3 Börsenweisheiten, die man unbedingt missachten sollte

21. Mai 2013 -  ,  -  Stefan Mohr

Es gibt eine ganze Menge Börsenweisheiten. Kaum eine davon ist die einzig wahre und unumstößliche Wahrheit. Aber die meisten beschreiben doch kurz und knapp einige Verhaltensregeln, die in vielen Situationen hilfreich sein können.

Auf der anderen Seite gibt es allerdings auch einige Börsenregeln, denen ich absolut nicht zustimme und deren befolgen ich für absolut ungeeignet halte, um an der Börse erfolgreich zu sein. Diese möchte ich im heutigen Artikel vorstellen und erklären, warum ich diese nicht für sinnvoll halte.

The trend is your friend

Der Gedanke hinter dieser Börsenweisheit ist, dass Aktien wahrscheinlich weiter steigen werden, wenn sich der Kurs gerade in einem Aufwärtstrend befindet. Handelt man also mit dem Trend, wird man gewinnen, der Trend ist dein Freund.
Ich halte diese Herangehensweise für gefährlich. Es mag zwar so sein, dass ein Kurs der eine Weile gestiegen ist oft auch noch weiter steigt. Aber jeder Trend ist irgendwann zuende. Und schlimmer noch: hat sich ein Trend erstmal offensichtlich herausgebildet, dann ist in der Regel ein großer Teil der Party bereits gelaufen. Früher oder später wird der Trend gebrochen. Und klar, wenn das passiert kann man ja wieder aussteigen. Das dumme ist nur, dass man auch dies erst erkennt, wenn die Kurse wieder eine Weile den Rückwärtsgang eingelegt haben.

Hat man den Trend erkannt, kann man also nur noch einen Teil der Aufwärtsbewegung mitnehmen. Und wenn sich der Trend umkehrt, dann hat man bereits wieder einen gewissen Teil der Abwärtsbewegung mitgenommen. Ob man damit langfristig gewinnen kann, wage ich stark zu bezweifeln.

Um es zu vermeiden, mich von solchen Kursmustern beeinflussen zu lassen, vermeide ich es, mir allzu oft Charts anzusehen. Ich sehe mir den aktuellen Kurs an und entscheide ob ich bei diesem kaufen oder verkaufen will – Trend hin oder her.

Greife nie in ein fallendes Messer

Diese Börsenweisheit besagt, man soll keine Aktie kaufen, wenn der Kurs gerade stark fällt. Denn so die Annahme, dann fällt er bestimmt auch noch weiter – möglicherweise ziemlich stark.

Ich bevorzuge stattdessen aber eher folgende Börsenweisheit: Wer eine Aktie nicht besitzt wenn sie fällt, besitzt sie auch nicht wenn sie steigt.

Dass durchaus die Gefahr besteht, dass eine Aktie noch weiter abstürzt, wenn sie gerade ins bodenlose fällt, will ich garnicht bestreiten. Genauso kann es aber passieren, dass eine Gegenbewegung einsetzt und der Kurs wieder nach oben schießt. Seriös vorhersagen kann man so etwas denke ich nicht. Am absoluten Tiefpunkt einsteigen wird man wohl nur mit viel Glück in den seltensten Fällen.

Natürlich könnte man einwenden, man solle doch erstmal eine Bodenbildung abwarten, bevor man einsteigt. Auch hier halte ich die These für gewagt, dass man damit im Schnitt besser abschneiden kann. Wird sich der Boden am absoluten Tiefpunkt ausbilden? Und wenn sich ein Boden gebildet hat, gehts dann wirklich nicht doch nochmal weiter bergab? Solche “Bodenbildungen” sehen leider erst im Rückspiegel so richtig nach einem festen Boden aus…

Letztendlich sieht meine Vorgehensweise hier ähnlich aus, wie schon weiter oben angedeutet: Ich schaue nicht auf den Chart und versuche in diesen irgendwas reinzuinterpretieren, sondern überlege mir ob ich zum aktuellen Kurs kaufen möchte oder nicht…

Verluste begrenzen, Gewinne laufen lassen

Diese Weisheit hört sich zugegenenermaßen auf den ersten Blick richtig gut an. Im Prinzip bin ich absolut dafür, diese Regel zu befolgen. Mach keine Verluste oder wenn dann möglichst kleine. Und mache mit deinen guten Investments richtig hohe Gewinne.

