkt billig verkaufen muss, um diese weiter zu bedienen, was hohe Verlustrisiken birgt. Dieses Risiko kann durch in diesem Artikel beschriebene Maßnahmen stark minimiert, aber nie ganz eliminiert werden. Mit stark minimiertem Risiko lassen sich durchaus moderate Zusatzgewinne machen, wenn man hohe Erträge am Aktienmarkt erzielen kann. Für hohe Zusatzgewinne muss aber ein stark steigendes Risiko inkauf genommen werden.

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Kommentare [7]

  1. — Sir Mike · 18. November 2011, 15:27 · #

    Sehr guter Artikel!

    Zu berücksichtigen ist allerdings noch, WAS man denn mit dem Kredit erwirbt. An anderer Stelle wurde ja bereits Buffetts letztes Investment in IBM kritisch hinterfragt (als Abkehr von seiner bisherigen Strategie), allerdings argumentiert Buffett selbst so, dass IBM ein Geschäftsmodell habe, das den Wechsel von Kunden zu einem Konkurrenten nur unter erheblichem Aufwand zulasse und IBM dabei eine sehr sichere Marge einfahre. Die Wahrscheinlichkeit, dass also gleichbleibende Erträge dauerhaft fließen, ist deutlich höher als bei einem kleineren Unternehmen, das zB in einer zyklischen Branche mit erheblichem Konkurrenzdruck tätig ist.

    Betrachtet man die für den Kredit aufzubringenden Zinsen nun in Relation zum Gesamtdepotbestand, wirkt sich der Unterschied bei Deinem Beispiel natürlich nur zu 20% aus. Betrachtet man jedoch isoliert nur die mit dem Kredit zusätzlich erworbenen Wertpapiere, wirkt sich die mögliche Dividende zu 100% aus.

    Je nach Betrachtungsweise muss man seine Strategie für den Fall eines Kurseinbruchs und/oder eines Jobverlustes anpassen. Man kann entweder irgendein Wertpapier veräußern, um den Kredit zu decken, oder aber man betrachtet dieses eine Geschäft auf Kredit absolut isoliert: man kauft die Aktien auf Pump und wenn Probleme auftreten, verkauft man auch genau diese Aktien wieder, um den Kredit abzulösen. Dann fallen natürlich zusätzliche Belastungen an, wie die Kreditzinsen, die man bei Ratenkrediten ja anfänglich auf den Kreditsumme aufschlägt und daher nicht (ganz) zurück erhält bei vorzeitiger Ablösung. Und ggf. ein Kursverlust, der zu einer Unterdeckung zwischen Verkaufserlös und Kreditsumme führen kann.

    Persönlich ziehe ich einen Wertpapierkredit einem Ratenkredit vor. Dabei sollte man aber nicht die maximale Summe ausreizen, auch wenn sich mit jedem weiteren Wertpapierkauf die Sicherheit (Beleihungswert) erhöht. Bei einem deutlichen und breit angelegten Einbruch kommt man so nämlich schnell in Schwulitäten und muss ggf. nachschießen. Also lieber mit einer Sicherheitsmarge arbeiten und nicht den theroetisch möglichen Maxiamlwert ausreizen. Benjamin Graham meinte hierzu, so eine Sicherheitsmarge solle sicherstellen, dass die eigenen guten Entscheidungen nicht durch Irrtümer des Marktes eliminiert würden. Eine sehr arrogante Sichtweise der Dinge, aber dennoch eine vernünftige Empfehlung.

  2. Tim Wall Street · 19. November 2011, 04:57 · #

    Ich finde Ihre Gedanken gut. Sie können Komplexes einfach leicht verständlich erklären.

    Ich kaufe grundsätzlich keine Aktien auf Pump. Mir ist das zu heiß, zu teuer. Ich möchte ruhig schlafen können.

    Trotzdem sind das spannende Ideen. Sie denken wie ein echter Investmentbanker.

    Ich habe kürzlich auf einem Event in Kanada einen steinreichen Arzt kennengelernt. Der muss so ca. 70 Jahre alt sein. Dieser Herr spendet sein Vermögen wie ein Weltmeister für wohltätige Zwecke, besitzt auch Berkshire-Hathaway-Aktien. Er ist ein Buy-and-Hold-Typ. Er sagte mir glatt, dass er darüber nachdenkt, jetzt auf Pump Aktien zu kaufen, weil die Börse einfach verrückt spielt. Ich diskutierte mit dem Arzt lange. Versuchte ihn von den Risiken zu überzeugen. Doch er blieb dabei: Er kauft jetzt wohl per Kredit Value-Aktie.

    Der Typ ist clever und erfahren. Der macht bestimmt seinen Schnitt….

  3. — Matthias D. · 6. März 2012, 16:04 · #

    Sehr interessanter Artikel, schade, dass ich erst jetzt auf das Blog gestoßen bin.

    Zu deiner Idee, Investitionen per Kredit zu finanzieren noch eine Anmerkung:

    Wenn du eine Immobilie besitzt, die ganz oder teilweise abbezahlt ist, kannst du dir weitaus geringere Zinssätze sichern als die o.g. 6%.
    Für 10 Jahre LZ zahlt man aktuell gerade einmal 3%. Investiere das Geld nun in Dividendenstarke Titel, so hast du mit einem weitaus geringerem Risiko eine gute Rendite.

    Noch sicherer: Du nimmst dir ein Baufi-Darlehen auf und legst das Geld für 10 Jahre fest. Wenn du ein wenig suchst, wirst du auf diese Art und Weise Kredite für < 3% finden und Anlagemöglichkeiten mit einer Verzinsung > 4%.

  4. autofreak · 12. März 2012, 00:19 · #

    Sehr guter Artikel und Danke für deinen Kommentar Matthias, die Anlage über 10 Jahre in einem Baufinanzierungs-Darlehen ist eine absolut sinnvolle Idee! Gruß

  5. Jannick · 10. April 2012, 02:02 · #

    Aber so hoch soll die Rendite sein?

  6. Maximilian · 21. März 2014, 08:46 · #

    Einn sehr interessanter Artikel mit ganz guten Informationen, die mir gerade doch ein ganzes Stück weiter helfen.

  7. — Herr Lächerlich · 29. März 2017, 16:57 · #

    So einen Schwachsinn habe ich schon lange nicht mehr gelesen….inkl. der Kommentare

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