Das Problem ist die Strategie, die im Zusammenhang mit dieser Börsenweisheit meist empfohlen wird um Verluste zu begrenzen und Gewinne laufen zu lassen. Die lautet nämlich folgendermaßen:

  • setze für jede Aktie einen Stoppkurs, so begrenzt du den Verlust den du mit jedem einzelnen Investment machen kannst
  • behalte die Aktien die steigen, denn sie werden weiter steigen (siehe “The trend is your friend”)

Auf den zweiten Teil dieser “Strategie” bin ich ja schon weiter oben eingegangen. Zum ersten Teil kann ich nur sagen: ich halte nichts von Stoppkursen. Vielleicht sollte ich das mal in einem separaten Artikel genauer ausführen, aber hier meine wichtigsten Gedanken dazu:

Klar verliert man nur 10% (oder 5% – 15% – 20% – je nachdem wo man den Stopp setzt), wenn man einen Stoppkurs 10% unter dem Einstiegskurs setzt. (Das Problem, dass bei Auslösen des Stopps eine unlimitierte Verkaufsorder aufgegeben wird und man dann bei einem starken Kursverfall ggf. noch mehr Verlust als nur 10% macht vernachlässigen wir mal). Aber auf der anderen Seite ist es sicherlich deutlich wahrscheinlicher, dass der Kurs einer Aktie nach dem Einstieg früher oder später mal 10% unter diesen Wert fällt, als dass er schnurstracks 50%, 100% oder noch mehr nach oben marschiert. Was man also riskiert: viele kleine Verluste und wenige große Gewinne. Hört sich für mich nicht besser an als etwa gleichverteilte größere Verluste und ebenso große Gewinne.

Was mir außerdem nicht ganz in den Kopf will: wenn bei einer Aktie der Stopp ausgelöst und sie verkauft wird, was macht man dann mit dem Geld? Vermutlich irgendwann eine andere Aktie kaufen. Und warum sollte es für die Aktie die man dann kauft unwahrscheinlicher sein zu fallen, als es für die Aktie ist die man ursprünglich hatte, weiterzufallen?

andere Interpretation

Natürlich könnte man auch die Stoppkurse Stoppkurse sein lassen und die Verluste auf andere Art begrenzen: Indem man Aktien kauft, die mit hoher Wahrscheinlichkeit mehr wert sind, als man bezahlt. Das verhindert nicht, dass der Kurs nach dem Kauf nicht vielleicht noch deutlich weiter fallen kann. Aber langfristig bestimmt eben doch der Unternehmenswert den Kurs einer Aktie. Kauft man mit einer hohen Sicherheitsmarge – am besten gepaart mit angemessener Diversifikation, dann kann man das Risiko eines dauerhaften Kapitalverlustes minimieren.

Und klar, die Gewinne sollte man eine Weile laufen lassen – hektisches hin- und hertraden kostet nur unnötig Gebühren und Nerven.

Mein Rat

Letztendlich hängen diese drei genannten Börsenweisheiten die man in meinen Augen missachten sollte, alle irgendwie mit der Vorhersage zukünftiger Kurse aus Kursbewegungen der Vergangenheit zusammen – Chartanalyse also. Eine Kunst, die in meinen Augen langfristig nicht zu finanziellem Erfolg führt. Ich lasse mich gern eines besseren belehren, aber ich kenne niemanden, der mit Chartanalyse über sehr lange Zeiträume wirklich viel Geld verdient hat.

Auch Value Investing führt nicht automatisch zum Erfolg. Value Investing is simple, but not easy sagt Warren Buffett – Value Investing beruht auf einfachen Prinzipien aber ist schwer umzusetzen. Trotzdem halte ich es für eine gute Idee, Kauf- und Verkaufentscheidungen an der Börse anhand des Wertes, den ein Unternehmen aufgrund seiner Vermögenswerte und Gewinnerwartungen besitzt, zu treffen. Und nicht auf der Vorhersage, wo sich der Kurs in nächster Zeit hinbewegen könnte. Geht man so vor, erübrigen sich die genannten Börsenweisheiten von selbst.

Mehr davon?

Kennt ihr weitere Börsenweisheiten, die ihr für falsch haltet oder denen ihr zumindest kritisch gegenüber steht? Ich freue mich auf eure Ideen, gerne auch mit ausführlichen Begründungen!

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Kommentare [26]

  1. — Martin · 21. Mai 2013, 21:40 · #

    Ich befolge folgende nicht:
    “Von Gewinnmitnahmen ist noch keiner arm geworden.”
    “Sell in May and go away.”
    “Buy the rumors, sell the facts.”

  2. — Solaire · 21. Mai 2013, 21:59 · #

    Sell in May and go away.
    Wer denkt die Regel sollte in diesem Jahr befolgt werden?

  3. — Andreas · 21. Mai 2013, 23:02 · #

    Du hast einfach recht!

    Gegen Stoppkurse spricht auch, dass ich Aktien wegen ihrer fundamentalen Daten kaufe. Diese Daten ändern sich meistens nicht, wenn der Kurs fällt. Es gibt also weiterhin keinen Grund zu verkaufen. Man muss einfach die Nerven behalten.

  4. Michael C. Kissig · 22. Mai 2013, 10:02 · #

    Moin Stefan,

    da hast Du Dir drei richtig schlechte Börsenweisheiten ausgesucht, jedenfalls für Value-Anleger. Wenn man die Börse einfach nur als Casino und Aktien als Wettscheine ansieht, dann haben diese drei “Weisheiten” alle ihre Berechtigung und sie funktionieren. Für einen langfristig orientierten Value-Anleger sind sie hingegen sogar schädlich, da sie den Wesensgehalt des antizyklischen Investierens und des Buy & Hold konterkarieren – Deine Ausführungen sind daher goldrichtig (auch wenn Gold nicht mehr so glänzt wie noch vor Jahresfrist ;-) ).

    Noch ein Gedanke zu Stoppkursen: die sind deshalb so unsinnig, weil sie sich nicht am Wert des Unternehmens orientieren, sondern ausschließlich am Preis seiner Aktien. Wenn ich aber eine Aktie zu 10 kaufe, die eigentlich 15 wert ist, aber ihr Kurs noch auf 9 fällt und dabei meinen (willkürlich gesetzten) Stoppkurs auslöst, dann habe ich in letzter Konsequenz nicht meine Verluste begrenzt, sondern etwas, das 15 Wert ist zu 9 verkauft – und das auch noch mit Verlust. Würde man einen Anleger fragen, ob er auch so handeln würde, würden wohl mehr als 99 Prozent mit “Nein” antworten. Aber Stoppkurse setzen sie trotzdem…

  5. Michael C. Kissig · 22. Mai 2013, 11:28 · #

    Eine Regel, die auch nur auf den ersten Blick Sinn machen könnte ist: “Buy on bad news, sell on good news”.

    Der zweite Teil, bei guten Nachrichten zu verkaufen, ist für Value-Anleger natürlich Quatsch – für Aktienzocker mag das für eine kurzfristige Spekulation ein Handelsmuster sein.

    Und bei schlechten Nachrichten zu kaufen, kann, muss aber nicht, eine gute Idee sein. Es kommt halt drauf an. Schlechte Nachrichten wie die Bilanzfälschungen bei Börsenneuling Hess oder die drohende Insolvenz bei Solarfirmen sollte man sich schon genau ansehen und ihre (langfristigen) Auswirkungen auf das Unternehmen sehr genau bewerten, bevor man sich zu einem Kauf entschließt. Eigentlich sollte man bei schlechten Nachrichten sowieso nur die Unternehmen kaufen, die man eh auf der Watchlist hatte, deren Kurs aber noch zu hoch war. Wenn sich fundamental also nicht nachhaltig etwas verändert hat, können schlechte Nachrichten und der damit einhergehende Kurssturz also eine Einstiegsgelegenheit sein. Gute beispiele sind die Banken- und Versicherungsengagements Warren Buffetts auf dem Hochpunkt der Finanzkrise.

  6. — Martin · 22. Mai 2013, 11:42 · #

    Was noch gegen Stop Loss spricht ist die Transparenz der Order für Andere. Computerhändler können einen gezielt ausstoppen und sich dann wieder günstiger eindecken. Besser finde ich daher mentale stop loss oder ein proprietäres Handelssystem.

  7. PPinvest · 22. Mai 2013, 13:20 · #

    Eine die nicht stimmt:

    Der Januar entscheidet über den Trend für das Gesamtjahr.

    Eine große Sammlung von Börsenweisheiten /Sprüchen/ Zitate unter http://www.ppinvest.de/b%C3%B6rsenweisheiten/

  8. Mario · 22. Mai 2013, 14:25 · #

    Für Value Investoren machen diese Regeln auch in meinen Augen keinen Sinn. Für Trader hingegen wahrscheinlich schon. Ich glaube schon, dass man auch mit Trendfolge dauerhaft Geld verdienen kann, aber eher nicht als kleiner Anleger, der vor seinem Chart sitzt. Da wird das Geld heute von den Hedge Fonds mit quantitativen Modellen gemacht.

  9. — TiffTiff · 22. Mai 2013, 20:15 · #

    Zu “The Trend is your friend” ist folgendes zu sagen: Es stimmt zwar, dass man sich beim Gesamtmarkt auf keinen Fall nach dieser Regel richten sollte !; Bei einzelnen Aktien ist das jedoch anders. Wenn man sich einen langfristigen Chart ( 10 Jahre, besser 15 oder 20 Jahre) anschaut, dann ist es gut, wenn der Chart von links unten nach rechts oben zeigt. Man kann dadurch sagen, dass das Unternehmen in der Vergangenheit erfolgreich war. Speziell kleinere Firmen sind hier sehr interessant. Man kann mit diesen Unternehmen seinen Einsatz verfielfachen. Vorraussetzung für einen Kauf ist hierfür aber auch natürlich, dass man nicht zu teuer kauft !!; man sollte trotzdem auf die üblichen “Value-Indikatoren”(KBV;KGV;KCV….) schauen; und natürlich muß man trotzdem die Geschäftsberichte der letzten Jahre von den Firmen checken.
    Anbei einige Beispiele für Charts, die ich positiv bewerte, obwohl meiner Meinung nach die beiden Unternehmen derzeit zu teuer und daher meiner Meinung nach kein Kauf !! sind, da die Funtamentaldaten derzeit nicht mehr passen. Bei der nächsten allgemeinen Marktkrise stehen aber genau solche Unternehmen wieder auf meiner Kaufliste…ich bin nun schon fast 20 Jahre dabei und es ist immer wieder das selbe Spiel: “Kaufe hervorragende Unternehmen zu einem vernünftigen Preis”

    http://www.onvista.de/aktien/Fuchs-Petrolub-Aktie-DE0005790430?ID_OSI=82250&PERIOD=7&beta=off#chart

    http://www.onvista.de/aktien/TSINGTAO-BREWERY-Aktie-CNE1000004K1?ID_OSI=18085572&PERIOD=7&beta=off#chart

  10. — Harald · 23. Mai 2013, 11:16 · #

    Schön ist auch “Der Markt hat immer recht”.
    Übersieht völlig die Tatsache, dass der Markt aus Marktteilnehmern besteht, die recht haben können oder auch nicht.
    Könnte man auch umschreiben als “Die Anderen wissen mehr als ich.”
    Wenn man davon ausgeht, sollte man besser komplett die Finger von Aktien lassen.

  11. Frank · 23. Mai 2013, 13:15 · #

    “Wer Geld hat, der sollte investieren!”

    Ich finde das viele dieser schönen Börsen-Bauernregeln nicht mehr funktionieren. Ist halt so wie mit den alten Bauernregeln, in der modernen Zeit funktionieren nur noch die wenigsten, das gleiche gilt für den internationalen Aktienhandel.
    Jeder sollte sich seine eigene Anlagestrategie zurecht legen und sich daran halten, bzw. diese nach und nach verfeinern.

  12. — asb · 23. Mai 2013, 23:12 · #

    Wenn Bernanke kräht aus der Kist’ (TV) … steigt der Markt, oder er bleibt wie er ist.

  13. — matze · 24. Mai 2013, 08:32 · #

    Sehr schöner Artikel!
    zum Thema Stop Loss halte ich auch relativ wenig von, wg. folgenden Punkten:
    Bei kleinen Aktien (Mehrzahl in meinem Depot) gehen die Kurse oft sehr volatil nach unten oder oben manchmal würde man mehrmals am Tag ver- oder kaufen, ausserdem kommt es mir so vor daß Kurse immer wieder manipuliert werden.

    Das schwierigste ist imho an der Börse den inneren “Fluchtdrang” zu besiegen, auch mal standhaft zu bleiben wenn es “abwärts” geht obwohl die Fundamentaldaten nicht so schlecht sind, die Psychologie und Selbstdisziplin ist das was am schwierigsten Umzusetzen ist vor allem dann wenn man hervorragende Chancen in einer Krise “Griechenland” “Euro” “Finanz” “Erneuerbare Energien” usw. dazu nutzen will um bei einem “guten” Unternehmen einzusteigen das ständig oder die ganze Branche, Region z.B. Eurozone in den Medien runtergeredet wird …

    Getreu dem Motto: Wenn alle mutig/euphorisch werden, vorsichtig werden …
    Wenn alle das Ende der Welt sehen, mutig aber nicht unvernünftig agieren …

    Psychologie: Verluste des selben Betrages wiegen viel schwerer als Gewinne, man regt sich viel mehr über einen Verlust auf als derselbe Gewinn einem Freude bereitet …
    Was man mal hatte will man nicht mehr weggeben …

    Dies umzusetzen ist in der Theorie einfach aber in der Praxis sehr schwierig, habe mich nach Auswertungen schon oft geärgert daß eine Aktie nach dem Blick in den Rückspiegel bei z.B. 30% minus verkauft wurde, welche heute wieder im Plus wäre aus Angst noch mehr Verlust zu erleiden …

    hth

  14. Michael C. Kissig · 24. Mai 2013, 14:52 · #

    @TiffTiff

    Ich möchte Dir parziell widersprechen. Du schreibst, dass ein seit Jahren ansteigender Chart belege, dass das Unternehmen erfolgreich opperiere. Das kann so sein, muss aber nicht. Der Chart belegt nur, dass die Aktien in der Vergangenheit gestiegen sind. Mit dem operativen geschäft des Unternehmens muss das nichts zu tun haben. “Der dümmste Grund, eine Aktie zu kaufen ist, weil sie steigt” meint Warren Buffett. Entscheidend ist doch, dass man sich die Unternehmenszahlen der letzten Jahre ansieht und wenn diese dann den ansteigenden Kurs erklären UND man zu der Überzeugung kommt, dass das Unternehmen mittel- und langfristig so erfolgreich weiter wirtschaftet, dann besteht die Aussicht, dass der Kurs auch weiterhin mitzieht. Es ist ein kleiner aber wesentlicher Unterschied.

  15. — TiffTiff · 24. Mai 2013, 16:08 · #

    @Michael C. Kissig

    Ben Graham sagte: “Kurzfristig ist die Börse eine Abstimmungsmaschine, langfristig ist sie eine Wertermittlungsmaschine”

    Achtung: Ich habe eher gemeint, dass ein mindestens über 10 Jahre ansteigender Chart eines von vielen Indizen dafür ist, dass ein Unternehmen erfolgreich ist.
    Außerdem kenne ich kein Unternehmen, dessen Kurs sich in den letzten 10 Jahren verzehnfacht hat und dessen Geschäft trotzdem schlechter läuft als vor 10 Jahren.
    Man darf solche Unternehmen aber trotzdem nicht zu teuer kaufen !!; Kauft man sie billig, dann hat man aber potentielle five,ten, oder vielleicht sogar fivty-bagger.(wie z.B. Tsingtao in den letzten 10 Jahren)

    (Achtung: Die Aussage zu den Charts gilt nicht für einen Zeitraum von kleiner als ca.10 Jahren —> z.B. gab es zig Internetunternehmen die nichts Wert waren, aber deren Charts über 2,3,4 Jahre gestiegen sind;).

    P.S. @community: Kennt von euch jemand ein Unternehmen, dessen Börsepreis sich in den letzten 10 Jahren mindestens verzehnfacht hat, aber dessen Geschäft heute schlechter dahsteht als vor 10 Jahren ??

  16. — Martin · 25. Mai 2013, 17:43 · #

    @TiffTiff
    Ich habe noch nie ein Unternehmen gesehen, dessen Wert konstant seit 10 Jahren steigt und im Vergleich billig zu kaufen ist. Unentdeckte Perlen können das ja dann schon nicht mehr sein. Gerne würde ich solche Unternehmen billig kaufen :-)

    Zudem geht es dann umso schneller runter wenn der Trend bricht.

  17. — TiffTiff · 25. Mai 2013, 23:13 · #

    @Martin: Ich könnte dir eine Liste von Unternehmen geben, die ihren Wert in den Jahren von ca. 1999 bis ca. 2009 kontinuierlich und sehr schnell gesteigert haben. (Entsprechend auch die Charts von links unten nach rechts oben in diesen Jahren)

    In den Jahren 2008,2009,2010 waren sie dann zu “vernünftigen Preisen” zu haben.
    Seid diesen Jahren haben sich die Kurse dieser Unternehmen oftmals schon wieder verfielfacht.

    …….Zudem fällt mir momentan kein Unternehmen meiner Liste ein, dessen “Wert-Trend gebrochen wurde.” —> Hier muß man in der Tat aber immer aufpassen !!
    —> Man muß sich als Investor ständig mit der Frage beschäftigen, was an den ausgesuchten Unternehmen den Trend brechen könnte (z.B. Managementwechsel, schlechte Innovationen, dumme Übernahmen…..)
    Sollte eines dieser Unternehmen zu “astronomischen Preisen gehandelt werden, dann kann man natürlich auch einmal ein kleines bischen verkaufen. In der Tat ist es aber nach meinen Erfahrungen besser, wenn man diese Unternehmen “günstig kauft und niemals verkauft”……..bis das der Tot uns scheidet….-)

  18. Christian · 31. Mai 2013, 13:48 · #

    Es müssen keine “unentdeckte Perlen” sein – wenn der Markt irrational verrückt spielt z.B. Anfang 2009, werden auch teilweise bodenständige Unternhemen zu interessanten (und unterbewerteten) Anlageobjekten.

    Grundsätzlich finde ich dass man sich zumindest soweit mit einem Unternehmen (und deren Umfeld) beschäftigen sollten, dass man mit vertrauen in seine Entscheidung kauft.
    Wichtig, und oftmals unterschätzt, ist dann noch eine klare Verkaufsstrategie – wann oder bei welchen Änderungen verkaufe ich…?

    Ansonsten denke ich wie TiffTiff:
    “niemals verkaufen”

    Siehe auch meinen Blog zu dem Thema:
    www.rule1stocks.com

    Vg,
    Chris

  19. Alex · 1. Juni 2013, 20:57 · #

    Hallo zusammen,

    hier muss man unbedingt zwischen Investoren und Spekulanten/ Tradern unterscheiden.

    Investoren kaufen aus einem bestimmten Grund, der nicht zwangsweise etwas mit dem aktuellen Kurs zu tun hat…damit sind Trends, fallende Messer und Stopps wohl eher zweitrangig bis egal.

    Beim Spekulanten ist das anders. Der nimmt sein Geld, geht in den Markt weil er erwartet, dass es eine kurzfristige Kursänderung in die eine oder andere Richtung geben wird und möchte so schnell wie möglich mit Gewinn wieder raus.
    Geht der Kurs in die falsche Richtung MUSS er stoppen um sein Geld frei für neue Spekulationen zu bekommen.

    Bei dieser Herangehensweise ist die dritte Regel übrigens überlebenswichig um am Ende einen guten Gewinn vorweisen zu können.
    Stichworte sind hier Chanbce-Risiko und Trefferquote.

    Und noch wichtiger wird Trendaufbau und Stoppsetzung in gehebelten Märkten (ich komme zum Beispiel aus dem Forex- Bereich)

    Ich persönlich finde übrigens die Kombination der beiden Richtungen, fundamental und technisch sehr interessant in dem man über die Fundamentalanalyse der Investoren die potentiellen Investments filtert und Einstiege und Gewinnmitnahmen per technischer Analyse optimiert.

    Würde mich über eine weitere Diskussion sehr freuen…

    Gruß,

    der Alex

  20. — TiffTiff · 1. Juni 2013, 21:11 · #

    @ Christian: Stimmt, ich gebe dir vollkommen recht. Der Verkaufsprozess ist viel, viel schwieriger als der Kaufprozess.
    Ich tendiere hier aber auch zu sagen: Je schlechter das Geschäftsmodell des Unternehmens, desto schwieriger der Verkaufsprozess.
    Aktien, deren Langfristige Charts von links unten nach rechts oben zeigen haben meistens gute Geschäftsmodelle und soweit nicht etwas gravierendes passiert wird deren Wert weiter steigen und man kann das Unternehmen “ewig” im Portfolio behalten ohne dass etwas passiert.
    Extrem schwierig ist meiner Meinung nach der Verkaufsprozess bei schlechten Geschäftsmodellen. (solche Aktien kann man derzeit als Net-Nets kaufen……..aber wann verkauft man Unternehmen mit miesen Geschäftsmodellen..???; Manchmal ist es so, dass sie nicht einmal soviel im Kurs zulegen wie ihr Cashbestand ist. Ich habe z.B. ein Unternehmen in meinem Portfolio, dass ca. 6 Euro pro Aktie Cash hat und zu 4,5 Euro notiert……nun warte ich schon seid zwei Jahren und nichts hat sich getan….soll ich nun weiterwarten oder nicht..?..?..Manchmal verbrennt das Unternehmen Geld in einem Quartal, manchmal nicht…)

    Eigentlich will ich bei 6 Euro verkaufen und ich warte immer noch.

  21. — Solaire · 2. Juni 2013, 19:35 · #

    @TiffTiff: bei langen Haltezeiten kann es schon mal passieren, dass sich die Voraussetzungen für die ursprünglich gute Bewertung wieder ändern. Eine regelmäßige Neubewertung ist sicherlich Pflicht. Zwei Jahre beim Problemfall finde ich aber noch nicht übermäßig lange, solange die Voraussetzungen nach wie vor gegeben sind. Auf die Quartale sollte man nicht übermäßig viel geben, da Gewinne z.T. jahreszeitlichen Schwankungen unterliegen oder an bestimmte Projekte o.ä. gebunden sein könnten. Was machen denn vergleichbare Firmen der Branche?

  22. — Martin · 2. Juni 2013, 20:39 · #

    @TiffTiff auch 2008,2009,2010 waren Qualitätsaktien relativ teuer, jedoch absolut günstig.

    Wenn ein Unternehmen Geld verbrennt, wird der Euro Cash in der Bilanz üblicherweise auch mit weniger als einem Euro bewertet. Besser man kauft auch profitable NetNets. Eine Liquidierung kann ein Katalyst sein, aber dazu muss die Anlegerstruktur und das Management analysiert werden. Übrigens Geschäftsmodelle können sich auch ändern. Nicht die Firmen sind dann schlecht, sondern das Management.

  23. — Resistent · 3. Juni 2013, 20:23 · #

    Ich finde die Börsenweisheit “Diversifikation” schädlich, mit weiß ich was wievielen Aktien. Es ist doch besser sich bei wenigen Aktien auszukennen als quer durch den Gemüsengarten alles zusammenzukaufen. Eben, das ist ja Value Investing, man weiß was man hat, man kennt sich aus, man kann es “besser” einschätzen was wieviel Wert sein kann.

  24. Christian · 5. Juni 2013, 15:12 · #

    Hi,

    selber nutze ich auch Chart-Analyse für den Einstieg und ggf. Ausstieg, allerdings werden die Tiefststände und Höchststände nur mit Glück getroffen.

    Wobei ich Charts nur als einen (kleinen) Indikator für die Entscheidung in ein Unternehmen zu investieren sehe. Nur weil ein Unternehmen einen Trend hat/hatte – also links unten – rechts oben, heißt es nicht dass das Unternhemen gut ist. Dafür ist die Börse oftmals zu emotional und man kennt nie die Gründe der großen Investoren für eine Aktie, geschweige denn wann Gewinnmitnahmen erfolgen und ggf. der Trend gebrochen wird.

    Ein Ausstieg, wenn eine Aktie “seitwärts” konsolidiert ist in der Tat schwierig. Sofern ich aber vom Unternehmen, aufgrund meiner Analyse, überzeugt bin, und unter Wert gekauft habe ist mir die Konsolidierung egal. Ich weiß dass ich Gewinn mache – leider weiß ich nur nicht wann genau.

    Also für mich – Fundamental-Analyse (light) um geeignete Unternehmen zu finden. Chartanalyse z.B. Kombination aus SMA, MACD etc. für Einstieg.

    Vg,
    Chris
    www.rule1stocks.com

  25. — sebastian · 9. Juni 2013, 18:48 · #

    Alle drei “Börsenweisheiten” sind für Value Investing gänzlich irrelevant. Daher ist eine Diskussion müßig, es sei denn Du willst haufenweise Chartisten anlocken. Das dürfte dann schnell in trolling and flaming ausarten.

  26. — Lad · 16. November 2014, 14:45 · #

    Nun, diese Weisheiten in deinem Artikel sind eher Dummheiten und gelten nur für die Traders. Mit Value Investing aber haben sie nichts gemeinsam. Bei Value Investing muss man die Weisheiten von Warren Buffett, Ben Graham und John Templeton beachten. [Eigenwerbung entfernt]

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